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[Story] Grüne Schuppe
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kammerjäger





Joined: 26 May 2013
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PostPosted: Mon, 19. Aug 13, 20:43    Post subject: Reply with quote Print

Und schon wieder etwas gelernt...

Huch, es hat geläutet. Schnell raus, sonst bekomme ich noch Hausaufgaben... Very Happy


_________________
Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

Albert Einstein
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There are only 10 types of people in the world: Those who understand binary and those who don't.
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Boro Pi
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Joined: 06 Nov 2002
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PostPosted: Fri, 23. Aug 13, 21:48    Post subject: Drei Reply with quote Print

Überwiegend stilistische Dinge diesmal:

Mit einem Ruck gab es ein Stück nach.
Zwei Sätze früher beginnst Du mit exakt den gleichen Worten.

desto mehr zerrte er an ihm. [der Luftstrom]

Sein Bein mit dem aufgerissenen Anzug brannte vor Schmerz.
Sein Bein in dem... Sonst hätte der Anzug auch Schmerzen.

Eine massive Kiste flog auf ihm zu
Kisten sind immer massiv.

Sein Steuerdüsensystem des Anzugs war zu schwach,
Klingt komisch. Vorschlag: Artikel und Fürwort tauschen: "Das Steuerdüsensystem seines Anzugs..."

Ein Augenblick, nur ein Sekundenbruchteil KOMMA war es.

Er packte zu und hatte es.
Was? Das Kabel, das er schon vorher gehabt hatte? Klarer machen.

Die Split, die Boronen und der Teladi.

Sie hingen nicht mehr hier.
Oh, ich verstehe, wie Du darauf kommst. Würde aber trotzdem "waren" statt "hingen" vorschlagen.

wie knapp seine Zeit war.
'Knapp' hast Du schon im Sart davor benutzt.

Schnaufend klammerte er sich an den Rand des Lochs, das die Söldner zurückgelassen hatten.
??? Lässt man Löcher zurück? Vorschlag: "...den Rand der Öffnung, welche die Söldner in den Leib des Schiffes gesprengt hatten."

dass er Mühe hatte KOMMA zu atmen.

Sie mussten so viel wie möglich Raum zwischen sie bringen.
Thinking Vorschlag: "Sie mussten so viel Raum wie möglich [Umstellung beachten] zwischen sich und den Orca bringen."

Mittlerweile hatten sich die Kompensatoren wieder geregelt
Geregelt? Vorschlag: "Mittlerweile fingen die Kompensatoren die auftretenden Kräfte wieder vollständig auf."

Haben sie verstanden FRAGEZEICHEN

Einige lachten, andere redeten irgendetwas von Profit, wieder andere nannten ihn einen argonischen Feigling, unwürdig oder schlicht und einfach Idiot.
Sprachlich: ...einen Idiot(en) oder in Anführungszeichen nannten ihn... "Idiot".
Inhaltlich: Wenn die Pressevertreter nicht von der Gefahr wissen, was wissen sie überhaupt? Oder anders, wieso wissen die, dass da irgendwas los ist? Und wo kommen die plötzlich alle her?

Die Kugel rückte immer näher,
"Die Welle" oder "Die Wand". Die Kugel des Feuerballs nähert sich nämlich gar nicht, denn von ihrem Mittelpunkt her gesehen bewegt sie sich nicht, sondern dehnt sich nur aus.

Jaja, und wir hangeln uns von einem Cliffhanger zum nächsten... Rolling Eyes

Boro Pi


_________________
I'm not here for your Entertainment!

X-Kurzgeschichtenwettbewerb 2013 - Die Geschichten
Und meine eigenen Werke:
NOD - Jenseits der Erde...
Todeshauch
Kurzgeschichten
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kammerjäger





Joined: 26 May 2013
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PostPosted: Sat, 24. Aug 13, 08:07    Post subject: Reply with quote Print

Oh, da war ich diesmal nicht besonders in Form...

Wie immer hast du recht. Bei den meisten Dingen jedenfalls.

Quote:
Lässt man Löcher zurück?


dachte schon, dass man Löcher in irgendetwas zurücklassen könnte. Und sprengen ist vermutlich nicht gang richtig, wenn Söldner ein Schiff entern, werden sie eher andocken und ein Loch schneiden, um eisteigen zu können. Sprengen ist ein wenig zu unkontrolliert.

Quote:
Geregelt? Vorschlag: "Mittlerweile fingen die Kompensatoren die auftretenden Kräfte wieder vollständig auf."


Ja, kann man auch so sagen, aber ich hätte das System eher als eine Regelstrecke gesehen, in der der Kompensationsregler bei derartigen Manövern zu lange braucht, um die (negative?) Beschleunigung aufzubringen und das System wieder zu regeln.

Quote:
Inhaltlich: Wenn die Pressevertreter nicht von der Gefahr wissen, was wissen sie überhaupt? Oder anders, wieso wissen die, dass da irgendwas los ist? Und wo kommen die plötzlich alle her?


Das ist die Frage... Very Happy
Vielleicht wird ja der nächste Teil Aufschluss bringen... Voraussichtlich morgen.

Quote:
Jaja, und wir hangeln uns von einem Cliffhanger zum nächsten...


Tja, dann muss ich wieder mal etwas herunterkommen, sonst wird es noch langweilig. Very Happy

Wie immer: Danke Boro Pi! Wie geht es übrigens mit deinem Buch/deiner Geschichte NOD voran? Bin schon echt gespannt. Du weisst ja: Ende des Monats ist ja bald... Very Happy


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kammerjäger





Joined: 26 May 2013
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PostPosted: Sun, 25. Aug 13, 20:17    Post subject: Reply with quote Print

04

„… ein Bild des boronischen Luxusschiffes, bevor es zerstört wurde. Es ist noch nicht geklärt, wie es zu diesem Zwischenfall kommen konnte, aber erste Einschätzungen des Profitinstituts für Mining und Materialtechnik deuten auf einen defekten Reaktor hin, der aufgrund versäumter Wartungsfristen instabil wurde. Warum jedoch kein Hilferuf gesendet wurde und warum niemand überlebt hat, ist jedoch weiterhin unklar. Inasemos Horasos Ildemansas III., Wissenschaftler für angewandte Materialverarbeitung am Profitinstitut, hat den Vorfall simuliert und wird eine mögliche Erklärung liefern.“
Das Hologramm über dem großen, ovalen Tisch im Zentrum des abhörsicheren Besprechungsraums schaltete um und zeigte einen alten Teladi mit blutroten Augen. Mit stoischer Miene und stark zischelndem Dialekt schilderte er, wie es seiner Meinung zu dem Vorfall gekommen war.
Der Major kaute an der Unterlippe, während er gedankenverloren in das Bild starrte. Noch immer keine Meldung von Captain Halter. Das letzte Positionssignal hatte er genau von diesem Schiff übermittelt. Irgendetwas war da faul. Oder es war etwas schrecklich schief gelaufen.
„Major?“
Der junge First Lieutenant riss ihn aus seinen Gedanken.
„Sprechen sie.“
„Verzeihen sie, aber wieso sind wir hier? Ich denke, das war ein Unfall. Was hat das mit uns zu tun?“
Einen Moment überlegte Major Ansdon, dann beschloss er, reinen Wein einzuschenken. Wenn er sich irrte, machte es auch keinen Unterschied. Langsam sah er in die Runde. Sie waren eine kleine Einheit. Eine Gruppe aus sieben Militärs und einer Handvoll Zivilisten. Der klägliche Rest der ASO, der hier gestrandet war. Vielleicht waren sie ab jetzt nur noch zu sechst, sollte Captain Halter weiterhin nichts von sich hören lassen.
„Ich denke eben nicht, dass das ein Unfall war“, antwortete er in die Runde. Einen Moment ließ er diesen Satz sacken, dann fuhr er fort: „Captain Halter war bei seiner Aufklärungsmission dort. Seit…“
„Bitte was?“
Mit einem missbilligenden Stirnrunzeln richtete er seinen Blick auf Mrs. Frenn. Seit dem Zusammenbruch hatte sie hier das Zepter übernommen. Ursprünglich auf einer routinemäßigen Kontrolluntersuchung hier, war sie ebenso eingeschlossen worden wie sie. Und aufgrund der Tatsache, dass sie durch ihre Tätigkeit als Mitglied des Kontrollgremiums über alle aktiven Mitglieder des ASO und sonstige terranischen Geheimdienste gestellt war, hatte sie sich durchgesetzt. Ansdon hatte ihr die Stirn geboten, um nicht einem Zivilisten die Führung zu überlassen, was in den letzten Mazuras zu heftigen Auseinandersetzungen geführt hatte. Fakt war, die Entscheidungsbefugnis hatte sie und das war gar nicht gut. Wenn er nicht oft auf eigene Faust gehandelt hätte, hätten sie keinerlei Informationen mehr gesammelt, wären jetzt ein unkontrollierter Haufen und vermutlich schon längst aufgeflogen. Auch hier hatte er seiner Vorgesetzten verschwiegen, dass er eine Aufklärungsmission führte. Ihre Blicke kreuzten sich, rangen um Macht. Die eisblauen Augen passten so gar nicht zu ihrem Gesicht. Während der Rest ihres Körpers schlaff und ungesund wirkte, strahlten die Augen eine Kraft und Härte, aber auch eine Kälte aus, die wohl schon viele Männer zum Schweigen gebracht hatte. Es hieß, Augen seien der Spiegel der Seele. Und in vielen Fällen stimmte es auch. In ihrem ganz bestimmt. Was in den wenigen Augenblicken zwischen ihnen ausgefochten wurde entging den anderen Personen im Raum. Sie kannten beide und warteten nur auf das Wortgefecht, das jetzt kommen würde.
„Ich habe eine Aufklärungsmission befohlen“, bestätigte er. „Und ich hatte Recht mit meinem Verdacht.“
„Mit welchem Verdacht? Ihrem Hirngespinst, dass die NMMC etwas im Schilde führt? Dass sie Regierungen infiltriert und illegale Geschäfte macht? Sie machen sich lächerlich. Sie sehen doch. Das war ein Unfall. Und keine Verschwörung gegen irgendjemanden. Selbst wenn, dann könnte es uns egal sein. Sollen sich diese Völker gegenseitig die Köpfe einschlagen. Dann haben wir weniger Arbeit. Was kümmert uns das?“
„Zu allererst: Sie können und konnten nie beweisen, dass ich Unrecht habe. Und…“
„Sie können und konnten aber auch nie beweisen, dass sie Recht hatten“, rief sie. Eine Portion Genugtuung schwang ihm entgegen. Sie breitete die Arme aus und sah in auffordernd an.
„Genau zu diesem Zweck entsende ich ja diese Aufklärungsflüge.“
„Entsandten sie sie. Bleiben wir in der Vergangenheit. Das hört ein für alle Mal auf. Sie sind vorläufig vom Dienst suspendiert. Ich höchstpersönlich werde ein Verfahren wegen Verrats und Befehlsverweigerung gegen sie einleiten. Die militärische Leitung geht auf den nächsthöheren Offizier über. Sie sah in die Runde. Eine Frau erhob sich.
„Captain Klerks meldet sich zum Dienst.“
Mrs. Frenn winkte schwach ab.
„Danke. Sie können sich setzen.“
„Mrs. Frenn, ich muss sie darauf hinweisen, dass außer mir noch Captain Halter den selben Rang besitzt.“
„Captain …“
„Klerks. Michella Klerks.“
„Captain Klerks, ihr Kollege hat den Auftrag von Major Ansdon angenommen und ist somit ebenfalls suspendiert. Außerdem ist es ja nach Major Ansdons Informationen nicht mal gesichert, dass er diesen Zwischenfall überhaupt überlebt hat. Wie die Presse berichtet, hat es ja auch von ihnen eine Menge Opfer gegeben. Also können sie…“
Ein Symbol blinkte über dem Tisch auf, begleitet von einem dezenten Signalton.
„Was gibt es?“
„Ein eingehendes Kommunikationssignal, verschlüsselt mit terranischer Kennung“, antwortete das Computersystem.
„Akzeptieren.“
„Akzeptiert. Verbindung hergestellt.“
Ein kurzes Rauschen, dann meldete sich eine raue Stimme. Ein Bild baute sich jedoch nicht auf. Ein kurzer Code wurde durchgegeben. Mrs. Frenn sah verwirrt aus.
„Was…“
Der Major unterbrach sie und antwortete ebenfalls mit einem kurzen Code, bevor er fortfuhr: „Captain Halter, schön ihre Stimme zu hören. Wo sind sie?“
„Auf dem Weg zu ihnen. Ich habe interessante Informationen. Ich werde in zehn Minuten da sein.“
„Was ist passiert? Wir hatten schon befürchtet, ihre Einzelteile zusammensuchen zu müssen. Geht es ihnen gut?“
„Ich bin in Ordnung. Aber das mit den Einzelteilen müssen sie wohl mit der Arrow machen. Die ist nicht so gut weggekommen wie ich. Kann ich sie dann allein in ihrem Büro sprechen?“
Major Ansdon schwieg einen Moment.
„Major?“
„Captain Halter, ich muss ihnen mitteilen, dass Major Ansdon nicht mehr ihr Vorgesetzter ist“, antwortete Mrs. Frenn mit einem befriedigten Unterton. „Sie werden in den Besprechungsraum kommen. Und zwar so schnell wie möglich.“
Ein kurzer Laut, man konnte nicht unterscheiden, ob es ein Zischen oder das Rauschen des Signals war.
„Ja, Mrs. Frenn.“
„Verbindung unterbrochen.“
Die Vorsitzende lehnte sich zurück und sah den Major an.
„Wollen wir doch mal warten, was der Captain zu erzählen hat.“

Das Stechen in der Magengegend wurde heftiger, je näher er dem Besprechungsraum kam. Was auch immer in der Zwischenzeit abgelaufen war, es war nichts Gutes gewesen. Die Hexe hatte den Major abgesetzt und von seiner Mission erfahren. Irgendetwas war gewaltig schief gelaufen.
Ein Scanner tastete seine biometrischen Daten ab, dann glitt die Schleusentür lautlos zur Seite. Ein paar Schritte durch den Gang, die zweite Tür öffnete sich.
Elf Augenpaare starrten ihn an. Verunsichert blieb er in der Tür stehen.
„Captain Halter“, begrüßte ihn die Hexe verdächtig freundlich. Normalerweise hatte sie kaum einen Blick, geschweige denn ein Wort für die militärischen Mitglieder übrig. Sie wies auf einen freien Platz ihr gegenüber.
„Bitte, setzen sie sich doch.“
Langsam folgte er der Aufforderung. Während er zu dem Platz ging, betrachtete er den Major. Was auch immer geschehen war, es hatte ihn furchtbar mitgenommen. War er sonst ein Abbild von Kraft und Energie, saß er jetzt zusammengesunken auf seinem Sitz. Die Augen waren müde. Wie zur Entschuldigung hob er seine Arme leicht an.
„Könnten sie mir bitte erklären, was hier los ist?“, fragte Toki die Frau ihm gegenüber, nachdem er Platz genommen hatte.
„Sie sind nicht derjenige, der die Fragen stellt. Aber nur zu ihrer Information: Ihr Vorgesetzter, Major Ansdon, hat sie ohne meine Erlaubnis auf Einsätze geschickt und wurde deshalb auf unbestimmte Zeit suspendiert. Captain…“
„Klerks.“
„Ja, Captain Klerks ist ihre neue direkte Vorgesetzte. Da sie die Aufklärungsmission aufgeführt haben, werden auch sie vorläufig suspendiert. Wenn ihre Informationen brauchbar sind, bin ich geneigt, mir diese Sache nochmals zu überlegen. Also, was haben sie?“
Diese Tatsachen trafen ihn wie ein Schlag ins Gesicht. Der Major war abgesetzt? Und die Hexe hatte nun das alleinige Sagen. Schlimmer konnte es nicht kommen. Wie hatte es dazu kommen können? Ein kurzer Blick rundum zeigte ihm, dass nicht er allein mit dieser Situation unzufrieden war. Für die Meisten hier war der Major wie ein Vater. Er kümmerte sich um sie und hatte in letzter Zeit viel Zeit und Energie geopfert, um sie auf der Spur zu halten. Sie alle hatten Leute verloren. Freunde, Familie, der Major seine Frau. Trotz dieser Situation war er für sie da gewesen und hatte sie zusammengehalten. Hatte ihnen gut zugeredet, ihnen in den Popo getreten, ihnen Aufgaben gegeben, was auch immer notwendig gewesen war. Und es hatte geholfen. Toki selbst wollte sich nicht ausmalen, was gewesen wäre, wenn er keine Aufgabe, keine Mission mehr gehabt hätte. Vermutlich wäre er in einer der Raumspritbars der Handelsstation versunken, Schnaps und Ashs Bild vor ihm. Ihn jetzt so zu sehen, war schlimm.
„Captain, können wir?“
„Ja, natürlich.“
Er erzählte vom Treffen der 3S mit den Söldnern, dass er sie verfolgt hatte und was er im Inneren des Orcas gesehen hatte. Und dass er nur mit knapper Not wieder herausgekommen war. Die Arrow war nur noch eine geröstete Hülle gewesen, Triebwerke, Elektronik, Schilde, Bewaffnung, alles war zerstört oder funktionsunfähig gewesen. Nur mit Mühe und der technischen Hilfe seiner neuen boronischen Freunde hatten sie die Rettungskapsel aktivieren können. Zu fünft hatten sie in dem winzigen Behälter zur nahe gelegenen Lagerbasis navigiert. Fünf Personen in einem Raum zu quetschen, der eigentlich nur für drei Menschen ausgelegt war, war furchtbar gewesen. Und die Kapsel war so unglaublich langsam. Schlussendlich hatten sie es aber doch geschafft, das Lager zu erreichen. Die ASO unterhielt in jedem operierenden Sektor ein paar dieser Einrichtungen. Meistens wurden sie in ausgehöhlte Asteroiden gebaut. Vorzugsweise in solche mit geringem geologischen Wert. Sie alle waren ähnlich aufgebaut. Ein paar kleine Wohneinheiten, Standardausrüstung und autarke Energie- und Wasserversorgung, um dort notfalls auch einige Monate unterkommen zu können. Normalerweise wurde die Ausrüstung auf mehrere dieser Lager aufgeteilt, um im Fall einer Katastrophe oder anderen Notsituationen problemlos auf eine andere Örtlichkeit ausweichen zu können. Toki hatte seine vier Begleiter dort abgesetzt und ihnen versprochen, so schnell als möglich wieder zurückzukehren. Sie sollten warten und nichts anfassen. Was bei den Boronen wohl schwer werden würde, sie mussten alles probieren, testen und konnten kaum stillsitzen. Aber er musste fair bleiben. Sie hatten ihm wirklich geholfen. Ohne sie hätte er die Rettungskapsel wohl nicht wieder in Gang gebracht und auch die Daten der Arrow wären verloren gewesen. Sie hatten es geschafft, den Großteil des Datensatzes wieder herzustellen und auf einen externen Speicher zu kopieren. Nach ihren Aussagen waren sie ausgebildete, vereidigte und geprüfte Schiffsbauingenieure der Atreus mit umfassenden Kenntnissen von komplexen, großen und fließenden Systemen der Raumfahrt. So oder so ähnlich hatten sie es beschrieben. In Kurzform waren sie wohl so etwas wie Ingenieure in einer Schiffswerft.
All das erzählte Toki natürlich nicht. Offiziell waren alle Daten der Arrow unwiederbringlich verloren gewesen, mit der Rettungskapsel hatte er es allein zum Lager geschafft und war vom dort mit einem dort geparktem Aufklärungsschiff hierher geflogen. Was er hatte, waren ein paar Bilder vom zerstörten Innenleben des Orcas mit allen grauenvollen Details.
Nachdem er den Sachverhalt geschildert hatte, schwiegen alle betroffen und geschockt. Der Major holte als Erster tief Luft und wandte sich an die Vorsitzende.
„Auch wenn es nichts mehr ändert, jetzt haben sie ihre Beweise. Wollen sie jetzt immer noch behaupten, die NMMC sei so harmlos?“
„Das beweist gar nichts. Ein Söldnertrupp hat ein Kreuzfahrtschiff überfallen. Dass die zuvor Kontakt mit der 3S hatte, kann Zufall sein. Und wenn nicht, kann der NMMC trotzdem nichts nachgewiesen werden.“
Toki reizte ihre Ignoranz so, dass er sie am liebsten geschüttelt und angeschrien hätte. Aber er musste sich zusammenreißen.
„Mrs. Frenn, ich habe das alles mit eigenen Augen gesehen. Die gefolterten Menschen, die Leichen. Sie sagen es ja selbst: Das waren Söldner, keine Piraten. Und selbst diese hätten nicht einfach alle Personen getötet. Das wäre vollkommen kontraproduktiv gewesen. Die hätten Geiseln genommen und Lösegeld erpresst. Und dass die Presse so schnell und zudem alle zum selben Zeitpunkt auftaucht? Das kann doch alles kein Zufall sein. Ich habe auf dem Schiff so viele Daten gesichtet, wie mir möglich war. Dieses Schiff war mit großer Wahrscheinlichkeit eine Hochburg von Personen, die gegen die NMMC gearbeitet haben. Ich habe Hinweise auf ehemalige NMMC-Mitarbeiter und Personen gefunden, die schon mehrmals mit Initiativen und Hackerangriffe gegen dieses Unternehmen protestiert haben. Angeblich gibt es noch mehr solcher 'Kolonien'. Ich bin fest davon überzeugt, dass man hier ein Exempel statuieren wollte. Man hat auch die Presse verständigt, damit diese alles zeigt. Es sollte ein warnendes Beispiel sein, was passiert, wenn man sich gegen die NMMC stellt. Leider hatten dieses Söldner etwas zu viel Spaß und der Tatort wurde zerstört, bevor die Presse Aufnahmen machen konnte. Denken sie einmal darüber nach.“
„Ich muss sagen, Captain Halter, ihre Argumentation hat etwas für sich. Trotzdem ist mir das etwas zu weit hergeholt. Sie haben offensichtlich zu lange mit Major Ansdon verbracht. Es bestätigt mich nur in meiner Entscheidung, sie suspendiert zu haben.“
„Aber...“
Mit einer scharfen Handbewegung schnitt sie ihm das Wort ab.
„Bitte zwingen sie mich nicht, bei ihnen ebenfalls ein Verfahren wegen Verrats zu öffnen. Senden sie mir die Daten. Trotz ihrer abenteuerlichen Geschichte werde ich den Sachverhalt prüfen und bei der NMMC einmal vorsichtig recherchieren lassen.“
„Die Daten sind schon im System.“
Resigniert ließ sich Toki wieder in den Sitz fallen.
„Gut. Noch Fragen?“
Mrs. Frenn sah in die Runde. Niemand meldete sich.
„Dann ist diese Sitzung hiermit beendet. Major Ansdon, Captain Halter, sie beide kommen in einer Stunde in mein Büro.“
Sie wuchtete ihren Körper aus dem Sitz und verließ zügig den Raum.
Toki folgte dem Major in sein Büro. Viel war nicht zu sagen. Aufgrund der Suspendierung mussten sie fürchten, abgehört zu werden, also schimpften sie ausgiebig über die Hexe, während der Major auf seiner Hand Ort und Zeit notierte, wo sie sich treffen würden um ungestört reden zu können. Toki warf einen Blick darauf und nickte zustimmend. Die Suspendierung würde sie nicht hindern. Das hier war noch keineswegs vorbei. Es hatte eben erst angefangen.


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kammerjäger





Joined: 26 May 2013
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PostPosted: Mon, 2. Sep 13, 07:47    Post subject: Reply with quote Print

05

Immer wieder fiel die Energieversorgung aus. Das Licht blinkte nur noch sporadisch auf, kurzzeitig versagten die Schwerkraftgeneratoren. So leise wie möglich, die kleine Projektilwaffe im Anschlag, tastete sich Toki durch die schwach erleuchteten Räumlichkeiten. Das Licht ging wieder an und blendete ihn. Dann flackerte es und versiegte. Die Notbeleuchtung tauchte alles in dumpfe Rottöne. Zum tausendsten Mal heute verfluchte er die Hexe. Vor kaum einer Stunde hatte sie ihm und dem Major die Dienstwaffe und ihre Vollmacht entzogen. Nun musste er auf seine private Waffe, die er seit Jahren nicht mehr benutzt hatte, zurückgreifen. Blasterschüsse zischten in einiger Entfernung, ein erstickender Schrei begleitete das Ableben eines Menschen. Mit einem Sprung überquerte er den Gang und riss die Tür zum Büro des Majors auf. Niemand zu sehen. Ein scharfer Geruch lag in der Luft. Auf dem Tisch stand eine halbleere Flasche Raumsprit. Scharfe Ausdünstungen wallten ihm entgegen. Ein Geräusch hinter ihm und ein harter Gegenstand drückte sich in seinen Rücken.
„Was habt ihr vor?“

„Major?“
„Oh, du bisses.“
Der Gegenstand in seinem Rücken verschwand und Toki drehte sich um. Der Major sah erbärmlich aus. Seine weißen, kurz geschorenen Haare standen wirr vom Kopf, er stank nach Schnaps und Schweiß. In seinen Händen hielt er eine der großkalibrigen Projektilkanonen, die mit ihrer Durchschlagskraft schon großen Kampfbots gefährlich werden konnten. Der Lauf zeigte auf Tokis Bauch und schwankte hin und her. Er drückte die gefährliche Mündung etwas zur Seite.
„Major, war müssen hier weg.“
Der Angesprochene lachte wirr.
„Wieso? Iss doch ohnehin … alles im Popo. Ich habe versssagt.“
Er stieß die Worte nur mühsam und lallend hervor. Plötzlich wankte er und stützte sich auf die Waffe wie ein alter Mann auf seinen Gehstock.
„Verdammt Major, reiß dich zusammen. Falls du es nicht bemerkt hast: Wir werden angegriffen.“
„Wossu glaubst du, habe ich das hier? Und im Übrigen: Was soll‘s? Ich bin kein Major mehr. Die Hexe hat es geschafft. Alles ist…“
„sch**** auf die Hexe. Du bist unser Befehlshaber.“
Er lachte wieder auf. Weitere Blasterschüsse, diesmal waren sie lauter. Sie kamen näher. Die Zeit drängte. Also machte er das, was notwendig war. Er holte aus und verpasste dem Mann vor ihm eine kräftige Ohrfeige. Einen Augenblick starrte er ihn wie von Blitz getroffen an.
„Was zum Teufel…“
„Verzeihen sie mir, Major. Captain Halter meldet sich zum Dienst. Eine Gruppe Söldner, Piraten oder irgendein anderes Pack überfällt gerade die Station. Zumindest dieses Modul. Sie haben Teile der Infrastruktur lahmgelegt. Wie lauten ihre Befehle? Wir müssen uns wohl zum Hangar durchschlagen.“
Der Major starrte ihn noch immer an. Toki dachte schon, er habe den alten Mann zu viel geschlagen, als er seine Fassung wieder fand. Als er sprach, lallte er kaum mehr.
„Einverstanden. Aber zuerst müssten wir nach Überlebenden suchen.“
Er hastete zu seinem Tisch und versuchte, eine Darstellung der Station erscheinen zu lassen. Vergeblich. Er fluchte und riss einen Teil der Wandverkleidung herunter. Eine massive Tresortür wurde sichtbar. Er zog eine schwere Waffe aus dem Schließschrank und reichte sie Toki.
„Hier. Mit deinem kleinen Fliegentöter kriegst du nicht mal ein Loch durch ein Blatt Papier.“
Toki kannte ähnliche Modelle aus seiner Zeit als Marine. Eine Kombination aus Partikelstrahlgeschütz und Projektilwaffe für Explosivgeschosse.
„Hier.“
Der Major warf ihm noch ein paar Magazine mit entsprechender Munition zu und steckte sich selbst einige Päckchen ein.
„Woher haben sie diese Kanonen? Wie haben sie das vor der Hexe geheim halten können.“
„Pfft. Die ist so mit sich selbst beschäftigt, die schnallt gar nichts. Also los. Ich sehe in den anderen Räumen nach und du gibst mir Feuerschutz. Sollte sich einer dieser verdammten Piraten sehen lassen, gib ihm ein ordentliche Ladung.“
Toki nickte befriedigt. Der Major hatte seinen Biss wieder. Ob die Ohrfeige so viel bewirkt hatte? Genau zielen konnte er bestimmt noch nicht. So war es gut, dass Toki aufpasste und der Major sich um die anderen kümmerte und nicht umgekehrt.
Auf dem Gang war niemand. Toki rückte langsam mit der Waffe im Anschlag vor. Hinter ihm trat der Major jede Tür auf und suchte. Niemand war mehr da. Erst in Mrs. Frenns Büro hörte er einen entsetzten Schrei, als die Tür aufgetreten wurde. Der Major herrschte sie an, leise zu sein und ihm zu folgen.
Sie kam aus dem Büro gelaufen, der Major hinter ihr her.
„Gehen sie verdammt nochmal in Deckung“, rief er ihr zu. Vollkommen in Panik warf sie sich hinter einen Kasten auf dem Gang. Obwohl man es ihm nicht anmerkte, wusste Toki, dass es ihm unglaubliches Vergnügen bereitete, sie herumzukommandieren. Weiter ging es. Wieder Schüsse.
„Aus der Kantine“, raunte Toki. Der Major nickte.
„Was sollen…“
„Ruhe“, fuhr er sie an. „Sie folgen uns leise und kommen uns nicht in die Quere. Verstanden?“
Die Frau nickte hektisch. Sie schlichen weiter bis zu einer Ecke. Toki wollte eben in den rechtwinkelig verlaufenen Gang lugen, als jemand um die Ecke kam. Seine Finger krümmten sich schon um den Abzug.
„Verdammt, pass doch auf“, fuhr er Captain Klerks an, die ebenfalls die Mündung ihrer Waffe auf ihn gerichtet hatte.
„Oh, sehr gut“, entgegnete diese nur. Ich wollte eben noch nachsehen, ob es hier noch Personen gibt.“
„Hier ist außer uns niemand mehr“, antwortete Major Ansdon. „Was ist da los?“
„Wir wissen es nicht. Aus heiterem Himmel hat uns ein Trupp angegriffen. Vermutlich Piraten.“
„Was? Die ganze Station?“
„Nein. Ich denke nicht. Sie haben zuerst mit ihrem Schiff die Verbindung zum Rest der Station gekappt und danach diesen Sektor geentert. Wir halten sie da vorne in Schach. Aber sie werden vermutlich weiter hinten ebenfalls ein Loch in die Hülle schneiden, um uns in die Zange zu nehmen.“
„Wir müssen so schnell wie möglich da raus. Gehen wir zu den anderen.“

Dem Rest der Gruppe ging es nicht besonders gut. Sie waren nur von einem kleinen Stück Wand geschützt. Links und rechts zweigten Türen ab, eine führte in die Kantine, die andere in einen Gang, der daneben vorbei führte. Die Piraten hatten sowohl Gang als auch die Kantine besetzt. Sobald sich jemand zeigte, wurde er sofort beschossen. Bei der Gruppe angekommen, erkundigte sich der Major nach der Lage.
„Es sind zu viele. Wir können nicht durchbrechen. Sie versperren uns den Weg zum Hangar.“
Der junge Lieutenant rümpfte die Nase, als er vor seinem suspendierten Vorgesetzten stand, sagte aber nichts.
„Wir müssen aber durch. Vermutlich werden sie weiter hinten ebenfalls einbrechen und uns in die Zange nehmen. Haben sie irgendwelche Forderungen gestellt?“
„Wenn sie mit ihren Waffen kommunizieren, dann ja.“
Der Major überlegte kurz. Dann zählte er die Mannschaft durch. Drei Personen fehlten. Zwei Lieutenants und eine Technikerin. Auf Nachfrage schüttelte der junge Mann nur betrübt den Kopf. Captain Klerks lugte um die Ecke in die Kantine und wurde von einer Salve begrüßt. In diesem Moment flammte wieder das Licht auf. Der Bildschirm eines Infoterminals an der Wand erhellte sich. Eine Idee schoss durch den Kopf von Major Ansdon. Es war eine Möglichkeit. Vielleicht auch die Einzige.
„Stationsplan anzeigen“, forderte er das System auf und hoffte, die Energieversorgung würde so lange stabil bleiben, bis er gefunden hatte, wonach er suchte. Hektisch drehte und zoomte er den dreidimensionalen Plan des Moduls. Die Druckwelle eine Explosion fegte durch den Gang. Mehrere erlitten Verbrennungen und schrien auf. Blasterschüsse hagelten auf sie ein, als ein Trupp von hinten kam. Geistesgegenwärtig riss er seine Waffe herum und feuerte in die Richtung, aus der die Schüsse kamen. Seine Explosivgeschosse rissen die Wandverkleidung herunter, Splitter und Geschosse trafen die Angreifer, die sich schnell zurückzogen. Drei blieben regungslos im Boden liegen. Das Licht fiel wieder aus und die Notbeleuchtung sprang ein. Ein Schatten bewegte sich und Ansdon feuerte ein paar weitere Warnschüsse ab. Dann wandte er sich wieder dem Terminal zu. Es war schwarz. Fluchend schlug er dagegen. Wenigstens hatte er einiges finden können. Ob es genug gewesen war, würde sich zeigen.
Jetzt erst wandte er sich wieder zu seiner Truppe. Der Angriff hatte Spuren hinterlassen. Eine Person lag am Boden und bewegte sich nicht mehr. Der gesamte Bauchbereich war aufgerissen und verbrannt. Einige weitere hatten Streifschüsse abbekommen, die eiligst verbunden wurden. Die Schreie der Verletzten hörte er gar nicht. Er sah nur das Schlachtfeld und seine Gedanken wanderten zurück zu jenem Tag. Ebenso wie jetzt war er auch nur dagestanden, fassungslos und am Boden zerstört. Vor ihm der kleine Körper. Regungslos und verbrannt.
Eine Salve riss ihn in die Realität zurück. Um die Ecke schrie jemand auf. Er hatte sich zu weit vor gewagt und war von Captain Klerks getroffen worden.
„Guter Schuss.“
Er rief die drei Captains zu sich und gab den anderen bewaffneten Personen den Befehl, Posten zu beziehen und auf jeden zu schießen, der sich zeigte.
„Wir sitzen hier in der Falle. Noch können wir uns verteidigen, aber wir wissen nicht, wie lange noch. Durchschlagen ist auch nicht möglich. Uns bleibt nur eine einzige Möglichkeit. Sie ist riskant, aber unsere einzige Chance.“
In kurzen Worten legte er den Dreien seinen Plan dar und welche Aufgabe sie hatten.


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04

Was in den wenigen Augenblicken zwischen ihnen ausgefochten wurde – KOMMA – entging...

Wie die Presse berichtet, hat es ja auch von ihnen eine Menge Opfer gegeben.

Mir erschließt sich die Funktion des 'von ihnen' in diesem Satz nicht. Streichen? Oder vielleicht durch 'von innen' ersetzen?

„Captain Halter, schön ihre Stimme zu hören.“
Im nachrichtendienstlichen Funkverkehr werden – auch auf verschlüsselten Kanälen – keine Namen genannt, so lange dies nicht zwingend erforderlich ist.

Er kümmerte sich um sie und hatte in letzter Zeit viel Zeit und Energie geopfert.
Das ist mal eine sehr enge Wortwiederholung. Vorschlag: „hatte zuletzt viel Zeit“

Und dass er nur mit knapper Not wieder herausgekommen war.
Unvollständiger Satz

Die ASO unterhielt in jedem operierenden Sektor ein paar dieser Einrichtungen.
Das halte ich nicht für sehr realistisch. Die Kosten, ein solches Netzwerk aufzubauen, stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen. Und auch wenn Geheimdienste für gewöhnliche über umfangreiche Geldmittel verfügen, so ist doch auch ihr Etat begrenzt. Zweitens steigt mit jedem weiteren angelegten Stützpunkt, die Gefahr dass das Netzwerk entdeckt wird.

Vorzugsweise in solchen mit geringem geologischen Wert.

… mit der Rettungskapsel hatte er es allein zum Lager geschafft und war von dort mit einem dort geparktem Aufklärungsschiff hierher geflogen.

… die schon mehrmals mit Initiativen und Hackerangriffen gegen dieses Unternehmen protestiert haben.

… während der Major auf seiner Hand Ort und Zeit notierte, wo sie sich treffen würden – KOMMA - um ungestört reden zu können.


Die Darstellung von Mrs. Frenn überzeugt mich nicht. Sicherlich gibt es Zivilangestellte in einem Geheimdienst, die mit Sicherheit auch andere Ansichten haben als die Angehörigen des militärischen Zweiges. Aber zivil oder militärisch, jemand der so unmisstrauisch ist, kommt in einem Geheimnis nicht auf einen so hohen Posten. Es sei denn, es ist der Geheimdienst einer Bananenrepublik und der Betreffende ein Neffe von El Presidente. Aber das dürfte hier ja wohl kaum der Fall sein.

05

Vor kaum einer Stunde hatte sie ihm und dem Major die Dienstwaffe und ihre Vollmacht entzogen.
Du musst Dich schon entscheiden, ob Du Singular oder Plural benutzen willst. Also entweder: „...dem Major die Dienstwaffe und die Vollmacht“ (alternativ: „dem Major Dienstwaffe und Vollmacht“) oder: „...dem Major die Dienstwaffen und ihre Vollmachten“

Nun musste er auf seine private Waffe, die er seit Jahren nicht mehr benutzt hatte, zurückgreifen.
Lass Dir von einem anderen notorischen Schachtelsatzbauer vorschlagen: „seine private Waffe zurückgreifen, die er seit“

Seine weißen, kurz geschorenen Haare standen wirr vom Kopf.
Können kurz geschorene Haare wirr vom Kopf stehen?

„Major, wir müssen hier weg.“

Iss doch ohnehin … alles im Popo.

Ja, ja, ich weiß. Aber so redet doch keiner. Wenn Du 'Popo' schreiben willst, dann schreibe es. Wenn Du es nicht schreiben willst, dann schreibe auch direkt etwas anderes: „im Eimer“, „verloren“, „vorbei“, „zu spät“, „sinnlos“.
EDIT: Rolling on the floor laughing Das Forum ändert A-r-s-c-h automatisch in Popo. Eventuell probierst Du es mit Sternchen, also: Arsc*. /EDIT

„Wie haben sie das vor der Hexe geheim halten können FRAGEZEICHEN“

Sie haben zuerst mit ihrem Schiff die Verbindung zum Rest der Station gekappt und danach diesen Sektor geentert.

Der Gebrauch von 'Sektor' ist hier prinzipiell richtig und müsste im militärischen Ausdruck auch genau so angewandt werden. Es könnte aber für den X-Leser dennoch irritierend sein, weil er sich unter einem Sektor eben etwas anderes vorstellt. Daher vielleicht „Sektion“, „Bereich“, eventuell „Deck“.

Popo, ähm... Boro


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kammerjäger





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PostPosted: Sun, 8. Sep 13, 19:24    Post subject: Reply with quote Print

Quote:
Das halte ich nicht für sehr realistisch. Die Kosten, ein solches Netzwerk aufzubauen, stehen in keinem Verhältnis zum Nutzen. Und auch wenn Geheimdienste für gewöhnliche über umfangreiche Geldmittel verfügen, so ist doch auch ihr Etat begrenzt. Zweitens steigt mit jedem weiteren angelegten Stützpunkt, die Gefahr dass das Netzwerk entdeckt wird.


So unrealistisch finde ich das nicht. (Wenn man bei FanFiction über ein Computerspiel, das in der Zukunft im Weltall spielt von realistisch sprechen kann Smile ) Grüne Schuppe ist ein wichtiger Posten für die ASO. Quasi hinter den Linien. Ich sage ja gar nicht, dass es viele solch infiltrierter Sektoren gibt. Und ein gut gewählter und bestend ausgerüsteter Posten ist besser als zehn schlechte.
Und spätestens seit der NSA-Affäre wissen wir, dass Geld bei Geheimdiensten nur eine untergeordnete Rolle spielt, wenn es um Informationen geht, die potentiell wichtig sind...

Quote:
Die Darstellung von Mrs. Frenn überzeugt mich nicht. Sicherlich gibt es Zivilangestellte in einem Geheimdienst, die mit Sicherheit auch andere Ansichten haben als die Angehörigen des militärischen Zweiges. Aber zivil oder militärisch, jemand der so unmisstrauisch ist, kommt in einem Geheimnis nicht auf einen so hohen Posten. Es sei denn, es ist der Geheimdienst einer Bananenrepublik und der Betreffende ein Neffe von El Presidente. Aber das dürfte hier ja wohl kaum der Fall sein.


Ja, ich muss zugeben, mir gefällt der Charakter selbst nicht besonders. Mal sehen, was sich da noch machen lässt...

Quote:

Iss doch ohnehin … alles im Popo.
Ja, ja, ich weiß. Aber so redet doch keiner. Wenn Du 'Popo' schreiben willst, dann schreibe es. Wenn Du es nicht schreiben willst, dann schreibe auch direkt etwas anderes: „im Eimer“, „verloren“, „vorbei“, „zu spät“, „sinnlos“.
EDIT: Rolling on the floor laughing Das Forum ändert A-r-s-c-h automatisch in Popo. Eventuell probierst Du es mit Sternchen, also: Arsc*. /EDIT


Hab ich nicht gewusst. Klingt echt sch... Laughing


Da die Geschichte schon jetzt deutlich länger ist als eine Kurzgeschichte, werde ich irgendwann (wenn ich mit der Story fertig sein sollte) alle Kommentare und Anregungen in den Text einpflegen und das ganze als PDF eröffentlichen. Sollte auch besser zu lesen sein.

---------------------

06

Projektile, Partikelstrahlen und Granaten sausten auf einander zu, passierten sich und schlugen auf der gegenüberliegenden Seite ein. Ein Explosivgeschoss traf auf den gepanzerten Schulterteil eines Kampfanzugs und detonierte. Umstehende Söldner wurden von Blut und Splittern getroffen, die Schreie gingen im allgemeinen Chaos unter. Major Ansdon warf einen Blick hinter sich.
„In Deckung“, schrie eben Captain Klerks. Alle duckten sich, dann riss die Detonation ein Loch in die Wand und mehrere Unachtsame von den Beinen.
„Los, los, los“, kommandierte die Frau energisch. Während Toki und Ansdon das Sperrfeuer in beide Angriffsrichtungen aufrecht hielten, rannte der Rest der Truppe auf das Loch zu. Einer nach dem anderen kletterte durch.
„Alle drin“, schrie Klerks von der anderen Seite. „Los, macht dass ihr von hier verschwindet.“
Toki und der Major sahen sich an, nickten und liefen dann los. Bevor Toki durch die aufgerissene Luke kletterte, aktivierte er noch zwei Splittergranaten und warf sie nach hinten in den Gang.
Sie waren nun in diesem Teil des Moduls, zu dem normalerweise nur Techniker Zutritt hatten. Mehrere Plattformen durchzogen die Halle und unterteilten sie in Ebenen. Eine riesige Kugel bildete das Zentrum. Rohre, Leitungen und Verstrebungen bildeten davon ausgehend einen Dschungel, der nur mehr wenige Wege auf den Plattformen frei ließ. Hinter ihnen detonierte die erste Granate, Splitter und der Rest der Druckwelle fegten durch das Loch.
Captain Klerks lief vor, die anderen folgten ihr. Ein zweiter Knall, begleitet vom Prasseln der einschlagenden Splitter und den Schreien der Getroffenen drang durch das Loch. Major Ansdon wartete, bis alle an ihm vorbei gelaufen waren, dann schoss er mehrere Male auf ein paar Rohrleitungen, die in dicken Strängen entlang der Wand verliefen. Mehrere davon platzten auf, Wasser, Dampf und andere Gase traten zischend aus. Rasch folgte er der Gruppe, die eben hinter einem großen Tank verschwand. Hinter ihm breitete sich dichter Nebel aus. Dicht neben der Kugel wartete die Gruppe auf ihn.
„Wohin, Major?“
„Da vorne muss eine Treppe sein. Wir müssen drei Ebenen hinunter, dann zur Wand hin. Dort müssen wir uns durchsprengen. Die Wand sollte direkt zum Hangar führen. Los. Riley, sie bleiben bei mir.“
Während die anderen unter der Führung von Captain Klerks den beschriebenen Weg nahmen, wartete einer der Techniker, ein junger Mann Anfang dreißig. Er aktivierte eine Konsole und gab eine Menge Befehle in das Terminal. Sein Armband und das des Majors legitimierte sein Vorhaben. Wenigstens war in diesem Bereich die Energieversorgung noch stabil. Wenn nicht, hätte das katastrophale Folgen.
Das Display zeigte einen Countdown und mehrere Daten, die sich schnell änderten.
„Fertig.“
„Gut. Dann los.“
Sie liefen beide nach unten. Der Rest der Truppe hatte schon den gleichen Sprengsatz, wie sie ihn schon vorhin benutzt hatten, an der Wand deponiert. Von oben hörten sie Schreie und Gepolter. Viel Vorsprung hatten sie nicht.
Die Detonation riss die stabilen Teladianiumplatten aus der Verankerung. Staub und Splitter schossen herum und wurden durch die Öffnung hinaus gesaugt. Ein leichter Sog zerrte an ihnen, als sie durch die Öffnung in den Hangarbereich kletterten.
Der Hangar war vollkommen verwüstet. Als hätte jemand einfach von der Mitte der Halle wahllos um sich geschossen und alles rundum zerstört. Wahrscheinlich hatten sie auch genau das getan. Die wenigen Schiffe, die hier geparkt waren, wiesen allesamt Einschusslöcher auf und waren vollkommen unbrauchbar. Auch die ganzen Einrichtungen, die Andockklammern und Schleusen waren völlig hinüber. Das große Schott, das die Innenseite der Schleuse bildete, die den Hangar mit dem freien Raum verband, hatte einiges abbekommen. Dicht war es nicht mehr, es herrschte ein unangenehmer Unterdruck. Ratlos blickten sie um sich. Major Ansdon knirschte mit den Zähnen. Er hätte es ahnen können. Die hatten an alles gedacht.
„Major, was machen wir jetzt?“
Captain Klerks sah ihm mit einer Mischung aus Vorwürfen, Wut und Panik in den Augen. Major Ansdon wollte eben schon resigniert mit den Schultern zucken, als Toki an die beiden trat.
„Ich habe eine Idee, kommen sie mit. Vielleicht haben wir noch eine Chance.“
Und schon lief er los. Auch wenn dieser Schiffsparkplatz vergleichsweise winzig war im Gegensatz zu den öffentlichen Systemen der Stationen, die pro Tazura oftmals tausende Schiffe abfertigten, so dauerte es doch eine Weile, bis er den Durchgang erreicht hatte, zu dem er wollte. Die Elektronik des Schlosses war inaktiv, für dezente Methoden war keine Zeit. Also schoss er einfach so lange auf die Tür, bis diese aufschlug und ihm beinahe einen Schlag versetzt hätte. Ein Windstoß pfiff ihm entgegen. Ein gutes Zeichen. Also war hier der Druck noch vorhanden. Er wandte sich um. Captain Klerks erreichte ihn als Erste.
„Was haben sie vor?“, keuchte sie.
„Die kleine Aufklärungsmaschine, mit der ich gekommen bin. Ich habe sie im Business-Bereich geparkt.“
Als ihn der Major schief ansah, verteidigte er sich: „Ja, ich weiß, dass das nicht mit den Vorschriften konform ist. Aber ich sollte doch schnell da sein. Und da ich ja schon suspendiert bin, kann mir das jetzt herzlich egal sein.“
Er zog eine gleichgültige Miene, dann verschwand er im Durchgang. Der Business-Bereich war klein aber fein. So konnte man es beschreiben. Er gehörte offiziell nicht mehr zum Bereich, den die ASO angemietet hatte, konnte aber gegen eine horrende Gebühr – wie fast alles in diesem Echsenreich– benutzt werden. Die Dienstvorschriften besagten, dass dieser Bereich nur bei äußerster Dringlichkeit benutzt werden durfte. Toki war zu genervt gewesen, als er angekommen war. Eine Andockerlaubnis einholen, wieder mit diesem dämlichen Echsenvieh verhandeln und ihm vergeblich erklären, dass sein Ziel ein privater Hangar war, für den er schon bezahlt hatte. Deswegen hatte er ein weiteres Mal diese dämlichen Vorschriften ignoriert. Und wieder einmal hatte es sich bezahlt gemacht.
Der kahle Raum, in den nur sehr kleine Schiffe passten, war beinahe leer. Nur die graue Maschine stand auf einem der acht Sockel, auf denen die Schiffe im Hangar parkten.
„Los, alle rein.“
Toki hielt Captain Klerks zurück.
„Hören sie, sie müssen fliegen. Sorgen sie dafür, dass sie vollen Schub auf die Steuerdüsen haben.“
„Was haben sie vor?“
„Ich muss die Schleuse manuell öffnen. Die Energieversorgung ist tot.“
Er hastete los. Aus einem der Schränke an der Wand riss er einen Raumanzug und eine Sicherungsleine heraus. Major Ansdon lief ihm hinterher.
„Was haben sie vor?“
„Die Schleuse muss manuell betätigt werden. Bringen sie sich in Sicherheit. Captain Klerks wird fliegen.“
„Und was ist mit ihnen? Sobald die Schleuse offen ist, werden wir alle hinaus gerissen.“
Wortlos hob Toki die Sicherungsleine hoch.
„Ok. Passen sie auf sich auf. Und beeilen sie sich. Wir haben nur noch acht Minuten. Dann fliegt hier alles in die Luft. Hier, das werden sie brauchen.“
Der Major drückte ihm sein Armband in die Hand, dann lief er los zu dem kleinen Schiff, wo eben die letzten Personen ins Innere stiegen. Eng würde es werden, sehr eng. Das Schiff war für vier Personen gebaut. Im Extremfall. Normalerweise wurde es nur von einer Person geflogen. Aber wenn sich fünf Personen unterschiedlicher Spezies in eine Rettungskapsel zwängen konnten, würde das auch funktionieren.
Inzwischen hatte er den Anzug angelegt. Den Haken der Leine hängte er in eine der Aufnahmen am Schiff ein, die Kurbel nahm er mit sich und spulte sie ab, während er zum Tor lief. Hinter sich hörte er das Heulen der Triebwerke. Ein kurzer Blick zurück zeigte ihm, dass die Einstiegsluke geschlossen war.
Aber auch noch etwas anderes sah er aus den Augenwinkeln. Etwas bewegte sich im Durchgang. Die Angreifer hatten sie erreicht. Eine Salve Partikelstrahlen ließen den Schild des Schiffes aufleuchten, das nun über dem Landesockel schwebte. Toki erreichte das Terminal. Die Notversorgung war immerhin noch aktiv. Hastig gab er einige Befehle, hielt die beiden Armbänder an den Sensor. Doch das Ding wollte einfach nicht. Er versuchte eine andere Vorgehensweise, um die Sicherheitsfunktionen außer Kraft zu setzen. Wieder vergeblich. Projektile und Blasterstrahlen schlugen neben ihm ein. Reflexartig warf er sich auf den Boden und feuerte zurück. Zwei Söldner wurden getroffen, der Rest formierte sich und verschanzte sich hinter einem der massiven Sockel. Toki lag am Boden, vollkommen ohne Deckung. Er musste etwas tun. Acht Minuten hatte der Major gesagt. Er feuerte nochmals gegen die Deckung der Feinde, dann warf er sich herum und versuchte es erneut. Die Sicherheitsebenen waren inaktiv, eine Liste der steuerbaren Geräte erschien. Er selektierte einfach alle und aktivierte die Notfallsequenz. Ein Explosivgeschoss sprengte die Konsole und warf ihn zu Boden. Mit dem Helm schlug er so heftig auf einer Kante auf, dass er im Inneren mit dem Kopf dagegen geschleudert wurde. Verschwommen und nur halb bewusst registrierte er, was um ihn herum passierte. Das Schleusentor wurde wie von Geisterhand aus der Verankerung gerissen und nach außen gedrückt. Alles im Raum begann, sich zu bewegen. Kisten, abgestellte Reparaturbots, ein ganzes Triebwerk, das noch verpackt an der Wand stand, alles bewegte sich auf die Öffnung zu. Das Schiff schwebte in der Mitte des Raums. Es wurde beschleunigt, die Schubdüsen hielten es in Position und von herumfliegenden Teilen fern. Er durfte den Anschluss nicht verlieren. Panisch wälzte er sich herum, konnte die Kurbel nicht finden. Geschosse prallten irgendwo neben ihm auf den Boden. Dann sah er das pistolenähnliche Griffstück. Es lag in einer Entfernung von einem Meter und rutschte schon fort, dem beschleunigenden Schiff nach. Mit aller Kraft sprang er hin, ignorierte den Beschuss und die herumwirbelnden Gegenstände um ihn herum und bekam das Ding zu fassen. Mit aller Kraft klammerte er sich daran, als ein Ruck ihn vorwärts riss. Die Öffnung kam näher, wurde größer, vor ihm der graue Korpus des Schiffes. Er musste die Steuerdüsen seines Anzugs benutzen, um von den gefährlichen Triebwerken fern zu bleiben. Nahe zischte er an den Rändern des Schleusentores vorbei, dann waren sie draußen und der Zug an der Leine ließ nach. Der letzte Rest austretender Luft wirbelte ihn herum. Nur einen Sekundenbruchteil sah er es, aber es genügte, um die Eindrücke einzufangen. Das Modul der Gewächsstation, in dem sie sich eingemietet hatten, war vollkommen vom Rest der Station abgetrennt worden und trudelte schon ein Stück weit vom Hauptteil entfernt im All. Wie eine Schlange, bereit, zuzustoßen, lauerte ein Schwarzes Objekt daneben.
Er ließ sich zum Schiff kurbeln, mit den Steuerdüsen immer genügend Abstand zu den Triebwerken haltend. Eine Druckwelle warf ihn herum, entriss ihm den Griff. Ein Alarmton in seinem Anzug schrillte und machte ihm deutlich, dass er sich nicht mehr all zu lange im Vakuum aufhalten sollte.
Als er sich wieder weitestgehend stabilisiert hatte, war das Modul weg. Größere und kleinere Trümmer trieben davon. Er suchte und fand das graue Schiff, das ihn schon ansteuerte. Sein Visier beschlug sich, das visuelle Assistenzsystem des Helms war nicht mehr da und er merkte, wie es kühler wurde.
Zwei Minuten später befand er sich in der Schleuse, eine weitere später im gedrängten Innenraum. Ohne auf die anderen einzugehen, kämpfte er sich ins Cockpit vor, das mit drei Personen hoffnungslos überladen war.
„Captain, was bin ich froh, sie zu sehen“, rief Major Ansdon.
Toki nickte nur kurz, dann wandte er sich an Captain Klerks: „Haben sie ein größeres Schiff auf dem Gravidar? In der Größenordnung einer Korvette?“
„Nein. Das Gravidar ist vollkommen überlastet. Hier fliegen eine Menge Teile herum.“
Toki atmete auf. Er war davon überzeugt, dass das schwarze Schiff, das er gesehen hatte, das der Angreifer gewesen waren. Sollten die sie auf den Schirm bekommen, wären sie geliefert. Verstärkung hatten sie nicht zu erwarten. Exekutivkräfte und Militär waren entweder zu weit weg oder vollkommen mit der Situation überfordert. Anders war es nicht zu erklären, dass niemand eingegriffen hatte, als diese Piraten, Söldner oder was auch immer, die Station attackiert hatten.
Er überlegte, dem Major seinen Verdacht mitzuteilen. Sollte sich dieser bewahrheiten, waren sie alle in Gefahr. Doch er entschied sich, zu schweigen, bis sie wieder etwas mehr Privatsphäre hatten. Schweißgeruch einatmend und Ellbogenstöße einsteckend starrte er aus dem Cockpitfenster auf das Chaos, das Fragen und große Probleme aufwarf. Wieso konnte so etwas passieren, ohne dass jemand eingriff? Wo war man sicher? Was sollten sie jetzt tun? Und vor allem: Wem konnte man überhaupt noch trauen?


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Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

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Rice





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PostPosted: Sun, 8. Sep 13, 21:21    Post subject: Reply with quote Print

danke ist ja eh alles fürn "popo" aber so spricht ja kein Mensch mehr*, also. Klasse Text. Smile
Muss nochmal von vorne Lesen, da ich immer nur 1-2 Sätze lesen konnte ohne Unterbrechungen.
Bloß bin ich ein schlechter Kommentator da ich alles gut finde oder es mir nicht zu Leibe führen, wenn es dem so wäre. Smile

*musste mich wirklich Kringeln mit der Autozensur. Wobei ich mich frage welche obszönen Wörter noch gefiltert werden Rolling Eyes

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Boro Pi
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PostPosted: Mon, 9. Sep 13, 20:09    Post subject: 06 Reply with quote Print

Projektile, Partikelstrahlen und Granaten sausten auf einander zu...
Umgangssprache: „flogen“, „rasten“, „stürzten“, „schossen“

...passierten sich und schlugen auf der gegenüberliegenden Seite ein.
Theoretisch richtig, klingt aber komisch. Vorschlag: „passierten einander“ oder „verfehlten sich“

Ein Explosivgeschoss traf auf das gepanzerte Schulterteil eines Kampfanzugs und detonierte.

Sie waren nun in diesem Teil des Moduls, zu dem normalerweise nur Techniker Zutritt hatten.

Zu bestimmt: „in dem Teil“ oder besser „in einem Teil“.

Rohre, Leitungen und Verstrebungen bildeten davon ausgehend einen Dschungel, der nur mehr wenige Wege auf den Plattformen frei ließ.
Thinking Da ist irgendetwas falsch, vielleicht „nunmehr wenige“ oder „nur sehr wenige“?

Ein zweiter Knall, begleitet vom Prasseln der einschlagenden Splitter.
Das ist jetzt innerhalb sehr weniger Sätze schon das dritte Mal, dass Du „Splitter“ benutzt.

Er aktivierte eine Konsole und gab eine Menge Befehle in das Terminal ein. Sein Armband und das des Majors legitimierten sein Vorhaben.

Wenn nicht, hätte das katastrophale Folgen.

Das ist Präsenz Passiv. Richtig wäre: „Wenn nicht, hätte das katastrophale Folgen gehabt.“ oder „Wenn nicht, wären die Folgen katastrophal gewesen.“

Staub und Splitter schossen herum...
Und das vierte Mal.

Auch die ganzen Einrichtungen, die Andockklammern und Schleusen waren völlig hinüber.
Du musst wirklich mehr darauf achten, nicht soviel Umgangssprache zu benutzen. Und dabei ist es – wie ich an anderer Stelle schon sagte - völlig egal, ob Du Österreicher bist. Auch und gerade bei Euch gibt es einen Unterschied zwischen der Umgangs- und Hochsprache (die nicht zu verwechseln ist mit dem Hochdeutschen). Auch wenn Du Schmäh sprichst, kannst Du immer noch reden wie ein Kaffeehausbesucher und nicht wie jemand, der unter der Praterbrücke nächtigen muss. Ähm, wohin wollte ich? Achja „völlig zerstört“, „schwer beschädigt“, „völlig unbrauchbar gemacht“.

Dicht war es nicht mehr, es herrschte ein unangenehmer Unterdruck.
Unterdruck ist immer unangenehm.

Major Ansdon wollte eben schon resigniert mit den Schultern zucken, als Toki an die beiden heran trat.

Ich habe sie im Business-Bereich geparkt.“

Vornehm geht die Welt zugrunde. Ich hatte es bislang so verstanden, als befänden wir uns in einer geheimen Basis in einem Asteroiden.

Er gehörte offiziell nicht mehr zum Bereich, den die ASO angemietet hatte.
Angemietet? Wie gesagt, ich dachte, dass sei ein geheimer Außenposten. Angemietet! Rolling Eyes Das soll ein Geheimdienst sein?

„Was haben sie vor?“
„Die Schleuse muss manuell betätigt werden.“

Du hast exakt den gleichen Dialog nur drei Zeilen früher. Zwar mit Klerks und nicht dem Major, liest sich aber dennoch recht merkwürdig.

Aber auch noch etwas anderes [...]
Dieser Absatz könnte in der Tat noch ein paar weitere Untergliederungen vertragen.

Hastig gab er einige Befehle ein und hielt die beiden Armbänder an den Sensor.

Doch das Ding wollte einfach nicht.
Umgangssprache. „Aber es funktionierte (einfach/partout) nicht.“; „Doch die Einheit/die Konsole/das Terminal reagierte nicht.“

Ohne auf die anderen einzugehen, kämpfte er sich ins Cockpit vor, das mit drei Personen hoffnungslos überladen war.
Ähm, und wo sind jetzt alle Anderen. Der Techniker, Mrs. Frenn usw.?

Sollte sich dieser bewahrheiten, waren sie alle in Gefahr.
Die sind gegenwärtig ohnehin in Gefahr. Insofern wirkt die Dramatik dieses Satzes etwas aufgesetzt.

Meine Güte. Du kannst die Action ruhig wieder etwas zurückfahren. Razz


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PostPosted: Sun, 15. Sep 13, 19:09    Post subject: Reply with quote Print

Quote:
Auch die ganzen Einrichtungen, die Andockklammern und Schleusen waren völlig hinüber.
Du musst wirklich mehr darauf achten, nicht soviel Umgangssprache zu benutzen. Und dabei ist es – wie ich an anderer Stelle schon sagte - völlig egal, ob Du Österreicher bist. Auch und gerade bei Euch gibt es einen Unterschied zwischen der Umgangs- und Hochsprache (die nicht zu verwechseln ist mit dem Hochdeutschen). Auch wenn Du Schmäh sprichst, kannst Du immer noch reden wie ein Kaffeehausbesucher und nicht wie jemand, der unter der Praterbrücke nächtigen muss. Ähm, wohin wollte ich? Achja „völlig zerstört“, „schwer beschädigt“, „völlig unbrauchbar gemacht“.


Embarassed

Quote:
Ich habe sie im Business-Bereich geparkt.“
Vornehm geht die Welt zugrunde. Ich hatte es bislang so verstanden, als befänden wir uns in einer geheimen Basis in einem Asteroiden.

Er gehörte offiziell nicht mehr zum Bereich, den die ASO angemietet hatte.
Angemietet? Wie gesagt, ich dachte, dass sei ein geheimer Außenposten. Angemietet! Rolling Eyes Das soll ein Geheimdienst sein?


Da habe ich etwas vorgegriffen, was wohl für einige Unklarheiten gesorgt hat... ->

07

Toki warf einen Blick zurück in den schmalen Gang, in den sich der Rest des Teams quetschte. Das Gerangel um Platz und die aufgeregten Diskussionen hatten inzwischen aufgehört, einige hocken zusammengekauert auf dem Boden. Die vier Personen im Cockpit, zu denen auch er gehörte, machten wie die anderen auch einen abgekämpften Eindruck. Die Luft in dem beengten Innenraum war schon mehr als abgestanden, jede Minute kam eine neue Geruchsnuance hinzu. Der menschliche Körper war doch etwas ekelhaftes, stellte Toki fest.
Unendlich lange vier Stunden waren sie jetzt hier eingepfercht. Am Beginn war es noch nicht schlimm gewesen, zu groß war der Schock über das Erlebte. Die wildesten Spekulationen wurden diskutiert, immer wieder nachgefragt, ob sie auch niemand verfolgte. Doch das Gravidar blieb leer. Bis auf die stationären Objekte wie die beiden Stationen, die sie passierten und jetzt die unzähligen Punkte der Asteroiden, zeigte sich kaum ein Schiff. Auch das war mehr als seltsam, kreuzten doch sonst unzählige Frachter der NMMC und viele kleinere Personentransporter den Raum. Auch Sicherheitskräfte waren keine zu sehen. Die Nachrichtenkanäle brachten nichts Interessantes. Alles in allem sehr verdächtig. Da war irgendetwas im Busch und sie hatten allesamt keine Ahnung davon.
Da es vor ihnen nichts Besonderes zu sehen gab, außer Felsbrocken, wandte er sich um und studierte die Gesichter der Teammitglieder. Den Meisten stand das Entsetzen immer noch ins Gesicht geschrieben. Andere sahen bedrückt zu Boden, einer schlief im Sitzen. Mrs. Frenn jedoch hatte ihre typische eiserne Maske aufgesetzt, wie es in ihrem Inneren aussah, konnte er nur raten. Sie hatte sich auf keine Diskussion eingelassen und überhaupt noch kein Wort gesprochen. Nur ihre Kiefermuskeln arbeiteten von Zeit zu Zeit. Was sie wohl dachte? Ob es ihr überhaupt etwas ausmachte, dass drei ihrer Leute gefallen waren? Wahrscheinlich nicht. Vermutlich zermarterte sie sich das Gehirn, wie es zu diesem Vorfall kommen konnte. Vielleicht hegte sie den selben Gedanken wie er.
Es war doch mehr als merkwürdig, dass nur Stunden, nachdem er das aufgenommene Videomaterial präsentiert hatte, die Zentrale von einer Söldnertruppe gestürmt wurde. Dass es Söldner waren, war für ihn inzwischen klar. Piraten wären nie so organisiert vorgegangen. Außerdem hätte es für sie deutlich lohnendere Ziele gegeben. Sie, die ASO, hatte sich in den ungenutzten Teil der Gewächsstation unter dem Decknamen HPCCT Ltd. eingemietet. Offiziell plante High Performance Computing Cluster Technologies kleine und mittlere Kommunikations- und Rechenzentren. Nichts, was Piraten interessiert hätte. Hinter den Technologien waren aber auch die Söldner nicht her gewesen. Sie hatten es auf das Team abgesehen. Was voraussetzte, dass die Angreifer wussten, wer sie waren. Und das alles führte zu dem Schluss, dass sie einen Maulwurf hatten, der durchsickern lassen hatte, dass die ASO über brisante Informationen besaß. Informationen, die die NMMC mit dem zerstörten Orca und den darin begangenen Gräueltaten in Verbindung brachte.
All das konnte er jedoch nicht beweisen, auch nicht die Vermutung, dass dieser Söldnertrupp der selbe war, der auch das Boronenschiff überfallen hatte. Und erzählen konnte er diese ganzen Behauptungen ohnehin nicht. Langsam sah er von einem Gesicht zum nächsten. Irgendjemand hier verheimlichte etwas. Dessen war er sich sicher. Dass der Informant bei dem Feuergefecht ums Leben gekommen war, bezweifelte er. Das sagte ihm sein Bauchgefühl. Auch wenn es paradox klang, aber viele vermeintlich rationale Entscheidungen, hatte er nach diesem Gefühl gefällt. Besonders in Situationen, wo alles nicht so eindeutig war. Und jedesmal hatte er recht behalten. Oder war zumindest nahe an der richtigen Lösung dran gewesen.
Dieses Gefühl in der Körpermitte sagte ihm auch noch etwas anderes, aber er zwang sich, es zu ignorieren. Eine winzige Toilette, die in den letzten Stunden öfter benutzt worden war als Adjektive in einer boronischen Rede, war das Letzte, was er jetzt brauchen konnte.
„Fünf Minuten, dann haben wir es geschafft“, verkündete die Pilotin offensichtlich erleichtert.
Applaus oder Jubelrufe gab es nicht. Nur ein paar brummenden Geräusche und etwas Gemurmel.
„Machen sie ihnen nicht so viel Hoffnung, bis sie aussteigen können, werden noch ein paar Minuten vergehen“, beschwichtigte Toki.
„Ja, ich weiß schon. Beeilen sie sich aber. Jede Minute länger hier drin ist eine reine Schikane.“
Captain Klerks klang ungehalten. Auch wenn man es ihr viel weniger anmerkte als den meisten anderen Teammitgliedern, Tokis geschultem Auge entgingen die energischen, beinahe hektischen Bewegungen nicht, mit der sie den Aufklärer steuerte.
„Es wird nicht lange dauern.“
Ein verstohlener Blick um sich zeigte, dass alle seine Ausrede geschluckt hatten. Das war nämlich das nächste Problem gewesen. Erst vor einer Stunde war ihm den Gedanke gekommen, dass in dem Lager, das sie ansteuerten, ja eigentlich noch die geretteten Aliens aus den Orca waren. Niemand sollte davon erfahren, dass es Überlebende gab. Noch dazu, wo er davon überzeugt war, dass es eine undichte Stelle gab. Ein Ausweichen auf ein anderes Lager kam nicht in Frage. Einer Gruppe von Menschen, die schon seit Stunden zusammengepfercht war, zu erklären, dass es Vorteile hatte, nochmals einen halben Tag in ein anderes Lager zu reisen, war schlichtweg unmöglich. Also hatte er sich die Ausrede einfallen lassen, dass er aus Sicherheitsgründen noch eine zusätzliche Alarmanlage in dem Lager installiert hatte, die nur er mit seiner Stimmsignatur und dem entsprechenden Passwort inaktivieren konnte. Sollte sich jemand unbefugt Zutritt verschaffen, würde das gesamte Lager zerstört werden. Begründet hatte er diese zusätzliche Sicherheitsmaßnahme mit den brisanten Informationen, die niemand in die Finger bekommen sollte. So fadenscheinig diese Begründung auch war, niemand stellte sie in Frage. Sie hatten andere Dinge im Kopf. Er hoffte nur inständig, dass die Boronen kein Chaos verursacht hatten. So neugierig, wie die beiden sich benommen hatten, konnte es leicht sein, dass sie ein heilloses Durcheinander produziert hatten. Aber das würde er dann eben auf seine Kappe nehmen. Er würde einfach sagen, dass er etwas gesucht und in der Hektik nicht aufgeräumt hatte.
Sein Bauchgefühl machte ihn nervös. Da war noch etwas anderes außer seinem Verdacht und den körperlichen Bedürfnissen. Irgendwie ahnte er, dass der heutige Tag noch lange nicht vorüber war. Ein Blick auf das leere Gravidar beruhigte ihn nur mäßig. Nur Asteroiden. Er wurde einfach das Gefühl nicht los, verfolgt zu werden.
‚Ganz ruhig‘, ermahnte er sich selbst. ‚Keine Verschwörungstheorien. Bleib rational.‘
Angestrengt dachte er nach. Konnte man sie verfolgen? In dem dichten Asteroidenfeld war es kaum möglich, jemanden aufzuspüren, solange man keinen Sichtkontakt hatte. Und spätestens dann hätten auch sie den Verfolger auf den Instrumenten. Konnte der Maulwurf ein Signal senden? Nein, vorausgesetzt…
Verstohlen sah er zu Captain Klerks hinüber, die eben um einen kleineren Felsbrocken herumnavigierte. Der Gedanke packte ihn, doch er schüttelte ihn ab. Er kannte sie seit Jahren, so etwas mochte er ihr nicht unterstellen. Und wenn sie es nicht machte, konnte auch kein anderer hier drin ein Signal aussenden, das stark genug war, um einen Verfolger auf ihren Kurs zu halten. Und was wäre im Lager? Theoretisch konnte dort jeder einen Funkspruch absetzen und wenn dieser Jemand auch noch etwas technisch versiert war, es auch verheimlichen. Technisch versiert bis zu einem gewissen Grad waren hier die Meisten. Er beschloss, so bald als möglich den Major in diese Sache einzuweihen und die Anlage auf abgehende Funksignale zu überwachen. Diese Sache. Vielleicht reimte er sich wirklich nur wieder etwas zusammen. Seufzend fuhr er sich mit der Hand über das Gesicht.
„Alles ok?“, fragte Hernal Riley, der hinter ihm stand.
„Ja, ja, schon gut.“ Er wandte sich um und grinste. „Bin schon froh, wenn wir hier aus dieser stinkenden Schüssel raus können.“
„Geht mir genauso.“
Der Mann schien noch einigermaßen gut gelaunt zu sein. Zumindest versuchte er, einen ausgeglichenen Eindruck auszustrahlen und unbefangen zu lächeln. Toki merkte ihm die Nervosität trotzdem an. Seine Stimme zitterte leicht.
Er sah wieder nach vorne. Die Pilotin hielt direkt auf einen Asteroiden zu, der mehr als einen Kilometer im Durchmesser erreichte und nicht so stark trudelte wie die anderen um ihn herum. Immer größer wurde der Brocken, die zerklüftete und vernarbte Oberfläche wirkte kalt und leer. Captain Klerks richtete den Signallaser auf einen bestimmten Punkt auf der Oberfläche aus und übertrug die Anmeldedaten, die ihr Raumfahrzeug als ein terranisches auswies. Eine unregelmäßige Fläche, genau genommen der Boden eines Einschlagskraters, wich nach innen und zur Seite. Der kleine Aufklärer passte ohne Probleme in die Schleuse, dessen getarntes Schott sich hinter ihnen schloss. Mit größeren Raumschiffen wie beispielsweise mit der Arrow, musste man allerdings höllisch aufpassen, um nirgends anzustoßen. Ohne die Hilfssysteme hätte es wohl schon oft Kollisionen gegeben. Etwas heftiger als normal setzte Captain Klerks das Schiff auf. Hinter ihnen verriegelte sich das Tor und bildete nach außen hin wieder den völlig normalen Asteroiden. Die Druckanzeige auf dem Display stieg langsam an.
„Also dann“, seufzte die Pilotin. „Machen sie, dass sie den Alarm abschalten. So rasch als möglich, wenn ich so unverschämt bitten darf.“
„Natürlich, meine Dame. Sonst noch Wünsche? Soll ich sie mit einem Blumenstrauß empfangen?“
„Frische Luft ist das einzige, was ich mir wünsche“, erwiderte sie trocken. „Nach einem Trip mit einem Haufen schwitzender Männer in einer solch kleinen Karre, kannst du dir die Blumen sonst wohin stecken.“
Toki zog ein Gesicht und zwängte sich an den Personen vorbei, die im Gang standen. Eine Minute später stand er in der Schleuse und kurz darauf am Eingang zum Komplex. Er war erstaunt. Wo er Chaos erwartet hatte, war alles sauber und aufgeräumt. Entweder waren die Reinigungsbots sehr aktiv gewesen, oder Dfertak hatte die Tintenfische ganz gut im Griff.
„Hallo?“
Niemand antwortete. Er ging ein paar Schritte und öffnete die Tür zur Kantine. Alles leer. Hinter sich hörte er ein leises Geräusch, wie ein Windhauch, der durch trockene Grashalme zog. Ruckartig drehte er sich um und sah in einen Waffe.
„Toki Halter.“
Die Split formte mit der Hand eine Geste und senkte den Blaster. Zeit für eine Begrüßung gab es nicht.
„Wo sind die Anderen?“
„Da.“
Sie deutete auf eine Tür und ließ einen gurgelnden Ton hören. Vorsichtig lugte einer der beiden Boronen heraus, dann kamen alle drei hervor. Toki würgte ihre umfassende Begrüßung im Keim ab und erklärte ihnen knapp, dass andere mit ihm mitgekommen waren und dass diese sie nicht sehen sollten. Sie hasteten in den kleinen Hangar, der jetzt leer war, wo er sie in einem Wartungsraum steckte, der mit Reparaturmaterialen vollgestellt war. Dass sie sich unauffällig verhalten sollten, brauchte er nicht zu sagen, er erwähnte es dennoch. Bevor er die Tür schloss, ermahnte er sie noch, ja nichts anzufassen, dann lief er zum Schleusentor und aktivierte die Einzugssequenz.
Das Tor öffnete sich und der Aufklärer wurde auf den breiten Bändern am Boden in den Hangar gefahren. Noch war er nicht zum Stillstand gekommen, als sich schon die Luke öffnete und Personen ausspuckte. Lärmend und auf den Wohnbereich zustrebend, verteilte sich die Gruppe. In dem Tumult bemerkte niemand, wie eine Person ein winziges Gerät von der Außenhülle des Schiffes löste und es einsteckte.


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08

Das verzerrte Gesicht des Split jagte sogar Gil Lore einen Schauer den Rücken hinunter. Einige Gesichtsausdrücke der Split waren ihm inzwischen ebenso geläufig, wie ein respektables Arsenal ihrer Handzeichen, auch wenn er sie nicht immer nachzubilden vermochte. Diesen Ausdruck hatte er insgeheim als ‚schadenfrohe Vorfreude‘ benannt. Verglichen mit einem Teladi war es der selbe Ausdruck, wenn einem eine solche Echse ein unverschämtes Angebot machte. Vornehmlich in einer Situation, in der man gezwungen war, es anzunehmen. Bei den Split war es aber nicht die Vorfreude auf das sprichwörtliche ‚klingeln in der Kasse‘, sondern die Aussicht auf einen interessanten Kampf, Explosionen und gegnerischen Raumstaub.
Auch Gil konnte sich eines zufriedenen Lächelns nicht erwehren. Ihr Informant hatte gute Arbeit geleistet. Wenn er auch nicht die Flucht dieser Agenten verhindern hatte können, so hatte er wenigstens eine gute Spur gelegt, um sie jetzt zu vernichten. Vielleicht war es auch besser so. Sonst wären sie wohl nie auf die Idee gekommen, hier im Gewirr aus Staub, Steinen und Felsbrocken nach einem Lager zu suchen. In Gedanken malte er sich schon aus, welch wertvolles Inventar dort zu holen war. Und diesmal hatten sie nicht den Befehl, die Station zu zerstören. Sie konnten alles plündern und verkaufen. Während er sich überlegte, wie lange er wohl mit dem Geld in der ‚Tortuga Bay‘ feiern konnte, studierte er nur halbherzig die Anzeigen. Sprit, Raumkraut, Frauen. Ein schönes Dinner mit anschließenden Eskapaden. Unwillkürlich leckte er sich über die Lippen.
Seit die Tore ausgefallen waren, hatte die ‚Tortuga Bay‘, ehemals eine kleine Piratenbasis ohne Namen und kaum mehr als eine Bar, sehr viel mehr Kunden als zuvor. Dementsprechend hatte sich auch das Angebot gesteigert. Inzwischen war der gesamte Laderaum des ausgedienten Frachters ausgebaut und in einen Palast der schönen Laster verwandelt worden. Bars, Restaurants, Casinos, Bordelle, sogar eine Gladiatorenarena mit den obligatorischen Wetten auf den Überlebenden war vorhanden. Alles, was sich ein Mensch eben nur erträumen konnte, gab es dort in Hülle und Fülle. Zumindest für den, der es sich leisten konnte. Keine Tabus gab es hier, für genügend Credits bekam man praktisch alles. Für Split gab es ebenso einen Bereich wie für Paraniden und Teladi. Dass die Exekutive diesem fast schon zu offensichtlichen Treiben kein Ende gesetzt hatte, lag wohl daran, dass sich gut daran verdienen ließ. Und wohl so mancher übereifrige Pilot, der dort nach einem Verbrecher gesucht hatte, war nie wieder aufgetaucht. Ob er zu tief geschnüffelt hatte und ruhig gestellt worden, oder ob er einfach nur den Versuchungen dieses Ortes erlegen war, konnte niemand sagen.
„Die Sensoren der Infrarotsysteme habe ein Signal geortet. Die Wahrscheinlichkeit einer künstlich herbeigeführten Anomalie liegt bei sechsundneunzig komma drei-sieben-neun-null-eins Prozent.“
Gil wurde jäh aus seinen schönen Gedanken gerissen und starrte den Paraniden feindselig an, der starr auf seine kryptischen Schriftzeichen und Graphen starrte. Doch dann wurde sein Blick freundlicher, denn er begriff, was das zu bedeuten hatte. Sie hatten sie gefunden. Fast zwei Stazuras suchten sie nun nach passenden Asteroiden. Das Signal war leicht zu verfolgen gewesen, bis tief in den Asteroidengürtel hinein. Doch dann war es abrupt schwächer geworden und schließlich ganz ausgefallen. Da das Signal keine absoluten Koordinaten lieferte, sondern nur Impulse, aus denen die Richtung berechnet werden konnte, waren sie seither auf Kelmanckok angewiesen. Als Paranide lag ihm die Berechnung komplexer Wahrscheinlichkeitsalgorithmen im Blut, und mithilfe des Spektrometers scannten sie seitdem die größeren Asteroiden in der Umgebung. Seiner Theorie nach musste ein Gesteinsbrocken, in dem sich ein Lager befand, eine bestimmte Mindestgröße aufweisen, was an sich schon mehr als neunzig Prozent aller herumschwirrenden Objekte ausschloss. Blieben nur noch die restlichen Zig Millionen größerer Asteroiden.
Diese Menge weiter zu filtern war Aufgabe der nächsten Methode. Ein bewohnbarer Körper musste hohl sein und dementsprechend eine geringe Dichte aufweisen. Außerdem mussten im inneren Temperaturen herrschen, die deutlich über der der Oberfläche lagen. Auch wenn dieser warme Innenraum gut isoliert war, ein klein wenig Energie strahlte er immer ab. Doch war auch dieses Verfahren trügerisch, denn noch nicht zum Erliegen gekommene Zerfallsprozesse radioaktiver Stoffe sonderten ebenfalls Strahlung und Wärme ab.
Kelmanckok hatte sich einen Algorithmus zurechtgelegt, der all diese Faktoren verknüpfte und eine Wahrscheinlichkeit berechnete. Kontrollieren, ob seine Berechnungen stimmten, konnte niemand. Einen diesbezüglichen Verdacht hätte auch niemand geäußert. Nur die Andeutung, dass jemand seine mathematischen Fähigkeiten anzweifelte, würde neben der Verhöhnung des Xaar, der heiligen Dreidimensionalität oder einer falsche Nachkommastelle der Zahl Pi, eine der größten Beleidigungen für eines dieser Insektenwesen darstellen.
Tal T’Fnk flog nun Position um Position an, die ihm der Paranide diktierte. Dieser scannte die Daten und berechnete die Wahrscheinlichkeit einer dortigen Niederlassung. Glücklicherweise hatten sie nur einen vergleichsweise kleinen Bereich abzusuchen, in dem das Signal versiegt war. Das gesamte Asteroidenfeld zu durchsuchen wäre eine Lebensaufgabe gewesen. Sogar für einen Teladi. Und die wurden steinalt. So hatte es doch nur Stazuras gedauert, um zu einem Ergebnis zu gelangen.
Für Manche von ihnen war das allerdings schon eine Geduldsprobe. Dass der Split bei dieser eintönigen Aufgabe noch nicht ungeduldig geworden war, lag nicht etwa daran, dass Gil ihn so gut im Griff hatte, sondern eher an der Vorfreude. Tal T‘Fnk überprüfte die Waffenkonsole vor sich, während sein Kapitän die Anzeigen des Paraniden betrachtete.
Für Gil war es auf den ersten Blick klar. Die Falschfarbenaufnahme des Spektrometers zeigte einen unverkennbaren, roten Fleck in den Blau- und Grüntönen der Umgebung. Wärmestrahlung. Der kreisförmige Fleck war scharf konturiert und ging dann über verschiedenste Orange- und Gelbtöne ins grün des restlichen Asteroiden über. Der Brocken hob sich deutlich vom blauen Hintergrund ab.
„Hoch seiet ihr gepriesen, ihr Geheiligten des Xaar“, rief Gil dem Wesen zu, ohne seinen Sarkasmus zu unterdrücken. Der Paranide grummelte etwas Unverständliches in seiner raschelnden Sprache, was Gil jedoch nicht verstand. Er ließ die Darstellung so auf das Cockpitfenster projizieren, dass die Falschfarbendarstellung die reale Ansicht überlagerte. Der Computer berechnete die Ausrichtung der Kristalle in der Scheibe so, dass die Ansicht aus jedem Blickwinkel des Kommandoraums stimmte und jeder das selbe Bild sah, eine Überlagerung von Animation und Realität. Gil markierte den roten Fleck als Ziel.
„Tal T’Fnk, Waffen scharf machen, Ausrichtung der Blutspur auf Zielobjekt alpha. – Kelmanckok, Schildsignaturen vorhanden?“
Der Paranide verneinte und der Steuermann richtete das Schiff auf das Ziel aus.
„Gesamtes Schiff auf Lautsprecher“, verlangte Gil. Er wartete nicht auf die Rückmeldung des Computers, sondern sprach sofort weiter: „Wir haben das Ziel erreicht. Alle Mann auf Posten. Entermannschaft in die Schleuse. Sofort.“
Er deaktivierte die Durchsage, dann nickte er dem Split zu, der nur darauf gewartet hatte. Das Ziel war inzwischen mehr ins Zentrum gerückt. Durch die Scheibe war deutlich der Krater zu sehen, der durch die rote Farbe der Darstellung in der Scheibe ausgefüllt wurde. Die schroff aufragenden Ränder markierten auch die Begrenzung. Mehrere Energiestöße aus den Frontwaffen wurden gegen das Ziel geschleudert, zwei leichte Torpedos folgten.
Eine Staubwolke wirbelte auf, als die Energiestöße das Gestein zertrümmerte, es erhitzte und aus seinem Verbund riss. Mehrere Brocken wurden gegen die ‚Blutspur‘ geschleudert und verdampften auf dem Schutzschild. Die beiden computergelenkten Sprengköpfe tauchten in der Wolke unter, blieben jedoch auf dem Cockpitfenster als blinkende Elemente sichtbar.
Zwei kurz hintereinander erfolgende Blitze und das Verschwinden der Symbole zeigten den Einschlag an. Die Staubwolke blähte sich auf, erfasste das Schiff und verhinderte die Sicht auf die Umgebung. Nur die Daten des Spektrometers, des Gravidars und der Laserpeilung halfen ihnen beim Navigieren. Das Programm des Paraniden bildete alle Informationen auf der Cockpitscheibe ab und stellte so ein animiertes Muster der Umgebung dar.
„Die Sensoren zeigen einen Anstieg von Stickstoff und Sauerstoff“, meldete dieser eben. „Wärmestrahlung steigt an.“
Eine weitere Darstellung erschien auf der Scheibe. Eine sich ausbreitende Wolke, die wohl eben diese Gase darstellten.
„Wir sind durch“, schlussfolgerte Gil. „Zur Öffnung navigieren. - Kommunikation zur Schleuse C herstellen.“
„Verbind…“
„Entermannschaft bereithalten. Zeitpunkt bis Absprung, …“
Er warf einen Blick auf die Anzeigen.
„ … zwölf Sezuras.“
„Verstanden. Bereit zum Absprung.“
Das Schiff näherte sich der Öffnung, bis die Seite fast am Kraterwall schrammte.
„Drei … zwei … eins … Los.“
Ein seitliches Schott öffnete sich und katapultierte zwei Dutzend Mann in schweren Raumanzügen in die Öffnung.

„Gefangene sind an Bord.“
Die kurze Meldung genügte, um Gil aus seiner geistigen Abwesenheit zu reißen.
„Bringt sie in die Kammer. Wie viele sind es?“
„Fünf.“
„Und der Rest?“
„Tot.“
„Was ist mit der Ausrüstung?“
„Die letzte Transportdrohne ist auf dem Weg. Die letzten drei Mann sind dabei. Sprengsatz ist aktiv.“
„Gut. Sperrt zuerst die Gefangenen weg und katalogisiert dann die Beute. In zwei Stazuras will ich eine Auflistung.“
Ohne eine Antwort abzuwarten, beendete er die Verbindung.
„Kurs auf die ‚Nividium Hall‘ setzen“, befahl er seinem Steuermann. „Sobald alle zurück sind, starten wir. Wenn wir in sicherer Entfernung sind, zünde den Sprengsatz.“
Der Split deutete ihm ein Zeichen, was Gil als Zustimmung interpretierte. Dann ging er ohne sonderliche Eile aus dem Kommandoraum.
Der Zugang zum Maschinenraum lag zwei Ebenen weiter unten. Leise vor sich hin pfeifend schritt er durch die schmalen Gänge. Heute war ein weiterer glücklicher Tag. Wie es schien, begann sich seine harte Arbeit zu lohnen. Der Auftrag der 3S war das Beste, was ihnen je hatte passieren können. Dass es keine Bezahlung in Credits gab, störte ihn nicht. Dafür durfte er sich jetzt Kapitän einer Korvette nennen. Und das nicht irgendeiner. Die ‚Blutspur‘ war etwas Besonderes. Nicht bezüglich der Bewaffnung oder der Triebwerke. Das war alles in Ordnung, aber eben nicht überragend. Viel interessanter waren die nicht so offensichtlichen Dinge. Die dreifache Signatur, die es ihnen ermöglichte, als offizielles Sicherheitsunternehmen aufzutreten, als Pirat oder als nicht registriertes Schiff. Sie konnten überall auftauchen, ohne Aufsehen oder Verdacht zu erregen. Die hochwertigen Aufklärungs- und Spionagesysteme waren auch nicht zu verachten. Wie er dieses Schiff liebte. Er ließ seine Hand an der kühlen Wand streifen, während er ohne Hast Richtung Heck schritt.
Zwei Personen im Raumanzug querten seine Bahn, als er an einer Kreuzung abbiegen wollte. Sie schleiften einen Mann mit sich, der wohl bewusstlos war. Beide öffneten ihre Helme, als sie ihren Kapitän sahen. Einer von den beiden war ein Argone, der andere ein Split.
„Das ist der Letzte“, meldete der Argone.
Gil nickte befriedigt.
„Bringt ihn zu den anderen in die Kammer. Ich komme mit.“
Während er vor den beiden her ging, erkundigte er sich nach dem Einsatz. Er hatte zwar über den Funk einiges mitbekommen, allerdings war so ein Entereinsatz ein sehr ungeordnetes Unterfangen. Jeder schrie durcheinander, auch die Übertragungen der Anzugkameras waren verwackelt und gaben kein gutes Bild der Umgebung wieder. So hatte er sich während des Einsatzes gar nicht für die Einzelheiten und nur für den Ausgang interessiert.
„Zwei Mann Verlust“, erklärte der Split, der zweite Entersoldat, und nannte die Namen der beiden Gefallenen. „Haben gut gekämpft.“
„Aber wir haben eine Menge Ausrüstung geborgen“, fiel der Argone ein. „Ein paar sehr wertvolle Instrumente, Nahrungsmittel und Sprit. Auch ein kleines Shuttle war dort. Es ist zwar beschädigt, aber es funktioniert noch. Es folgt uns. Das alleine bringt uns eine Menge Credits.“
Ein Lächeln huschte über Gils Gesicht.
„Gut gemacht. Ich denke, wir haben uns ein paar vergnügliche Tage in der ‚Bay‘ verdient.“
Beide stimmten ihm zu und der Argone lachte. Sie durchquerten einen der Maschinenräume und kamen zu einer Tür, die sich hinter einer großen Apparatur befand und sich gut in die Wand einpasste. Gil entriegelte die schwere Metalltür und zog sie auf. Die Kammer, wie dieses Versteck genannt wurde, diente vornehmlich der Lagerung wertvoller und brisanter Fracht. Gut getarnt im Maschinenraum, übertönte das dumpfe Brummen der Aggregate jegliches Geräusch. Strahlung, Wärme oder Funksignale drangen nicht durch die Abschirmung.
Die Kammer war im eigentlichen Sinne nur ein kleinerer Lagerraum mit mehreren Verschlägen. Ein paar Kisten stapelten sich in diesen Abteilen. In einem dieser Verschläge, die aus gelochten Metallblechen bestanden, lagen oder saßen vier Personen. Ein Mann und eine Frau, beide schon etwas älter, lagen auf dem Boden, eine jüngere Frau kniete eben neben dem Mann und verband eine Wunde. Ein zweiter Mann, kräftig gebaut und mit einigen Schrammen versehen, hockte in der Ecke und fixierte Gil mit eisernem Blick. Der Söldner ignorierte es. Der Split hob demonstrativ seinen Blaster, als der Argone die Tür öffnete und den bewusstlosen Mann in den Verschlag warf.
Die Tür wurde wieder verschlossen und der Argone warf einen zufriedenen Blick über die Gefangenen.
„Vielleicht können wir noch etwas handeln, wenn wir ihnen fünf Gefangene liefern können“, raunte er dem Kapitän zu. „Ein kleiner Bonus wäre ja nicht schlecht.“
Dieser überlegte kurz.
„Drei“, antwortete er dann mit einem schwer zu deutendem Lächeln. „Drei Gefangene. Die Frauen liefern wir nicht aus. Zumindest nicht die junge.“
Er warf einen Blick über die jüngere der Beiden, die noch über dem Verwundeten kniete. Viel konnte er von ihr nicht erkennen, da sie schräg von ihm abgewandt kniete, aber sie hatte eine gute Figur. Nein, die würde er der 3S nicht aushändigen. Für sie gab es ganz andere Möglichkeiten. Vielleicht sogar für die Alte. Der Markt war immer für Überraschungen gut.

Im Kommandoraum kontrollierte Tal T’Fnk die Instrumente. Sie hatten sich weit genug entfernt, fand er. Der Staubnebel lag zwar immer noch vor der Cockpitscheibe, aber mithilfe der Daten des Paraniden ließ sich sehr gut navigieren. Er sah auf das Gravidar. Mehrere Blips rund um ihn zeigten Objekte unterschiedlicher Größe.
„Zündung“, knurrte er.
Hinter ihm blähte sich ein Feuerball auf, der den Asteroiden von innen zerriss und seine Teile in alle Richtungen verstreute. Ein größeres Bruchstück kollidierte mit dem Schutzschild und riss die Schildstabilität auf unter dreißig Prozent. Ein Ruck ging durch den Rumpf, der Bordcomputer schrie eine Warnung aus. Der Split quittierte sie gelassen, während er ein Zeichen für ‚befriedigende Vernichtung‘ formte.
In dem Chaos der sich zerstreuenden Stücke und den anderen Asteroiden registrierten die Schiffsensoren des Paraniden nicht das kleine Ausklärungsschiff, das sich genähert hatte und nach einem kurzen Lagecheck schnell wieder verschwand.


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09

Toki Halter spürte den Hass in sich hochsteigen. In waghalsigen Manövern kurvte er um Gesteinsbrocken, bis sie weit genug entfernt waren. Niemand sagte etwas. Der Major auf dem Copilotensitz neben ihm starrte gedankenverloren aus der Cockpitscheibe, was Riley auf seinem Platz hinter ihm machte, sah er nicht. Es war ihm auch egal. Er übertrug die Kontrolle dem Autopiloten und stieß die Kontrollschäfte von sich. Der junge Techniker starrte ihn an, als er an ihm vorbei stürmte in den hinteren Teil des kleinen Shuttles. Dort war neben einem kleinen Küchenautomat auch ein Kühlschrank. Bis auf ein paar Wasserflaschen war er leer. Nichts, was in dieser Situation irgendwie brauchbar wäre. Geräuschvoll knallte er die Tür zu und ging wieder nach vorne.
„Vielleicht haben sie es geschafft“, fing Riley mit schüchterner Stimme an. Toki blieb abrupt neben ihm stehen und der Techniker zuckte ob der heftigen Bewegung zusammen. Doch er erhielt nur eine müde Antwort.
„Du hast es doch gesehen. Wie soll das funktionieren?“
„Ich … ich weiß nicht. Vielleicht haben sie Rettungskapseln benutzt. Vielleicht konnten sie mit den zweiten Shuttle…“
„Blödsinn“, unterbrach ihn der Major mit fester Stimme. Immer noch starrte er nach vorne. „Das ganze Ding ist in die Luft geflogen. Die haben das Lager von innen gesprengt. Was das heißt, muss ich dir wohl nicht erzählen.“
„Dann waren die Angreifer drin. Wenn sie sich ergeben haben…“
„… dann würden sie sich wünschen, sie wären tot“, vollendete Toki seinen Satz. „Schon mal mit Söldner und Piraten zu tun gehabt, Kleiner?“
„N-nein.“
„Glaub mir, das willst du auch nicht. Und du kannst mir auch glauben, wenn ich dir versichere, dass es besser ist, wenn sie nicht gefangen worden sind.“
„Wieso? Sie wären doch immer noch am Leben.“
Toki atmete tief durch und nahm neben Riley Platz. Eigentlich wollte er gar nicht reden, aber irgendetwas musste er tun. Zwei Stunden einfach nur dazusitzen und zu grübeln, ohne etwas Anständigem zu trinken, das würde nicht gut ausgehen.
„Du bist noch sehr jung“, begann er. „Als ich in deinem Alter war, glaubte ich auch noch daran, dass alles einer Ordnung folgt, dass Verbrechen bestraft und gute Taten belohnt werden. Ja, daran glaubte ich. So wie du.“
Er schwenkte gedanklich zurück in die Zeit, als er so alt war wie sein Sitznachbar. Er war eben der USC beigetreten, hatte seine Ausbildung abgeschlossen und war fest entschlossen, für Recht und Ordnung innerhalb des Sonnensystems zu kämpfen. Bedrohungen gab es immer, auch wenn die gefürchteten Terraformer nicht mehr zurückgekehrt waren. Die USC sicherte die Ordnung, Verbrecher wurden gefasst und verhaftet. Er hatte sich damals für den Größten gehalten, bei dieser Truppe mitmischen zu können. Und dann auch noch die Aufnahme in die ASO. Wie naiv er doch gewesen war.
Im Nachhinein betrachtet, würde er diesen Schritt nicht nochmals tun. Oder vielleicht doch? War es besser, die Schattenseiten zu kennen und ihnen entgegentreten zu können, oder sie besser nie gesehen zu haben? Bis heute war er sich der Antwort nicht sicher.
Die ASO war ein anderes Kaliber gewesen als die USC. Hatte er zuvor auf der glänzenden Seite der Medaille gekämpft, lernte er jetzt die Schattenseiten einer von internen Querelen, wucherndem Bürokratismus und ausufernden Kapitalismus geprägter Gesellschaft kennen. Schlussendlich ging es immer nur um Geld. Mit Geld konnte man sich alles kaufen. Und Geld brachte ehrenhafte Menschen dazu, die schlimmsten Dinge zu tun.
Mit jedem weiteren Einsatz hatte er ein Stück mehr von seinem Glauben an Richtig und Falsch, an Gerechtigkeit und Ordnung verloren. Auch wenn die ASO primär Aktivitäten wie den Handel und den Gebrauch von künstlicher Intelligenz überwachen und aufspüren sollten, so kamen sie nicht umhin, auch des Öfteren mit anderen Verbrechen in Kontakt zu kommen. Drogenhandel war ebenso an der Tagesordnung wie der Handel mit Waffen und sogar mit Menschen. Er wusste bestens Bescheid, was einem blühte, sollte man in die Fänge solcher dubiosen Organisationen kommen. Der Tod wäre besser.
Er sah zu Riley, der ihn anstarrte, da er nicht weitergesprochen hatte. Toki stieß ein freudloses Lachen aus und sprach weiter: „An eine Ordnung glaube ich immer noch. Es gibt nur eine davon. Hier nennt sie sich Credits. Nach dieser Ordnung läuft alles. Es gibt Güter und Leistungen, die eine Menge Geld, Credits, Nividium oder weiß der Teufel was, einbringen. Es gibt genügend Möglichkeiten für Gefangene. Nur keine, die ihnen gefallen dürften. Also vergiss deine Freunde und Kollegen, denn wenn sie noch nicht tot sind, werden sie es bald sein. Jeden Tag ein klein wenig mehr.“
Riley starrte Toki nach, als dieser sich aufstieß und wieder zu seinem Platz im Cockpit ging. Erst langsam kam ihm die Erkenntnis, was ihm der Captain da erzählt hatte. Er spürte die Kälte, die in seinen Körper kroch, als er sich die Möglichkeiten überlegte.
„Musste das sein?“, brummte der Major, als sich Toki wieder neben ihm in den Sitz fallen ließ.
„Er soll doch die Wahrheit hören. Lügen bekommt er schon jeden Tag vorgesetzt.“
„Er ist noch jung. Fliegen wir wieder zurück?“
Toki nickte.
„Sind wir willkommen?“
„Weiß ich nicht. Aber wir können nirgendwo anders hin. Das andere Lager ist nicht sicher. Auch wenn der Maulwurf vermutlich tot ist.“
Es wurde wieder still im Schiff. Jeder hing seinen Gedanken nach. Und sie waren nicht so schön, um sie mit den anderen zu teilen.

„‘AP Genesis‘ an ‚Gewinnspanne‘, hier spricht Toki Halter. Wir bitten um Andockerlaubnis.“
Er wiederholte seine Ansage, dann ertönte das lispeln eines Teladi in den Lautsprechern.
„Wass wollen Sssie?“
„Wir möchten mit dem Kapitän dieses Schiffes sprechen. Wir waren schon vorhin hier und haben vier ihrer Passagiere abgeliefert. Erinnern sie sich?“
Es dauerte einen Augenblick, ehe der Teladi antwortete.
„Einen Moment. Ich werde dasss überprüfen.“
Die Verbindung wurde unterbrochen. Was sollte das? Sie waren doch erst vor ein paar Stunden hier gewesen.
Nachdem sich alle nach der Landung im Lager der ASO in die Wohnräume begeben hatten, hatte Toki dem Major alles erzählt. Von den vier Aliens, was er wirklich an Bord des Boronenschiffs erlebt hatte und welchen Verdacht er hegte. Dieser hatte erstaunlich ruhig und gelassen auf diese Informationen reagiert und ebenfalls geschlussfolgert, dass diese Angreifer die selben gewesen sein mussten, die auch ihre Zentrale gestürmt hatten. Das mit dem Maulwurf hielt er ebenfalls für plausibel und er gab zu, schon selbst darüber nachgedacht zu haben. Einen Verdacht, wer es sein könnte, hatte er allerdings auch nicht. Aber er war davon überzeugt, dass Riley Handson keiner war. Er hatte ihn vor ein paar Jahren rekrutiert und behandelte ihn wie einen Sohn. Nach anfänglichen Zögern stimmte Toki zu, ihn einzuweihen. Er hielt es für ein Sicherheitsrisiko, aber der Major konnte sehr überzeugend sein. Und er hatte recht: Sie konnten jemanden brauchen, dem sie vertrauen konnten.
Kurze Zeit später war Mrs. Frenn wieder in den Hangar gekommen und hatte ihnen formlos ihre Vollmachten wiedergegeben. Sie meinte nur, sie bräuchten jetzt jede verfügbare Person und dass es jetzt nicht an der Zeit wäre, sich über irgendwelche Dienstvorschriften zu streiten. Konsequenzen würden ihre Aktivitäten trotzdem haben. Toki nutzte die Gunst der Stunde und machte den Vorschlag, eine Patrouille einzurichten, die die nähere Umgebung scannen sollte. Und die Frau willigte sofort ein. Toki schob es auf den Schock und die besonderen Umstände. Wie alle anderen sah sie müde und abgekämpft aus. Und so hatten der Major und er die erste Schicht übernommen. Während Ansdon Riley geholt hatte, um ihn während des Fluges einzuweihen, hatte Toki unbemerkt die vier Aliens in das zweite Shuttle gesteckt, das in der Basis geparkt war. Dfertak hatte ihm Koordinaten gegeben, zu denen er sie bringen sollte. Genau das hatte er auch getan. Anfänglich gab es ein großes Chaos. Riley war überfordert, die beiden Boronen aufgeregt und die ganze Konstellation zusammen im winzigen Innenraum des kleinen Raumschiffs war alles andere als alltäglich. Der Flug dauerte etwa zwei Stunden, bis vor ihnen ein alter Passagiertransporter auftauchte, nicht weit von den Zielkoordinaten entfernt. Die ‚Gewinnspanne‘ war laut den Auskünften Dfertaks eines von mehreren Schiffen, die zum Widerstandsnetzwerk gehörten. Die ‚Ruhe der Ströme‘, der Orca, war ihr Flaggschiff gewesen. Nach dessen Zerstörung gab man sich entsprechend misstrauisch. Dfertak musste mit mehreren Personen unterschiedlicher Spezies sprechen, bis sich ein Split an sie erinnerte und ihnen erlaubte, anzudocken. Der Abschied war kurz gewesen. Die drei ASO-Agenten waren nicht an Bord gegangen und die vier Aliens hatten es eilig, ihren Verbündeten Bericht zu erstatten.
Als sie zum Lager zurückgekehrt waren, hatte sie das Chaos erwartet. Wo vormals der Eingang zur Schleuse in dem Asteroid gewesen war, war jetzt eine Staubwolke. Das Gravidar zeigte ein größeres Objekt im inneren der Wolke an. Nur Sekunden später hatte eine Detonation den Felsbrocken in unzählige Teile gerissen. Toki hatte sofort wieder abgedreht und das Schiff der Angreifer hatte sie offensichtlich nicht bemerkt, denn sie folgten ihnen nicht.
Jetzt, als er die letzten Stunden rekapitulierte, wurde ihm klar, dass sein Hass nicht nur auf diese Söldner und den Verräter gerichtet war. Er selbst hasste sich für die Tatsache, nicht da gewesen zu sein, als es passiert war. Dass er nicht wie vereinbart seine Patrouille geflogen war. Er hätte sie warnen können. Seine Kiefermuskeln spannten sich, als er fest zusammenbiss. Hätte er sie warnen können? Hätten sie rechtzeitig flüchten können? Die Stimme des Teladi verscheuchten diese Was-wäre-wenn-Fragen.
„Sssie dürfen an Bord kommen.“
Eine Datenübertragung gab ihnen den Anflugvektor bekannt. Immerhin hatten Personentransporter dieser Größe keine normalen Andockklammern, sondern nur die kleinen Schleusen, an die man sich heften konnte. Das Andocken war hier etwas schwieriger und auch nur mit kleinen Schiffen wie ihrem Shuttle möglich. Während der Autopilot das kleine Schiff auf den Transporter zusteuerte, versuchte Toki, die Geschehnisse rational zu sehen. Es hatte ihm bis jetzt immer geholfen, schlimme Ereignisse zu verdrängen. Mal angenommen, sie wären wie versprochen die Patrouille geflogen. Ein Schiff war im Asteroidenfeld nur auf kurze Distanz auszumachen, die Gegner hätten sie zudem ebenfalls bemerkt. Ein unbewaffnetes Shuttle gegen eine Korvette. Die Frage nach dem Ausgang dieses Treffens stellte sich nicht. Und auch wenn sie einen Funkspruch absetzen hätten können, es hätte mehrere Minuten gedauert, alle Personen in das zweite Schiff zu bringen und aus der Schleuse zu fliegen. Minuten, in denen die Angreifer schon längst vor Ort gewesen wären. Auch wenn sie es aus der Schleuse geschafft hätten, hätten sie sich einem voll bewaffneten Söldnerschiff gegenüber gesehen. Ebenfalls mit kalkulierbarem Ausgang. Also hätte ihre Anwesenheit nicht genützt. Sie wären nur ebenfalls gestorben oder gefangen genommen worden. So hatten wenigstens drei Personen überlebt.
So sehr er sich auch diese Argumentation einzureden versuchte, besser fühlte er sich nicht. Er versuchte, sich auf andere Dinge zu konzentrieren. Vor ihnen glänzte die Außenhülle der ‚Gewinnspanne‘. Es ruckte leicht, als sich der flexible Schlauch über die Schleusentür an der Hülle stülpte und sich fixierte. Ein paar Sekunden später meldete der Computer, dass die Verbindung hergestellt und die Schleuse begehbar war.


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10

Der CEO war aufgeregt. Aufgeregt und besorgt. Durandes betrachtete ihn aufmerksam und ergeben, aber innerlich amüsiert. Er merkte, dass seine Schuppenfinne anfing zu zucken, und unterband es. Es war wirklich sehr schön zu sehen, wie sich dieser inkompetente Möchtegern-Finanzchef in seine eigenen Verfehlungen verstrickte. Aber das brauchte er nicht zu zeigen. Sonst wäre er hier schneller weg als er ‚Salamanderpaste‘ sagen konnte. Der CEO hatte ihn ohnehin schon ins Auge gefasst. Wahrscheinlich merkte er, dass etwas vorging, etwas, das seine Position gefährden konnte. So unfähig er auch war, ein Unternehmen dieser Größenordnung zu führen, harmlos war er keineswegs. Zwei ehemalige Vorstandsmitglieder hatten sich gegen ihn ausgesprochen. Ihn kritisiert, offen für seine Absetzung plädiert und versucht, die strategischen Ziele der NMMC NG Company anders zu definieren. Ja, sie waren ehemalige Mitglieder. Hier in dieser Runde waren sie nicht mehr. Einer von ihnen, es war ein älterer und sehr kluger Teladi, befand sich jetzt in der 'Red Hell'. Durandes hatte ihn geschätzt, auch wenn er seine Ziele und Überzeugungen nicht teilen konnte. Filus Kirta hatte nicht so viel Glück gehabt. Seine Leiche war nie gefunden worden, aber es gab mehrere Augenzeugen, die gesehen hatte, wie er bei einer Betriebsbesichtigung in eines der 'Kochtöpfe' gefallen war, riesige Schlammbecken, gespeist von vulkanischer Hitze. Oder gestoßen worden war. Aber das hatte niemand gesehen.
Wenn er nicht vorsichtig war, würde ihm Ähnliches blühen. Nein, er wollte nicht weg von hier. Schon gar nicht, seitdem sie hier gefangen waren. Sein Blick schweifte kurz ab, glitt durch den schlichten, in grünen und metallischen Farben gehaltenen Raum und blieb dann an einem der beiden Panoramafenster hängen. Schönes Wetter heute. Die Wolken hingen tief und schwer über der Landschaft und ließen nur den Fuß des entfernten Esgassus-Massiv erkennen. Der höher gelegene Teil des grünen Gebirges, wie es von den dort lebenden Einheimischen genannt wurde, war in den trägen Wolken untergetaucht. Es würde regnen. Sehr stark und heftig. Wenn Durandes zu späterer Stunde den Green Tower verlassen und auf den Platz davor treten würde, würde ihm die feuchte Hitze des Tages entgegen schlagen und wohlig unter seinen Schuppen prickeln. Er mochte das Wetter hier.
„Hat irgendjemand einen Vorschlag?“
Diese Frage des CEOs riss Durandes aus seinen Betrachtungen und holte ihn wieder in das Meeting zurück. Er war endlich fertig. Was er die letzten zwei Mizuras geredet hatte, hatte Durandes nicht mitbekommen, aber es war sicherlich nur eine weitere Wiederholung der schon vorgetragenen Punkte gewesen. ‚Unser Warenlager wurde überfallen.‘ Bla bla bla. ‚Was machen wir nun?‘ Bla bla bla. ‚Wer war das?‘ Bla bla bla. ‚Das ruiniert den Profit.‘ Und so weiter.
Er hatte Recht, die Situation war besorgniserregend. Es war das zweite Lebensmittellager innerhalb von zwei Tazuras, das überfallen und leer geräumt worden war. Immer mit der selben Vorgehensweise und jedes Mal, ohne nennenswerte Spuren zu hinterlassen. Was in der Tat sehr merkwürdig war. Über sechshundert Lebensmittelcontainer konnten nicht einfach spurlos verschwinden. Aber so miserabel das auch war, es brachte große Chancen. Und diese würde er aufzeigen. Ein weiterer Schritt, diesem unfähigen Oolasuras, der als CEO echt eine Witzfigur war, den Rang abzulaufen. Ein paar der Vorstandsmitglieder hatte er schon in der Tasche. Und wenn seine Idee aufging, dann würden sich auch alle anderen hinter ihn stellen. Zwei Drittel der Mitglieder genügten, um den CEO abzusetzen. Dann würde ihm die Position gehören, die ihm von Anfang an zugestanden hatte. Wieso diese Hohlköpfe im Hauptquartier ihn übergangen hatten und diesen Oolasuras vorgezogen hatten, war ihm schleierhaft. Aber wahrscheinlich, weil er besser zu kontrollieren war. Aber das war jetzt nicht mehr wichtig. Das Hauptquartier hatte hier nichts mehr zu sagen. Es konnte hier nichts mehr sagen. Jetzt war es wichtig, stark zu sein. Das Zepter selbst in die Hand zu nehmen. Vieles hatte er schon dazu beigetragen, um die neue NMMC NG Company hier als stärkste Kraft zu etablieren und zu ungeahnter Größe aufblühen zu lassen. Jede Krise war eine Chance. Das war der Torausfall gewesen und das war auch das hier.
Ein haariges Argonenweibchen schlug eben vor, die Sicherheitsmaßnahmen zu verstärken. Das große Insekt, das einzige im Aufsichtsrat, raschelte, dass das mathematisch unmöglich mit Profit in eine reelle Gleichung zu setzen sei. Durandes hätte es anders ausgedrückt, aber der Paranide hatte Recht. Er hatte bemerkenswert oft Recht. Paraniden waren zwar unangenehme Zeitgenossen und schwer umgänglich, aber ihre Denkweise war gut. Rational. Was man von den anderen nicht gerade behaupten konnte. Argonen und Boronen hatten keinen Blick für Zahlen und Fakten. Sie machten mal das, mal etwas anderes, wie es ihnen gerade passte und was sie eben dachten. Und Split dachten gar nicht. Was wohl auch der Grund war, dass keiner von diesen hirnlosen Subjekten hier in der Krisensitzung des Aufsichtsrates waren. Ein paar weitere nutzlose Kommentare von Seiten der Fischköpfe zwitscherten durch den Raum.
„Das lustige und freundliche Volk der Boronen ist besorgt und betrübt über die unglücklichen Zustände, die ihren tieferen Ursprung in der trennenden Abschaltung der Sternenportale durch die unbekannten Wesen, die in der Gemeinschaft ‚das alte Volk‘ genannt werden, haben und von uns, die wir durch die schrecklichen Umstände getrieben werden, für sichernde Ordnung zu sorgen und uns zu kümmern, möglicherweise sogar verstärkt werden.“
„Die mitfühlenden Boronen haben abgestimmt und einen eindeutigen und unverrückbaren Entschluss gefasst, der dafür plädiert, die essentiell wichtige und notwendige Nahrungsmittelproduktion zugänglich zu machen und in öffentliche und gemeinnützige Hände zu geben, um…“
An dieser Stelle wurde es Durandes zu bunt. Eigentlich wollte er sich noch etwas zurückhalten. Erst nachdem der gesamte Vorstand aufgrund der zahlreichen nutzlosen Vorschläge resigniert hätte, hätte er als Retter in der Not seinen Plan präsentiert. Aber was diese Tintenfische da von sich gaben, ließ sogar einem Argnu die Hörner abfallen. Durandes stand auf und zischte missbilligend. Leise, aber durchdringend. Die Boronen verstummten sofort und starrten ihn mit ihren Kugelaugen an. Auch die Augen der anderen waren auf ihn gerichtet.Bis auf zwei des Paraniden. Dieser beachtete ihn nur mit einem Auge, um zu demonstrieren, dass er sich notgedrungen mit den 'Unheiligen' abgab, sie aber so viel wert waren wie eine Raumfliege vor dem Bug eines Zerstörers. Wie dem auch sei. Durandes wartete einen Moment, um die Situation wirken zu lassen.
„Sssie wollen also wirklich unssseren grösssten Trumpf aus der Hand geben? Issst das ihr ernssst?“
Er sah in die Runde. Niemand antwortete. Durandes bemerkte, dass einer der Boronen seine Wimmler zittern ließ, ein sicheres Zeichen dafür, dass er aufgeregt war und wahrscheinlich etwas sagen wollte. Deshalb kam er ihm zuvor.
„Die Nahrungsmittelproduktion issst das einzige, das unsere Arbeiter für unsss arbeiten lässt. Dasss kann nicht ihr ernst sein. Keine Nahrungsmittel, kein Druckmittel, keine Arbeiter, kein PROFIT. Ich dachte, dasss wäre allen hier klar. Dasss dem nicht so issst, haben sie gerade eben eindrucksvoll bewiesssen.“
Dabei sah er zwischen den drei Boronen hin und her, die aufgeregt in ihren Umweltanzügen glucksten.
„Wasss schlagen sssie vor?“, fragte der Vorsitzende.
„Wir sssind hier das Opfer. Wir versssorgen die Bevölkerung und beschützen sssie und dann werden wir von diesssen Terroristen angegriffen. Dasss sollte man aufzeigen. Drossseln wir unsere Produktion. Eine Knappheit aufgrund terroristischer Angriffe.“
„Was soll uns das bringen?“, fragte ein großer Argone mit gelben Haaren und ziemlich schmaler Figur. Auf dem Display vor ihm stand Rol Winderson. Er war einer derjenigen, die er noch nicht überzeugt hatte. Von seiner Ansichtsweise war er eher wie die Boronen einzuschätzen. Durandes setzte dazu an, ihm klar zu machen, dass der Profit einbrechen und alles den Bach runter gehen würde, wenn sie nicht mit harter Kralle durchgreifen würden. Aber der Paranide kam ihm zuvor.
„Der unwürdige Argone möge nachdenken. Eine Einschränkung der Nahrungsmittel resultiert mit einer Wahrscheinlichkeit von achtundneunzig komma fünf-sieben-drei Prozent bei einer Standardabweichung von eins komma vier-zwei-sieben Prozent in eine exponentielle Absenkung der statistischen Zufriedenheit der Bevölkerung des Systems. Die subjektiven Faktoren dieser berechneten Veränderung werden uns nützen, unter den Randbedingungen, dass wir die Variablen positiv definieren.“
„Danke für eure Ausführungen, Halkkmackstr, Gesegneter des Xaar.“
Der Paranide, der sich während seinen Ausführungen aufgerichtet hatte, wickelte seinen bunten Umhang fester um sich und kauerte sich wieder zusammen, ohne sie alle noch eines Blickes zu würdigen. Durandes wandte sich wieder ans andere Ende des Tisches, von wo aus der CEO verständnislos der kurzen Ansprache des Paraniden zugehört hatte.
„Was unsssser geschätzter Kollege hiermit sssagen wollte ist, dass wir den Unmut der Bevölkerung über die Nahrungsmittelkrise auf diessse Terroristen lenken können. Gleichzeitig wird es unsss die Übergangsregierung nur zu gerne erlauben, weiterhin unssssere Sicherungskräfte und unsere Befugnisssse diesbezüglich auszubauen. Wir könnten Personal ausss dem Nahrungssssektor abziehen und damit die Rüssstungsindustrie verstärken. Für unsssere Bemühungen wird unsss die Regierung weitere Zugesständnissse machen.“
„Aber die wertvollen und notwendigen Nahrungsressourcen zu verkleinern und künstlich zu verknappen, könnte möglicherweise und unvorhersehbar ein potentielles Risiko für das kostbare und unersetzliche Leben vieler und noch mehr Bewohner haben“, piepste einer der Boronen. Der blonde Argone nickte, sagte aber nichts.
„Dasss ist in der Tat ein schrecklicher Zussstand, aber daran trägt nicht die NMMC NG Company schuld, sondern diessse Terroristen. Wir müsssen unsere Sicherheitskräfte versstärken, um sssolche Situationen in Zukunft unterbinden zu können.“
Der CEO wiegte den Kopf, ein offensichtliches Zeichen der Unsicherheit. Durandes sah in die Runde. Es waren ablehnende Haltungen dabei, die der anderen Spezies waren schwer einzuordnen. Aber der überwiegende Teil hatte kapiert, worum es ging. Und würde zustimmen. Bei Halkkmackstr war er sich sicher, bei zwei der Argonen meinte er, ebenfalls ein zustimmendes Nicken gesehen zu haben und die Individuen seiner Spezies, die den größten Teil des Aufsichtsrates bildete, waren fast ausnahmslos auf seiner Seite. Das hatte wohl auch Oolasuras bemerkt, denn er drehte die Klauen nach oben und meinte: „Hat jemand einen Gegenvorschlag? Gibt es Alternativen, die unssseren Profit erhalten?“
Es gab noch ein kurzes Hin und Her, der Argone brachte den Vorschlag ein, die Nahrungsproduktion aufzustocken, um die gestohlenen Lagervorräte zu ersetzen, aber Durandes argumentierte, dass man dann Ressourcen aus dem Rüstungs- und Sicherheitsgeschäft abziehen müsste und das ihre Position schwächen und einem neuerlichen Angriff Tür und Tor öffnen würde. Der Paranide untermauerte diese Argumentation mit berechneten Zahlen und als er die Summe vorlegte, die dieser Vorschlag an Profiteinbußen mit sich brachte, wusste Durandes, dass die Diskussion entschieden war. Die Abstimmung verlief eindeutig und die Sitzung löste sich auf. Beim Verlassen des Raumes warf Durandes noch einen Blick auf den CEO. Sehr glücklich sah er nicht aus, ob es an der Entscheidung lag, oder daran, dass nicht er diesen Einfall gehabt hatte, wusste Durandes nicht. Es war auch irrelevant. Ein Blick aus dem Fenster zeigte ihm heftigen Regen. Seine Schuppenfinne zuckte und diesmal unterdrückte er es nicht. Es war ein wunderschöner Tag und er hatte das Recht, sich zu freuen.


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kammerjäger





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11

Der Gestank verwesender Pflanzenreste war überwältigend. Kaum vorstellbar, dass es auf dem ganzen Planeten so roch. Doch diese Vorstellung passte noch eher in Tokis Gehirn, als die Tatsache, dass dieser vergammelnde Planet die Heimat von mehr als hundert Millionen Teladi war. Und vollkommen unbegreiflich war ihm, dass diese Echsen sich hier anscheinend wohl fühlten.
Er stand am Rande einer der riesigen Plattformen, die eher einem großen Floß glichen, als einem Gebäudefundament. Und doch bildete das Geflecht aus den hohlen Stangen unter ihm, die Basis für ein mehrstöckiges Haus. Alles hier war aus diesen Röhren gebaut, meterlange Stengel der teladianischen Sumpfpalme, die hier im Morast in flächendeckenden Wäldern wuchs. Mehrere dieser Plattformen bildeten ein Dorf, die einzelnen Module wurden nur durch dicke Faserseile zusammengehalten.
Toki hatte sich gewundert, wieso man hier nicht einfach eine der großen Mining-Plattformen installiert hatte, die man auf Planeten für Bohrungen und Ressourcenabbau in Gewässern benutzte. Aber Grenor, sein Begleiter in dieser Mission, hatte ihm erklärt, dass dafür der Boden zu unsicher war. In Gewässern kannte man den Boden, konnte die Verankerungen ordentlich installieren. Hier wusste niemand, wie weit der morastige und instabile Boden nach unten reichte, bis festes Gestein den Boden bildete. Abgesehen davon wären für geologische Untersuchungen, ebenso wie für eine Plattform aus anderen Materialien, auch keine Ressourcen vorhanden gewesen. Derzeit floss der überwiegende Teil der High-Tech-Materialien in die Rüstungsindustrie und in den Ausbau der orbitalen Handelsstation. Also musste die hier ansässige Kolonie auf herkömmliche Mittel zurückgreifen, was sich im Übrigen nicht nur in der Bauart der Gebäude zeigte.
Die Bewohner von ‚Ssestalsis Foogalsu‘ waren arm, ebenso wie der Rest der Einwohner des Planeten ‚Schwarzer Boden‘. Ssestalsis Foogalsu, dessen Name frei aus dem Altteladianischen übersetzt so viel wie ‚Schlammstadt‘ bedeutete, sicherte sein Überleben hauptsächlich mit dem Fördern von Rohstoffen aus dem speziellen Schlamm dieses Planeten. Dieser Schlamm kochte in den unzähligen Becken, die von geothermalen Prozessen geheitzt wurden. Verbindungen aus dem inneren des Planetenmantel wurden nach oben transportiert, mischten sich mit den organischen Resten der verfaulenden Pflanzen und Kleinstlebewesen im Morast und schufen komplexe organische Verbindungen, die nur auf wenigen Planeten natürlich und in großen Mengen vorhanden waren. Diese Verbindungen waren begehrt, bildeten sie doch einen der Ausgangsstoffe für das robuste und deshalb aus keiner modernen Konstruktion mehr wegzudenkende Teladianium.
In Zeiten wie diesen, in denen das Sicherheitsbewusstsein und dementsprechend die Rüstungsbranche boomte und viele Dinge gebaut werden mussten, die vorher nicht notwendig gewesen waren, wurde viel mehr davon benötigt als je zuvor. Da der Handel mit den anderen Sektoren weggebrochen war, war man auf sich allein gestellt. Sowohl beim Schutz der Bevölkerung, als auch bei allen Produkten des täglichen Lebens.
Natürlich konnte man diese organischen Stoffe, die in der Industrie vielfältig verwendet wurden, auch synthetisch erzeugen, aber die Ausbeutung natürlicher Ressourcen war billiger. Vor allem, wenn man auf eine Menge Arbeitskräfte zurückgreifen konnte, die für militärischen Schutz und die Versorgung mit Nahrungsmitteln fast alles tun würde.
Was gut war für Unternehmen wie die NMMC, die fast alle diese Materialien aufkaufte, war ebenso schlecht für die Einwohner dieses Planeten. Für die Arbeit in den ‚Kochtöpfen‘, wie sie die Becken nannten, erhielten sie kaum mehr als einen Hungerlohn. Der reichte nur dazu aus, sich einigermaßen über Wasser zu halten. Für die schwere und lebensgefährliche Arbeit war diese Entlohnung ein Witz. Viele Arbeiter waren schon in den kochend heißen Schlamm gefallen und niemals wieder gesehen worden. Aber die Bewohner hatten keine andere Wahl. Anders kam man derzeit nicht an Lebensmittel. Sie waren hier auf großflächige Importe angewiesen. Und die NMMC - korrekterweise NMMC NG Company, wie sich dieses Unternehmen seit der Neustrukturierung nannte – hielt das Monopol über die Nahrungsmittelversorgung. Und das mit offizieller Genehmigung der Regierung. Wenn das überhaupt etwas bedeutete.
„Toki, kommst du mit?“, rief Grenor aus der Lagerhalle hinter ihm. Er drehte sich um. Vor ihm gähnte die große Öffnung des eingerichteten Warenlagers. Vier graue Container waren hier platziert und füllten schon fast ein Drittel des Raumes aus. Eben steuerten zwei Teladi einen weiteren auf zwei Schwebeplattformen heran. Acht Container waren es insgesamt, die hier eingelagert werden würden. Genügend Nahrung für Wochen für dieses Dorf. In den Kryocontainern nach dem Standard für Lebensmittelbehältnissen, waren die Proteinpasten, Fleischblöcke, Getreidefladen und was auch immer sonst noch an Grundnahrungsmittel da drin steckte, für Wozuras und Mazuras haltbar. Wochen und Monate, verbesserte er selbst seine Gedanken. Jetzt fing er schon an, selbst in Gedanken diese Zura-Einheiten zu verwenden. Er war eindeutig schon zu lange hier.
Ohne Eile ging Toki über die Straße, die als Verbindung zwischen dem Landeplatz und dem Lager diente und folgte dem untersetzten Argonen, der in den Lagerraum ging.
Auf der rechten Seite führte eine Tür in ein spartanisch eingerichtetes Büro. Sitzgelegenheiten gab es nicht, nur einen langgezogenen Tisch an dem drei Teladi standen und sich über ein Display beugten. Sie zischelten kurz hin und her und einer von ihnen deutete auf den Bildschirm.
„Alle Formalitäten erledigt, Yodussuras?“, fragte Grenor.
Einer der drei Echsen, der Angesprochene, drehte sich zu ihnen und antwortete: „Die Liefermengen und die zeitliche Abfolge der Teillieferungen sssind ausgehandelt. Die beiden Verantwortlichen sssind über unssser Angebot sssehr erfreut. Aber ich habe noch Bedenken, wasss die Sicherheit diessses Lagers betrifft. Sssollte jemand von der NMMC NGC auf den Gedanken kommen, eine Inssspektion durchzuführen, werden sssie die Container entdecken.“
„Verstehen sie uns?“, fragte Grenor und deutete auf die beiden anderen. Die Frage war nicht unberechtigt, besonders hier in den ländlichen Gegenden war es nicht unüblich, dass viele Teladi die Handelssprache nicht oder nur sehr schlecht beherrschten.
„Wir verssstehen euch“, zischelte einer von ihnen mit sehr starkem Akzent. „Wir wollen danken für Lieferung. Wir werden gemeinssam viel Profit erwirtschaften. Tsssh“
„Das sind Kalsstaskis Yolandes Feligas VI. und Fagooles Herossnes Vissurades II., Technische und Finanzielle Leiter der lokalen Mining-Gruppe“, stellte Yodussuras die beiden vor. „Sie vertreten in dieser Sache den Ssfalenisuss, den…“
„Häuptling“, half ihm Grenor auf die Sprünge.
„Tsss, ja, den Häuptling von Ssestalsis Foogalsu. Sssie haben die Verantwortung über diessses Projekt.“
Der Ssfalenisuss war das traditionelle Oberhaupt eines ländlichen Teladidorfes. Eine korrekte Übersetzung gab es nicht, Häuptling traf es am besten.
„Und sie sind mit den Bedingungen des Vertrages einverstanden?“, hakte Grenor nach. „Insbesondere mit den Geheimhaltungsklauseln.“
„Sssh.“
Kalsstaskis zischelte herum und sah zur Seite. Fagooles trat einen Schritt vor.
„Wir sind mit den Bedingungen einversssstanden“, drückte er hervor. „Aber wir haben Bedenken. Die NMMC wird nicht erfreut sssein, wenn wir keine Rohstoffe mehr liefern.“
Seine Stirnschuppen wurden heller, er fühlte sich nicht gut bei dieser Entscheidung.
„Nein, das werden sie nicht“, sagte Toki. „Aber was wollen sie machen? Sie werden euch im Gegenzug dazu auch keine Lebensmittellieferungen mehr geben. Aber das braucht euch ja jetzt nicht mehr zu kümmern. Sie haben kein Druckmittel mehr gegen euch.“
„Tsssh, das ist … Aber sssie können ...“
„Sie können unsss zwingen“, fiel der Techniker ein. Er drückte nervös mit seinen Klauen an seinen Bauchschuppen. „Wir haben keine Armee. Oder sssie werden misssstrauisch und machen eine Inspektion. Dann werden sssie die Container finden.“
„Dazu wird es nicht kommen“, winkte Grenor ab. „Sie haben zwar die Regierung untergraben, aber ein gewisser Grad an Moralverständnis ist noch vorhanden. Sie können euch nicht mit Gewalt zwingen, Ressourcen herauszugeben oder in eure Autonomie einzugreifen. Das würde selbst unter diesen Verhältnissen einen Skandal geben. Der Ausnahmezustand ist seit Mazuras wieder zurückgenommen, die rechtlichen Grundlagen für das erwirtschaften von Profit müssen gewahrt bleiben. Die Anwälte der Profitgenossenschaft warten nur darauf, dass die NMMC so etwas macht. Nein, meine Freunde, davor werden sie sich hüten. Sie werden nichts machen, wovon es Beweise geben könnte.“
„Ich hoffe esss. Die Zukunft dieser … Stadt und unsssser aller Profit hängt davon ab. Können wir uns auf die Beschützer verlassen?“
„Ja, das könnt ihr. Darauf gebe ich mein Wort.“
Grenor reichte den Teladi seine Hand und diese griffen zögerlich zu. Nicht etwa, weil sie seinem Versprechen nicht trauten, sondern weil diese Geste der Argonen noch immer nicht überall verbreitet war. Besonders nicht in einem teladianischen Schlammdorf auf einem so trostlosen Planeten.
„Die Beschützer der Wesen halten ihr Wort“, bekräftigte Grenor seine Geste.
Die Beschützer der Wesen war der Überbegriff der Gruppen, die sich dem Widerstand gegen die NMMC NGC verschrieben hatten. Nach der Vernichtung der 'Ruhe der Ströme', hatten sich die verbliebenen Gruppen besser zusammengeschlossen. In einer großen Versammlung war der Kampf gegen die Verantwortlichen den Katastrophe ausgerufen worden und die Boronen hatten dem Zusammenschluss den wohlklingenden Namen 'Beschützer der Wesen' gegeben. Obwohl die anderen Rassen mit diesem Namen nicht besonders glücklich waren, hatten sich die Tintenfische schlussendlich durchgesetzt. Auch hatten sie darauf bestanden, den Widerstand in möglichst friedlicher Art und Weise durchzuführen. Deshalb waren beim Angriff auf das Lager der NMMC NGC nur Betäubungswaffen eingesetzt worden und auch aus diesem Grund versuchten sie nur, ihren Feind von den Ressourcen abzuschneiden. Ein offener Kampf wäre ohnehin aussichtslos gewesen.
Die beiden Teladi hatten inzwischen den Vertrag autorisiert. Es waren schon mehr als zwei Dutzend solcher Dörfer, die die überzeugen konnten. Das entsprach schon einem zweistelligen Prozentsatz der Rohstofflieferungen für die Teladianiumproduktion. Mit etwas Glück konnten sie noch doppelt so viele Ressourcenstätten mit Nahrung versorgen und sie überzeugen, ihre Lieferungen einzustellen. Das wäre ein empfindlicher Schlag für die Rüstungsindustrie und würde die Machtposition der NMMC NGC gegenüber der Regierung deutlich schwächen. An ein Geländer gelehnt sah Toki noch zu, wie die letzten beiden Container ausgeladen wurden.
Er war froh, als sich die Einstiegsluke des Shuttle schloss und die Luftaufbereitungsanlage ihren Betrieb aufnahm. Während das Shuttle Kurs auf die 'eilender Profit' setzte, zwängte sich Toki in die winzige Nasszelle. In diesem Zustand konnte er nicht an Bord gehen. Er roch, als wäre er in eine Klärgrube gefallen. Seine Kleidung sollte er wohl verbrennen.
Als sie am Frachter andockten, der im Orbit des Schlammplaneten wartete, fühlte er sich deutlich besser und sauberer, aber den Geruch nach fauligen Pflanzenresten, der sich in seiner Nase festgesetzt hatte, wurde er nicht los. Vielleicht war es auch nur Grenor, der so roch. Das hoffte er jedenfalls. Testweise roch er an seinem frischen Shirt und rümpfte die Nase. Der stämmige Argone im Cockpit hatte damit irgendwie gar kein Problem. Wahrscheinlich deshalb, weil er schon sein ganzes Leben in diesem Sektor verbracht hatte. Er hatte noch nicht viel von sich erzählt, aber Toki konnte sich vorstellen, wo er gelebt hatte.
Der dunkle Kasten des Frachters rückte ins Blickfeld, Grenor steuerte das Shuttle an die Andockbuchten für die Kleinsttransporter.
Lohi La und Marina Verdis holten sie von der Schleuse ab. Während der Borone sofort zu quasseln begann, sog die hübsche Argonin demonstrativ die Luft ein und betrachtete die beiden mit einem komischen Blick. Das hatte gerade noch gefehlt, dachte Toki. Dass ausgerechnet sie ihnen über den Weg laufen musste. In diesem Zustand. Er zuckte entschuldigend mit den Schultern und zog ein Gesicht, Grenor hingegen schien ihren Blick nicht zu bemerken. Er hatte sich an den Boronen gewandt, der hektisch und mit zuckenden Wimmlern auf ihn ein sprach.
„... Quelle von überströmenden und fülligen Informationen ist sicher und bestimmt. Die 'Beschützer der Wesen' sind nicht länger geheim, unbekannt und verborgen.“
„Was meint er?“, fragte Toki.
„Wir haben ein Leck“, antwortete die Frau. „Ein Informationsleck. Irgendjemand hat geplaudert oder war schlampig. Jedenfalls wissen die jetzt, dass es uns gibt. Vielleicht sogar mehr.“


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Boro Pi
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PostPosted: Mon, 30. Dec 13, 17:36    Post subject: Reply with quote Print

Ah schön, dass es weiter geht. Werde gleich einmal einen Blick hineinwerfen.

EDIT:
Das gefällt mir wieder einmal sehr gut. Gerade der Anfang ist eine sehr gelungene Beschreibung einer Landschaft und einer neuen Gruppierung mit eigener Lebensweise. Ein nettes Porträt einer kleinen Teladi-Kolonie.

Ein paar Anmerkungen:

Doch diese Vorstellung passte noch eher in Tokis Gehirn -KEIN KOMMA- als die Tatsache, dass...

Und doch bildete das Geflecht aus den hohlen Stangen unter ihm -KEIN KOMMA- die Basis für ein mehrstöckiges Haus.

In Gewässern kannte man den Boden, konnte die Verankerungen ordentlich installieren. Hier wusste niemand, wie weit der morastige und instabile Boden nach unten reichte, bis festes Gestein den Boden bildete.
1. Mehrfache Wortwiederholung 'Boden' → 'Grund', eventuell 'Tiefe'
2. Ein Sumpf ist streng genommen auch ein Gewässer, daher ist der erste Satz nicht ganz stimmig.


Verbindungen aus dem Inneren des Planetenmantel wurden nach oben transportiert, mischten...
Du hast ab hier Wortwiederholungen von 'Verbindungen' → 'Erden', 'Sedimente', 'Moleküle', 'Stoffe', 'Material'

Der reichte nur dazu aus, sich einigermaßen über Wasser zu halten.
Nettes Bild im Sumpf. Wink

Und die NMMC - korrekterweise NMMC NG Company, wie sich dieses Unternehmen seit der Neustrukturierung nannte – hielt das Monopol über die Nahrungsmittelversorgung.
Da das C bereits für Company steht macht der Name so eigentlich keinen Sinn. Richtiger müsste es die NMMNGC, bzw. die NMM NG Company sein. Vielleicht könnte man daraus aus klanglichen Gründen auch einen ganz neuen sprechbaren Namen basteln wie z.B. 'die NimmNeg'.

In den Kryocontainern nach dem Standard für Lebensmittelbehältnissen...
Guter Mann, schreibst Kryo mit K wie sich das gehört.

Jetzt fing er schon an, selbst in Gedanken diese Zura-Einheiten zu verwenden. Er war eindeutig schon zu lange hier.
Eigentlich sollte er das im Sinne seiner geheimdienstlichen Tarnung begrüßen und sich sogar gezielt darauf trainieren, in diesen Begriffen zu denken.

Der Ssfalenisuss war das traditionelle Oberhaupt eines ländlichen Teladidorfes. Eine korrekte Übersetzung gab es nicht, Häuptling traf es am besten.
Ist natürlich ein wenig unkauechserisch. Wie wäre es mit 'Filialleiter'?

„Wir sind mit den Bedingungen einversssstanden“, drückte er hervor.
??? Also man kann 'herum drücken' oder 'heraus pressen'.

Sie können euch nicht mit Gewalt zwingen, Ressourcen herauszugeben oder in eure Autonomie eingreifen. … Der Ausnahmezustand ist seit Mazuras wieder zurückgenommen, die rechtlichen Grundlagen für das Erwirtschaften von Profit müssen gewahrt bleiben.

Nach der Vernichtung der 'Ruhe der Ströme' -KEIN KOMMA- hatten sich die verbliebenen Gruppen besser zusammengeschlossen.

Während das Shuttle Kurs auf die 'Eilender Profit' setzte, zwängte...
Groß, da Eigenname.

Während der Borone sofort zu quasseln begann, sog...
'Quasseln' ist Umgangssprache → 'einen Wortschwall herniedergehen ließ', 'zu einer endlosen Rede ansetze'

Boro Pi


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