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[Story] Grüne Schuppe
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kammerjäger





Joined: 26 May 2013
Posts: 50 on topic

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PostPosted: Wed, 1. Jan 14, 19:46    Post subject: Reply with quote Print

Ja, bin leider in den letzten Wochen/Monaten nicht besonders dazu gekommen, weiter zu schreiben bzw. hatte auch eine kleine kreative Flaute. Ich hoffe, ich komme jetzt wieder regelmäßiger dazu.

Quote:
In Gewässern kannte man den Boden, konnte die Verankerungen ordentlich installieren. Hier wusste niemand, wie weit der morastige und instabile Boden nach unten reichte, bis festes Gestein den Boden bildete.
1. Mehrfache Wortwiederholung 'Boden' → 'Grund', eventuell 'Tiefe'
2. Ein Sumpf ist streng genommen auch ein Gewässer, daher ist der erste Satz nicht ganz stimmig.


Ich hätte das so argumentiert, dass man in einem Gewässer mit einem felsigen Boden leichter eine Plattform bauen kann als in einem Sumpf, bei dem einfache Methoden der geologischen Untersuchung nicht funktionieren und evtl. teure Tiefenbohrungen durchgeführt werden müssen. Einfachste Lösung wäre wohl, 'klare Gewässer' zu schreiben. Very Happy

Quote:
Der reichte nur dazu aus, sich einigermaßen über Wasser zu halten.
Nettes Bild im Sumpf. Wink


Hab ich selbst noch gar nicht so gesehen -> der Zufall ist doch oft der beste Autor... Wink

Wegen den Benennungen muss ich mir vielleicht noch was einfallen lassen.

Auf jeden Fall danke für deine Rückmeldung.

P.S.: Hatte jetzt endlich Gelegenheit, mit dem 'Todeshauch' anzufangen. Ist sehr spannend bis jetzt, wenn man mal angefangen hat, ist es schwer, das Buch aus der Hand zu legen - im übertragenen Sinn Very Happy


_________________
Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

Albert Einstein
--
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reretghg



MEDALMEDAL

Joined: 26 Nov 2009
Posts: 58 on topic
Location: Split Feuer
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PostPosted: Fri, 3. Jan 14, 21:58    Post subject: Reply with quote Print

Ich muss sagen, mir gefällt die Geschichte sehr gut! Ich freue mich auf die Fortsetzung Very Happy

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Boro Pi
Moderator (Deutsch)
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Joined: 06 Nov 2002
Posts: 2700 on topic
Location: Hessen
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PostPosted: Wed, 15. Jan 14, 20:44    Post subject: Reply with quote Print

Ich habe hier ja noch einiges aufzuholen. Ich rolle es von hinten auf und beginne mal mit Kapitel 10:

Seine Leiche war nie gefunden worden, aber es gab mehrere Augenzeugen, die gesehen hatten, wie...

Nein, er wollte nicht weg von hier. Schon gar nicht, seitdem sie hier gefangen waren.
Die Kombination dieser Formulierungen erscheint mir nicht sehr gelungen. Praktisch schreibst Du, erwolle gerade deswegen nicht weg, weil er nicht weg kann. Sinnvoller wäre eine Wendung im Stile: „Zumal er es ohnehin nicht gekonnt hätte. Schließlich waren sie alle hier gefangen.“

Ein weiterer Schritt, diesen unfähigen Oolasuras, der als CEO echt eine Witzfigur war, den Rang abzulaufen.

Was wohl auch der Grund war, dass keiner von diesen hirnlosen Subjekten hier in der Krisensitzung des Aufsichtsrates war.

Auch die Augen der anderen waren auf ihn gerichtet. Bis auf zwei des Paraniden.
Zwischen diesen beiden Sätzen fehlt das Leerzeichen.

Von seiner Ansichtsweise war er eher wie die Boronen einzuschätzen.
Ich bin mir nicht sicher, ob das Wort 'Ansichtsweise' existiert. 'Seiner Ansicht nach war...', 'Durandes Sichtweise auf ihn war die, ihn eher...'

Aber der überwiegende Teil hatte kapiert, worum es ging.
Umgangssprache: 'hatte verstanden/begriffen'

---
EDIT: Kapitel 9

In waghalsigen Manövern kurvte er um Gesteinsbrocken -KEIN KOMMA- bis sie weit genug entfernt waren.

Zwei Stunden einfach nur da zu sitzen und zu grübeln, ohne etwas Anständigen zu trinken, das würde nicht gut ausgehen.

Hatte er zuvor auf der glänzenden Seite der Medaille gekämpft.
Ungewöhnliche Variante dieser Metapher, gefällt mir aber.

Er sah zu Riley, der ihn anstarrte, da er nicht weitergesprochen hatte. Toki stieß ein freudloses Lachen aus und sprach weiter.
Wortwiederholung 'weitersprechen'

Es gibt Güter und Leistungen, die eine Menge Geld, Credits, Nividium oder weiß der Teufel was -KEIN KOMMA- einbringen.

Er wiederholte seine Ansage, dann ertönte das Lispeln eines Teladi in den Lautsprechern.

Nachdem sich alle nach der Landung im Lager der ASO in die Wohnräume begeben hatten, hatte Toki dem Major alles erzählt -DOPPELPUNKT- Von den vier Aliens, …

Wo vormals der Eingang zur Schleuse in den Asteroiden gewesen war, war jetzt eine Staubwolke. Das Gravidar zeigte ein größeres Objekt im Inneren der Wolke an.

Er selbst hasste sich für die Tatsache, nicht da gewesen zu sein, …
Vorschlag – Stell das um: 'Er hasste sich selbst für...'


_________________
I'm not here for your Entertainment!

X-Kurzgeschichtenwettbewerb 2013 - Die Geschichten
Und meine eigenen Werke:
NOD - Jenseits der Erde...
Todeshauch
Kurzgeschichten
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kammerjäger





Joined: 26 May 2013
Posts: 50 on topic

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PostPosted: Fri, 24. Jan 14, 23:00    Post subject: Reply with quote Print

So, hier bin ich wieder. Hat ja auch lange genug gedauert. Wink

Quote:
Ich muss sagen, mir gefällt die Geschichte sehr gut! Ich freue mich auf die Fortsetzung Very Happy


Das freut mich wirklich sehr. Gibt jetzt auch wieder Lesestoff.

Es ist schön zu hören, dass auch ein paar Leute die Geschichte lesen. Und vielleicht kann ich ja auch den einen oder anderen dazu animieren, auch selbst (wieder) etwas zu schreiben.
Was ich so mitbekommen haben, war hier früher deutlich mehr los. Hab mich wohl zu spät hier angemeldet. Very Happy

Quote:
Ich habe hier ja noch einiges aufzuholen. Ich rolle es von hinten auf und beginne mal mit Kapitel 10


Aber gerne doch.
Wie immer: Danke Boro Pi

------------------------

12

Toki versuchte etwas Abstand von Marina zu halten, während sie durch den Gang eilten. Er fühlte sich selbst schmutzig und es war ihm peinlich, in diesem Zustand neben einer Frau herzulaufen. Noch dazu, wenn es eine so attraktive wie Marina war.
Der Borone redete und redete, Toki hatte sich schon vor einer Minute ausgeklinkt. Grenor jedoch hörte aufmerksam zu und erwiderte sogar hin und wieder etwas. Der Argone war auch einer der Sitzungsräte der 'Beschützer'. Ebenso wie Marina und Lohi La. Nach dem furchtbaren Angriff auf die ‚Ruhe der Ströme‘, hatten sich die verstreuten Mitglieder der nun als ‚Beschützer‘ benannten Gruppierung neu strukturiert und eine einheitliche Führung beschlossen. Waren zuvor hauptsächlich Entscheidungen von Einzelpersonen und in kleinen Gruppen gefällt worden, gab es jetzt eine Kommission und seinen Sitzungsrat. So wurden in Sitzungen Vorgehensweisen abgesprochen und Aktionen koordiniert, was vorhin nicht so gut funktioniert hatte.
Vor der Zusammenlegung hatte jede Spezies, jede Gruppierung praktisch autark agiert, die Gesellschaft war ein loser Verbund von Gruppen gewesen, die sich nicht mit der neuen Rangordnung im Sektor anfreunden konnten. Die ‚Ruhe der Ströme‘ hatte nur die größte dieser Einheiten gebildet. Jetzt gab es ein neues Führungsschiff, die ‚eilender Profit‘ und mehrere Einsatzgruppen, die in ständiger Verbindung untereinander standen. Somit konnte man Informationen schneller teilen, die Gruppen wurden besser koordiniert und Entscheidungen gemeinsam getroffen.
Diese Entscheidungen fällte die Kommission, die aus vierundzwanzig Mitgliedern bestand, einer Mischung aus jeglichen Spezies und mehreren Gruppierungen, um genügend Mitspracherecht für alle zu gewährleisten. Fünf der Mitglieder bildeten die Vorsitzenden, je einer der fünf Spezies.
Dann war da noch der Sitzungsrat, der nur eine beratende Funktion für die Kommission besaß und aus Spezialisten verschiedenster Bereiche zusammengesetzt war. Grenor beispielsweise war Logistikmanager in einem Agrarbetrieb gewesen und füllte den Bereich des Spezialisten für Warenlogistik und –verteilung jeglicher Art. Marina hingegen war Ingenieurin, auf Antriebs- und Waffentechnologie spezialisiert, und Lohi La war so etwas wie ein Soziologe, Verhaltensforscher, oder was auch immer. Für soziale und moralische Diskussionen waren ja ohnehin alle Boronen zu begeistern. Spezialisten gab es bei ihnen kaum, da sie ihre Erinnerungen, Erfahrungen und teilweise auch ihren Wissensstand durch Hormonwolken im Wasser teilten und somit jeder Borone im selben Teich genau so viel wusste, wie die anderen auch.
Toki versuchte, sich wieder darauf zu konzentrieren, was der Tintenfisch von sich gab.
„Deshalb und aus diesem Grund haben die tatkräftigen und fröhlichen 'Beschützer der Wesen' beschlossen, eine Sitzung, ein konstruktiv freudiges Zusammentreffen zu organisieren, durchzuführen und abzuhalten, um die bedauernswerte Entwicklung zu erörtern, verschiedene Standpunkte zusammenzutragen, zu diskutieren und um eine strahlende Lösung für diese bedrohliche Lage zu finden und ausreichende und freundliche Maßnahmen zu beschließen. Die großen Obersten Fünf der 'Beschützer...“
„Die Kommission hat also eine Sitzung einberufen?“, unterbrach ihn Grenor.
„Ja, und ja“, piepste Lohi La aufgeregt. „Wir sollten uns schnellsten Weges, ohne lange zu verweilen in den umfassenden, herrlich grünen Saal der Wegfindung begeben, um den hilfreichen Ratschlägen der vielen, haarigen, schuppigen oder nichthaarigen Mitgliedern des weisen und lenkenden Rates zu lauschen und unsere Erkenntnisse und Erfahrungen zu teilen.“
Toki schüttelte den Kopf. Er wurde noch ganz wirr bei dem Wortsalat, den der Borone da produzierte.
„Ich werde vorerst nicht gebraucht?“, fragte er.
„Nein“, sagte Grenor gedehnt. „Aber kommst du nicht mit? Vielleicht können wir deinen Rat bezüglich der Hacking-Möglichkeiten ihres Systems brauchen.“
„Ich bin ja kein Sitzungsrat.“
Toki musste sich ein Grinsen verkneifen. Er hatte sich und die anderen Mitglieder als Hardwarespezialisten ausgegeben. Es war am glaubwürdigsten, sollte jemand ihren Hintergrund überprüfen. Zuvor hatten sie ja auch zum Schein ein Unternehmen für Computerhardware geführt. Die Story, die er ihnen aufgetischt hatte, war mehr als lachhaft, wenn man sie Hintergründe kannte, aber sie hatten sie geschluckt. Wieso auch nicht? Sie hatten keinen Grund anzunehmen, dass sie Mitglieder des ASO waren. Selbst ihre terranische Abstammung konnten sie erfolgreich verbergen. Sie hatten ja auch genug Übung darin.
Er selbst kannte sich ganz gut mit Computerhardware aus, insbesondere mit solcher, die als AGI-Cores benutzt wurden, aber jetzt waren sie hier offiziell die einzigen richtigen Hardwarespezialisten und die erste Anlaufstelle, wenn es um dieses Fachgebiet ging. Teilweise auch bei Software. Was auch irgendwie gut war. Toki hatte es sich selbst lange nicht eingestehen wollen, aber er war ein Mensch, der gebraucht werden wollte. In die Untätigkeit abzugleiten oder sich selbst als nutzlos zu empfinden, war eines der schlimmsten Dinge, die er sich vorstellen konnte. Er nickte Grenor zu.
„Ich komme nach. Aber ich muss mich noch … etwas frisch machen.“
Grenor sah ihn mit eigenartigem Blick an, sagte aber nur: „Ok, dann bis später.“

Die Krisensitzung als chaotisch zu bezeichnen, war mehr als untertrieben. Als Toki eine halbe Stunde später die Kommissionshalle betrat, fühlte er sich wie im Zoo. Ja, genau das war die perfekte Beschreibung für diesen Tumult. Als kleiner Junge hatte er einmal einen der großen Zoos besucht, die in den Naturreservaten der Erde auf Besucher hofften. Bären, Wölfe, Hasen, eine Menge Tiere, die er bis dorthin nur von Bildschirmen in der Schule kannte. Doch am meisten fasziniert hatten ihn immer die Affen. Sie erinnerten ihn irgendwie an sich selbst. Diese Tiere hatten alles, bekamen ausreichend Nahrung, hatten einen gefahrlosen Lebensraum, in dem riesigen Konstrukt aus Metall und Glas genügend Platz, und doch waren sie eingesperrt. Das war auch bei den anderen Tieren der Fall, aber die Affen waren am ehesten … menschlich.
Jeder ihrer Schritte wurde beobachtet, analysiert und kommentiert. 'Mama, sieh doch, der Affe klettert da hoch.' 'Sieh da, jetzt frisst er.' So hatte er sich auch oft gefühlt. Beobachtet. Verfolgt. Die Sicherheitsbestimmungen im inneren Sonnensystem waren hoch. Die Erdbevölkerung war sicher. Ob der Preis dafür angemessen war, musste jeder für sich selbst abwägen. Es stand ja auch jedem Bürger frei, in Kolonien im äußeren Sonnensystem umzuziehen, aber das hätte bedeutet, auf viele Privilegien zu verzichten. Erst im Außeneinsatz bei der ASO, bei dem man als Agent sehr viele Freiheiten genoss, war es besser geworden.
Komisch, dass ihm das gerade jetzt durch den Kopf ging, wunderte er sich selbst. Ach ja, er war bei den Affen gewesen. Im großen Gehege im Chantou-Park lebten verschiedene Affenarten in einem riesigen Gebäude. Affentheater war das richtige Wort dafür gewesen. Mal wurde ums Futter gestritten, dann wieder ein Tier von einem anderen von seinem Baumstamm gestoßen, alles schrie durcheinander. Wer am lautesten war, setzte sich durch. Und so in etwa war auch die Situation hier. Verschiedene Spezies, verschiedene Interessen, verschiedene Meinungen. Jeder wollte der lauteste sein.
Der Vortragende, Kartmanckstras - oder wie auch immer er hieß, diese Namen klangen ohnehin alle gleich – stand an seinem Rednerpult und trug unbeirrt ein Statement vor, doch die Hälfte der Personen im Saal hörten ihm nicht zu. Die andere Hälfte verstand nichts, weil überall heftig debattiert wurde. Zwei Teladi zischelten neben ihm, es klang nach einem sehr lebhaften und aggressiven Schlagabtausch, irgendwo klickerten die Laute eines verlorenen Boronen umher. Es war nie so sonderlich förmlich und geregelt gewesen in dieser Halle, aber heute herrschte ein Ausnahmezustand.
Grenor stand inmitten einer Gruppe aus zwei Split und zwei Teladi und wedelte mit einem Gerät, auf dessen Bildschirm irgendetwas dargestellt wurde.
Als er das erste Mal einer solchen Konferenz beigewohnt hatte, war es für Toki undenkbar gewesen, dass bei einer derartigen Vorgehensweise irgendein sinnvoller Lösungsvorschlag ausgearbeitet werden konnte. Inzwischen war es für ihn normal, irgendwie schaffte man es immer, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen. Nur das Bild des Affengeheges schoss ihm noch durch den Kopf, wenn er diese Halle betrat.
Er grinste innerlich amüsiert und schritt die wenigen Stufen zu der Gruppe hinab. Der riesige Raum – natürlich in Teladi-grün gehalten - ursprünglich ein Teil des Laderaums, war zu der Kommissionshalle umfunktioniert worden. Nicht sehr aufwändig und luxuriös, aber akzeptabel. Vorne eine Bühne für die Redner, zwei Sitzgruppen für die Kommission und den Sitzungsrat, dahinter die Tribüne für die Zuseher. Natürlich saßen – oder standen - die wenigsten auf ihrem Platz, Kommissionsmitglieder, Sitzungsräte und Zuseher diskutierten in Gruppen oder arbeiteten an mobilen Arbeitsplätzen verschiedene Szenarien aus.
Obwohl der Saal in sehr funktionaler Weise eingerichtet war, hatte er dennoch etwas von einem Theater. Noch dazu in diesem Moment, in dem ein intensiver Lichtstrahl den spektakulären Auftritt des Paraniden am Rednerpult verstärkte und seinen pompösen Umhang förmlich aufleuchten ließ. Ein sehr schräges Theaterstück war das.
Den Major konnte er nirgends sehen, üblicherweise nahm er an derlei Veranstaltungen nicht teil, obwohl sie öffentlich zugänglich waren. Wenn er so darüber nachdachte, hatte er schon seit Tagen nichts mehr von ihm gehört. Und noch viel länger war es her, dass sie über irgendwelche Operationen und weitere Vorgehensweisen gesprochen hatten. Sie waren übereingekommen, dass es bis auf Weiteres besser wäre, sich unauffällig zu verhalten und die Lage zu beobachten. Also entweder brütete er etwas aus, oder er hatte selbst keinen Plan, was jetzt zu tun war. Toki nahm sich vor, gleich nach der Versammlung mit ihm zu reden. Vielleicht über ihre Mission, vielleicht auch nur so. Von Agent zu Agent. Von Freund zu Freund.
„Du kommst eben richtig“, rief Grenor. „Sieh dir das mal an, Toki“
Toki schlenderte demonstrativ ruhig auf die aufgeregte Gruppe zu. Wenn schon alle um ihn herum einem Herzinfarkt nahe standen, dann wollte wenigstens er ein wenig Ruhe ausstrahlen. Herzinfarkt war vielleicht der falsche Ausdruck, für diese Echsen mit ihren drei Herzen mochte so etwas wohl nicht so gefährlich sein, überlegte er. Gelassen nahm er das Gerät entgegen, das ihm der Argone unter die Nase hielt und deutete fragend auf den Vortragenden, der immer noch unbeirrt und mit in Blick an die Decke seine Ansprache hielt. Grenor winkte ab.
„Was weiß ich, worum es da geht. Diese … Insekten quatschen immer irgendein Zeug, das keiner versteht. Das hier ist viel wichtiger.“
Er klopfte mit seinem Finger auf den Bildschirm. Erst jetzt beachtete Toki die Anzeige in seiner Hand. Ein herkömmlicher Mobilcomputer mit erweiterten Sicherheits- und Verschlüsselungsfunktionen. Aber wichtig war nur, was auf dem Bildschirm zu lesen war. Toki musste eine Weile die Codezeilen studieren, bis er kapierte, was die Zeilen bedeuteten. Ein schrecklicher Gedanke durchzuckte ihn, er warf ihn aber wieder von sich. Wohl ein blöder Zufall. Er sah auf und fragte: „Von welchem System?“
„Base beta“, zischte einer der beiden Teladi. Sie waren Kommunikationstechniker, erinnerte er sich. Zumindest an den einen von ihnen konnte er sich erinnern. Den blutroten Augen nach musste er sehr alt sein.
„Wir haben diessse Zeilen vor einer halben Stazzzura gefunden.“
„Das ist nicht gut“, kommentierte Toki und sah Grenor an. „Du musst da hoch und denen sagen, dass sie die 'AP Ramirez' sofort isolieren müssen. Oder zumindest überwachen. Wenn von dort diese Daten gesendet wurden, dann müssen wir uns davon sofort distanzieren und deren Kommunikationskanäle kappen. Auch wenn es verschlüsselt ist, kann es sein, dass sie deren Position finden, oder der Maulwurf weitere Informationen sendet, die uns alle verraten.
Toki deutete auf die Bühne, auf der der Paranide eben mit einer weitläufigen Geste seine Arme ausbreitete und wie eine Statue in majestätischer Pose stehen blieb. Mit raschelnder Stimme trug er eine Flut an mathematischen Gleichungen und Zahlen vor, die für Toki nicht einmal ansatzweise einen Sinn ergaben.
„Und wie stellst du dir das vor? Ich wollte mich bei dir nur vergewissern, dass der Verdacht unserer beiden überaus schlauen Kommunikationsgenies richtig ist.“ Er sah zu den beiden Echsen hinüber, die freudig zischten. „Nein, wir zeigen das jemanden aus der Kommission.“
„Wenn es das ist, was es zu sein scheint, dann zählt jede Sezura. Wenn wir jetzt mit politischem Geplänkel anfangen... “
„Dann suchen wir ein Kommissionsmitglied, das die Sache am wenigsten bürokratisch erledigt und Aktionen genehmigt. Kommt.“
Zielstrebig drängte er sich zwischen den Sitzreihen durch, blieb einmal kurz stehen, um Ausschau zu halten, dann rief er etwas und winkte einem Boronen zu, der sich hinter einem Paraniden in Sicherheit gebracht hatte. Vor dem Paraniden stand ein Split mit einem Dolch in seiner Hand und schrie auf das Insekt ein. Dass er sich in einer gefährlichen Situation befand, wusste er entweder nicht, oder es war ihm egal, denn die langen, knochigen Arme des Paraniden hatten schon einen Kreis um seinen Körper gebildet. Eine der gefürchteten Hebelbewegungen des Paraniden und der Split wäre verloren. Sie eilten hinzu.
„Er lässt Thr t'Snnt sofort das räudige Wesen aufschlitzen, oder er wird ebenfalls mit seinem Blut die Klinge Thr t'Snnts zieren.“
„Das Ergebnis der Summen aus den Teilfaktoren liegt unter dem ...“
„Thr t'Snnt, was ist hier los?“, rief Grenor. Er stand mit Toki nun neben dem Paraniden. Von den Teladi war nichts mehr zu sehen.
„Lar Geniges, verantwortliche Abgeordnete und Vertreter des fröhlichen Volkes...“
„Die widerliche Kreatur schweigt.“
„Präzise Kalkulationen des Vorganges deuten mit einer Wahrscheinlichkeit von siebenundachzig komma vier-drei-neun auf eine Fehlinterpretation hin, die von den imaginären Werten der Kommunikation unwürdiger Spezies nicht korrekt berücksichtigt wurde und die Faktoren verfälscht.“
„Thr t'Snnt, steck das Messer weg uns sag mir, was vorgefallen ist. Was hat der Borone getan?“
„Die Vertreterin des boronischen Volkes...“
Grenor winkte ab und schnitt dem Fischwesen das Wort ab, das ängstlich hinter dem Umhang des Paraniden hervorlugte. Der Split formte eine undefinierbare Geste, die wohl nicht als besonders freundlich zu verstehen war. Er steckte zwar nicht das Messer weg und fixierte immer noch die Lar, blieb aber äußerlich ruhig und antwortete Grenor: „Die schleimige Kreatur hat Thr t'Snnt verunreinigt und damit den Tod verdient. Nur das Blut der Vergeltung kann diese Schande wieder aufheben. Gherakt!“
Er formte wieder eine Geste.
„Lar Geniges, fröhliche Abgesandte und quirlige …“
Wieder unterbrach eine Handbewegung Grenors die Lar. Jedes Wort konnte den Split endgültig zum ausrasten bringen. Womit das enden würde, war absehbar.
„Würdiges Wesen von Paranid Prime, würde es uns mit seiner allwissenden Erleuchtung beglücken“, fragte Grenor, ohne dem Paraniden ins Gesicht zu sehen. Toki musste grinsen. Grenor kannte offensichtlich nicht den Namen des Käfers, hatte aber seine Bitte gut formuliert. Der Paranide schwenkte ein Auge auf Grenor, behielt eines auf den Split gerichtet und eines in Richtung Decke, um den niederen Wesen seine Verachtung zu zeigen. Dann zog er seine Gliedmaßen an sich, die er noch immer um den Split herum gerichtet hatte und streckte sie verdreht nach oben.
„Vernehmt, ihr bedeutungslosen Vertreter unwürdiger Spezies, was Lordkapitän Thretmancktr, Individuum der heiligen Dreidimensionalität, den niederen Wesen zu sagen hat. Extrapolierende Funktionsberechnungen haben ergeben, dass das unfähig kämpfende Wesen der Split vorhersehbare Parameter ignoriert hat, was zu einer physikalischen Subtraktion der geometrischen Ebenen geführt hat. Durch falsche Berechnung der Faktoren und mangelndes Wissen des schwimmenden und physisch unterlegenen Wesens auf negativen Koordinaten in den gegenwärtigen Dimensionen, führte die Überlagerung zu Inkompatibilitäten. Um die Auslöschung der gegensätzlichen Koeffizienten zu verhindern, hat der würdige Untertan des gepriesenen Maximus Paranidia eine Trennung erschaffen.“
Toki konnte förmlich sehen, wie es in Grenors Gehirn arbeitete. Er selbst hatte kein Wort aus der Schilderung des Insekts verstanden. War es überhaupt eine Schilderung gewesen? Für ihn klang es wie eine willkürliche Aneinanderreihung von Ehrenbezeichnungen, Beschimpfungen und übertriebenen Floskeln.
„Die hilfsbereit und fröhliche Lar Geniges wollte und war im Begriff, dem wütenden und mit Waffen versehenenen Wuschelsplit zur schnellen Hilfe zu eilen, um Schaden…“, piepste es hinter dem Paraniden hervor.
„Die Lar wollte Thr t'Snnt auf die Beine helfen?“, fragte Grenor.
„Die stinkende Kreatur hat Thr t'Snnt verunreinigt. Es wird sterben.“
„Es hat ihn doch nicht wirklich berührt. Es war der Umweltanzug zwischen Thr t'Snnt und der Lar. Somit ist er nicht verunreinigt. Er hat Wichtigeres zu tun. Die ‚Beschützer‘ brauchen seine Hilfe bei einer Vergeltungsaktion. Ruhm und Ehre winken dem, der diese Gesellschaft und ihre Ziele verteidigt.“
Der Split knurrte etwas, fixierte nochmals die Gestalt hinter dem Paraniden, steckte aber dann tatsächlich den Dolch weg.
„Thr t'Snnt steht bereit, das Blut seiner Feinde zu vergießen.“
„Seine Truppe soll sich bereithalten. Informationen wird er noch bekommen. Er wird seinen Mut besser unter Beweis stellen können und mehr Ehre erlangen, als beim Kampf mit einer Boronenkreatur.“
„Die schleimige Kreatur ist nicht wert, dass es die Klinge eines Split berührt. Thr t'Snnt hält sich bereit.“
Mit diesen Worten drehte er um und stolzierte davon. Grenor wandte sich an den Paraniden, der immer noch in regungsloser Pose vor ihnen stand und sie demonstrativ ignorierte.
„Lordkapitän Thretmancktr, wir danken seiner Exzellenz für die weise Voraussicht seiner Tat und der wertvollen Informationen seiner Ausführungen.“
„Als geheiligte Spezies ist es unsere Aufgabe, die Unwürdigen zu belehren und zu beschützen.“
Mit einer theatralischen Drehung hüllte er sich in seinen Umhang und schritt so übertreiben pompös von dannen, dass Toki fast laut aufgelacht hätte. Grenor atmete sichtlich auf, als er sich umsah und den Split nicht mehr sehen konnte. Die Lar kam schnell zu ihnen hergelaufen und begann mit zitternden Wimmlern zu piepsen: „Die haarigen und lustigen Argonen haben ein großes Unglück, gewaltsame Auseinandersetzungen und fürchterliches Chaos verhindert und unterbunden. Als Lar, Vertreter des fröhlichen und friedlichen Volkes der Boronen und Abgeordnete der kundgebenden Kommission der Gemeinschaft, bin ich zu großem, unbeschreiblichem Dank verpflichtet. Der furchtbar aggressive und gefährliche Split wollte mein Leben gefährden und eine moralisch verwerfliches Gewalttat begehen, dabei wollte ich nur helfend beistehen und dem schlecht gelaunten Volk der Split die selbe Aufmerksamkeit und Hilfsbereitschaft geben und zur Verfügung stellen, die auch jedem anderen Lebewesen und Individuum einer Spezies gebührt hätte.“
Bevor die aufgeregte Lar seinen Wortschwall fortsetzen konnte, fiel Grenor ins Wort.
„Das ist zu viel Ehre, Lar Geniges. Gerettet hat euch ja der Paranide Thretmancktr, der sich zwischen euch und den Split gestellt hat. Aber ihr solltet doch wissen, dass man einem Split nicht so einfach die Hand gibt. Oder die Tentakel. Aber wir sind nicht zufällig hier. Lar Geniges, wir brauchen eure Hilfe.“
„Mit dem größten Vergnügen und vollem Einsatz werde ich den haarigen und knuddeligen Argonen beiseite stehen, die mich vor den gefährlichen Waffen des wütenden Split gerettet haben“, quasselte die Lar weiter, wieder ganz normal, aufgeregt wie immer.
Grenor und Toki erklärten ihr den Sachverhalt, eigentlich ein Vorgang von wenigen Mizuras. Durch die Fragen und den schier unendlichen Wortschatz der Lar dauerte es deutlich länger. Aber es war auch so in Ordnung, denn kaum waren sie mit den Ausführungen fertig, ertönte eine melodische und eigenartig brummende Tonfolge aus der Richtung der Rednerbühne. Sie sahen hinüber und erhaschten noch einen Blick auf den urkomischen Abgang des Paraniden, der im bunten Scheinwerferlicht und fast schon tosendem Tonwirbel graziös seinen Posten verließ. Das erste Mal, seitdem Toki in die Halle gekommen war, hatte der Vortragende die Aufmerksamkeit des gesamten Publikums. Grenor wollte sich wieder an die Lar wenden, aber die war schon auf dem Weg zum Rednerpult.


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kammerjäger





Joined: 26 May 2013
Posts: 50 on topic

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PostPosted: Wed, 12. Feb 14, 22:50    Post subject: Reply with quote Print

13

Lautlos und fast schon elegant glitt das kleine Transportschiff durch den finsteren und kalten Raum, umschiffte ein Objekt nach dem anderen in lang gezogenen Bögen. Die unförmigen Körper der Asteroiden um das Schiff herum trugen nicht dazu bei, die unwirtliche Atmosphäre etwas aufzulockern. Alles war kahl und leer, staubig und tot.
Kleinste Staubkörnchen und Sandkörner, Überbleibsel gewaltiger Kollisionen größerer und kleinerer Asteroiden, trafen gelegentlich auf die Oberfläche des Schutzschildes und verglühten in kleinen Blitzen. Auch wenn der Schild nur auf Minimalleistung arbeitete, notwendig war er hier doch. Selten, aber doch gelegentlich kam es vor, dass kleinere Brocken, faustgroß oder sogar noch etwas größer, in ihrem Weg herumtrudelten. Diese Objekte waren in dem Gewirr aus größeren Gesteinsbrocken nicht auszumachen und doch ging eine nicht unerhebliche Gefahr von ihnen aus. Kratzer, Dellen und sogar Löcher konnten diese Steine in die Hülle eines Schiffes reißen. Die Aufprallgeschwindigkeit war oftmals so hoch, dass sogar das extrem widerstandsfähige Material der Außenverkleidung den Belastungen Tribut zollen musste.
Diese Beschädigungen zu beseitigen war notwendig, keine seriöse Hangarkontrolle würde ein derart beschädigtes Schiff wieder starten lassen. Und solche Reparaturen kosteten. Credits für die Reparatur selbst und vor allem Zeit. Zeit, in der man Credits verdienen konnte. Die geringen Kosten für die Schildenergie waren im Vergleich dazu kaum relevant. Wenn man Zeit hatte, umschiffte man trotzdem das Asteroidenfeld. Zwielichtige Gestalten trieben sich hier herum, hieß es. Wegelagerer, Piraten, die in geheimen Verstecken in den unzähligen Asteroiden auf Beute warteten. Von Fehlfunktionen der Schiffskontrollen war berichtet worden, manche Schiffe waren nie mehr aufgetaucht. Natürlich waren das nur Gerüchte. Märchen, die sich gewiefte Kaufechsen ausgedacht hatten, um ihre ängstlicheren Konkurrenten zu einem Umweg zu verleiten.
Torassimodes Yedarkus Kekalisos II. war keiner von ihnen. Er hatte in den 126 Jazuras seines Kaufechsenlebens schon viele Tricks gesehen. Manchmal war er selbst reingelegt worden, besonders am Anfang, aber jetzt war er es, der die Tricks beherrschte, der sofort erkannte, wenn ihn jemand über den Tisch ziehen wollte. Nicht umsonst saß er im Aufsichtsrat der NMMC NG Company, hatte es bis zum Abteilungsleiter der strategischen Infrastruktur gebracht. Nein, diese Geschichten waren Gerüchte und Zeit hatte er ohnehin nicht.
Genüsslich zog er an seiner Zigarre, die als kleine Beigabe eine Prise Raumkraut enthielt. Er mochte die entspannende Wirkung des Krauts, und da außer ihm und seinem treuen Piloten niemand sonst an Bord der schmucken ‚Klang des Nividium‘ war, konnte er sich ohne störende Gedanken diesem Genuss hingeben. Langsam ließ er den Rauch aus seiner Schnauze entweichen, nicht ausstoßend, nur genussvoll ausströmen. Mit einem zufriedenen Zischeln rieb er seinen Rücken an der angenehm harten Wand, an der er lehnte. Seine Schuppen scharrten leise an dem Material und ließen ein wohliges Gefühl durch seinen Körper strömen. Doch dann fiel sein Blick wieder auf den Tisch vor ihm und die Ruhe fiel jäh von ihm ab. Diese Angriffe waren lästiger als die Schuppenpest. Vier Überfälle in einer Wozura. Der Aktuellste, über den er einen vorläufigen Bericht des Filialmanagers vor sich liegen hatte, war besonders bedenklich. Seit sie von der Konzernzentrale aufgebrochen waren, bereitete es ihm nervöses Krallenzucken.
Heftig zog er an der Zigarre, doch diesmal brachte der Rauch keine Wirkung mit sich. Wieder eine überfallene Fabrik. Diesmal eine Produktionsstätte im All. Die letzten drei waren auf festem Boden gewesen. Jedes Mal waren die Angreifer anders vorgegangen, hatten lokale Lücken im Sicherheitssystem ausgenutzt. Bislang war kein Muster zu erkennen, nur die schnelle und effiziente Art der Attacken deckte sich. Und der Umstand, dass kaum etwas beschädigt worden war, jedes Mal war nur das gesamte Warenlager ausgeräumt worden. Also konnte man die Splitgruppierungen ausschließen. Oder auch nicht? Wer wusste das schon.
Wenn sich sein Verdacht bestätigte und er tatsächlich aufdecken konnte, wer hinter diesen verlustreichen Taten steckte, winkte ihm eine beachtliche Summe an Credits. Eine Verdopplung des Grundgehaltes und eine saftige Bonuszahlung waren für Hinweise ausgelobt worden, die zur Ergreifung der Täter führten. Denn dass es mehr als nur eine Person waren, darüber waren sich inzwischen alle einig. Was im Übrigen das Einzige war, was sie wirklich wussten. Diese Stümper, die sich Patrouillenpolizei nannten. Der CEO hatte den Vorsitzenden der TEC-14, der teladianischen Sicherheitsbehörde, persönlich die Anweisung gegeben, die besten Spezialisten auf diesen Fall anzusetzen. Und wenn der CEO der NMMC NG Company das befahl, wurde es auch umgesetzt, ganz egal, welcher Behörde oder welchem Unternehmen die Anweisung galt. Doch mehr als ein paar halbgare Berichte und Mutmaßungen hatten sie nicht erhalten.
Dass jetzt er, Torassimodes, dafür ausgewählt worden war, sich am Ort des Geschehens darum zu kümmern, dass mit allen verfügbaren Kräften an der Aufklärung gearbeitet wurde, war eine große Chance. Und gleichzeitig eine riesige Gefahr. Wenn er jetzt mit leeren Händen in die Zentrale zurückkehren sollte, würde sich der gesamte, aufgestaute Zorn des CEO auf ihm entladen. Das wäre es dann gewesen mit dem verdoppelten Gehalt. Von den wundervollen Credits der Bonuszahlung ganz zu schweigen. Deshalb widmete er sich nun wieder intensiv dem Bericht.
Aus dem Cockpit erklang ein gezischter Fluch in einem undeutlichen, teladianischen Unterdialekt. Sein Pilot war nicht hier in der Gegend geschlüpft und das hörte man deutlich. Torassimodes hatte eine elitäre Schule am PTNI Hauptquartier besucht und fragte dementsprechend in perfektem Neoteladianisch: „Gibt es Probleme, Heradinas?“
„Nein. Aber irgendeine Anomalie stört die Kommunikationskanäle. Ich habe den Kontakt zur Basisstation verloren. - Jetzt spinnt auch noch das Gravidar. Tsssh.“
Torassimodes fluchte ebenfalls. Die Geschichten über die angeblichen Vorfälle hier schossen ihm durch den Kopf, aber er ermahnte sich zu Vernunft. ‚Mit Emotionen werden keine Credits verdient, nur mit scharfen Kalkulationen‘. Sein Lebensmotto, das ihn seit vielen Jazuras begleitete und ihn noch nie in die Irre geführt hatte.
„Das Gravidar funktioniert wieder“, vermeldete der Pilot eine halbe Mizura später.
„Müssen wir umkehren?“
„Nein. Wahrscheinlich nur eine Interferenz. Die Kommunikation wird auch bald wiederhergestellt sein.“
„Sieh zu, dass wir hier rauskommen. Halte mich auch dem Laufenden.“
Der Pilot bestätigte und da er in den nächsten zwei Mizuras nichts mehr von sich hören ließ, vertiefte sich Torassimodes wieder in den Bericht.
Allem Anschein nach hatten die Angreifer zuerst mithilfe einer kleineren Sprengung das Sicherheitspersonal zu einer abgelegenen Sektion der Raumstation gelockt, diese Sektion dann isoliert und die Hauptenergieversorgung unterbrochen. Die genaue Vorgehensweise war noch unklar, aber sicher war, dass sie sich lokaler Schwachstellen bedient hatten. Die Energieversorgung dieser Station war alt und sollte eigentlich schon längst ausgetaucht werden, aber so lange sie noch funktionierte, wurde natürlich kein Geld dafür bereitgestellt. Die bekannten Schwachstellen der veralteten Technik waren von den Angreifern bereitwillig ausgenutzt worden. Die Anlage wieder in Betrieb zu setzten, hatte Stazuras gedauert. Mehr als genügend Zeit, um das gesamte Lager auszuräumen. Wie sie wieder …
„Aaaarrgh!“
Der gellende Schrei des Piloten ließ ihn herumfahren, dabei stieß er sich sein Bein am Tisch an.
„Eiersalat. Schleimiger Schuppenpilz. - Heradinas?“, schrie er, während er nach vorne humpelte. Doch der Pilot antwortete nicht.
„Heradinas, was ist los?“
Er gelangte in den Durchbruch, der vom geräumigen Passagierraum ins kleine Cockpit führte. Nochmals schrie er den Namen, doch er erhielt keine Antwort. Nicht einmal einen Blick würdigte der Pilot Torassimodes. Er sprang nach vorne und versuchte den Teladi herumzureißen. Keine Chance. Die Sicherungseinrichtungen hielten Heradinas fest im Sitz, der sich kein Stück bewegte. Seine Arme steckten in den Steuerungschäften, das Schiff glitt mit einer konstanten Bewegung an einem Asteroiden vorbei.
Erst jetzt registrierte Torassimodes die Anzeigen vor ihm, die in hektischer Abfolge blinkten. Er selbst kannte sich mit Schiffskontrollen nicht aus, aber das sah bedrohlich aus. Dann sah er die Bestätigung durch die Cockpitscheibe selbst. Ein glühender Punkt weit entfernt wurde sichtbar, vergrößerte sich rasch, ein zweiter begleitete ihn. Raketen. Mit einem Ächzen zwang er sich, nicht ebenfalls in Schockstarre zu verfallen und hämmerte hilflos an den Kontrollen herum. Keine Chance. Die erste Rakete sauste links an Cockpit vorbei, dann wurde Torassimodes wie von einer unsichtbaren Hand in die Ecke geschleudert. Die Kontrollen gaben beängstigende Geräusche von sich, er konnte sich nicht bewegen. Dann die zweite Erschütterung. Es wurde dunkel, das grünliche Licht der Notbeleuchtung erhellte das Cockpit notdürftig. Er merkte, wie sein Körper leicht wurde, zu schweben begann. Bewegen konnte er sich nicht, er trieb sanft gegen eine Kante und schlug sich den Kopf an. Plötzlich hörte er das schlimmste Geräusch, das er je in seinem Leben vernommen hatte. Ein metallisches ‚Klong‘, das ihm durch Mark und Bein ging. Als Schlupfling hatte er gerne den Erzählungen von alten Marines des teladianischen Militärs gelauscht. Heute bereute er es. Denn er wusste ganz genau, was jetzt kommen würde. Sie wurden geentert.


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Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

Albert Einstein
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There are only 10 types of people in the world: Those who understand binary and those who don't.
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