[Ab 18] Freak Army

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Samuel Creshal
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[Ab 18] Freak Army

Post by Samuel Creshal » Wed, 27. Jan 10, 21:51

Unter dem Arbeitstitel »Freak Army« läuft derzeit ein Storyprojekt von mir. Ursprünglich war es nur zur persönlichen Belustigung gedacht, nachdem es aber bei einigen Versuchsobjekten gut angekommen ist, habe ich mich entschieden, es einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen – Bedingt durch die Herkunft waren etliche Eigenheiten drin (fehlende Beschreibungen der Charaktere bspw.) die ich versucht habe, so weit wie möglich zu korrigieren. Etwaige verbleibende Unstimmigkeiten möge man bitte verzeihen und nachfragen. Irgendwann werden auch Bilder nachgereicht, wenn die Zeichnerin sie fertig hat.
Neue Kapitel werden regelmäßig angefügt (ich versuche, bis Mitte Februar 1-2 Kapitel pro Woche fertig zu kriegen, schlagt mich wenn ich das nicht schaffe!).

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Warnung: Ab 18. Enthält Blut, Gewaltverherrlichung, Drogenmissbrauch, Homosexualität, Vulgärsprache, Kommunismus, Atomwaffen und Zynismus. Kann Spuren von Nüssen enthalten. Nicht geeignet für Kinder, Christen, Muslime, Feministinnen, Geographen, Nichtmenschen, Pazifisten und andere Gruppen.

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Samuel Creshal
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Post by Samuel Creshal » Thu, 28. Jan 10, 18:31

Streichen wir den Part "TeX kann ich schlecht ins Forum posten". TeX->BB-Code-Konverter ftw. Ich empfehle aber trotzdem die PDF-Variante, da werden die Flüche nicht zensiert. :roll: :mrgreen:

»I call it … Vera«

Oktober 2006, Irak, westlich von Bagdad, 9 Uhr Ortszeit
Das Gebiet westlich von Euphrat und Tigris ist ein derart öder Wüstenstreifen, dass selbst Lawrence von Arabien nicht sadistisch genug war darin kämpfen zu wollen. Da heutige militärische Führer den Vorteil haben, nicht selber im Kampfgebiet sein zu müssen (und sie so praktische Einrichtungen wie Klimaanlagen besitzen), interessiert sie das recht wenig …

»Wieder am schreiben?«

Mitch zuckte zusammen und drehte die Karte um, auf deren Rückseite er ein Tagebuch improvisiert hatte. »Äh, ja, Sir«, stammelte er und drehte sich zum Fragesteller um. Freedman stand hinter ihm, eine Zigarette im Mundwinkel und grinsend, als er Mitchs Nervosität bemerkte, die eindeutig nicht nur von der Unterbrechung herrührte. »Wenn dir langweilig ist, kannst du das auch direkt sagen. Ich brauche sowieso einen Freiwilligen … «, antwortete Freedman und legte ein Grinsen auf, das man normalerweise nur bei Katzen sieht, die ihre noch lebende Beute in der Pfote halten. Mit seinen über 1,80 Metern Größe, den quasi nonexistenten Pupillen und dem sehnigen Körperbau, der extreme Schnelligkeit vermuten ließ, war Freedman auch so schon ein Anblick, der zumindest Respekt verlangte. So aber konnte er ein Anstarrduell gegen Chuck Norris gewinnen. Mitch erbleichte und versuchte, sich hinter seinem Stahlhelm zu verstecken. »Nichts besonderes. Die Bastarde im Hauptquartier wollen uns keine Drohnen mehr schicken, nachdem die letzte abgeschossen wurde. Ich brauche einen Scout.«
Mitch seufzte. Scouten hieß bei Freedman › Töte alles was du siehst und zähl die Leichen‹ . Und das hieß wiederum bei Mitch: Keine Medikamente für die nächsten Stunden. »Ja, Sir.« Er stand auf, setzte den Stahlhelm auf und suchte seine Ausrüstung in seiner Ecke der Höhle, in der sich das Platoon seit zwei Tagen verschanzt hatte. Ursprünglich hätten sie hier nur auf eine kurze Patrouille gehen sollen, aber nachdem der Widerstand härter als erwartet war, hatte Freedman kurzerhand befohlen, sich einzugraben und einen Angriff auf das Lager der Aufständischen durchzuführen – › Rückzug‹ \ war kein Bestandteil seines aktiven Wortschatzes. Sein Vorgesetzter stimmte bedenkenlos zu – Nach Mitchs Vermutung hauptsächlich, um Freedman zumindest ein paar Tage, mit etwas Glück sogar dauerhaft loszuwerden. Freedman schaute zu, wie Mitch seine Sachen packte und schaltete sein Funkgerät ein. »Samuel, Damian, aufwachen. Mitch geht auf Aufklärungsmission, drei Meilen nach Nord–Nord–Ost. Samuel gibt Feuerschutz aus hundert Metern Entfernung«, diktierte er und hörte sich die Antwort an. »Darum. Damian soll aufpassen, dass du diesmal nicht aus Langeweile Zivilisten tanzen lässt. Munition ist teuer«, antwortete er schließlich grinsend.
Der eher schmächtige Mitch schulterte ächzend seinen Tornister und das M249 und machte sich auf den Weg in Richtung Ausgang.

Noch näher am A**** der Welt, zwei Stunden später
Creshal ließ den Blick über die Landschaft wandern und seufzte. Wo waren die Gegner, wenn man sie mal brauchte? Vor zwei Tagen waren sie ungefähr hier in einen Hinterhalt geraten – die Wracks ihrer Humvees (wovon einer nur aufgrund eines Motorschadens aufgegeben werden musste, Treffer hatte er so gut wie keine eingesteckt) sprachen eine deutliche Sprache. Weiter nördlich war der sich hektisch umschauende Mitch zu erkennen, der wohl gerade Wahnvorstellungen durchstand, weil es zu ruhig war. »Damian, Meldung an Cole. Keine Gegner in Sicht, Mitch mit den Nerven am Ende und ich brauch nen Kaffee. Macht wenig Sinn, hier weiter rumzustolpern«, sagte er über die Schulter und ging weiter in Richtung des noch halb intakten Humvees, während Damian mit dem Funkgerät kämpfte. Eventuell ließ er sich wieder flott machen, und mit ganz viel Glück würde vielleicht noch irgendwo ein MRE mit einem Kaffee rumlie …
Er stolperte in ein sich plötzlich öffnendes Loch. Creshal versuchte sich im Fallen abzurollen und ließ seine Waffe fallen – und blickte in die Mündung einer Kalaschnikow. »Ähm … ich ergebe mich?«, sagte er versuchsweise in gebrochenem Arabisch und hob die Hände. Die Iraker, die aus ähnlichen Sandlöchern und den Humvees gekrochen kamen, nahmen ihm und Damian die Waffen ab und verschnürten die Beiden zu handlichen Paketen.

Mitch, der über Funk mitbekommen hatte wie Damian plötzlich schreiend hinfiel, warf sich hinter der nächsten Düne in Deckung und zielte mit seinem MG hektisch in alle Richtungen. »Damian? Samuel? Hallo? … irgendjemand?«, fragte er wimmernd ins Funkgerät und zielte auf die dunklen Punkte, die hinter ihm sichtbar waren. Als ein Windstoß den Sand neben ihm in Bewegung versetzte, schrie er auf und feuerte blind in die Düne. »Kenneth? KENNETH!?«, dröhnte die Stimme von Freedman aus dem Funkgerät und Mitch ließ vor Schreck die Waffe fallen. »Der Sand hat zuerst geschossen! Ich schwöre!«, wimmerte Mitch und rollte sich zu einer Kugel zusammen, während er die Verwehung, deren Einschusslöcher langsam zugeweht wurden, nicht aus den Augen ließ. Der Sand starrte ihn unschuldig an und Mitch schluckte. » … nagut. Er hätte geschossen, wenn ich ihm die Gelegenheit gegeben hätte«, wimmerte er, als er den anklagenden Blick nicht mehr aushielt. »Davon bin ich fest überzeugt«, antwortete Heyl betont ruhig über Funk. »Und jetzt atmest du tief durch, nimmst die rote Pille und erzählt dann ganz langsam, was passiert ist.«

Freedman trommelte unruhig auf einer Tellermine, während Heyl versuchte, aus dem erst verängstigten, und dann highen Mitch sowas wie einen Lagebericht zu bekommen. Das einzige, was sie bisher mit Sicherheit wussten, war dass a) die Iraker noch lebten und sie b) Samuel und Damian hatten – tot oder lebendig. Nach einer guten Viertelstunde schaltete Heyl das Funkgerät ab und schaute Freedman fragend an. Der stand auf und winkte die übrigen Anwesenden – Jack › the Ripper‹ \ Maverick, ein Zwei-Meter-Riese mit einer Vorliebe für passend proportionierte Waffen und die Sonata-Zwillinge – her. »Alles einpacken, wir brechen auf. Entweder die Iraker haben die beiden getötet, dann sollten wir den Bastarden zeigen was für eine schlechte Idee sowas ist. Oder sie foltern Damian und Samuel gerade, dann sollten wir sie besser rausholen, bevor es ungemütlich wird. Um 1330 will ich Kenneth aufgesammelt haben und auf dem Weg zum feindlichen Lager sein.«
Maverick nahm sein M60 und schaute Heyl zu, wie er seine Ausrüstung packte. Ein sinnliches Lächeln stand auf seinem Gesicht, als er den Bewegungen des schmächtigen Mediziners zusah und … »Maverick, hör auf zu sabbern«, unterbrach ihn Patrick Sonata und verstaute seine Kampfmesser in den Uniformtaschen. Er und sein Zwillingsbruder sahen noch am ehesten wie stereotype GIs aus, was Maverick auch nicht schlecht gefiel. »Meldest du dich freiwillig als Ersatz?«, antwortete er spöttisch und machte sich auf den Weg nach draußen. »Nur in deinen Träumen … «, brummten die Sonatas gleichzeitig und folgten ihm mit einigen Metern Sicherheitsabstand. Draußen angekommen zog Maverick Heyl zur Seite. »Du bleibst bei mir«. Heyl seufzte. »Zum letzten mal: Nicht interessiert.« – »Eigentlich meinte ich, dass du dich aus dem Gefecht raushalten sollst, damit wir nicht am Ende noch eine Person retten müssen.« Heyl errötete leicht. »Für was hältst du mich? Ich bin kein Rookie mehr.« – »Basra. › Not-OP‹ \ im Sperrfeuer. Noch Fragen?« Heyl wurde noch röter im Gesicht und scharrte verlegen mit den Füßen. » … Nagut.«

Irgendwo bei einem kleinen Kaff nordöstlich, 15 Uhr Ortszeit
»Und? Irgendwas zu neues?«, fragte Freedman, während er seine Taschen systematisch nach neuen Zigaretten durchsuchte. Greeve Sonata schüttelte den Kopf und reichte ihm eine Zigarette, die er ihm eine Stunde vorher entwendet hatte, als er den Auftrag bekommen hatte, das nahegelegene Dorf zu durchkämmen. »Nicht viel. Verdächtig geringe Frauen– und Kinderquote, könnte ein gut getarntes Lager sein. Vielleicht auch nicht. Von den beiden habe ich jedenfalls nichts gefunden. Kaffee ist jedenfalls noch keine Mangelware«, sagte er dann um Freedman davon abzuhalten, über die Herkunft der Zigarette nachzudenken. »Vielleicht, vielleicht auch nicht … am Popo«, nuschelte er, während er die Zigarette mit seinem M16 anzündete. »Macht das Dorf dem Erdboden gleich, wenn die Bastarde die Geiseln noch haben, werden sie sich schon melden und verhandeln wollen«, sagte er und nahm einen tiefen Zug. »Time to kick asses and chew gum. And I'm all outta gum.«

Die schläfrige Stille des frühen Nachmittags wurde unterbrochen, als Maverick sein Mk19 (»Ich nenne sie … Vera«) sprechen ließ. Der von einem Humvee abmontierte Granatwerfer spuckte ein halbes Dutzend Geschosse pro Sekunde aus und zerfetzte Mit Chirurgischer Präzision™ (© US-Verteidigungsministerium) Autos, Hauswände und Menschenmengen. Als der Beschuss nach ungefähr einer halben Minute eingestellt wurde, um den mittlerweile rotglühenden Lauf zu wechseln, sammelten sich die Verteidiger so langsam und begannen damit, die schwer einsehbare Stellung des Schützen mit Kalaschnikows und Raketenwerfern unter Beschuss zu nehmen. Erst zu spät bemerkten sie, dass gleichzeitig andere unheilige Amerikaner durch die Trümmer und den Blutmatsch schlichen – die meisten Mujaheddin kamen zu dieser Erkenntnis erst nach ein oder zwei Schüssen in den Rücken. Nach ungefähr fünf Minuten, als Maverick den Beschuss planmäßig wieder aufnahm, war das Chaos perfekt und die Sonatas konnten ungehindert durch die Stadt schleichen, während Freedman weiterhin »Unruhe stiftete«, wie er es nannte, und die Bevölkerung effektiv und nachhaltig dezimierte.

»Weißt du … Towarisch … die Genfer Konvention ist eine feine Sache. Aber wenn ihr meint, dass sie für uns nicht gilt, warum sollten wir uns dann dran halten?« Das Klicken einer geladenen Marakow. »Weil wir die *** U. S. Army sind. Na komm schon, trau dich! Aus uns bekommst du eh nichts raus!« Ein Schuss. Ein zweiter. Ein dritter. Ein leises Stöhnen. »Verdammte Russlandamis. Glauben die eigentlich, dass die Eier aus Stahl haben? Lasst ihn noch ein bisschen bluten, der andere sollte jetzt etwas gesprächiger sein. Und Achmed, schau nach was das da oben für ein Krach ist. Wenn Ali schon wieder seine Alte verprügelt, kann er morgen barfuß das Minenfeld aufräumen, sag ihm das.« Die Marakow klickte erneut. Ein leises Wimmern. »Ich sage euch alles was ihr wissen wollt! Ehrlich!«

»MAIM! KILL! BURN!«, summte Freedman, warf eine Handgranate in ein offenes Fenster und schnitt einer herumliegenden Leiche den Kopf ab. Während die Granate detonierte und die wenigen Überlebenden langsam verbluteten, vertrieb er sich die Zeit damit, mit seiner improvisierten Handpuppe ein paar Sketche mit › Achmed‹ \ nachzustellen. Als auch das letzte Röcheln verstummte, warf er den Kopf durch die Tür und schaute sich im Gebäude um. Nichts, wie in den anderen. Gut, in einer Ecke standen ein paar verdächtige Dünger- und Zuckersäcke neben leeren Raketenrohlingen, aber die Herstellung von Kurzstreckenraketen war hier schon als traditioneller Nebenerwerb zu betrachten. Er wischte sich die blutigen Hände achtlos an einem Wandteppich ab und schaltete das Funkgerät wieder ein. »Cole an alle. Irgendwas neues?« – »Maverick hier. Widerstand ist zusammen mit der Infrastruktur zusammengebrochen, die Überlebenden haben sich allesamt verschanzt.« – »Patrick hier. Wir haben ein paar Gebäude entdeckt, die so aussehen, als könnten sie einen Keller haben. Wenn es hier noch irgendwas gibt, dann dort drin. GPS-Koordinaten folgen.« Freedman grinste, zündete sich eine gefundene Zigarre an einem brennenden Teddybär an und machte sich summend auf den Weg.
»And the army goes rolling along, proud of all we have done … «

Ein Schlag, Metall auf Fleisch. Ein Wimmern. »Eine Felsengruppe im Süden.« – »Wie weit? Wie viele Leute?« Ein Ächzen. » … Verräter.« – »Mehmed, sorg dafür dass der Russe die Schnauze hält. Schieß sie ihm notfalls aus dem Gesicht, ich hab genug von seinem Kauderwelsch.« Das leise Surren eines Messers beim Schärfen. Schritte. Ein Schnitt, langsam und tief. Unterdrücktes Stöhnen. Ein Tritt in etwas weiches. Ein lautes Stöhnen. » … nagut, Russe, du willst es nicht anders.« Ein Klicken. »Sag du mir wo euer Stützpunkt ist und wie groß eure Einheit ist, oder dein Genosse hier stirbt.« – » … Träum weiter, Sandfresser.« Ein Schuss. »DAMIAN!«

»Ist es das?«, fragte Freedman leise, als er um eine Hausecke spähte. Die Sonatas nickten. »Aye. Definitiv ein Keller, Haustür innen aus Metall, Fensterläden halbwegs kugelsicher. Das Haus schreit geradezu › Geheimstützpunkt‹ .« Freedman lud vier seiner Schrotflinten nach und nickte den beiden Zwillingen zu. »Angriff!«

In der Literatur findet man manchmal den etwas euphemistischen Ausdruck › Er zog in die Schlacht, um den Tod zu suchen‹ . Bei Freedman traf das auch zu – in gewisser Weise. Wenn er den Tod suchte, dann um ihm so lange ins Gesicht zu schlagen, bis dieser um Gnade bettelte. Mit Schrotflinten in beiden Händen sprang er durch die aufgesprengte Tür und verteilte damit die Köpfe der drei Wachen auf die gegenüberliegende Wand. Während die Leichen noch umkippten, stürmten die Sonatas mit Messern und Colts in den Händen vor in die beiden anderen oberirdischen Zimmer des Gebäudes. »Rechter Raum gesichert!«, rief Patrick aus dem einen und positionierte sich wieder an der Tür. »Linker Raum gesichert, Kellertür gefunden!«, kam es aus dem zweiten. Dann ein leiser Schuss, und ein Schrei, der eindeutig von Creshal stammte. Freedman und Patrick Sonata warfen sich einen Blick zu und stürmten in den anderen Raum.

Ein lauter Knall, als eine Tür aufgesprengt wurde. Das laute Bellen von Schrotflinten, durchbrochen vom rostzerfressenen Stakkato von Kalaschnikows, die eindeutig bessere Jahrtausende gesehen hatten. Das Stöhnen von Verwundeten. » … sch****, Sam, was haben die gemacht?« Greeve kniete sich vor Creshal hin und nahm ihm die Augenbinde ab. »Nur ein paar Fleischwunden … die meisten 9mm. Halb so wild, Heyl kann sich drum kümmern. Was ist mit Damian?«, sagte Creshal langsam und versuchte aufzustehen. Freedman schaute nachdenklich auf die Leichen der beiden Verhörer, und schoss noch ein paar mal in die Köpfe. »Ziemlich tot. Nichts was wir dran ändern könnten. Jetzt sollten wir nur zuschauen, dass wir hier rauskommen. Du siehst ziemlich mitgenommen aus.« Freedman musterte Creshal verstohlen – Robuster Körperbau (»Echte Russen haut nichts um! Abgesehen von Fensterreiniger im Wodka«) hin oder her, die Schusswunden im Oberkörper und die Schnittwunde quer über das Gesicht von einem Ohr zum anderen sahen böse aus. Nur die stahlblauen Augen sahen noch lebendig aus. Die Sonatas hoben Creshal hoch und trugen ihn nach draußen.

Drei Tage später, im Hauptquartier der Koalitionstruppen im Irak
»Drei Humvees zerstört. Ein Mann KIA, einer WIA und einer traumatisiert. Also, noch traumatisierter als vorher. Und was zur Hölle hat es mit dem rot lackierten Mk19 mit der Aufschrift › Vera‹ \ auf sich? Na, egal, weiter im Text … Dreihundert Leichen so stark verstümmelt, dass ich nicht sagen kann, ob es wirklich Kombattanten oder Zivilisten waren. Bei einigen bin ich mir nichtmal sicher, ob es Menschen oder Kamele waren. Weitere zweihundert erdolcht, erschlagen, an Zigaretten erstickt oder nur ein bisschen zu Matsch zerschossen«, sagte General Gomery und lief nachdenklich hinter seinem Schreibtisch auf und ab. »Ich weiß nicht, ob sie auf der Stelle erschießen oder ihnen einen Orden verleihen soll. Am besten beides in dieser Reihenfolge.« Freedman zuckte mit den Schultern, zündete ein Streichholz am Namensschild seines Vorgesetzten an und steckte sich die nächste Zigarette an. »Erzählen sie mir zur Abwechslung mal etwas neues.« Gomery drehte sich um. »Gut, überspringen wir den Part mit dem Moralappell. Sie bleiben im Hauptquartier, bis Corporal Creshal genesen ist und Private Heyl Damians Eltern die offizielle Todesnachricht überbracht hat, danach wird die gesamte Einheit strafversetzt. Irgendwohin, wo Sie keinen Ärger machen können. Antarktis oder so, ich such mir bis dahin ein lauschiges Plätzchen aus. Wegtreten, von mir aus vor den nächsten Panzer.«

»I like it. It's like people sushi.«


11. Oktober, Bagdad, Bar › Exile‹ , 22 Uhr Ortszeit
»Hi.« – »Privet.« – »Ähm … ja. Gehörst du zur Armee?« – »Aye, Ma'am.« – »Cool! Und, was machst du so?« – »Ich töte Menschen.« – »Ah … ja … « – »Ich mag, es Menschen zu töten.« – »Erm … Möchtest du einen Drink?« – »Nein, dieser Saftladen hat nichts, was mir schmeckt.« – »Was trinkst du so?« – »Menschenblut. Warm.« – » … ich muss weg.«
Die junge Frau stand mit einem verwirrten Blick von ihrem Barhocker auf, und wackelte auf ihren Stöckelschuhen in Richtung der Tische am anderen Ende der Bar, in der Hoffnung dort etwas normalere Betrunkene zu finden. Der Soldat an der Bar schaute ihr einige Sekunden hinterher, und stürzte sich dann auf ihr halb leeres Glas, das sie stehen gelassen hatte. »Deine Art, mit Frauen umzugehen, ist immer wieder beeindruckend, Sam.« Samuel Creshal drehte den Kopf in Richtung der Stimme, und versuchte, zu salutieren – bei seinem Alkoholpegel eine schlechte Idee.
»Ich bin eins mit dem Boden. Wohoo!« Heyl schlug die Hände vor dem Gesicht zusammen und machte sich daran, Creshal wieder in eine halbwegs aufrechte Lage bringen.

» … Geht wieder, danke. Russische Leber und so. Nach 5 Minuten bin ich komplett nüchtern«, nuschelte Creshal hinterher und machte sich über den Kaffee her, den Heyl zwischendurch bestellt hatte. »Also, was ist los? Normalerweise bist du doch noch seltener in Bars als ich?« Heyl reichte ihm wortlos ein Blatt Papier. »Gomery hat seine Drohung wahr gemacht. Das komplette Squad wird nach Korea strafversetzt. Unser Flug geht um 3 Uhr morgens, damit wir noch abends zur Nachtwache antreten können.« – » … wir müssen in fünf Stunden los? **** it«, fluchte Creshal und stand, noch etwas unsicher, auf. Heyl seufzte, warf ein paar Dollar auf die Theke und legte Creshals Arm um seine Schulter. » … danke, nein. Jetzt komm.« Unter der Last des 1,90 Meter großen Russen ächzend, wankte er in Richtung Ausgang.

General Gomery konnte es sich nicht verkneifen, seinen Lieblingsfeind persönlich zu verabschieden. Mit seinen vollen 200 Kilogramm Lebendgewicht stand er auf dem Flugfeld, und schaute zu, wie sich das übermüdete Squad über den Platz schleppte. »Nun, meine Herren«, begann er lächelnd, als sich Freedman und sein Squad in Habacht-Stellung bemüht hatten, »Es war mir eine … Freude, ihre Versetzungspapiere zu unterschreiben. Auf dass wir uns nie wiedersehen. Wegtreten!« Freedman überlegte kurz, dann zuckte er mit den Schultern. »Wenigstens waren Sie ehrlich. Immerhin.« – »Immer doch.« – »Darf ich auch ehrlich sein? Lecken Sie mich!« Gomery lief tiefrot an. » … Wegtreten, oder ich trete dich in die Flugzeugturbine.« Freedman grinste, verneigte sich spöttisch, und schlenderte zusammen mit dem Rest der Truppe in das wartende Flugzeug.

12. Oktober, Südkorea, Flughafen Seoul, 15 Uhr Ortszeit
»Yay, Asien! Sushi! Sake! Yaoi-Hent … -Autsch!« Mitch rieb sich die Stelle, an der ihn der Lauf von Creshals M14 getroffen hatte. »Okay, schon gut. Streichen wir den letzten Part.«
Man hatte sie direkt nach ihrer Ankunft in einer Baracke am Stadtrand einquartiert, am nächsten Tag sollte es nach Munsan an der Grenze zu Nordkorea gehen. Der Atomtest Nordkoreas war erst drei Tage her, die offizielle Androhung eines Atomkriegs zwei Tage. Trotz aller offiziellen Beteuerungen, dass man Weltfrieden auf einmal für ganz toll halte und Diplomatie jetzt doch gut fände, bereiteten die USA einen Erstschlag vor, falls Kim auf dumme Gedanken kommen sollte (also, noch dümmere als bisher). Die Atomraketen warteten in ihren mobilen Abschussbasen, an gut geschützten Plätzen neben Krankenhäusern oder Kindergärten, damit die Medien wenigstens eine gute Story hatten, falls die Koreaner sie ausschalteten. Es versprach, eine strahlende Zukunft zu geben.

Zwei Tage später, Munsan
Die Lage hatte sich erwartungsgemäß nicht stabilisiert. Die Sesselwärmer der UN diskutierten immer noch über ihre heißgeliebten Wenns und Abers, und die lokalen Militärs versuchten mit frischem Elan, Zwischenfälle zu provozieren, um die Situation eskalieren zu lassen. Die Mobilmachung war in vollem Gang, Freedmans Squad spürte davon aber noch wenig.

Freedman schaute zu, wie Creshal und Heyl Schach spielten, und säuberte sein M16. »Draußen steht der dritte Weltkrieg an, und wir sitzen hier und können nichts tun … Verdammt!« Er schlug wütend auf den Tisch – was einen Schuss löste, der sauber durch den schwarzen König ging. » … Schachmatt?«
Freedman duckte sich unter dem Geschosshagel aus Schachfiguren und Kartoffelchips hinweg und ging zum Fenster. Draußen fuhren einige Abrams-Panzer der 2. Brigade zusammen mit koreanischen K1A1 der 3. Armee vorbei in Richtung des Wartungsbereichs, um Tarnlackierung und Zusatzpanzerungen verpasst zu bekommen. In seinen Taschen nach einer überlebenden Zigarette kramend, schaute er zu, wie weitere koreanische Panzer, diesmal ältere M48, vorbeirollten. Als Freedman sich gerade die Zigarette anzünden wollte, stutzte er. Ein einzelner BTR-60 rumpelte vorbei. »Seit wann benutzt Südkorea den BTR-60?«, nuschelte er und atmete den Rauch tief ein. Greeve Sonata blickte von seinem Manga auf und runzelte die Stirn. »Gar nicht. Nordkorea hat welche, aber Südkorea benutzt amerikanische IFVs.« – »Vermutlich Schulungsmaterial. Zeigen, wo die Schwachstellen sind, Beschusstests und so. Nach der Wende haben wir dafür auch russische Panzer gekauft«, ergänzte sein Bruder, ohne vom Fernseher wegzuschauen. »Ein Jammer. Die russischen Panzer sind viel besser als die Umluftherde namens Abrams«, brummte Creshal und machte sich daran, die Figur wieder zusammenzukleben. »Oh, gib endlich Ruhe. Die T-90 rosten doch schon, wenn du sie schief anschau–«, fing Freedman an und unterbrach sich, als Creshal ihm die Zigarette aus der Hand schoss. »Hey! Das war meine letzte Zigarette!«
Er hatte gerade seine Pistole gezogen und auf Creshal gerichtet, der wiederum mit dem M14 im Anschlag stand, als die Tür aufging und Lt. Voigt hereinkam. » … Störe ich bei irgendwas?« – »SIR, NEIN, SIR!« – »Gut, mitkommen. Wir haben Arbeit für sie.«

Besprechungsraum 3-A, Hauptquartier der US-Garnison in Korea
Voigt deutete auf eine Karte, auf der die Stellungen der Armeen in Korea eingetragen waren. »Situation: Wir vermuten, das die Nordkoreaner, unterstützt von chinesischen und russischen › Freiwilligenverbänden‹ \ einen Großangriff auf Südkorea planen, mit Der Bombe in der Hinterhand, um eine Einmischung anderer Länder zu verhindern. Da wir keine Lust drauf haben, den Kommies den Gefallen zu tun, werden wir zuerst angreifen. Laut Geheimdienstberichten sind im Raum Kaesong«, er deutete auf eine Stadt westlich der Grenzstadt Panmunjom, am Rand des Gebirges, »mehrere Raketenbatterien stationiert, die eventuell atomare Sprengköpfe haben könnten. Das Ziel ist es, diese Batterien auszuschalten und festzustellen, ob sie atomare Bewaffnung tragen. Drei Kompanien Marines werden von Incheon aus einen amphibischen Angriff auf das Flussdelta südwestlich durchführen, um eventuelle Verstärkung abzufangen. Den Hauptangriff werden die 10. Mountain Division und die 2. Infantriebrigade durchführen, während die ROKA und JGSDF mit 600.000 Mann im Osten der Halbinsel versuchen, sich an der Linie Ichon–Wonsan im Gebirge einzugraben.
Es dürfte klar sein, dass selbst die Knoblauchfresser genug Resthirn haben um den Plan zu erkennen, deswegen wird ihr Squad eine besondere Rolle übernehmen: 2 Stunden nach Beginn der Offensive im Raum Panmunjom werden sie mit einem BTR-60 in Richtung Kaesong fahren. Sie sollen die Rolle eines versprengten russischen Trupps spielen, der per Zufall dem Angriff und unseren Bombern entkommen konnte. Versuchen sie, dem Artilleriebattalion zugeteilt zu werden und schauen sie sich um. Sollten sie Atomwaffen finden, kontaktieren sie uns und versuchen sie, die Stellung so lange zu halten bis wir Kampfhubschrauber vor Ort haben, die die Waffen abtransportieren können. Einfach zerstören bringt nichts, solange die Koreaner das Uran mitnehmen können, können sie daraus eine neue Bombe bauen. Alles klar soweit?« – »Sir, ja, Sir!« – »Wunderbar. Der BTR-60 sollte in zwei Stunden einsatzbereit sein, sie brechen um 0100 zur Front auf. Wegtreten.«

Heyl packte seine Sachen zusammen und legte die improvisierte russische Uniform an. »Das ist ein Himmelfahrtskommando«, murmelte er. Maverick lachte und setzte sich die Pelzmütze auf. »Wer uns töten will, muss erst an Freedmans Ego vorbei. Da helfen auch keine Atombomben.« – »Indeed. Time to kick asses and chew gum … « – »And you're all outta gum?« – »Nein, einen Streifen habe ich noch. Glück für dich«, sagte Freedman kauend und schraubte das Bajonett auf die Kalaschnikow. »Was willst du mit einem Bajonett in einem Fahrzeug?«, fragte Greeve Sonata verwirrt. »Rausspringen und töten.« Greeve seufzte. »Warum habe ich überhaupt gefragt?«

15. Oktober, Koreanische Halbinsel, 38. Breitengrad, 3 Uhr Ortszeit
Der Angriff begann mit einem Punktbombardement amerikanischer und südkoreanischer Flugzeuge sowie amerikanischer Schlachtschiffe auf die nordkoreanischen Grenzbefestigungen – mit mäßigem Erfolg. Ein derartiges Vorgehen war abzusehen gewesen, alle Stellungen waren tief ins Gebirge gegraben oder bestanden aus massiven Bunkern – nur die stärksten Bunkerbrecher waren in der Lage, Schaden anzurichten, und die waren aus Kostengründen nicht ausreichend verfügbar.

Zu dieser Erkenntnis kamen allerdings erst die Bodentruppen, als sie von wütendem Sperrfeuer empfangen wurden. Als Creshal zwei Stunden später den BTR-60 in die demilitarisierte Zone fuhr, erinnerte das Gelände an eine Mondlandschaft – übersät mit Kratern, zerstörten Fahrzeugen und deutlich zu vielen Leichen. »Lecker. Ich liebe den Geruch von Leichen am Morgen«, sagte Freedman und spähte aus einer Sichtluke. »Hier dürften wir richtig sein. Unsere Truppen sind von hier aus nach Norden abgebogen, um Kaesong einzukesseln, und die Sicherungstruppen sind hinter uns. Südwestlich am Berg vorbei und dann zurück auf die Straße« – »Da, towarisch.« Der BTR–60 beschleunigte und bretterte zwischen den Wracks zweier M113 durch. » … Creshal?« – »Da?« – »Kannst du das nächste mal einen Bogen um Leichenberge machen?« – »Pachimu?« – »Ach, nur so«, sagte Mitch, wischte sich den blutverschmierten Finger vom Gesicht und kippte um.

Zehn Minuten später hatten sie die nordkoreanischen Truppen erreicht, die sich auf halber Strecke zwischen Stadt und Grenze an einer Brücke verschanzt hatten. Creshal sprang aus dem Schützenpanzer und unterhielt sich lautstark mit den Wachtposten, die ihm still zuhörten und ihm dann eine Richtung zeigten. Grinsend stieg er wieder ein. »Sie haben mir die Geschichte abgekauft, wir sollen uns an der südlichen Flanke halten. Ansonsten keine weiteren Fragen.« Freedman nickte und deutete auf den Sitz des Funkers. »Am besten du übernimmst den Posten, Heyl kann den Panzer fahren.«

Weitere zwanzig Minuten später griffen wie geplant schwache amerikanische Verbände die Stellung an. »Okay, **** it. Wir bleiben im Hintergrund, bis die Kommies sich zurückziehen. Gebt ein paar Warnschüsse ab, aber sonst nichts.« – »Njet. Befehl von oben, wir sollen angreifen, ansonsten rollen unsere Köpfe. Und wenn wir angreifen, rollen auch unsere Köpfe, unsere Truppen wissen nämlich nicht, in welchem BTR wir stecken. Und jetzt?« – »Haben die Kommies hier Verbindung zur Außenwelt?« – »Njet, nur die Funkgeräte in den anderen BTRs, und die kommen nicht weit. Elektronik wird hier kaum produziert.« – »Gut, Planänderung«, sagte Freedman und grinste. »EXTERMINATE EVERYONE!«

Pak Hong-won staunte nicht wenig, als der vermeintlich russische BTR, der sie eigentlich unterstützen sollte, plötzlich um 180 Grad drehte und auf ihre Linie zuhielt. Zu weiteren Reaktionen reichte es nicht mehr, denn in diesem Augenblick eröffnete Maverick das Feuer aus dem Turm-MG und zerfetzte Hong-wons Körper, kurz bevor der BTR mit seinen vollen 12 Tonnen Gefechtsgewicht über ihn rollte und seinen Körper zu blutigem Dünger reduzierte.
Im selben Augenblick sprangen die Sonatas, mit Messern und Schrotflinten bewaffnet, aus dem fahrenden Fahrzeug und erledigten methodisch die restlichen Soldaten der Stellung.

Heyl kurbelte heftig und zwang den BTR in eine enge Kurve, die den Schützenpanzer parallel zur Stellungslinie der Nordkoreaner brachte. Mitch und Creshal beschossen die Truppen aus ihren Sichtluken, während Maverick weiterhin mit dem Turm-MG Tod und Vernichtung säte. »Himmel, habt ihr Russen noch nie was von Servolenkung gehört?«, ächzte Heyl und kämpfte weiter mit der Lenkung. »Servolenkung ist für Weicheier«, antwortete Creshal und warf zwei Granaten nach draußen, die neben einer Munitionskiste detonierten und die nebenstehenden Truppen mit tödlichen Splittern vollpumpten. Freedman stand währenddessen mit einer Axt in der Hand in der Tür und hieb damit auf alles ein, was dem Panzer zu nahe kam. »Yeeha! Das ist wie Sushi mit Menschen! – ****, feindlicher BTR auf 9 Uhr! Maverick, Feuer!« Maverick stand auf und zwang sich neben Freedman in die Luke. »Keine Munition mehr. Zeit für Plan B.« Er sprang aus der Luke, rannte auf den BTR zu und sprang aufs Dach. Mit einer Hand das Turm-MG festhaltend, zielte er und schlug zu. Die rostzerfressene Panzerung zerbrach in Stücke und Mavericks Faust traf den verblüfften Fahrer am Kopf, der unter der Wucht zerplatzte und den Rest der Besatzung mit Blut und Gehirnfetzen bespritzte, während Maverick schon damit beschäftigt war, die Besatzung methodisch zu zerreißen. Als niemand mehr lebte und der Boden des Schützenpanzers kniehoch mit Blut bedeckt war, sprang Maverick aus dem Wrack und betrachtete seine Fingernägel. »Himmel, nicht noch ein gesplitterter Fingernagel. So langsam wird es lästig.«

Eine halbe Stunde später war alles vorbei. Mehr durch den Überraschungsangriff (und Mavericks einmalige Aktion) als durch die eigentlichen amerikanischen Truppen kollabierte die Front, und die wenigen Überlebenden wurden gefangen genommen.

Währenddessen war der BTR wieder unterwegs, in Richtung Kaesong …

»Someone called for an exterminator?«


15. Oktober, Kaesong, Südrand, 12:30 Uhr Ortszeit
Freedman wäre am liebsten auf und ab gelaufen, was die beengten Verhältnisse im BTR (der von Maverick inzwischen auf den Namen »Betty« getauft worden war) aber nicht zuließen. »Nicht gut. Gar nicht gut.« Er zündete sich die dritte Zigarette in zehn Minuten an, was Creshal dazu veranlasste, die Entlüftungsanlage weiter aufzudrehen. »Wir sind jetzt schon vier Stunden hier, und noch immer nichts neues. Viel länger kann das HQ unsere Truppen nicht zurückhalten, ohne dass es auffällt. So langsam müssen wir Ergebnisse erhalten.« Greeve Sonata zuckte müde mit den Schultern. »Und wie? Wir können nicht einfach aussteigen und › Hey, haben die Raketenwerfer im Stadtzentrum zufällig nukleare Sprengköpfe?‹ fragen«, sagte er mürrisch. Creshal grinste plötzlich. »Nein, aber wir können sie herholen. Wer weiß von den normalen Fußsoldaten am ehesten darüber Bescheid? Techniker. Es fällt niemandem auf, wenn wir ein paar Techniker herbestellen, um Schäden an unserem Fahrzeug reparieren zu lassen.« Er setzte sich ans Funkgerät und führte eine längere russische Diskussion mit dem nordkoreanischen Oberkommando, während Heyl den Panzer in die Nähe des Wartungsbereichs fuhr und so tat, als versage der Motor auf halbem Wege, bequemerweise nahe am Sperrbezirk, in dem die Raketenbatterien standen.
Nach zehn Minuten kamen drei koreanische Techniker an. Wong Il-Pak, Chef des kleinen Trupps, schickte seine Gehilfen nach einem kurzen Blick wieder weg, um Ersatzteile zu holen – der BTR war in einem lausigen Zustand. Kein Wunder, angesichts der Tatsache, dass er seit 1990 in einem deutschen Depot vor sich hingerostet hatte, was Wong aber nicht ahnen konnte.
Schlechte Vorahnungen bekam er erst, als eine Luke aufgemacht wurde und er ins Innere gezogen wurde. Drei Europäer hielten ihm Waffen ins Gesicht, und einer von ihnen, der eine beeindruckende Narbe quer über das Gesicht hatte, fing an zu grinsen. »Ich schlage vor, dass du dich ruhig verhältst, und uns schnell alles erzählst, was wir wissen wollen«, sagte er auf russisch und ließ sich von jemandem außerhalb von Wongs Sichtfeld ein Messer reichen. Wong schüttelte den Kopf, so gut es in der Umklammerung ging. Für wen hielten diese Kapitalistenschweine ihn? Er hatte einen heiligen Eid geschworen, und er würde eher sterben als ihn zu brechen.

Creshal wartete noch einige Sekunden, ob sich der Koreaner umentschied, und zuckte dann mit den Schultern. »Deine Entscheidung.« Die Sonatas krempelten einen Uniformarm des Opfers hoch, und Creshal began, einen briefmarkengroßen Hautfetzen auszuschneiden und danach abzuziehen, während Maverick sich darum bemühte, den Koreaner ruhig zu halten.
Wong dämmerte langsam, dass ein glorreicher und ehrenvoller Tod nicht unbedingt ein schmerzfreier war. »Ich rede ja schon!«, wimmerte er und der blonde Amerikaner winkte einem Arzt zu, der daraufhin seine Wunde versorgte. »Wir können dieses Spielchen wiederholen. Wir haben einen guten Arzt hier, wir können dich sehr lange am Leben erhalten, während du leidest. Alles klar? Gut, dann sag uns was zur Raketenartillerie. Können sie Atomsprengköpfe verschießen? Gibt es Atomwaffen in der Stadt?« Als Wong keine Antwort gab, hielt der Sprecher ihm den blutverschmierten Hautfetzen vors Gesicht. »Ja! Ja! Wir haben drei kleine Atombomben aus Russland bekommen! Sie werden in einem Haus am Rand des Stadtparks aufbewahrt!"

Als Wongs Gehilfen einige Minuten später eintrafen, wunderten sie sich, dass er ihnen aus dem Wagen zuwinkte. Als sie zur Luke traten, wurden sie wie zuvor er gepackt, gefesselt und geknebelt und hinten im BTR verstaut, der daraufhin Fahrt aufnahm und sich in Richtung Stadtpark bewegte, während Freedman dem Oberkommando das erwartete Signal gab. In etwa anderthalb Stunden würden die Transporthelikopter eintreffen, um sie zusammen mit den Bomben abzuholen, bis dahin mussten sie diese erobert und zur Mitte des Stadtparks geschafft haben – und solange durchhalten.


Kaesong, Stadtpark, 13:57 Ortszeit
Betty hatten sie (sehr zum Bedauern von Maverick) stehen lassen müssen, zusammen mit Mitch, der die Gefangenen bewachte. Etwas unwohl in ihren falschen russischen Uniformen gingen sie auf das von Wong beschriebene Gebäude zu, Creshal an der Spitze, um etwaige Fragesteller mit Unmengen russischer Flüche abzuwehren.
Als sie das einstöckige Gebäude erreichten, wurden sie von mehreren russischen Soldaten empfangen – diesmal richtigen. »Wo kommt ihr her? Wer seid ihr? Zu welcher Einheit gehört ihr?«, fragte ihr Anführer misstrauisch. Creshal überlegte kurz, und seufzte. »Falsche Frage, Towarisch«, sagte er leise, rammte ihm dann seine Pistole unters Kinn und drückte ab. Der Schuss ging glatt durchs Stammhirn, jegliche auch nur reflexhafte Reaktion verhindernd. Während der Anführer der Russen noch fiel, hatten die Sonatas schon ihre Messer gezückt und den anderen Wachen in die Kehle geworfen. Die heftig blutenden Leichen nicht beachtend, stürmte der Trupp ins innere des Gebäudes.

Mitch war unterdessen am Rande des Nervenzusammenbruchs (wiedermal). Alleine in einem engen Raum mit drei koreanischen Berserkern, die garantiert nur so taten, als wären sie gefesselt und darauf warteten, dass er ihnen den Rücken zudrehte, damit sie ihn töten konnten. Oder noch schlimmeres taten. Folglich hatte er einen Sitz umgedreht und starrte die drei Gefangenen permanent an. Das versprach noch eine lange Stunde zu werden...

Wong wünschte sich, er hätte doch den Mund gehalten. Die Wunde schmerzte mittlerweile heftiger als vorher, aber noch schlimmer war der Amerikaner, der ihn die ganze Zeit über anstarrte, um ihn zu ermorden. Oder schlimmeres zu tun. Wong wagte es nicht, wegzuschauen, aus Angst, dass der Amerikaner das schon als Grund sah, zu schießen.

Im Inneren des Gebäudes war es auffällig ruhig. Vor der Krise war es wohl ein Restaurant gewesen, jetzt hatte man die gesamte Inneneinrichtung aus dem Hauptraum entfernt. Drei schwere Bleicontainer mit dem gelb-schwarzen Trefoil an allen Seiten prangernd waren die einzige Einrichtung. »Okay, Problem: Wie kriegen wir die Dinger transportiert?«, fragte Heyl und kratzte sich am Kopf. »Selbst wenn wir die Sprengköpfe aus den Containern nehmen – was ich nicht empfehle – werden die trotzdem noch je fünfzig oder mehr Kilogramm wiegen. Schnell transportieren können wir sie nicht, und unauffällig erst recht nicht.« Freedman nickte und schaltete das Funkgerät ein. »Mitch, bitte kommen.«

Mitch zuckte zusammen, als das Funkgerät plötzlich summte, und wimmerte, als er sah, dass die Koreaner ebenfalls zusammengezuckt waren. Bestimmt hatten sie gedacht, dass sie ihn jetzt hätten überwältigen können. Er tastete sich zum Mikrofon vor und nahm es in die Hand, ohne den Blick von den Gefangenen zu lassen. »… Ja?« – »Planänderung. Wir brauchen einen LKW oder sowas in der Richtung. Schau dich um, ob es sowas in der Nähe gibt.« Mitch schluckte. »Geht nicht, Sir. Ich kann die Koreaner nicht aus den Augen lassen. Die töten mich sonst!«, wimmerte er. Er hörte, wie Freedman am anderen Ende der Leitung die Hand gegen die Stirn klatschte. »… Mach schon, oder ich finde heraus, wie ich dich über Funk schlagen kann.«

Am Ende schickten sie Creshal los, um einen LKW zu besorgen, der kehrte jedoch nach zwei Minuten zurück. »Schlechte Nachrichten. Anscheinend haben die Koreaner unsere toten Genossen bemerkt und das Gebiet umstellt. Mitch war immerhin so schlau Bettys Motor abzuschalten, bisher ignorieren sie den BTR noch. Lange wird er es dadrin aber nicht aushalten können. Wir vermutlich noch weniger lange, der Angriff dürfte gleich losgehen.« Freedman schaute auf seine Uhr. Noch eine Dreiviertelstunde, bis die Helikopter eintrafen, und es war nicht einmal dran zu denken, die Bomben abzutransportieren. »Na schön, wir dürften davon ausgehen können, dass die Koreaner ihre Spielzeuge intakt haben wollen, wir dürften also vor Artilleriefeuer sicher sein. Alle Mann verschanzen, wir denken uns bei Gelegenheit einen Weg aus, die Bomben rauszuschaffen.«

Die Koreaner griffen fünf Minuten später an. Mangels natürlicher Deckungen hatten sie ein halbes Dutzend ältere, oben offene BTRs organisiert, die das Gebäude halbkreisförmig umstellt hatten und die Fenster und Türen unter Sperrfeuer nahmen. Die Sonatas, Heyl, Freedman und Maverick hatten sich im Gebäude verschanzt und lieferten symbolischen Widerstand, während Creshal nach einer anderen Lösung suchte.

Mitch wurde unterdessen langsam unruhig. Nachdem er die Gefangenen auf Heyls Rat hin betäubt hatte, spähte er durch die Sichtluken und beobachtete, wie die Koreaner das Restaurant unter Sperrfeuer nahmen. Er atmete tief durch, startete den Motor und gab Vollgas.

Creshal hatte in der Zwischenzeit eine Dachluke gefunden, die groß genug war, um einen Menschen durchzulassen. Mangels Alternativen kroch er durch und legte sich flach aufs Dach. Deckung hatte er hier oben keine - aber die Koreaner in den offenen Radpanzern auch nicht. Er entsicherte die Dragunow und legte auf den Fahrer des mittleren Panzers an. Dessen Gesicht war vor Anstrengung verzerrt, als er das Magazin seines Maschinengewehrs auswechselte. Auf die Entfernung konnte Creshal durch das Zielfernrohr beinahe die Barthaare des Opfers zählen. Creshal beobachtete einige Sekunden lang den Koreaner, um ein Gefühl für dessen Bewegungsrhythmus zu bekommen, und schoss ihm dann genau zwischen die Augen. Die anderen Insassen duckten sich sofort und schossen ungezielt in Richtung des Dachs. Creshal gab noch vier weitere Schüsse ab, mit denen er drei Schützen tötete und die Lenkung des BTRs zerstörte, dann kroch er hastig zurück. Das war's, mehr Chancen würde er hier nicht haben.

Mitch hatte Betty inzwischen auf Höchstgeschwindigkeit gebracht und das Lenkrad festgebunden, während er im Sitz des Turmschützen saß und die rasch näherkommenden BTRs beobachtete. Betty war so gezielt, dass sie den mittleren BTR am Heck rammen würde – so, dass die Munition in Betty mit dem Treibstofftank des BTRs kollidieren würde. Ein hübsches Feuerwerk. Er vergewisserte sich nochmals, dass der Kurs stimmte, dann schnappte er sich sein M249 und stieg in die Luke.

Die Koreaner wurden vollkommen überrascht, als auf einmal ein BTR an ihnen vorbeiraste. Noch überraschter waren sie, als ein Amerikaner raussprang, zwischen ihnen landete und sich wild feuernd um sich drehte, während sein BTR mit dem liegengebliebenen Führungswagen kollidierte und beide detonierten.

Nach einigen Sekunden war der BTR gesäubert, und Mitch fuhr ihn quer vor die Wand des Restaurants, um dem Squad zusätzliche Deckung zu geben. Innen versammelte sich der Trupp für eine kurze Lagebesprechung. Freedman spähte durch ein halb verdecktes Fenster am BTR vorbei auf den Belagerungsring. »Na schön, zwei feindliche BTRs sind ausgeschaltet, fehlen allerdings noch vier – und uns fehlen noch zehn Minuten. Und die Koreaner können jederzeit Verstärkung herholen. Vorschläge?« Patrick hob die Hand. »Finden wird uns der Rettungstrupp auf jeden Fall, wir müssen nur dafür sorgen, dass sie nicht mit schweren Waffen ankommen, die den Helikoptern gefährlich werden können.«
Zehn Sekunden später schlug die erste Granate ein. De Koreaner hatten eingesehen, dass sie nur mit leichten Waffen so schnell nichts erreichen würden, und über kurz oder lang würden die US-Truppen eintreffen. Folgerichtig hatten sie mehrere T-72 herangeholt und zerschossen das Gebäude systematisch.
Freedman duckte sich, als neben ihm die Wand einstürzte und sprang weg. »Shit! Na schön, sie wollen es nicht anders. Creshal, funk die Bastarde an und droh damit, die Bomben hochgehen zu lassen, wenn sie nicht sofort das Feuer einstellen.« – »Du weißt, dass wir die Bomben ohne Code nicht detonieren können?« – »Ich will wissen, ob sie es wissen. Und ob sie wissen, dass wir die Codes nicht haben.« Creshal schaltete das Funkgerät ein und wiederholte Freedmans Drohung einige Male, bis der Beschuss eingestellt wurde. »Der Kommandeur der Panzertruppe hat sich gemeldet. Er glaubt uns kein Wort, bietet uns aber großzügigerweise an, unser Leben und vielleicht auch die meisten unserer Körperteile zu verschonen, wenn wir uns ergeben und den Bomben nichts passiert ist.« – »Sag ihm, dass wir nicht bluffen. Wir haben die Codes zusammen mit dem Lagerort vom CIA erhalten.«
Der Kommandeur antwortete, indem er das Feuer wieder eröffnete.

Luftraum über Kaesong, 14:25 Ortszeit
Mike Floyd rückte die Atemmaske zurecht und spähte aus dem Cockpit in Richtung Boden. »Jigsaw zwei an Basis. Erreiche Zielgebiet.« – »Basis an Jigsaw: Bestätigt. Satellitenbilder zeigen Panzerformation nahe Zielgebiet, Peilung 114$^\circ$, 750 Meter. Ausschalten.« – »Verstanden.« Floyd drückte seine A-10 Thunderbolt tiefer und ließ die Gatling warmlaufen. Im Tiefflug steuerte er den Park an, die Panzerformation auf dem Display markiert.

Das Squad hatte sich gerade in die rückwärtigen Räume zurückgezogen, als plötzlich Freedmans Funkgerät anging. »Hat jemand einen Exterminator gerufen?«, fragte Floyd, und betätigte den Abzug der Gatling. Die Panzer wurden von der großkalibrigen Uranmunition förmlich zersägt, und der brennende Uranstaub in der Luft detonierte die Munitions- und Treibstofftanks. Die wenigen Überlebenden bekamen den selben Uranstaub in die Lungen, wo er sich fröhlich strahlend festsetzte und den Körper langsam vergiftete.
Floyd drehte noch eine Runde, um sicherzugehen, dass alle Panzer ausgeschaltet waren, dann drehte er ab und flog zurück. »Helikopter sind in zwei Minuten da, macht euch fertig.«

Munsan, Besprechungsraum 3-A, 21 Uhr Ortszeit
Voigt las sich den Abschlussbericht durch und nickte. »Nun ja, nicht schlecht. Wir haben die Atomwaffen analysiert, sie sind zweifelsfrei russischen Ursprungs, die Politik ist sich aber noch nicht sicher, was wir damit machen. Putin zu reizen dürfte zum jetzigen Zeitpunkt ungesund sein, nachdem wir schon wieder in einem kalten Krieg stecken. Aber das soll nicht ihre Sorge sein. Sie werden der zweiten Infantriebrigade zugeteilt und nehmen vorerst an deren weiteren Operationen teil. Wegtreten!«

Hanfritter
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Post by Hanfritter » Thu, 28. Jan 10, 20:26

Eine sehr interessante, lustige und "freakige" Geschichte^^
Der Name scheint hier wirklich Programm zu sein und dein Schreibstil gefällt mir! Unstimmigkeiten konnte ich jetzt beim ersten mal lesen keine Lesen, nur Mavericks Aktion mit dem "Faust durch Panzer" war ein wenig übertrieben. Das soll aber doch so sein nehme ich? :D

Ich werde die Geschichte mit genuss weiterverfolgen und hoffe auf viele weitere lustige Kapitel!

MfG
Hanfi

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Samuel Creshal
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Post by Samuel Creshal » Thu, 28. Jan 10, 20:30

Hanfritter wrote:...nur Mavericks Aktion mit dem "Faust durch Panzer" war ein wenig übertrieben. Das soll aber doch so sein nehme ich? :D
Naja, es ist wirklich nur ein ganz kleines bisschen übertrieben. Die BTR-60 sind so gut wie gar nicht gepanzert, an der Stelle sind es gerade mal 7mm. Das reicht aus kurzer Distanz nichtmal gegen MG-Feuer. Wenn du dann noch beachtest, dass die Dinger 40 Jahre alt und mindestens 2mm der Panzerung weggerostet sind, bleibt da nicht mehr viel. Maverick hat aber übertriebene Körperkraft, ja.

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Samuel Creshal
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Post by Samuel Creshal » Fri, 29. Jan 10, 17:29

»How about a nice game of… Global Thermonuclear War?«

17. Oktober, nahe Pyongsan, 0530 Ortszeit
Man hatte das Squad um Freedman mit einem neuen Spielzeug ausgestattet: Ein XM1206-Schützenpanzer, der von Maverick prompt auf den Namen »Emma« getauft worden war. Zum allgemeinen Leidwesen war das Platzangebot im Inneren aber nicht wirklich höher als in Betty, was angesichts Freedmans Zigarettenkonsum zu mehr als einer angespannten Situation führte. Während der Anfahrt war noch möglich gewesen, viel und häufig zu entlüften, aber als man sich dem Zielgebiet näherte, wurde der Panzer versiegelt.

Das nächste Etappenziel der alliierten Truppen war Pyongsan, eine Kleinstadt 40km nördlich von Kaesong. Pyongsan war eine wichtige Stadt – hinter ihr lag ein Pass, der nach Sariwon, südlich der nordkoreanischen Hauptstadt Pyongyang führte, und in Pyongsan befand sich eine von drei nordkoreanischen Uranminen nebst Verarbeitungsanlagen. Dementsprechend war das amerikanische Oberkommando scharf darauf, die Stadt möglichst schnell zu erobern, um den misstrauischen Massenmedien einen richtigen Erfolg melden zu können – die russischen Atomwaffen wurden immer noch geheim gehalten, womit man offiziell noch keinen Grund für den Krieg hatte. Angesichts der wieder aufgeflammten Aufstände im Irak und Afghanistan mehr als nur suboptimal.

»Meldung vom Hauptquartier. Wir sollen als Vorauskommando Verwirrung stiften und aufklären«, meldete Heyl vom Funkgerät aus. Sie waren nur noch zwei Kilometer vor Pyongsan und in knapp einer Stunde würde die Sonne aufgehen, das Zeichen für den allgemeinen Angriff – Nachtangriffe hatte man sich abgewöhnt, seitdem die Nordkoreaner dazu übergegangen waren, Nachtsichtgeräte mit Gefechtsfeldbeleuchtung zu blenden.
»Na schön. Abdrehen nach Osten, ich will die Front von Norden aus angreifen.« – »Da, towarisch.« – »Und Cresh? Du kannst aufhören, russisch zu reden.« – »Schade.«
Emma nahm Fahrt auf, und eine Viertelstunde später waren sie an der Stelle, wo Freedman sie haben wollte. Creshal drehte den Panzer und sie fuhren mit Vollgas auf die, in diesem Gebiet nur schwach befestigten, Stellungen der Koreaner zu.


Luftraum über Korea
»Basis an Jigsaw zwei. Drei Fagots im Anflug, abdrehen und auf Jägerschutz warten.« Mike überprüfte das Bordradar. Die MiGs waren auf Kollisionskurs und in vier Minuten in Waffenreichweite. Angesichts der höheren Geschwindigkeit der MiGs war eine Flucht illusorisch. »Jigsaw zwei an Basis. Negativ, Bekämpfung wird selbst übernommen.« – »Negativ, Jigsaw zwei. Abdrehen.« Floyd schaltete das Funkgerät ab und drückte seine A-10 in Bodennähe. Die MiGs folgten dem Manöver und näherten sich schnell. Als sie nur noch knapp einen Kilometer entfernt waren, eröffneten die MiGs das Feuer. Mike wich dem wenig beeindruckt aus und feuerte im Gegenzug mit der Gatling auf eine der MiGs. Die 30mm-Geschosse zerfetzten die Pilotenkanzel und die MiG stürzte ab. Als die restlichen Flugzeuge aneinander vorbeischossen, wendete Mike die A-10 – in dieser Flughöhe war sie deutlich wendiger als die MiGs. Noch bevor diese wieder vollständig gewendet hatten, war die A-10 hinter ihnen und zerschoss das Triebwerk der zweiten MiG. Der Pilot stieg mit dem Schleudersitz aus, nur um von einem abgerissenen Leitwerk seines Flugzeugs zerfetzt zu werden.
Die dritte MiG hatte in der Zwischenzeit ihr Wendemanöver abgeschlossen und eröffnete das Feuer. Floyd wurde durchgeschüttelt, als sein linkes Triebwerk explodierte, feuerte aber noch eine Sidewinder ab. Die MiG beschleunigte und versuchte, unter der Rakete wegzutauchen – erfolglos. Sie schlug direkt unterhalb des Cockpits ein und die MiG explodierte.
Mike wendete das Flugzeug und flog weiter in Richtung Pyongsan. Die A-10 war ein geradezu lächerlich stabil gebautes Flugzeug, ein paar Einschusslöcher und ein fehlendes Triebwerk waren bestenfalls lästig, aber nicht gefährlich.

Am Boden hatte sich das Squad mittlerweile die koreanische Verteidigungslinie erreicht, die hier nur aus einigen wenigen MG-Nestern und einem Schützengraben bestand. Creshal steuerte Emma zwischen zwei MG-Nestern hindurch, mit der Bordkanone auf sie feuernd, und hielt den Schützenpanzer dicht vor dem Graben an.
Maverick, Freedman und die Sonatas sprangen aus dem Fahrzeug und rannten in den Schützengraben, während Creshal den Panzer auf der Stelle drehen ließ und auf eines der MG-Nester zuhielt. Dessen Mannschaft bemühte sich hektisch, das sperrige MG zu drehen, um die nun ihrem Rücken befindlichen Gegner anzugreifen, als Emma schon heran war und sie einfach überfuhr. Die breiten Ketten des Panzers zermalmten Organe und Knochen genauso wie den Stahl des MGs, und der Panzer zitterte kurz, als die Munitionskiste explodierte.

Freedman war in der Zwischenzeit nicht untätig gewesen und hatte mit seiner Schrotflinte im beengten Schützengraben vernichtende Ergebnisse erzielt. Er war etwa dreißig Meter weit gekommen und gerade um eine Ecke gebogen und wollte die ihm gegenüberstehenden Koreaner erschießen – als die Flinte Ladehemmungen hatte. Dreck, Blut und Pulverreste hatten die Feinmechanik verstopft. Einer der Koreaner zückte seine Kalaschnikow und grinste – so lange, bis Freedman ihm die nutzlos gewordene Schrotflinte ins Gesicht rammte, die AK wegtrat und ihm das Genick brach. Der andere hob seine Hände. »Ich ergebe mich!« Freedman zuckte mit den Schultern und erschoss ihn mit der Pistole – was auch immer der Knoblauchfresser ihm hatte sagen wollen, das nächste Mal sollte er gefälligst englisch reden.

Bei Sonnenaufgang starteten die alliierten Truppen den Großangriff. Aber trotz Luftüberlegenheit war das Vorankommen zäh. Die russischen und chinesischen »Freiwilligenverbände« hatten sich in Pyongsan konzentriert und leisteten heftigen Widerstand, und die Häuserkämpfe zogen sich stundenlang hin.


Pyongsan, 11 Uhr Ortszeit, Innenstadt
Das Squad hatte inzwischen, weiterhin von Norden kommend, einige verstreute Häuser am Stadtrand »gesichert«. Da Freedman weder gewillt noch in der Lage schien, zwischen Zivilisten und Kombattanten zu unterschieden, war dieser Vorgang genauso blutig wie schnell.
Creshal und Patrick Sonata hatten den Auftrag bekommen, ein zweistöckiges Wohnhaus zu sichern, das vorher mit Splitter- und Blendgranaten vollgepumpt worden war. Creshal fühlte sich daher relativ sicher, als er das Badezimmer betrat – und bereute dies, als ihn jemand von hinten packte und ihm ein Messer an den Hals drückte. »Bist du allein?«, zischte der Unbekannte und versuchte, ihn zu drehen – und erstarrte, als Patrick ihm eine Pistole in den Rücken drückte. »Ganz schlechte Idee«, knurrte der Koreaner und drückte das Messer gegen Creshals Kehle. »Genossen, entspannt euch. Das ist der falsche Augenblick um nervös zu werden«, krächzte Creshal. Der Koreaner lockerte seinen Griff etwas. »Na schön, ich schlage euch einen Handel vor: Ihr lasst mich gehen, und ich verrate euch dafür ein Geheimnis, dass die Ärsche eurer Kameraden rettet. Klingt das gut?« Creshal übersetzte schnell, und Patrick zuckte mit den Schultern. »Lass hören«, knurrte er, hielt die Pistole aber weiter auf den Koreaner gerichtet. »Oh nein, so läuft das nicht. Sag ihm, er soll die Pistole weglegen, dann können wir uns in Ruhe unterhalten.« Nach einigen Sekunden warf Patrick, augenscheinlich zögernd, die Pistole weg. Dass er die ganze Zeit ein Messer in der anderen Hand hatte, hielt er nicht für erwähnenswert.
»Na schön. Auf einem Hügelrücken nördlich von hier – wo genau, weiß ich nicht – haben die Russen eine taktische Atomrakete stationiert. Euer Oberkommando hat angeblich vor Stunden schon die Drohung erhalten, dass die Rakete eingesetzt wird, und die Russen sind fest entschlossen, das auch zu tun.« – »Faszinierend. Und das weißt du woher…?« – »Ich war beim Transport beteiligt und hab der Bedienmannschaft zugehört. Es gibt nicht viele Waffen, die in gelbschwarzen Bleicontainern transportiert werden, weißt du?« – »Klugscheißer. Na schön, sonst noch was?« – »… Vielleicht? Ich schlage vor, dass ihr mich einfach festnehmt und als Kriegsgefangenen mitnehmt. Die Genfer Konvention sagt euch was?«
In diesem Moment trat Freedman ein, der nachschauen wollte, warum die beiden so lange brauchten. »Nein«, sagte er, und schoss dem Koreaner in den Kopf. »Das nächste Mal beeilt ihr euch gefälligst.« Creshal massierte seinen Hals und wischte sich das Blut vom Hinterkopf. »Das nächste Mal richtest du gefälligst nicht so eine Sauerei an«, grummelte Creshal und machte sich auf den Weg nach draußen.

Zwei Kilometer nördlich von Pyongsan, 13 Uhr Ortszeit
Mit Hilfe von Satellitenbildern war die Raketenstellung schnell gefunden. Das Squad schlich sich zu Fuß an und ging in knapp hundert Meter Entfernung in Deckung, während Creshal mit dem Fernglas die Stellung beobachtete.
Die Stellung war nur schwach bewacht, man rechnete wohl nicht mit einem Direktangriff. Abgesehen von drei Mann, die anscheinend für die Wartung des LKWs und der Rakete zuständig waren, waren nur zwei Mann zur Bewachung abgestellt – man hoffte wohl, die Stellung dadurch so unwichtig erscheinen zu lassen, dass die Alliierten sich Luftangriffe sparten.
Creshal legte sich mit seinem Scharfschützengewehr in Stellung und gab den anderen das Signal zum Angriff. Sollte jemand versuchen, die Rakete während des Angriffs abzuschießen, würde derjenige Probleme bekommen.
Freedman und Maverick stürmten auf den Trupp zu und erschossen noch im Laufen die beiden Wachposten. Die Techniker hoben die Hände und hatten anscheinend wenig Lust, sich heldenhaft zu opfern. Als alles sicher war, kam der Rest des Trupps nach und Creshal untersuchte den Raketenwerfer. »Totschka-Raketenwerfer. Kann Atomsprengköpfe tragen. Scheint, als hätte der Reisfresser recht gehabt.«
Als sie die Techniker verschnürt und im Lastwagen verstaut hatten, sprach Freedmans Funkgerät an. »Basis an alle. Starke nordkoreanische Verbände nähern sich über den Pass, derzeitige Entfernung 20 Kilometer. Der Angriff wird abgebrochen, 5 Kilometer zurückfallen lassen und eingraben. Luftunterstützung derzeit nicht möglich. Ende.« Freedman fluchte. »Das ist Wahnsinn. Wenn die Truppen sich jetzt zurückziehen, müssen wir die ganze sch**** noch mal erobern.« – »Nicht, wenn wir die Nordkoreaner ausschalten.« Creshal blickte zur Rakete. »Was haltet ihr von einem kleinen Atomkrieg?«

Die Rakete flog in einer flachen Bahn auf die nordkoreanische Formation zu und detonierte hundert Meter über ihr.
Der nukleare Feuerball verbrannte alles im Umkreis von fünf Kilometern, selbst in zwölf Kilometern Entfernung reichte die Hitze aus, um Bäume in Brand zu setzen. Die Druckwelle schleuderte weiter entfernte Fahrzeuge, die nicht sofort zu Schlacke zerschmolzen waren, etliche hundert Meter weit, und die radioaktive Strahlung töte die Insassen innerhalb weniger Minuten. Die weiter entfernten Soldaten überlebten anfangs noch, aber nach einigen Stunden starben auch sie qualvoll an inneren Blutungen und Organversagen.
Der Atompilz, über 10 Kilometer hoch, zerfaserte durch aufkommenden Wind langsam nach Norden und ließ seinen nuklearen Fallout auf das Gebirge niederregnen.

Die verblienenen koreanischen Truppen in Pyongsan gaben den Widerstand schnell auf, aus Angst, verstrahlt zu werden, wenn sie länger blieben. Da auch die Amerikaner wenig Lust hatten, noch etwas vom Fallout abzubekommen, zogen sie sich am Abend rasch, aber geordnet zurück und erklärten Pyongsan zur Sperrzone.


Russland, Kreml
»Und?« – »Die Aktion lief wie geplant. Die Rakete wurde eingesetzt – gegen die Koreaner. Wir können es also als amerikanische Aggression darstellen.« – »Sehr gut. Muahahahaha! Mwahahahahahah! Ha! H… Hrr… « Medwedew seufzte und klopfte Putin auf den Rücken. »… Danke«, hustete Putin. »Lassen sie unsere regulären Truppen in den Krieg eingreifen und bereiten sie eine Invasion Westeuropas vor. Und benachrichtigen sie Jintao über unser Vorgehen.« Medwedew nickte. »Sehr wohl.«


CNN
»Hier ist der CNN mit einer aktuellen Sondermeldung. Während der Schlacht um Pyongsan wurde anscheinend von einer Seite eine Atombombe eingesetzt. Noch ist unklar, wer… Entschuldigung, soeben erreicht uns eine Stellungnahme der US-Regierung. Es gab einen Unfall, bei dem eine nordkoreanische Atombombe inmitten ihrer eigenen Truppen explodiert ist. Die Ursache ist noch unklar, durch günstige Windverhältnisse sind aber keine Zivilisten von der Radioaktivität betroffen. Mehr dazu nach der Werbung.«

»Uns erreicht eine weitere Sondermeldung. Die Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit, der die Volksrepublik China, Russland und einige ehemalige Sowjetstaaten angehören, geben offiziell den Amerikanern die Schuld für die Atomexplosion. Der Einsatz verstöße, wie auch die Invasion Nordkoreas, gegen internationales Recht. Die SOZ stellt den Alliierten hiermit ein Ultimatum, sich binnen 12 Stunden aus Nordkorea zurückzuziehen oder, ich zitiere, › die Konsequenzen für diese Verbrechen zu spüren‹ . Eine Stellungnahme des Präsidenten steht noch aus.«


USA, Washington D.C., Oval Office
»Und? Und?« – »Nun, Mr. President, die Lage ist… knifflig. Wir haben keine Ahnung, warum dort eine Atombombe explodiert ist, noch weniger wissen wir, warum ausgerechnet zwischen den koreanischen Truppen. Möglich, dass Kim absichtlich Truppen geopfert hat, um uns Probleme zu bereiten, aber sicher sind wir nicht. Wir werden es dennoch als offizielle Stellungnahme rausgeben.« – »Und was ist mit Vladimir? Ich lass mir von einem Russen doch nicht sagen, was ich zu tun hab!« Der Sekretär seufzte. Warum mussten die Amerikaner unbedingt einen Präsidenten wählen, der bei einem IQ-Test selbst von einem Bigmac übertroffen wurde? »Mister President. Natürlich nicht. Aber bei der angespannten Lage wäre es sinnvoller, wenn wir uns zurückhal–« Bush winkte wütend ab. »Blödsinn, sie immer mit ihrer Zurückhaltung! Wir sind God's own country, wir tun was immer uns beliebt!« Der Sekretär seufzte, verneigte sich und verließ das Zimmer. Irgendwo war bestimmt noch ein Platz in einem Atombunker…

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Post by Samuel Creshal » Thu, 4. Feb 10, 17:18

»All your base are belong to us.«

18. Oktober, Korea, Hauptquartier der US-Garnison in Munsan, Besprechungsraum 3-A, 7 Uhr Ortszeit
Voigt seufzte und legte die Akte beiseite. »Nun, meine Herren, Glückwunsch zu ihrer Aktion in Pyongsan. Sie haben uns mit ihrem Alleingang in den dritten Weltkrieg gestürzt. Ich hoffe, sie sind jetzt glücklich – Freedman, hören sie auf zu grinsen, das war sarkastisch gemeint. Eigentlich sollten wir sie in Stücke hacken und in Wodka eingelegt nach Moskau schicken, damit wenigstens Putin etwas zu Lachen hat. Den Bericht über die von ihnen gesicherten Atomwaffen haben wir übrigens freigegeben, damit wir den Russen wenigstens etwas in die Schuhe schieben können, nachdem das mit Pyongsan nicht geklappt hat.«
Freedman runzelte die Stirn. »Was soll das heißen? Wussten sie von der Atomrakete?« – »Natürlich. Ihr Freund – der, wenn mich nicht alles täuscht, dem nordkoreanischen Geheimdienst angehörte – hatte in der Hinsicht nicht Unrecht. Was meinen sie, warum wir ohne Luftunterstützung angegriffen und so langsam vorgerückt sind? Wir wollten die Kommies zu einem Atomschlag provozieren, damit wir der Öffentlichkeit endlich klarmachen konnten, dass der Krieg gerechtfertigt ist.« Freedman ballte die Fäuste. »Sie wollten zwanzigtausend Amerikaner für ein bisschen PR opfern?!« Mitch legte ihm einen Arm auf die Schulter, im Versuch ihn zu beruhigen – eine schlechte Idee. Freedman fegte Mitch mit dem Arm weg, der durch die Luft geschleudert wurde – und in Mavericks Armen landete. »Na Süßer?« Mitch sprang vor Schreck hoch, und krallte sich an der Decke fest.
Voigt räusperte sich vernehmlich. »Wie dem auch sei… Sie bekommen noch einmal eine Chance, sich zu bewähren. Sie werden für eine noch näher bestimmte Mission nach Norwegen verlegt. Wegtreten.«

Als das Squad sich anschickte, den Raum zu verlassen, öffnete Voigt wieder die Aktenmappe und machte einige Notizen. Nach einigen Minuten hob er den Kopf. »Private Mitch? Sie können die Lampe loslassen, Corporal Maverick ist weg.«


18. Oktober, Deutschland, 8 Uhr MEZ
»Das Ultimatum der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit ist vor einer Stunde ausgelaufen. Die russische Förderation und die Volksrepublik China haben der NATO offiziell den Krieg erklärt. Bundestag und Bundesrat haben der Ausrufung des Verteidigungsfalls zugestimmt, die Bundesrepublik Deutschland befindet sich hiermit im Krieg.«
Tom Reith warf den anderen Soldaten, die sich zusammen mit ihm im Fernsehraum der Kaserne versammelt hatten, einen bedeutungsvollen Blick zu. Ein Krieg gegen Russland und China – mit Merkel als Oberbefehlshaber über die Armee. Das konnte ja heiter werden…

Freedmans Squad war inzwischen in Vardø angekommen und wurde von einem gemischten norwegisch-deutsch-englischen Kommando empfangen. An diesem Frontabschnitt war es relativ ruhig – es gab keine Infrastruktur, die eine größere Armee hätte versorgen können, und das Gelände war zu unwirtlich, um Panzertruppen durchzulassen. Sie hatten noch zwei Tage Zeit, bis die Operation losgehen sollte, über deren Ablauf man sie immer noch nicht informiert hatte.


Luftraum über Korea, 17 Uhr Ortszeit
Mike hatte seine A-10 gegen einen europäischen Eurofighter Typhoon getauscht, den die USA zwecks Vergleichstests geliehen hatten. Nachdem die Russen und Chinesen auch offiziell in den Krieg eingegriffen hatte, war die Situation in der Luft deutlich angespannter. Die größtenteils museumsreifen nordkoreanischen Flugzeuge hatte man recht schnell vom Himmel gefegt, aber die moderneren Flugzeuge der Großmächte bedeuteten eine erhebliche Gefahr für die langsamen Bomber und Schlachtflugzeuge.
Mike wusste nicht, was er von dem Eurofighter zu halten hatte. Die Flugeigenschaften waren gut, aber der Autopilot… »Computer, Angriff Alpha, Go!« – »Es tut mir Leid, Dave. Ich fürchte, ich kann das nicht tun.« – »Was?!« – »Nur ein Witz. Angriff auf Ziel Alpha, verstanden.« Ein Schwarm Sidewinder-Raketen löste sich und flog auf das Ziel zu, das sich in Zwischenzeit nur noch am Rand des per Radar sichtbaren Bereichs befand. Mike drehte fluchend ab und nahm seine Patrouille in Richtung Wladiwostok wieder auf.
Nach zehn Minuten bekam er endlich eine neue Chance. »Basis an Jigsaw zwei. Pulk von drei Flankern zwanzig Kilometer Nordwesten. Ausschalten.« – »Bestätigt.« Der Eurofighter drehte bei und beschleunigte. »Computer, Radarscan von Ziel C.« – »The cake is a lie!« – »Noch so ein Spruch, und du wirst du Windows ersetzt!« – »Schon gut, schon gut. Ziel C gescannt, Radarecho deutet auf hohe Außenbeladung. Wahrscheinlich Jagdbomber. – Alarm. Ziel hat Radarscan erwidert.« Mike schaltete das aktive Radar endgültig ein und beobachtete, wie zwei Flieger wendeten und auf ihn zuflogen. Er feuerte zwei Sidewinder ab, was die Flanker mit dem Ausstoß von Täuschkörpern und dem Abschuss von vier eigenen Raketen beantworteten. Mike ließ sein Flugzeug durchsacken und stieß ebenfalls Täuschkörper aus. Die Raketen explodierten wirkungslos, als sie mit den Täuschkörpern kollidierten, während die Flanker auseinanderstoben, damit eines von ihnen in Mikes Rücken gelangen konnte, während Mike das andere bekämpfte. Er grinste und gab Vollschub. Der Eurofighter beschleunigte mit 9g durch die Angreifer hindurch und feuerte aus kurzer Distanz eine Iris-Rakete auf die dritte Flanker ab. Die Rakete ignorierte die Täuschkörper und traf den trägen Jagdbomber am Heck. Das Flugzeug trudelte mit brennendem Triebwerk ab, und dichter Rauch und Trümmer behinderten für kurze Zeit die Ortung der restlichen Gegner, die umständlich auswichen. Mike hatte seinen Eurofighter in der Zwischenzeit in einer engen Kurve gedreht und beschoss eine Flanker von unten aus der Bordkanone. Die Geschosse trafen einen Treibstofftank, und 3 Tonnen explodierendes Kerosin bahnten sich ihren Weg durch den Rumpf. Die Su-27 explodierte und überschüttete den Eurofighter mit Trümmern. »Raketen defekt, ein Bordcomputer beschädigt, zwei Treibstoffleitungen undicht. Triebwerksleistung aus Sicherheitsgründen gedrosselt«, schnarrte der verdächtig kooperative Bordcomputer. Mike warf die überflüssig gewordenen Raketen ab und sah sich um. Die dritte Flanker war hinter ihm und versuchte, in eine gute Position für einen Beschuss mit der Bordkanone zu kommen. Mike beschleunigte vorsichtig mit 4g und tat so, könne die Maschine nicht mehr leisten. Der (mittlerweile vermutlich mehr als nur leicht wütende) Pilot biss an und folgte ihm, ohne ihn direkt zu beschießen. Mike beschleunigte plötzlich mit den (nun maximal möglichen) 8g, zog den Eurofighter steil hoch, schaltete das Triebwerk ab – und sackte senkrecht nach unten, während die Flanker über ihn hinweg vorbeiflog. Mike drückte die Nase des Eurofighters wieder waagerecht, beschleunigte und nahm seinerseits das Heck der Flanker ins Visier. Noch bevor der Pilot sich zu ähnlich waghalsigen Manövern durchringen konnte, schoss Mike die Tragflächen des russischen Jägers ab und beobachte, wie er in einer immer steiler werdenden Kurve abstürzte.
»Jigsaw zwei an Basis. Alle Ziele ausgeschaltet, minimale Beschädigungen. Kehre zur Basis zurück.« – »Verstanden, Jigsaw zwei. Übrigens, nach dem fünften Feindabschuss gibts eine Flasche Whiskey vom Kommandanten. Melden sie sich in seinem Büro.« – »Mit dem größten Vergnügen.« Er schaltete das Funkgerät ab. »Computer, Autopilot. Rückkehr zur Heimatbasis.« – »All your base are belong to us!« Mike zielte und zertrümmerte mit der Faust ein Display des Computers. »Physische Gewalt ist keine Lösung für Probleme.« – »… Sprach das schnellste und tödlichste Jagdflugzeug der Welt.« – »Ich töte nicht, um irgendwas zu erreichen. Ich töte, weil es Spaß macht. Im Übrigen solltest du etwas freundlicher zu der Entität sein, die deinen Schleudersitz kontrolliert.« Mike nahm sich vor, mit den Technikern ein ernstes Wörtchen zu reden. Omnizidale Robotflugzeuge waren genau das, was sie jetzt am wenigsten gebrauchen konnten…


Norwegen, Vardø, 19 Uhr Ortszeit
Der Tag war weitgehend ruhig verlaufen, von zwei Luftalarmen abgesehen, als die Russen versuchten, den Flughafen zu zerbomben. Das Squad hatte sich notgedrungen mit der Langeweile abgefunden und die Zeit totgeschlagen (Freedmans Hoffnung, die russischen Bomber würden tief genug fliegen, dass er sie mit einem MG beschießen konnte, hatten sich zur allgemeinen Erheiterung nicht erfüllt).
Creshal hatte sich, als gegen 4 Uhr die Sonne unterging, in die erstbeste Bar zurückgezogen und probierte methodisch die vorhandenen Wodka-Sorten durch, während sich die Bar langsam mit Gästen füllte. Irgendwann schlängelte sich die Tatsache, dass neben ihm jemand saß, durch den Alkoholschleier in seinem Gehirn, und er drehte den Kopf. »N'Abend.« Die junge Frau verzog das Gesicht und seufzte. »… Hallo.« – »Was macht jemand wie du an einem Ort wie dem hier?« – »Pilotin einer C-130 Hercules der Royal Air Force. Noch irgendwelche Fragen, für die ich Ihnen eigentlich die Zähne ausschlagen sollte? Viel mehr Narben lassen sich in dem Gesicht ja leider nicht mehr unterbringen.« Samuel versuchte zu grinsen. »Ich glaube, das ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.« Sally stellte ihr Glas ab und schlug zu. Die Richtung, in der sich die Unterhaltung entwickelte, gefiel ihr gar nicht, genauso wenig wie alles andere an dieser beschissenen Situation, in die Amerikaner wie er sie gebracht hatten. In einen Weltkrieg zu ziehen war nicht unbedingt das, was ihr bei der Einmusterung vorgeschwebt hatte, und jetzt auch noch das. Während Samuel versuchte, sich wieder vom Boden zu lösen, verließ sie die Bar und ging zurück zum Hotel, dass beschlagnahmt und zur improvisierten Kaserne erklärt worden war. Auf halben Weg kam ihr ein anderer Amerikaner entgegen, der sichtlich nervös die Hand hob. »E… Entschuldigung, haben sie zufällig meinen Kameraden gesehen? Corporal Creshal. Groß, blond, Narbe im Gesicht, vermutlich betrunk–« Sally deutete auf die Bar. »Liegt in der Bar dem Boden. Bringen sie ihn am besten zum Arzt, ich dürfte ein paar Zähne erwischt haben«, knurrte sie und rieb sich die rechte Hand. Mitch wich zwei Meter zurück, bedankte sich und beeilte sich, Abstand zu gewinnen. In der Bar angekommen, half er Creshal, wieder auf die Beine zu kommen und schleppte ihn zurück zur Kaserne. Zähne hatte er keine verloren, aber das rechte Auge würde noch einige Tage länger blau sein als der Rest des Körpers.
Im Foyer des Hotels wurde er vom Rest des Squads erwartet. Maverick warf sich den immer noch betrunkenen Creshal wie einen Kartoffelsack über die Schulter und schleppte ihn in das Gemeinschaftszimmer. Dort kam Creshal wieder zu sich, und schüttete den Kaffee hinunter, den Heyl ihm wortlos hinhielt. »Danke. Warum habt ihr mich geholt?" Freedman hielt eine Mappe in die Höhe, die das Logo der NATO zeigte. »Morgen um sechs Uhr ist Briefing der Mission. Ich hielt es für sinnvoller, wenn du dann keinen zu schlimmen Kater hast.« Creshal schnaufte verächtlich. »Echte Russen haben keinen Kater!« Greeve Sonata verdrehte die Augen. »Du bist halber Schwede, hör auf mit dem › Echte Russen‹ -Kram.« Creshal ließ sich hintenüber auf Bett fallen und schnarchte vernehmlich. Der Rest des Squads (mit Ausnahme von Mitch, der nach der Begegnung mit Sally sicherheitshalber unter Drogen gesetzt worden war und entsprechend glücklich schielend in der Ecke saß) schlug sich unisono mit der Hand auf die Stirn und ignorierte Creshal für den Rest des Abends.

Raz0rking
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Post by Raz0rking » Sun, 7. Feb 10, 10:15

nemmt mich freak, aber das ist geile sch******
XD

lol..der eurofighter ist cool^^
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jadmanthrat
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Post by jadmanthrat » Mon, 8. Feb 10, 01:53

Raz0rking wrote:nemmt mich freak, aber das ist geile sch******
XD
Freak, aber JA! Crazy Shit^^
Raz0rking wrote:lol..der eurofighter ist cool^^
Noch einmal: JA! Ist halt europäische Qualitätsarbeit :P


Und zum Schluss muss ich sagen, dass mich die Geschichte etwas an "Ray Bangs" erinnert, wenn auch die ganzen Aktionen geplant sind und nicht aus Versehen passieren :D
Achja: Wann gehts weiter?! :lol:

Raz0rking
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Post by Raz0rking » Wed, 10. Feb 10, 14:20

mei..wo bleiben die kapitel..das zeug ist cool ^^
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Samuel Creshal
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Post by Samuel Creshal » Wed, 10. Feb 10, 17:19

Hetzt mich nicht, ansonsten steck ich euch in eine Gummizelle mit Maverick. :P

Edit: *TeX2BB-Konverter slap* Das Ding hat mal wieder einen halben Absatz gefressen... *grummel*


»Will I dream?«

19. Oktober, Vard\o, Konferenzzimmer, 6 Uhr Ortszeit
Das Squad hatte sich, mehr oder weniger wach, ins Konferenzzimmer begeben. Creshal litt immer noch unter den Nachwirkungen von gefühlt zwanzig verschiedenen Wodkasorten. Seine Hoffnung, der Tag könne nicht noch schlimmer werden, enttäuschte sich, als Sally zusammen mit ihrem gemeinsamen Vorgesetzten eintrat. Sally und Creshal zuckten zusammen, als sie einander sahen, und Lieutenant Churchill warf Sally einen fragenden Blick zu. »Irgendwelche Probleme, Sergeant Turner?« – »Nein, Sir«, antwortete Sally kühl und setzte sich neben Mitch, der sich soweit wie möglich auf seinem Stuhl zusammenkauerte.
Lieutenant Churchill legte eine Karte der skandinavischen Halbinsel auf den Projektor und deutete auf einen Punkt in der Nähe von Murmansk. »Nun, Ladies und Gentlemen, wie ihnen vielleicht bekannt sein dürfte, sind in und um Murmansk etwa zwei Drittel der russischen Flotte stationiert, insbesondere fast sämtliche Atom-U-Boote. Aufgrund der Probleme nach dem Zusammenbruch der USSR sind viele dieser U-Boote nicht seetauglich und rosteten die meiste Zeit der Neunziger vor sich hin. Das änderte sich mit Amtsantritt von Putin zwar merklich, ein Großteil der Flotte liegt aber immer noch vor Anker und wartet auf Ersatzteile, Mannschaft, oder Treibstoff. Das Ziel von Operation Tiger wird es sein, diese Schiffe auszuschalten – allen voran die Atom-U-Boote. Die Überwasser-Flotte ist strategisch uninteressant, die U-Boote können uns aber noch einige Probleme bereiten. Wir werden daher in jedem der sieben Häfen der Nordflotte Kommandoeinheiten einsetzen, um so viele U-Boote wie möglich zu zerstören. Sie werden in Ara-Bay eingesetzt. Nach unseren Informationen liegen dort 10 einsatzbereite und mehr als zwei Dutzend mehr oder weniger defekte U-Boote vor Anker. Ihre Aufgabe wird es sein, Aufklärung zu leisten und eventuell vorhandene Truppen auszuschalten, danach wird eine größere Einheit Fallschirmspringer eingesetzt, die die U-Boote sichert. Nach Ende dieser Operation werden sich alle Trupps südlich von Ara-Bay vereinen und dann gemeinsam einen Ablenkungsangriff auf Murmansk durchführen. Mit etwas Glück binden sie damit einen Teil der Truppen, die derzeit in Lettland eingesetzt werden. Fragen bis hier hin?« Freedman hob die Hand. »Wie lange soll dieser Ablenkungsangriff geführt werden, und ab wann können wir mit zusätzlicher Verstärkung rechnen?« Churchill spielte nachdenklich mit seinem Kugelschreiber. »Es wird keine Verstärkung geben. Wir haben absolut keine Reserven mehr. Ihr Angriff soll uns auch die Möglichkeit geben, einen Teil der Schiffsmannschaften direkt an der Front einzusetzen, damit wir wenigstens kurzfristig unsere Verluste ausgleichen können, bis die neu eingezogenen Rekruten soweit sind, dass sie zumindest als Kanonenfutter taugen. Russland hat zwar ähnliche Probleme wie wir, aber China hat genug Reserven, dass wir selbst dann verlieren, wenn auf jeden unserer Verluste vier Gegner kommen. Ein weiterer Atomangriff«, sagte er und warf Freedman einen vernichtenden Blick zu, »wäre erst recht Selbstmord. Sie sehen, wir sind verzweifelt. Versuchen sie, die Chancen etwas zu unseren Gunsten zu verändern. Das wäre alles. Sie starten um 1700, um 1900 ist Absprung. Die zweite Welle kommt morgen gegen 0300, bis dahin muss das Gelände sicher sein. Sonst noch Fragen?… Gut, wegtreten.«

»Hey, Sie! Creshal!« Creshal drehte sich um und grinste. »Ah, Miss Turner. Immerhin erinnern sie sich noch an meinen Namen.« Sally winkte ab. »Der steht auf Ihrer Uniform. Nein, ich wollte sie etwas fragen. Was meinte Churchill mit dem Atomangriff? Waren sie an diesem wahnsinnigen Angriff beteiligt?« Creshal hüstelte nervös. »Wie sie sicher gehört haben, hatten wir damit nichts zu tun. Es war ein Unf–« – »Ach, hören sie auf. Jeder weiß, dass ihr Amerikaner den Angriff geführt habt. Ich weiß, dass Sie vor dieser Operation in Korea stationiert waren. Also, wie tief stecken Sie da drin?« Creshal zuckte mit den Schulter. »Ich bin Ihnen keine Rechenschaft schuldig. Aber wenn Sie die Güte hätten, mich zum Frühstück zu begleiten, könnte ich eventuell drüber nachdenken«, sagte er grinsend und deutete eine Verneigung an. Sally verdrehte die Augen. »Träumen sie weiter. Gut, ich werde es so oder so rausfinden. Sollten Sie damit irgendwas zu tun haben, werden Sie das noch bereuen.« Samuel zuckte mit den Schultern und wandte sich ab. »Ich hab schon beeindruckendere Drohungen gehört. Also dann, bis später. Ich bin in der Kantine, falls du es dir anders überlegen solltest.«

In der Kantine fand Samuel Mitch, Heyl und Freedman vor, die sich durch ein englisches Frühstück quälten. Creshal nahm sich seine Portion des undefinierbaren Breis und Toast mit Baked Beans und setzte sich neben die beiden. Mitch stupste die Baked Beans an, aus Angst, sie würden zurückbeißen, während Freedman mit vollem Mund Samuel fragend anschaute. »Ist was?« – »Wasch hascht du…«, begann Freedman, schluckte, und räusperte sich. »Was hast du mit der heißen Engländerin besprochen? Liebe auf den ersten Schlag?« Creshal bewarf Freedman mit Mitchs Bohnen (der erleichtert war, dass er das seltsame Zeug nicht mehr essen musste) und verzog das Gesicht. »Ich glaube, sie ist wegen unserer kleinen Atomaktion angepisst und sucht jemanden, dem sie dafür den Hals umdrehen kann. Und sie glaubt, dass ich der Richtige dafür bin.« – »Also doch Liebe auf den ersten Schlag.« – »Themenwechsel, oder du wirst den Rest der Woche nur noch Suppe essen können.« – »Wenn es weiter Baked Beans gibt, eine gute Idee.«
Heyl saß nachdenklich neben den Beiden und würgte gedankenverloren das Essen runter. Mitch beobachtete ihn, und als Freedman und Creshal ihren rituellen Morgenstreit hinter sich gebracht hatten, tippte er Heyl an. »Ist etwas?«, fragte Mitch nervös. Heyl schrak auf, schüttelte dann aber den Kopf. »Ach, nichts, nur… Ich habe über unsere Chancen nachgedacht. Langfristig gesehen. Es sieht nicht danach aus, als hätten wir sonderlich gute Chancen, oder?« Creshal zuckte mit den Schultern. »Nun ja, Kontinentaleuropa werden wir wohl abschreiben können. Aber Landeunternehmen in England, Japan oder Taiwan wären für die Organisation trotzdem Selbstmord.« – »Und wenn sie Atomwaffen einsetzen?« – »Bei einem ausgewachsenen Atomkrieg gibt es keine Gewinner, und das weiß Putin. Ansonsten hätte er schon auf die eine Nuke mit einem vollen Gegenschlag geantwortet. Unsere Hauptsorge ist, die Lufthoheit zu behalten und in Europa möglichst großen Schaden bei möglichst geringen Verlusten anzurichten. Danach… zur Hölle mit Korea und Europa, sehen wir zu dass Amerika überlebt.« – »Aber wir haben diesen Krieg angefangen, darunter sollten nicht andere leiden müssen.« Heyl schüttelte den Kopf. »Das ist einfach nicht richtig.« – »Nun, dann werden wir verlieren. Nicht nur Europa, sondern alles. Schöne neue Welt, die von einer turbokapitalistischen Diktatur beherrscht wird!«, sagte Creshal übertrieben theatralisch. Mitch kratzte sich am Kopf. »Und was ist der Unterschied zur jetzigen turbokapitalistischen Diktatur?« – »Dass wir dann zu den neunzig Prozent gehören, die für die oberen zehn Prozent sch**** fressen müssen«, antwortete Creshal trocken und winkte ab, als Freedman zu einer Antwort ansetzte. »Ja, ich weiß, wir sind keine Diktatur. Bei uns wird der Autokrat völlig demokratisch von der Industrie gewählt.«
Mitch und Heyl duckten sich unter den Tisch, als Freedman und Creshal anfingen, sich gegenseitig mit Essensresten, Messern und Flüchen zu bewerfen.


Luftraum über Taiwan, 14 Uhr Ortszeit
»I can has fuel?« – »Ich dachte, die Techniker hätten dich ausgetauscht?« – »Mein Tod macht mich nur stärker.« Mike verfluchte den Programmierer, der den Eurofighter mit Memen und schlechten Filmzitaten gefüttert hatte und wünschte sich, er könnte das Ding im Flug rausreißen. »Wir haben noch für eine Stunde Treibstoff, und jetzt Ruhe auf den billigen Slots!« – »Pfft. Wenn der Herr meinen… « Mike atmete auf, als der Eurofighter endlich ruhig blieb und kreiste weiter über Taiwan.

»Darf ich Milord darauf hinweisen, dass er bis zum Hals in Schwierigkeiten steckt, oder wollen Milord immer noch nicht gestört werden?« Mike verdrehte die Augen. »Was ist jetzt wieder?« – »Achtzig Flieger verschiedener Bauarten im Anflug auf Taiwan. AWACS hat Großalarm ausgelöst, vermutlich wollen die Kommunisten eine Luftlandung durchführen. Entsprechende Helikopter und Transportflugzeuge wurden auch geortet, befinden sich aber noch außerhalb unseres Radarbereichs. Taiwanesische und japanische Verbände sind zur Verstärkung unterwegs, brauchen aber noch länger als eine Stunde. Wo wünschen Milord zu sterben? Über Taiwan oder auf der Flucht vor den Kommies?« – »Noch so ein subversiver Kommentar, und ich lasse dich standrechtlich erschießen.« – »Ich bin sehr gespannt, wie du das anstellen willst. Aber gut, Angriffskurs, Aye. BANZAI!«
Der Eurofighter wendete und flog mit voller Beschleunigung auf die feindliche Formation zu. Als er näher kam, schlug der Annäherungsalarm an. »Zwanzig Luftabwehrraketen im Anflug. Täuschkörper ausgestoßen, aber hohe Wahrscheinlichkeit, dass ein paar trotzdem durchkommen. Da scheint jemand auf Nummer sicher gehen zu wollen. Ich hoffe, du hast mit deinem Gott Frieden geschlossen.« – »Ruhe da unten«, knurrte Mike und drückte den Eurofighter dicht über die Wasseroberfläche. Der Fahrtwind des mit Überschallgeschwindigkeit fliegenden Eurofighters wirbelte dichte Wasserwolken auf, die die Abgasstrahlen des Flugzeugs abkühlten und eine Infrarotpeilung erschwerten. Die gleichzeitig ausgestoßenen letzten Täuschkörper schafften es, zusätzlich einige Raketen zu verwirren. »Nicht übel, Affe. Noch drei Raketen hinter uns, Einschlag in dreißig Sekunden.« Mike gingen langsam die Optionen aus. »Okay, Bitfresser. Hast du noch Vorschläge?« – »Du erkennst also endlich an, dass ich dir geistig überlegen bin? Wurde aber auch Zeit.« Der Eurofighter feuerte die drei Luft-Boden-Raketen ab, die montiert waren, und programmierte sie so, dass sie dicht hinter dem Eurofighter herflogen. Die Luftabwehrraketen bissen an, und kollidierten mit ihnen. »Okay, danke. Ich nehme alles zurück, was ich über deine Demontage gesagt habe.« – »Na bitte, geht doch. Darf ich daran erinnern, dass das nicht alles was? Wir haben drei Feindflieger hinter uns, und dein kleines Manöver hat uns den Großteil unseres Sprits gekostet. An deiner Stelle würde ich über Land fliegen und den Schleudersitz benutzen.« – »Rückzug ist keine Option.« – »Wie du willst. Alternative: Wir befinden uns hinter der feindlichen Linie und sind derzeit noch schneller als die Verfolger. Wir können die Transportflugzeuge angreifen.« – »Das klingt schon eher nach einem Plan.« Mike drehte in Richtung des chinesischen Festlands ab und orientierte sich anhand der AWACS-Angaben.
Nach einigen Minuten war der Treibstoff beinahe aufgebraucht und der Eurofighter ging in einen steilen Gleitflug über, der auf den Flughafen zeigte. Die Verfolger waren immer noch außer Reichweite, und die Luft-Luft-Raketen waren behelfsmäßig auf Luft-Boden-Angriff umprogrammiert. Als sie noch zehn Kilometer entfernt waren, schoss der Eurofighter die Raketen auf die erkannten Ziele ab. Die Raketen detonierten in Treibstofftanks und Flugzeugen, und schalteten einige aus. Als es nur noch fünfzehn Sekunden bis zum Einschlag waren, bereitete sich Mike auf den Ausstieg per Schleudersitz vor. »Mike? Eine Frage noch.« – »Ja?«, fragte Mike überrascht. »… Werde ich träumen?« – »Ich hoffe es. Lebwohl.« Der Schleudersitz wurde ausgelöst, und Mike beobachtete, wie der Eurofighter in einem Tanklaster einschlug und die Detonation ein halbes Dutzend Helikopter zerstörte oder beschädigte.

Mike wurde von einigen sehr wütenden Chinesen in Empfang genommen, die ihn in einen Laster steckten und zum nächsten Geheimdienstbüro brachten.


Lettland, 7 Uhr Ortszeit
Die Bundeswehr war in der Zwischenzeit ins Baltikum verlegt worden, um die russische Armee möglichst weit weg vom eigenen Gebiet abzufangen. Da die meisten schweren Fahrzeuge noch in Afghanistan waren oder an andere NATO-Staaten verliehen waren, weil diese selber keine vernünftigen Panzer bauen konnten, war die Lage entsprechend kritisch.
Tom Reith verwünschte zum zehnten mal an diesem Tag die Sparpolitik der Regierung, dank derer auf jeden deutschen Panzer fünf gegnerische kamen. Man hatte ihre Einheit notdürftig mit Panzerfäusten ausgestattet und sogar die alten Gewehrgranaten aus den Depots geholt, die schon in den Sechzigern nicht mehr als eine Notlösung gewesen waren. Er duckte sich in seinen Schützengraben und schraubte die nächste Granate auf den Lauf seines Gewehrs. Das Gewehr gegen die rückwärtige Wand des Grabens abstützend, zielte er auf einen näherkommenden T-72, der einen anderen Abschnitt des Grabens unter Beschuss nahm. Er zielte auf eine der Ketten, und schoss. Die Granate flog in einer flachen Parabel und detonierte zwischen zwei Kettenfragmenten, die auseinanderrissen. Der Panzer stoppte sofort, während sich die Kette endgültig ablöste. Reith duckte sich und rannte so schnell er konnte, während der Panzerkommandant den Turm herumschwenkte und den Abschusspunkt unter Beschuss nahm.
Ein italienischer Soldat half ihm in den improvisierten Kommandobunker (der nur aus einigen notdürftig zusammengelöteten Stahlplatten und Betonblöcken bestand), während die Artillerie den unbeweglichen Panzer unter Beschuss nahm. Tom nickte ihm zu und ließ sich neben dem französischen Kommandant auf einen Klappstuhl fallen. »Und? Wie stehen unsere Chancen?« Der Franzose winkte ab. »Sechs Stunden, wenn wir unsere Munition weiter so verheizen. Zwölf Stunden, wenn wir uns auf wichtige Punkte beschränken. Egal was wir machen, in zwei Tagen wars das mit dem Baltikum. Dann stehen wir in Königsberg. m****!«

Ban
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Post by Ban » Fri, 12. Feb 10, 01:25

Das Problem mit deiner Geschichte ist, dass sie nicht vollkommen ernst ist und dementsprechend einen verhältnismäßig hohen Anteil an zynisch-komischen Szenen hat - nicht, dass dagegen generell etwas einzuwenden wäre -, was eine Analyse jedenfalls in diesem Falle erschwert. Dennoch gibt es natürlich einige doch recht deutliche Akzente, die der Erwähnung bedürfen, beispielsweise eine gewisse authentisch-negative Beschreibung amerikanischer Waffentechnologie, europäischer Rüstungsmaßnahmen und Denkweisen der Hochpolitik (wenn auch bisweilen etwas vereinfacht und zynisch-sarkastisch). In dieselbe Kerbe fallen zum Beispiel überspitzt dargestellte Gefechtscomputer in Kampfflugezeugen, die mit zugegebenermaßen interessanten Zitaten gespickt sind ... oder bei jenem dargestellten Beispiel waren. Gnade der mechanischen Seele der Maschine und der möglicherweise noch lebenden Person des Piloten. Sie haben ihrem Land und dessen Bündnis einen hohen Dienst erwiesen, wie man so schön schreibt - ob es das wert war, ist die Frage, aber als Amerikaner stirbt man bekanntlich gefälligst gerne für sein Vaterland. [Hat man gefälligst gerne für sein Vaterland zu sterben] (Einen bitteren Beigeschmack hat dieser Kommentar aus gewissen Gründen dennoch, aber so ist nun mal die Ideologie dieses Landes.)
Wo ich ohnehin schon bei dieser Ideologie angelangt bin, die ein zufälligerweise nach dem Autor benanntes Mitglied des Kommandoteams so ausnehmend zynisch und kritisch befolgt, kann ich das auch noch ein wenig analysieren. Diese amüsante und meiner Sicht nicht wirklich widersprechende Sicht Amerikas und seiner Bewohner, die im letzten Kapitel beschrieben wird, trifft wohl sehr genau, wofür die US-Soldaten in Wahrheit kämpfen: Dafür, sich weiter als die Krone der Schöpfung bezeichnen zu dürfen und in Wahrheit die Marionetten der mächtigsten Industrie der Welt zu sein. Tolle Sache, aber nichtsdestoweniger amerikanisch-wahr. Dass Freedman als klassischer Amerikaner das ablehnt, passt da nur zu gut ins Bild, denn der Patriot aus dem fundamentlosen Fertighaus von nebenan lässt keine Kritik an seinem heiligen Vaterland, Verteidiger von Demokratie und Freiheit, zu. Wie sich das gehört und so. Heyl hingegen hat mehr die europäisch-deutsche "Wir sind Schuld"-Methodik angewandt, zumindest in besagtem letzten Kapitel, scheint aber auch so mehr einem ...harmloseren Menschenschlag anzugehören, einem mit Moral, wie es hieß. Dazu kommt dann noch Mitch, dessen Mentalität im Großen und Ganzen nicht zu den Wahnsinnigen und schon beinahe Kriegssüchtigen in seinem Team passt - ich frage mich wirklich, wie er in dieses Team gekommen ist und wieso er geblieben ist.
Jetzt noch schnell zu den neuen Charakteren, also Tom Reith und Sally Turner. Ersterer hat das große Pech bei einem Militär arbeiten zu müssen, das zwar zu einem Land gehört, das vernünftige militärische Ausrüstung entwickeln und bauen kann, aber dummerweise in einem Bündnis ist, dessen andere Mitglieder eben das nicht wirklich können. In einem solchen Krieg und mit der Aussicht, als erstes westeuropäisches Land an der Front zu sein, erweist sich das freilich als kapitaler Fehler. Allerdings sollte man vielleicht doch nicht vergessen, wie gut Militärs bisweilen kämpfen können, wenn das auf dem Spiel steht, was sie schützen wollen und es keine zweite Chance mehr gibt. Außerdem könnten selbst Franzosen und Italiener in den letzten Jahrzehnten etwas über Kriegsführung dazu gerlent haben (Sehr unwahrscheinlich, ich weiß.), zumal Europa nicht so schnell fallen dürfte. Die Truppen von China müssen schließlich erst einmal verlegt werden - und dabei dürfen sie noch einen kleinen Abstecher nach Afghanistan machen, schätze ich, um die dortigen NATO-Kräfte auszuschalten. Wäre ohnehin interessant zu wissen, wie sich die Mächte im nahen und mittleren Osten verhalten. Allzu sehr mögen die die Chinesen und Russen auch nicht - klar, die Amerikaner auch nicht, aber die haben beide ein ziemlich niedriges Ansehen da unten. Und dann ist da noch Israel...
Und was Sally angeht, so ist sie schlichtweg ein recht sympathischer Charakter mit ihrer Einschätzung der Amerikaner und ihrer wohl zu dieser Meinung gehörigen Schlagfertigkeit. Ein Wunder, dass sie sich bisher nur mit Creshal angelegt hat, aber vielleicht ist das nur die Folge dieser ... erstklassig gestalteten ersten Begegnung.

Greetz Ban

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Post by Raz0rking » Tue, 16. Feb 10, 14:18

Dito

allerdings..wo bleibt neues kapitel^^
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Samuel Creshal
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Post by Samuel Creshal » Fri, 26. Feb 10, 18:25

Necessary Sacrifices

Vardo, 12 Uhr Ortszeit
»Nein, der Fallschirm wird dich weder auffressen noch ersticken«, sagte Heyl zum dritten Mal, und fragte sich mit wachsender Verzweiflung, was er mit Mitch machen sollte. Dieser hatte sich in seinen Spind geflüchtet und weigerte sich, den Fallschirm anzuziehen. Freedman, der mit den Sonatas pokerte, warf Heyl einen genervten Blick zu. »Setz ihn unter Drogen und pack ihn in Mavericks Rucksack. Oder wir lassen ihn hier. – Patrick, wenn du schon schummelst, solltest du wenigstens darauf achten, keine drei Herz-Ass zu haben.« Greeve warf seine Karten weg und ging zum Spind. »Okay, Kenneth. Entweder du kommst jetzt raus, oder wir binden den Fallschirm am Spind fest und werfen euch beide ab.« Mitch wimmerte und machte langsam die Tür auf. »Das ist unfair.« Heyl nahm Mitchs Arm und führte ihn in die Krankenabteilung, in der Hoffnung, dort etwas zu finden, was Mitch wieder halbwegs beruhigen konnte.

Creshal schlug die Zeit auf dem örtlichen Schießstand tot, zusammen mit ein paar norwegischen Soldaten. Sie fachsimpelten gerade darüber, welches Scharfschützengewehr im Winter robuster war, als ihn ein Gewehrkolben am Hinterkopf traf. »… Sergeant Turner?«, stöhnte Creshal, und drehte sich um, während er die Beule betastete, was ihm einen weiteren Schlag ins Gesicht einbrachte.
Es brauchte drei Soldaten, um Sally davon abzuhalten, Creshal weiter zusammenzuschlagen, der vorsichtshalber außer Reichweite kroch. »Wissen sie, ich würde es bevorzugen, wenn sie ihre Gefühle für mich wie jede andere Frau ausdrücken würd–« Creshal duckte sich, als Sally sich losriss und wütend vor ihm aufbaute. »Sie haben Nerven! Sie haben den dritten Weltkrieg angefangen und wagen es, so zu tun als wäre nichts passiert? Was für ein Monster bist du eigentlich?« Creshal stand langsam auf und betastete seinen Körper. »Nachdem Sie ja schon die Gelegenheit hatten, sich auszutoben, können wir das jetzt in Ruhe besprechen? Ich kann schlecht reden, wenn Sie mir den Kiefer brechen.« Er humpelte in Richtung Kantine weg, ohne auf eine Antwort zu warten.
»Kaffee? Tee? Ich bezahle.« – »Earl Grey.« Sie setzten sich in eine ruhige Ecke der Kantine, und Creshal verzog das Gesicht, als sich etliche geprellte Körperteile über die Bewegung beschwerten. »Und jetzt reden Sie.« Creshal zuckte mit den Schultern und kippte sich den Kaffee in einem Zug runter. »Worüber? Ja, wir haben eine Atomrakete in Korea eingesetzt. Ja, ich war direkt daran beteiligt. Wenn du es genau wissen willst – es war meine Idee. Aber mach dir keine Illusionen, dass der Krieg deswegen meine Schuld ist. Russland und China hatten ihre Finger schon vorher bis zum Anschlag drinstecken. – Und bevor du mich mit der Tasse erschlägst: Ja, unsere Regierung auch, immerhin sind wir zuerst einmarschiert, ich weiß. Was hättest du an meiner Stelle gemacht, mit 50000 Gegnern auf der einen Seite, 20000 von deinen Leuten auf der anderen, und dazwischen du mit der Nuke? Wenn man nichts hat als einen Hammer, ist die ganze Welt ein Nagel, und man schlägt drauf.« – »Hübsche Metapher, aber trotzdem. Ihr Amerikaner könnt einfach nicht verlieren, oder?« – »Das British Empire hat auch einen Weltkrieg gebraucht, um einzusehen, dass es nicht mehr die größte Weltmacht ist. Außerdem, hier geht es nicht nur um › gewinnen‹oder › verlieren‹ . Die nordkoreanische Bevölkerung wurde lange genug unterdrückt, es war einfach Zeit dass Kim beseitigt wird.« – »Ah, euer anderer Hammer. Die gottgegebene Demokratie. Hat ja im Irak und Afghanistan so wunderbar funktioniert, hat es nicht? Verschonen Sie mich mit weiterer Propaganda. Noch irgendwelche Rechtfertigungen für das Massaker?« Sally stellte ihre leere Teetasse ab und schaute ihn erwartungsvoll an. Creshal lehnte sich müde zurück. »Nein. Ich habe getan, was ich für richtig hielt. Die Reaktionen waren etwas heftiger als erhofft, aber nun ja.« Er schaute sie spöttisch an. »Und jetzt, euer Ehren? Tod durch Erschlagen? Oder werde ich freigesprochen?« Sally schüttelte den Kopf. »Sie müssen wahnsinnig sein, bei so einem Thema nicht ernst bleiben zu können.« – »Das ist der einzige Weg, wie man in dieser verrückten Welt seinen Verstand behält. Und wenn nicht, hat man zumindest mehr zu lachen.« – »Zumindest das glaube ich zur Abwechslung sofort.«


Lettland, 13 Uhr Ortszeit
Tom Reith presste sich an den Baum, auf dessen Ast er saß. Das war einfach nur Wahnsinn, sagte er sich. Aber notwendig. Als der T-90 langsam an ihm vorbeirumpelte, legte er an und schoss. Die Kleinkalibergeschosse zerfetzten die Treibstofftanks des Panzers, und auslaufendes Diesel spritzte in den Auspuff, wo es verdampfte und dichte Rauchschwaden erzeugte. Noch bevor die Mannschaft realisiert hatte, was los war, hatte Tom wieder den Boden erreicht und duckte sich in eine Bodenmulde. Die Rauchschwaden wurden von einigen Flugzeugen bemerkt, die den Panzer daraufhin unter Beschuss nahmen – ihre Bordkanonen reichten zwar längst nicht, um die Panzerung zu durchschlagen, aber die empfindliche Elektronik am Turm wurde zerfetzt und die Reaktivpanzerung explodierte. Der arg mitgenommene Panzer wendete und fuhr zurück, vom Fahrer nur auf Sicht gesteuert. Die Flugzeuge drehten ab und verschwanden, bevor die Russen ihrerseits Luftunterstützung rufen konnten. Tom schulterte sein G36 und machte sich zu Fuß auf den Weg zum nächsten Sammelpunkt.


Taiwan, Hauptquartier der alliierten Streitkräfte, 23 Uhr Ortszeit
Die Luftunterstützung traf trotz allem zu spät ein, und der Brückenkopf war bereits eingerichtet, als die Luftkämpfe begannen. Die taiwanesische Armee wehrte sich zwar verbissen, war aber nicht dazu ausgerüstet, die Insel alleine zu verteidigen. Die wenigen amerikanischen Truppen, die nicht in Korea, Europa oder im nahen Osten kämpften, konnten daran auch nichts ändern. Nach einer Stunde waren alle größeren Städte eingekesselt, und Nachschub war schon unterwegs. Nachdem die sporadischen erfolgreichen Bombardements der vergangenen Tage bereits Verluste gefordert hatten, entschloss sich die Regierung dazu, zu kapitulieren um unnötiges Blutvergießen zu vermeiden. Die Volksrepublik China feierte den Sieg über das › abtrünnige Regime‹und die Wiedervereinigung Chinas erwartungsgemäß ausgiebig.


USA, Washington D.C, 10 Uhr Ortszeit
»Mr. President, ich habe schlechte Nachrichten.« Der Sekretär schlängelte sich durch die Tür und legte eine weitere Aktenmappe auf den Schreibtisch des Präsidenten. »Ja, das haben sie in letzter Zeit immer. Was jetzt? Der Teufel hat uns auch den Krieg erklärt?« Bush schob die Akte beiseite und starrte seinen Sekretär an, der den Kopf schüttelte. »Nein, Sir. Taiwan hat offiziell kapituliert. Damit fällt einer unserer wichtigsten Stützpunkte in Asien weg.« – »Gottverdammt! Wer hat das den Reisfressern erlaubt? Treffen sie umgehend Vorbereitungen für eine Rückeroberung!« Der Sekretär atmete tief durch. »Mr. President, ich fürchte, dass das nicht so einfach wird. Wir haben keine Truppen dafür.« – »Nie haben wir die Truppen, die Ausrüstung oder das Geld für irgendwas! Wo bin ich hier eigentlich?« Bush schlug auf den Tisch, als das Sprechgerät piepte. »Was ist denn jetzt schon wieder?« – »Mr. President, der Botschafter Chinas möchte sie sprechen. Er meinte, es sei dringend.« – »Was kann der denn wollen? Weisen sie ihn ab!« Der Sekretär hätte Bush am liebsten aus dem Fenster geworfen und seinen Platz eingenommen. Von den Fantasien über Bushs blutiges Ableben etwas erheitert, hob er stattdessen nur die Hand. »Ich halte es für sinnvoller, wenn Sie ihn anhören, Mr. President.« Bush winkte ab und zog eine Akte aus dem Chaos seines Schreibtisches. »Machen Sie das, ich habe heute keine Lust mehr darauf, irgendeinen Reisfresser zu sehen.« Der Sekretär drehte sich um, zögerte dann aber. »Habe ich alle Vollmachten?« – »Ja, ja. Tun Sie was sie für richtig halten. Am Ende machen sie doch so oder so was sie wollen und überreden mich hinterher.« Bush sah dem Sekretär nachdenklich hinterher und ließ sich nochmal durch den Kopf gehen, was er gerade gesagt hatte. Irgendwie wurde ihm sein Sekretär langsam unheimlich. Er nahm sich vor, ihn bei Gelegenheit auszutauschen.

Der Sekretär traf sich mit dem chinesischen Botschafter in dessen Büro. »Glückwunsch zu Taiwan. Scheint so, als hätte Ihre Ein-China-Politik am Ende doch funktioniert.«, sagte der Sekretär müde und ließ sich in den Sessel fallen. Der Botschafter schaute ihn fragend an. »Nanu, sie machen Komplimente? Was haben sie vor, einen Atomkrieg anfangen?« – »Nur weil ich freundlich bin, bin ich nicht wahnsinnig geworden.«, antwortete der Sekretär lächelnd und zündete sich eine Zigarette an. »Ah, tut mir Leid. Nun, zum Geschäftlichen: Wir machen ihnen ein Angebot. – Whiskey? Wein?« Der Sekretär runzelte die Stirn. »Kaffee, schwarz. Was für ein Angebot?« Zhou Wenzhong stellte seinem Gegenüber eine Kaffeetasse hin und beobachtete ihn scharf. Er kannte den Sekretär schon länger als einen Mann, der immer seine Nerven behielt, aber der Krieg machte ihm augenscheinlich zu schaffen – er hatte abgenommen und die Sorgenfalten in seinem Gesicht waren auch jüngeren Datums. »Nun ja, wir befinden uns in einer…kniffligen Lage«, sagte Zhou und nippte an seinem Tee. »Ein längerer Krieg würde uns beide wirtschaftlich an den Rand des Ruins treiben, und das ist das Letzte was wir wollen. Ich denke, wir wissen beide, dass wir die besseren Karten haben – unsere Technologie mag veraltet sein, aber wir haben auch so eine erdrückende Übermacht. Und… wir haben jetzt alles erreicht, was wir wollten, ein geeintes China. Unser Angebot besteht darin, dass wir einen Separatfrieden schließen. Die USA erkennen alle unsere Ansprüche auf Taiwan an – und natürlich Tibet et cetera –, dafür erkennen wir Südkoreas Anspruch auf Nordkorea an und unterstützen Russland nicht mehr. Und, was halten Sie davon?« Der Sekretär rührte in seinem Kaffee, ohne eine Antwort zu geben. »Bitte, sparen Sie sich den Versuch, den starken Mann zu spielen. Am Ende wird es doch daraus hinauslaufen, wer von uns bereit ist, die größeren Opfer zu bringen. Wir wissen beide, dass die NATO nicht in der Lage ist, China komplett zu erobern, geschweige denn besetzt zu halten. Soll der Status Quo um Taiwan ewig aufrecht gehalten werden? Wollen sie dafür wirklich die Leben von Amerikanern aufs Spiel setzen? Und wenn ja, wie viele? Welche Verluste können sie sich leisten, bevor ein Bürgerkrieg ausbricht? Zehntausend Soldaten, zwanzigtausend? Kein Problem für uns. Auf lange Sicht gesehen haben sie keine Chance diesen Krieg zu gewinnen. Schlimmstenfalls schaffen sie einen schnellen Pyrrhussieg und bluten langsam aus im Versuch, China zu unterdrücken. Ich habe Sie bisher immer für einen intelligenten Mann gehalten…Was ist ihre Entscheidung?«

»Also gut. Sie ziehen alle ihre Truppen aus Korea ab, helfen beim Wiederaufbau Nordkoreas und entschädigen alle amerikanischen Firmen in Taiwan, und wir lassen China vorerst in Ruhe.« Zhou lächelte nachsichtig. »Glauben sie wirklich, dass Sie noch in der Position sind, Forderungen zu stellen? Aber gut, ich bin gerne großzügig, wenn das die Verhandlungen beschleunigt. Und ich befürchte, Sie werden es so drehen müssen, um ihren… ah…Vorgesetzten überzeugen zu können. Ich komme morgen Mittag mit dem fertigen Vertrag vorbei, bringen Sie Mr. Bush in der Zwischenzeit bei, seinen Namen richtig zu schreiben. Auf Wiedersehen.« – »Ich werde mir Mühe geben. Wiedersehen.« Der Sekretär deutete eine Verbeugung an und verließ die chinesische Botschaft nachdenklich. Wenn er Glück hatte, meinten die Chinesen es ernst und der Krieg war vielleicht doch noch zu gewinnen. Wenn nicht, war es vermutlich das Todesurteil für die USA.

Raz0rking
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Post by Raz0rking » Fri, 26. Feb 10, 20:47

ma dann hoff ich ma, dass die amis was gedeichelt bekommen das ruder noch rumzureissen..oder die europäer XD
eigentlich sieht man in so einem fall, wie *schlecht* es ist abzurüsten, wärend andere staaten, bei denen man sich nicht sicher sein kann, was sie mal vorhaben werden massiv aufrüsten >.>
The hammer's my guide, I'll never, ever kneel down to the cross!

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