Ich weiß, dass manche Leute Yoshiko als Figur nicht mögen. Ich gebe zu, dass sie, sagen wir, "speziell" ist, aber ich habe sie wirklich gerne. Deshalb ist einer der drei Handlungsfäden von "Kalkulor" ihr und ihrer - inzwischen erwachsenen - Tochter Iliyana gewidmet. Und ja, sie ist immer noch "speziell", so viel kann ich vorab schon mal verraten
KAPITEL EINS
Töchter des Weltalls
> *Moo-Kyes Existenz wurde vor zwei Jahren beendet. Euch droht keine Gefahr mehr!
>
> Prioradmiral Tebathimanckatt
KASUM IV
2939 CE / 769 NT / 566 ZT
Die Frau, die an diesem sommerwarmen Morgen am Rande des lehmigen Feldweges stand, der die Arbeitersiedlung vom teladianischen Barackendorf trennte, war groß und schlank, trainiert, etwa Mitte 30 bis Anfang 40, mit einem rundlichen, attraktiven Gesicht, kleinen Lachfalten und den ersten Anzeichen von Krähenfüßen um ihre Augen. Ihre Haare fielen in wilden, weißblonden Rastazöpfen auf ihre Schulter, ohne sie ganz zu erreichen. Sie trug eine Latzhose aus grauem Denim, darunter ein olivgrünes Top, dazu klobige Raumstiefel, die auf dem groben Ackerboden deplatziert wirkten. Das Kommunikations-Armband an ihrem linken Handgelenk deutete an, dass sie noch keinen der neuen Schweigefunk-Symbionten hatte, die sich in Hörnerv und Sehzentrum einklinkten. Von ihrem Rücken hing ein schwerer brauner Rucksack hinab, der aus vakuumfestem PDD-Gewebe gefertigt war und spiegelglatt glänzte.
Die Frau beschattete ihre Augen mit der flachen Hand und starrte angestrengt in den Himmel hinauf, als könne sie den orangenen Sonnenaufgang durchdringen und die orbitale Radstation, die Kasum IV in etwa neunhundert Kilometern Höhe umkreiste, mit bloßen Augen erspähen. Vor über fünf Jahren war sie dort angekommen, damals unter ihrem Decknamen Gabrielle Vankershaw. Aber seit Tebathimanckatt sie vor ein paar Wochen auf Kasum aufgespürt hatte, um ihr vom Tod Moo-Kyes zu berichten, durfte sie wieder sie selbst sein: Yoshiko Nehla, Raumpilotin. Piratin? Mutter!
Yoshiko hoffte wider besseres Wissen, dass sie die Station würde erspähen können. Sie war das Tor zu den Weiten des Alls, zu fremden Sonnensystemen, weit weg von den schwarzen Jabal-Blüten mit ihrem unerträglich süßlichen Duft und ihrer saisonalen Launenhaftigkeit: Diva-Blumen. Blumen-Divas. Nein! Genug davon! Sie wollte keine Pflückerin mehr sein!
Aber die Station blieb unsichtbar.
"Hey Gabrielle!", rief die fröhliche Stimme einer jungen Frau. "Wie schmeckt der Himmel heute morgen? Gut, was?" Schmatzende Schritte schwerer Stiefel auf Morast näherten sich.
Yoshiko nahm die Hand herunter und drehte sich halb um. Schmale Feldwege führten zwischen Anbauflächen hindurch, auf denen zahlreiche Argonen absurd große, schwarze Blüten so liebevoll verhätschelten, als seien sie in Wahrheit menschliche Babys. Flatternde Sprinkler bewässerten die Felder; gelegentlich wehte eine Brise kleine Wassertröpfchen hinüber, die auf Yoshikos bloßen Armen landeten und eine Gänsehaut hervorriefen. Inmitten der Felder lag die Arbeitersiedlung mit Reihen schlichter Bungalows, in denen Yoshiko und ihre Tochter Iliyana die letzten Jahre gelebt hatten.
Iliyana war nahezu 21 Jahre alt und schon lange vollsonnig, aber für Yoshiko war sie immer noch der resolute Teenager von vor fünf Jahren, voller Pläne und verrückter Ideen. Irgendwie hatte Iliyana es fertig gebracht, einen alten Kontakt aus Teladi-Kreisen davon zu überzeugen, ein Schiff nach Kasum zu schicken, um sie zu den Heißkalten Zwillingen zu bringen. Yoshiko hatte keine Ahnung, wie ihr das gelungen war, aber angesichts der Tatsache, dass der reguläre Fährdienst vor zwei Wochen eingestellt worden war - temporär, wie es hieß - war es ihr auch egal.
Iliyana stapfte in Begleitung zweier argonischer Männer heran, Brad und Damon. Tatsächlich war die kleine Gruppe gleichzeitig mit Yoshiko aufgebrochen, aber sie hatte die anderen gedankenversunken abgehängt. Ihr Unterbewusstsein schien es an diesem Morgen sehr eilig zu haben. Der Himmel hatte noch nie besser geschmeckt!
Brad wirkte zerknirscht und Yoshiko wusste genau, weshalb: sie hatte ihren vierjährigen Ehevertrag auslaufen lassen. Er würde ohne sie besser dran sein, das war ihr klar, und sie nahm an, dass er das auch selbst wusste.
Damon hingegen schien mehr als nur zerknirscht. Er war jünger als Brad, nicht viel älter als Iliyana.
"He, Süße!", rief Yoshiko ihrer Tochter zu. "Du musst mich mit jemandem verwechseln, du. Ich kenne keine Gabri L. Frag doch mal bei deiner Echse nach!"
Iliyana drohte schelmisch mit dem Zeigefinger. "Iginaras! Schon was zu sehen?"
Yoshiko schüttelte den Kopf. "Was wissen wir eigentlich über diesen Salimenos?", fragte sie.
Iliyana zuckte die Schultern. "Profitechse von Platinball, irgendein hohes Reptil aus dem Aufsichtsrat. Schuldet meinem alten Freund Iginaras eine Gefälligkeit. Mehr weiß ich auch nicht, aber wir werden es ja gleich erfahren."
Iliyana stellte ihren PDD-Rucksack unsanft auf dem Lehm ab und blies sich eine Strähne aus dem Gesicht. Sie war ebenso groß wie ihre Mutter, aber dank ihrer lockigen roten Haare und der Sommersprossen hätte man die Verwandtschaft kaum erahnt. Sie trug eine hellgraue Hose mit Schlammspuren an den Hosenbeinen, ein verblichenes rotes Hemd, eine violette Pilotenjacke darüber, und kompakte gelbe Raumstiefel.
"Wieso hast du eigentlich einflussreiche Teladi-Freunde und ich nicht, gute Frau!", sagte Yoshiko mit gespielter Empörung. Iliyana grinste frech.
"Hey Brad, dir geht's gut?", wollte Yoshiko wissen.
Der Angesprochene lächelte gezwungen und nickte. "Nach der nächsten Saison bin ich hier auch weg."
Yoshiko öffnete den Mund, um zu sagen, dass das vielleicht nicht mehr möglich sein würde, presste aber die Lippen aufeinander, ohne es auszusprechen. Besser, ihn gar nicht erst daran zu erinnern.
Damon umarmte Iliyana leidenschaftlich, und sie erwiderte die Umarmung auf die gleiche Weise. Yoshiko fing einen undeutbaren Blick von Brad auf; sie hob unmerklich die Augenbrauen und seufzte. "Na, komm her, du", sagte sie und umarmte Brad freundschaftlich.
"Das waren zwei tolle Jahre, Merita", sagte Damon mit leicht bebender Stimme. "Iliyana, meine ich, sorry. Ich habe was für dich gemacht. Schau mal..."
Er griff in seine Jackentasche und holte einen kleinen, schwarzen Gegenstand hervor. "Als Erinnerung."
Iliyana nahm das Objekt entgegen und betrachtete es staunend von allen Seiten. Es war eine kleine Jabal-Blüte, kaum mehr als fünf Zentimeter groß, gefertigt aus funkelndem schwarzen Onyx, mit geöffneten Blütenblättern und den typischen sieben Stempeln. Die Miniatur-Blume ruhte auf einem Sockel aus hochpoliertem Iridium, das der Skulptur ein unerwartet hohes Gewicht verlieh und kaltweiß mit leichtem Gelbstich schimmerte.
Iliyana schniefte. "Eine winzige Jabal! Die hast du selbst gemacht? Sie ist echt schön, Damon, wirklich wunderschön! Vielen, vielen..." Ihre Stimme schwankte; sie brach mitten im Satz ab und fiel Damon erneut um den Hals.
Yoshiko konnte Iliyanas Gesicht nicht sehen, aber die Schultern ihrer Tochter zuckten. Sie würde sie nicht davon abhalten, hier zu bleiben, wenn sie das wirklich wollte, aber Erde! Sie hatten so große gemeinsame Pläne!
In weiter Ferne erklang nun das charakteristische Brausen schwerer Ionentriebwerke. Yoshiko hob die Hand wieder über die Augen und starrte nach oben. Ein kleiner grellweiß flammender Punkt stürzte durch den Himmel, aus der ungefähren Richtung kommend, in der sich die unsichtbare Station auf ihrem Orbit um Kasum derzeit befinden musste. Der Punkt wurde rasend schnell größer, bis sich erste Details abzeichneten. Es war eine ellipsoide Yacht teladianischer Bauart, die nun mit vier kilometerlangen, blassblauen Triebwerksflammen ihren Fall kontrolliert abbremste. Ein wabernder Halo umgab das Schiff, wo erhitzte Luft vom Schutzschirm verdrängt wurde. Die Flugbahn war perfekt berechnet - das Schiff würde ohne weitere Korrekturen auf dem Exekutiv-Landefeld auf der anderen Seite des Barackendorfs landen.
Yoshiko hatte in ihrem Leben bei den Yaki unzählige Planetenlandungen gesehen und viele davon selbst durchgeführt, aber die mühelose Eleganz, mit der dieses Schiff sich über die Naturgewalten hinwegsetzte, entlockte ihr einen anerkennenden Pfiff. Es hatte mehr Reserven, als sein schlichtes Äußeres vermuten ließ!
Das Schiff reduzierte nun sichtlich die Antriebsleistung, bis es nahezu schwebte, dann schaltete es zweihundert Meter über dem Boden die Haupttriebwerke aus. Langsam senkte es sich auf das kleine Landefeld hinab, nur noch von seinen Podkletnovs getragen. Schließlich kehrte Stille ein. Die halbdurchsichtige Kuppel des Schiffs thronte über den Dächern der Baracken, von einem leichten Staubschleier umhüllt, der sich schnell wieder verflüchtigte.
Normalerweise durfte niemand auf diesem Exekutiv-Landefeld landen, nicht einmal Gesandte der Split, die Kasum an das Teladi-Unternehmen verpachtet hatten. Es blieb hohen teladianischen Funktionären vorbehalten, die aber nur selten den Bedarf verspürten, diesen abgelegenen Agrarplaneten aufzusuchen. Ort, Datum und Uhrzeit stimmten - also konnte es sich nur um das von Iliyana über ihren geheimnisvollen Kontakt organisierte Schiff handeln! Yoshiko brannte darauf, an Bord zu gehen und mehr darüber zu erfahren. Sie winkte ihren Begleitern zu. "Auf was warten wir? Lasst uns rübergehen." Brad nickte; Iliyana löste sich von Damon und schulterte ihren Rucksack.
Es waren nur ein paar Schritte bis zu den Baracken. Auch zwischen den schäbigen Blechhütten der planetaren Verwaltung bestand der Boden aus Lehm und Matsch - nicht zuletzt deshalb, weil teladianische Gehklauen diese Art von Untergrund bevorzugten. Das abgezäunte Landefeld jedoch, so viel ließ sich durch die Maschen des Zauns erkennen, bestand aus geriffeltem Metall.
Ein mürrischer Teladi, der außer einem Werkzeuggürtel keinerlei Kleidung trug, hielt die vier Argonen mit energischen Klauenbewegungen auf. "Boarding-Kontrolle, mein Name könnte Dayandos sein. Bitte atmen", sagte er mit schwerem teladianischen Akzent.
"Könnte?" Yoshiko runzelte die Stirn, aber Iliyana winkte ab: "Geschwister Dayandos hier erwartet nicht, uns jemals wiederzusehen, stimmt's?"
Der Teladi wackelte bestätigend mit seinen Stummelohren, dann hakte ein kleines elektronisches Kästchen von seinem Gürtel ab, das schnaufende Geräusche von sich gab, während er es mit ausgestreckten Armen vor den Gesichtern der Menschen umher wedelte. Er las ein Holodisplay ab, schien dem Ergebnis nicht zu trauen, schnauzte "Atmen!", und wiederholte die Prozedur, wobei er seine kurzen Arme weiter nach oben reckte. Diesmal war Dayandos mit dem Resultat zufrieden. Er deutete mit dem Gerät erst auf Iliyana, dann auf Yoshiko. "Genetische Staatsbürger der Argonischen Föderation. Gegenwärtige Namen!"
Die beiden Frauen warfen einander einen kurzen Blick zu, dann gaben sie ihre Geburtsnamen zu Protokoll - ihre Decknamen waren nun Vergangenheit und die genetische Staatsbürgerschaft war nicht an konkrete Namen gebunden.
"Die übrigen Brüderinnen mögen sich entfernen!", schnarrte Dayandos, während er eine scheuchende Geste mit den Klauen vollführte. "Die Scangebühr wird von Ihrem Lohn einbehalten."
Damon machte ein überraschtes Gesicht. "Die was? Wieso?"
"156,55", erwiderte der Teladi. "Scangebühr. Hai!"
Damon schüttelte den Kopf, schwieg aber.
"Pass gut auf die wilde Frau hier auf, Ili, hörst du?", sagte Brad zu Iliyana. "Und du, Babe", fügte er an Yoshiko gerichtet hinzu, "mach keine Dummheiten." Yoshiko nickte stumm und formte ein V mit Zeige- und Mittelfinger.
Iliyana griff nach Damons Hand, und die beiden schauten einander lange in die Augen. Yoshiko hielt kurz die Luft ein. Nein. Nein, sie würde nicht im letzten Moment einknicken!
Nach fast einer Minute lösten sich erst die Hände, dann die Blicke der beiden jungen Argonen. Wenige Sekunden später waren die beiden Männer zwischen den dreckigen Baracken verschwunden, auf dem Weg zurück zur Arbeitersiedlung.
"Okay?", fragte Yoshiko besorgt.
Iliyana nickte und lächelte unsicher. "Das wird niemals weniger weh tun, oder?" Sie wischte mit dem Ärmel über ihre Augen.
Yoshiko legte ihren Arm um Iliyanas Schultern und zog sie kurz zu sich heran. "Jemand wie ich? Morgen früh denke ich nicht mehr daran. Jemand wie du? Nein, Süße, niemals."
Sie wurden von einem wütenden Fauchen unterbrochen. Der Teladi war am Ende seiner Geduld angelangt und gestikulierte unbestimmt. "Tshh! Die Brüderinnen mögen den abgezäunten Bereich jetzt betreten! Gehen Sie nicht zur Yacht, bevor der Reisende Bevollmächtige Salimenos Sie dazu auffordert!"
Ein niedriger Durchgang im Zaun klackte auf und gab den Weg zum metallenen Landefeld frei. Yoshiko und Iliyana duckten sich und traten hindurch. Hinter ihnen schloss sich der Durchgang wieder.
Yoshiko ließ ihren Blick am Rumpf des Schiffs nach oben wandern. Sie schätzte die Höhe der Yacht auf ungefähr 40 Meter - ein ganzes Stück kleiner, als der alte Raumer ihrer Familie, aber aufgrund der ellipsoiden Form erheblich bauchiger. Das obere Fünftel des Schiffs führte die Form der Hülle nahtlos weiter, war aber aus transparentem Glasmetall gefertigt, hinter dem sich augenscheinlich Kommandodeck und Steuerzentrale des Schiffs befanden. Außen reckten sich vier wuchtige Wülste dem Boden entgegen, deren geschwungene Formgebung sie als schwere Ionenmotoren aus boronischer Fertigung identifizierte. Schon einer davon hätte ausgereicht, die Yacht raumtüchtig zu machen - dass es derer vier gab, erklärte die elegante Mühelosigkeit, die Yoshiko beim Landeanflug so beeindruckt hatte.
Die Hülle des Schiffs leuchtete in blassem Türkis mit goldenen Linien, die den Oberflächenstrukturen folgten. Weit oben, knapp unterhalb der Glasmetall-Kuppel, prangte eine Reihe ebenfalls goldener Hieroglyphen, die Yoshiko nicht entziffern konnte.
"Sowas wie 'ich kann Zweikommaneun zahlen', glaube ich?", sagte Iliyana, die Yoshikos Blicken gefolgt war. "Ach, na klar, SOLVENZ-29, ist das der Name? Das ist der Name!"
"Ich sehe schon, die sieben Jahre Blockunterricht auf Nividereos machen sich bezahlt!", frotzelte Yoshiko.
"Die Teladi sind schon ganz in Ordnung", erwiderte Iliyana. "Ich weiß auch über Brutpflege Bescheid. Frag mich mal, da lernst du noch was!"
Yoshiko knuffte sie mit dem Ellbogen in die Seite. "He, pass bloß auf, du!"
Nach der ursprünglichen Kontaktaufnahme mit Iginaras hatte Iliyana keine weiteren Informationen erhalten. Iginaras hatte ihr den Namen "Landromenis Aganteres Salimenos II" genannt, Datum und Uhrzeit der Landung, sowie die Anweisung, sich kurz danach auf dem Exekutiv-Landefeld einzufinden. Das war alles - kein Schiffsname, kein weiterer Kontext, gar nichts.
Würde dieser Salimenos sie persönlich empfangen? Es gab keinen offensichtlichen Weg, das Schiff zu betreten, da es auf seinen Triebwerkswülsten ruhte und sein Heck nicht bis zum Boden hinabreichte. Mittschiffs, weit oben, schien es eine Schleuse zu geben - ohne Gangway oder Treppe aber war diese unerreichbar.
Bevor Yoshiko noch weiter darüber nachdenken konnte, ertönte ein schleifendes Geräusch aus Richtung des Schiffs. In der Unterseite des flachen Hecks hatte sich ein Schott geöffnet, aus dem nun eine Röhre hinabfuhr. Sekunden später erreichte sie den Boden mit einem metallischen Knall, der sich als Vibration in die Raumstiefel übertrug. Eine Tür fuhr im unteren Teil der Röhre auf. Yoshiko rechnete damit, dass nun Salimenos oder ein Assistent herauskommen würde, doch die Kabine hinter der Tür war leer.
"Das ist unsere Einladung!", kommentierte Iliyana trocken.
Yoshiko nickte. "Hai. Dann lass' uns mal an Bord gehen!"
Der Bordaufzug war eine kugelrunde Kabine mit abgeflachtem Boden und einer so niedrigen Decke, dass die beiden Frauen sich unwillkürlich duckten, um nicht mit dem Kopf an die dunkelrot glühenden Leuchtstreifen zu stoßen.
"Kugelaufzug - zwei Schwerkraftebenen?", murmelte Yoshiko. Iliyana zuckte die Achseln und schüttelte den Kopf.
Hinter ihnen fuhr die Tür zu; fast augenblicklich zischte vor ihnen eine zweite Tür auf. Yoshiko hatte keinerlei Beschleunigung wahrgenommen, aber sie blickte nun nicht mehr auf das geriffelte Landefeld unter dem Schiff, sondern auf einen ausladenden Rundgang im Schiffsinneren, der nicht in eine Decke überging, sondern in einen riesigen transparenten Kuppeldom.
"Was zur...?"
"Tsh! Der Aufzug, nicht wahr, liebe Brüderinnen?" Ein ungewöhnlich großer Teladi, gehüllt in einen groben schwarzen Kaftan, der auf Bauchhöhe von einem grünen Werkzeuggürtel gestrafft wurde, strahlte sie mit halb geöffneter Schnauze an. "Werftmeister Yayandas kalibriert jeden einzelnen Kompensator eigenhändig!"
Die beiden Frauen traten aus dem Aufzug hinaus. Salimenos reichte Yoshiko die geöffnete Klaue - eine zwischen Teladi unübliche Geste, die aber ihren Weg in das soziale Repertoire vieler Handelsechsen gefunden hatte. Yoshiko ergriff die Klaue und schüttelte sie vorsichtig.
"Ich bin Landromenis Agantares Salimenos II, aber Sie dürfen mich gerne Sal nennen!", sagte der Teladi und bot nun auch Iliyana die Klaue an. Er sprach die Handelssprache mit nur dem leisesten Hauch eines Akzents, und die Zischlaute seiner Echsenzunge waren fast unhörbar. "Mein geschätzter Geschäftspartner Danemios Yerolidaes Iginaras III bat mich, Sie auf meiner Rückreise nach Platinball gegen eine kleine Gebühr mitzunehmen!"
"*Issim mirram Djasl! Sassem sini-sini Nehla Yoshiko, sassemun Nehla Iliyana, franass snig Ili*", sagte Iliyana. Nun war es an Salimenos, überrascht zu blicken. Er antwortete ebenfalls in Schlupflingsprache, wechselte aber wieder zu NAJ, als er Yoshikos fragenden Blick sah.
"Es ist mir eine Ehre! Liebe Ili und liebe Yoshiko Nehla, lassen Sie mich Ihnen zunächst Ihre Kabinen zeigen. Wenn Sie es wünschen, können Sie ein kaltes Schlammbad nehmen, bevor wir aufbrechen!" Als er die ablehnenden Blicke der Frauen sah, fügte er rasch hinzu: "Das erste ist natürlich unentgeltlich!"

Cover mit KI erstellt, Text ausschließlich mit HI (Helge-Intelligenz)





