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[Story] No Worries - ein Tukan auf Abwegen. (Teile 1-28)

Posted: Wed, 5. Mar 08, 23:56
by jorganos
Die Story läuft jetzt schon eine Zeit lang, deshalb habe ich die ersten Kapitel mal als pdf bereitgestellt:


Kapitel 1: Ein Tukan auf Abwegen (Episoden 1-6)

Kapitel 2: An Bord der Hard Place (Episoden 7-13)

Kapitel 3: Bruder Tulls, Martyrium (Episoden 14-20)


Ansonsten geht's hier weiter mit der Story im ursprünglichen Format:

*****

Teil 1


"Ssskipper, die Luftfilter machen dasss nicht mehr lange mit!"

Panik lag in der Stimme Trasulias', des Umwelttechnikers der ITP815, vulgär auch als "No Worries" bekannt. Wahrscheinlich milderte die dicke Luft an Bord des Tukan Transporters die Oberwellen noch. Die Sichtweite jedenfalls war auf zweieinhalb Sitzreihen gesunken.

Dabei hatte das ganze so vielversprechend geklungen. "Neue Lebensform entdeckt"... "Cheltähnlich"... Und irgendsoein Teladi-Magnat hatte sich eingebildet, das Rastarmonopol der Split für die Schiffswerftenbelieferung brechen zu wollen.

Aldun Selek, Skipper der "No Worries", unterdrückte erst den vierten oder fünften Fluch. Und das auch nur, weil er den Komm-Kanal zu dem Aufrüstungsdock in Ceos Buckzoid abermals geöffnet hatte, um eine vorrangige Andockerlaubnis zu kriegen.

Keine Chance. Etwa drei Dutzend Lieferanten oder Taxidienste umschwirrten die Station. Die meisten mit Termingeschäften. Die Luxuslebensmittel für die Triskele-Siegesfeier wurden wohl schon wieder in Firmenstolz ausgeschrieben. Die brandneuen Holos waren wahrscheinlich schon als Magazinbeilage erhältlich. Ein oder zwei Maklertypen versuchten sogar, über Wartungsschleusen in die Station zu kommen, um ihre Termingeschäfte doch noch selbst daumenstempeln zu können. Die Teladianiumplatten waren zwar schon in Sichtweite der Station, die Rechnungsprüfer aber auch. Die Artefakte des Alten Volks dürften mittlerweile nur noch ihren Materialwert haben. Vereinzelte Xenontrümmer zeugten davon, dass mindestens eins der wartenden Schiffe Xenontechnologie mit sich führte. Einer der Teladipiloten (mit einer Routinelieferung Moskitos - der hatte gut Lachen) nahm mittlerweile Wetten an, wer denn zuerst andocken dürfte.

Schuld war diese dämliche Musicaltournee. Ausser Lieferanten und Taxidiensten wimmelte es von Zivilschiffen mit sogenannten Fans. Dabei trat hier im Teladiraum sowieso nur die Zweitbesetzung auf.

Die Versteigerung für die wenigen Andockklammern war in vollem Gang. Ehrliche Frachtpiloten waren schon längst aus dem Rennen. Allerdings wären die Stationsbetreiber nicht Teladi gewesen, wenn sie nicht auch das Kapital dieser unterprivilegierten ergeiern wollten - wie der neueste Rundruf der Anflugkontrolle bewies.

"Sssehr verehrte Piloten, Sssie ssehen ja sselbsst, dassss unssere Ssstation zssur Zsseit ein wenig überlaufen issst. Aber verzssweifeln ssie nicht - esss gibt Hoffnung. Kaufen Sssie ein Losss unsserer Andocklotterie! Nur 2500 Creditsss!"

Selek hasste die Politik seit der ersten Khaakinvasion, die die Stationen umgebaut hatte, von ganzem Herzen. Hunderte von Piloten waren von heute auf morgen gefeuert worden, Familienbetriebe, die ihre Fuhrgeschäfte mit der Verwandtschaft weiter bestreiten wollten, konnten mit der neuen, verschlankten Wirtschaft nicht mithalten. Nicht einmal Tycoons wie Julian Gardna-Brennan, der durch den Sozialplan für seine Mitarbeiter praktisch das gesamte Geschäft verloren hatte.

Der Gestank aus dem Passagierbereich verdickte sich weiter. Wer hätte auch ahnen können, dass die verdammten Viecher ein Sekret ausschwitzten, das auf ihrer Heimatwelt nur von speziellen Putzerkorallen abgebaut werden konnte? Die Luftfilter konnten einige Bestandteile des Sekrets zwar festhalten, unglücklicherweise aber eher die wohlriechenderen.

Hwitnoarmanckimpeir, die paranidische Schiffsstewardess, kämpfte in der Kombüse mit dem Belag auf einem der Austauschfilter. Ausser einer gründlichen Kontamination der Kombüse hatte sie bisher wenig erreicht. Fea 'Rrtg, der Bordmechaniker, rupfte einen Schlauch nach dem anderen hinter den Verkleidungen im Passagierraum hervor. Teta Nu, der Schiffsarzt, war trotz seines Umweltanzugs vielleicht am schlimmsten von allen dran - das klebrige Zeug diente anscheinend den Botensymbionten der boronischen Geschlechtsdrüsen als Nährboden, und nun konnte Nu nur noch sehr eingleisig denken. In Ermangelung weiblicher Boronen war so bald nicht mehr mit ihm zu rechnen.

Tia Silsarna, Sicherheitsoffizierin mit einer so farbigen Vergangenheit wie ihre Tätowierungen, hatte die vielleicht undankbarste Aufgabe - sie mußte die drei "Cockpitpassagiere" in Schach halten. Mit der Folge, dass sämtliches Raumkraut aus der Schiffsapotheke verbraucht war. Zum Glück hatte es bei einem Transport von militärischen Handfeuerwaffen kürzlich bei der Beladung einen Fehler zugunsten der "No Worries" gegeben...

So richtig mies war die Luft erst geworden, als das Sekret die Dichtungen des Kunstdüngercontainers durchdrungen hatte und sich in leichtere Bestandteile umgewandelt hatte. Aldun hatte keine Ahnung, wie sich die Kombination auf das Pflanzenwachstum der Zielstation auswirken würde. Er hatte sich aber schon fest vorgenommen, dort in den nächsten Mazuras nicht wieder anzudocken.

An der Station gab es Bewegung. Der Stationseigner hatte angefangen, Schiffe bei Erreichen der Parkhöchstdauer zu versteigern, und so dockten dann doch einige Privatfahrzeuge ab.

Immerhin, bei den nachrückenden Schiffen waren ausser Zivilschiffen mit neuen Fans, die ebenfalls bis zur letzten Mizura an Bord bleiben würden, auch zwei Maklertaxis und der Gewinner der ersten Andocklotterie (nach Verkauf von nur 88 Losen) dabei. Typischerweise der Moskitotransport.

Ein Stoss durchfuhr die "No Worries". Einer der Zivilpiloten - ein Split - hatte eine Hurrican-Rakete auf den derzeit Höchstbietenden der Versteigerung abgeschossen. Schuld war wahrscheinlich der kurze Ausschnitt aus dem Musical, der anstelle der normalen Nostropwerbung in die Ansagepausen eingeblendet worden war. "Lieber tot als Split"...

Und da sag nochmal einer, dass Split nicht hilfsbereit wären. Überlebende in dem Oktopus waren jedenfalls nicht sehr wahrscheinlich. Auch nicht in einer Handvoll anderer Schiffe - auch zwei Rennmaschinen hatte es zerlegt. Hauptsächlich trieben jetzt aber nichtig gewordene Vertragsunterlagen auf Nividium-verstärkten Teladianiumtafeln durch den Raum.

Ein wenig schuldbewusst machte der Skipper die Vorbereitungen zum Aussetzen der SQUASH-Mine rückgängig. Glück gehabt - wenn die Hurrican neben dem Teil hochgegangen wäre, hätten hier vielleicht noch drei Schiffe überlebt.

Allerdings hatte es etwas Wasser aus dem Transportbehälter für die Lebendfracht rausgeschwappt, das jetzt entlang der rausgerissenen Luftschläuche auf den Bordcomputer zulief.

"Durchsage an alle, hier spricht der Skipper!"

Immerhin drei der Besatzungsmitglieder schenkten Seleks Stimme ein wenig Aufmerksamkeit.

"Unser Kontrakt sagt, dass wir bis ans Dock liefern sollen. Also: schmeißt diese Kloake von einem Planschbecken auf eine Schwebepalette und macht euch bereit für einen Alarmstart. Wenn die auf der Station erstmal riechen, was wir hier mitgebracht haben, kriegen wir das sofort wieder aufgeladen!"

Tia sorgte mit drei kurzen Schlägen mit dem Pistolenknauf dafür, dass keiner der Passagiere in die Quere kam, dann half sie Trasulias und Hwitnoarmanckimpeir beim Verfrachten der Palette. Als Selek das Schiff in die Andockklammer bugsiert hatte, initiierte sie die Frachtschleuse im Kampfmodus. Dünne Schwaden klarer Stationsluft drangen in den Passagierraum ein. Tia stieg im Schutz der dickeren Schwaden, die ihrerseits die "No Worries" verliessen, mit gezogenen und entsicherten Pistolen in die Schleuse ein. Auf ihr Zeichen fuhr Trasulias die Schwebepalette nach oben, um dort die Zuleitungen der Lebenserhaltung auf die Stationssysteme umzustellen.

Der Dockmeister, ein korpulentes Teladiweibchen mittleren Alters, inspizierte gerade die Luxusnahrungsmittel des Nebenschiffs. Genaugenommen verhandelte sie ihren Prozentsatz. Ihr Gehilfe wandte sich der "No Worries" zu und stieg in die Luftschleuse, die zur Frachtschleuse führte, als ihm ein kleines argonisches Mädchen unter den weit ausladenden Ärmeln seines Gewands durchhuschte. Erleichtert senkte Tia die Pistolen.

"Ok, Tra. Autopilot der Palette auf 15 Meter, Maximalgeschwindigkeit, Verzögerung 0,2 Mizuras."

"Autopilot aktiviert ab --- jetzt!"

Teladi und Argonin sprangen durch die sich schliessende schiffseitige Schleusentür. Die gegenüberliegende Schleusentür zur Wandelhalle des Docks öffnete sich.

Morbide fasziniert verfolgte Hwitnoarmanckimpeir durch die Sichtscheibe, wie sich das Sekret im Fahrtwind ausbreitete und wie ein bösartiger Tentakel auf das Luxusfutter zudriftete, das momentan in der geöffneten Frachtkiste inspiziert wurde. Dann gab sie Selek das Zeichen für den Alarmstart.

Mit geöffneter Frachtluke legte die "No Worries" ab. Die Passagiere wurden von den automatischen Schutzhüllen der Sitze eingeschlossen und schlummerten selig weiter. Tia, Trasulias und Hwitnoarmanckimpeir schlossen die Helmvisiere ihrer Raumanzüge, während die Gasmischung aus der Luke austrat. Als Selek die Boosterweiterung anwarf, entzündeten die Booster das Gasgemisch. Die Stichflamme wurde von der zuklappenden Frachtluke gerade eben noch aufgehalten. In einem Feuerball driftete der Tukan von der Station weg.

"... sie gefährden ihren Profit" tönte die Durchsage der Verkehrskontrolle. "Du mich auch", grummelte Selek, während er den Sprung einleitete.

"...Neunzig Prozent. Initiiere Sprungantrieb." Ein blauer Wirbel. Dann Schwärze.

Posted: Thu, 6. Mar 08, 11:08
by jadmanthrat
:D super :!:

erinnert mich ein bisschen an ray bangs, aber etwas abgemildert und mit absicht ;) :lol:

MEHR!!

Posted: Thu, 6. Mar 08, 11:17
by Andymann
ein paranide als stewardess. :lol:

geschichte kommt wirklich gut rüber. vorallem wenn du das teladizischeln im weiteren verlauf durchhälst. :D

Posted: Thu, 6. Mar 08, 12:24
by Highlanderhgn732
Die Story ist gut - weiter so. Bin schon gespannt auf weitere "no worries". :D

Posted: Thu, 6. Mar 08, 15:12
by jorganos
Na gut, denn mal:

Teil 2


"Sie erreichen den Sektor Alarm, Rakete im Anflug Schilde niedrig Sie haben an Ansehen gewonnen"

Mit negativer Beschleunigung und maximalem Seitenruder fuhr Selek die Worries zurück in die Singularität. Seine Infrarotmaus kratzte wie wild über den Schonbezug des Kommandopults. Was zum Henker machte eine P-Patrouille in Herzenslicht?

Trümmer des zerschellten M mischten sich unter den Rest der austretenden Gase aus dem Passagierraum. Der argonische Zöllner, der zur Bekämpfung der Xenon herbeigeflogen war, rief das Verkehrsvergehensprotokoll auf und gab hastig einen Strafzettel wegen unerlaubtem Einfärben der Antriebsgase ein, als die "No Worries" quer durch den Ereignishorizont stürzte. Zum Glück für Selek und seine Crew unter der Schiffsnummer des M. Als der Zöllner die Unstimmigkeit zwischen Schiffstyp und Kennung bemerkte, standen die Transpondersignale des Tukans nicht mehr zur Verfügung. Seufzend brach er die Anzeige ab und steuerte auf einen boronischen Frischwarenhändler zu, um diesem posthum einen guten Weiterflug zu wünschen, als der P mit der Zerlegung dessen Schiffs fertig war.

Auf der anderen Seite der Singularität wurde die No Worries mit atemberaubenden 13 m/s nach Aladna's Hügel ausgespuckt. Der Skipper kickte den Boost bis zum Anschlag durch. Verschüttetes Aquarienwasser spritzte auf das Mausinterface, und der Pfeil auf dem HUD verharrte regungslos auf der Stelle.

"Nicht gut", krächzte Selek. "Gar nicht gut..."

Er meinte den momentanen Kurs, der frontal auf einen paranidischen Superfrachter zulief.

Unterdessen lieferten sich Tia Silsarna und Fea 'Rrtg ein Rennen zur Kontrolle der Geschützkanzel. In der bordinternen Statistik lag der Split 10 Punkte vor der Sicherheitsoffizierin, und er war nicht bereit, diesen Vorsprung durch einen LX-Abschuss von Tia zu verlieren. Entschlossen zog der Mechaniker an einem der lose herumhängenden Schläuche und brachte die Argonin zu Fall. Die aktivierte ihrerseits die wackelige Subraumkomprimierung der Sitzreihen 7 bis 12, so dass der Split mit einem Mal doppelt so weit zu laufen hatte. Dieses Maneuver ermöglichte Tia, vor dem Mechaniker am Kontrollsessel anzukommen. Sonderlich viel half ihr das allerdings nicht, weil sich dort Teta Nu einquartiert hatte. Von der HUD-Kuppel spiegelte sich das interaktive Holodrama "Nymphen und Quappen", und zwar eine Endlosschleife der Fönszene mit Dubi Du, unangefochtenes Spitzenstarlet boronischer B-Holos. Die Kopftentakeln des Schiffsarztes bewegten sich synchron zu denen der Hauptdarstellerin.
.
In der Pilotenkanzel kämpfte Aldun Selek mit den Schiffsmenus. Die Maussteuerung funktionierte weder unter der Kommandosoftware noch unter dem Betriebssystem (Gates Vesta, Security Pack 4.1.378a), und der Autopilot flog innerhalb des Torgebiets sowieso nur geradeaus, also genau ins Verderben. Also mit dem Seitenruder den Flugvektor verschieben, bis der Paranide (der anscheinend gerade die Geschützkanzel bediente) knapp vermieden werden konnte.

Noch so eine dieser Neuerungen. Wo waren die alten Hotkeys geblieben? Mit Mühe und Not konnte Aldun die Kollision mit dem Paraniden auf etwas Schildverlust reduzieren. Nicht dass noch allzuviel Energie seit dem Zusammenstoss mit dem Xenonjäger draufgewesen wäre...

Schuld waren die Anwälte. Das Patent für interne Dockanlagen und Andockvorrichtungen hatte die Raumfahrt im Einflussgebiet der Profitgilde komplett umgekrempelt. Die Grundpatente für Schiffe der M2 und M6-Klassen und das für Andockvorrichtungen schlossen einander aus, und über ein Knebelprotokoll mit der zertifizierten Navigations- und Andocksoftware wurde ein M5, der in die (immer noch mit ausgelieferte) Landebucht eines Zentaurs oder Adlers flog von der Landeklappe zermalmt. Die Schnellstartschächte der M2 unterliefen gleich mehrere Patente, und die Träger der M1 und TL-Klassen konnten von Glück reden, dass wenigstens noch Kampfschiffe andocken durften, ohne dass deren Selbstzerstörung initiiert wurde. Gerüchten zufolge hatten Staranwälte neue Sonderkonditionen für den Imperator Maximus Paranidia heraushandeln können, obwohl der Plagiatprozess gegen die Bala Gi Forschungsinstitute immer noch anhängig war.

Aldun bündelte den gesamten Hass, den diese Überlegungen mit sich brachten, und manövrierte die "No Worries" mit Hilfe der Korrekturdüsen in Richtung des Sonnenkraftwerks. Das patentierte Interface reagierte auf Handkantenschläge und starken Druck - eine Innovation der Split. Den verfolgenden LX und Ls (die nach dem Verschwinden des paranidischen Superfrachters Kurs auf die "No Worries" aufgenommen hatten) hinterließ er die SQUASH-Mine, die er schon für den Andocksektor in Ceos Buckzoid vorbereitet hatte. (Erst nachträglich fiel ihm ein, dass die im argonischen Raum ja illegal waren - also zwei Fliegen mit einer Klappe, wenn auch einer 4000 Credits teuren Klappe geschlagen.)

An der Heckkanzelkontrolle war es Tia und Fea 'Rrtg mit vereinten Kräften gelungen, den boronischen Schiffsarzt aus seiner Dauerschleife und dem Schützensitz herauszureissen. In Anbetracht der anfliegenden Hornissen hatten die beiden das Statistikprotokoll zeitweilig deaktiviert, und Tia ballerte so gut sie konnte auf die Raketen. Die ständigen abrupten Kurswechsel des Skippers irritierten sie dabei fast genauso, wie die Geschosse und die Xenonpiloten verwirrten. Eingerahmt in giftig-grüne Hochenergieplasmastöße und gefolgt von ein paar weniger zielsicheren Hornissen erreichte die "No Worries" den Andockradius, als der Führungs-LX die SQUASH-Mine auslös(ch)te.

"Willkommen beim Infoboard. Wie können wir Ihnen helfen?"

Selek starrte fassungslos auf das mütterliche Gesicht, das die Gravidaranzeige überblendet hätte, wenn der Tukan noch das altertümliche Cockpit gehabt hätte. "Ich, äh, ich hatte den Landecomputer aktiviert."

"Ach so. Die Automatische Anflugkontrolle ist momentan in der Wartung - neue Updates wegen des Zetervirus - und ich habe hier zur Zeit die Funkzentrale. Nennen Sie bitte Kennung, Name des Piloten, deklarierte Fracht und Zweck Ihres Besuchs!"

"Ich stehe hier unter Beschuss!"

"In diesem Fall ein Service unseres Sponsors:"

(eine süssliche Frauenstimme) "Haben Sie schon einmal über den Abschluss einer Bergungsversicherung nachgedacht? Dann klicken Sie jetzt bitte die 1. Für eine Haftpflichtversicherung bei von Ihnen verschuldeten Kampfhandlungen an der Station, klicken Sie bitte die 2. Wenn Sie mit einem unserer Serviceberater einen Termin vereinbaren wollen, klicken Sie bitte die 3."

Selek warf mit einem vakuumtauglichen Kaffebecher nach dem HUD, als er feststellen musste, dass die Maussteuerung auch keinen Klick auf "0 : Weiter" zuliess. Glücklicherweise war das HUD auch Split-tauglich, so dass kein weiterer Schaden entstand.

Das Geseiere der süsslichen Stimme verklang, und die mütterliche Problemtante war wieder dran.

"Ihre Kennung, bitte?"

"IPT815"

"Name des Piloten?"

Die Andockklammern waren noch 20 Meter entfernt. Um den Tukan herum hämmerte Hochenergieplasma auf die Schilde und verrauschte die Funkverbindung.

"Aldun Selek."

"Deklarierte Fracht?"

"Transit."

"Zweck des Besuchs?"

Selek hantierte wild an den Steuerdüsen, um die Andockklammern zwischen sich und den Xenon zu halten.

"Ankauf."

"Bitte begeben Sie sich zur Landeklammer 3. Sobald Sie grüne Lichter"

Erleichtert kappte Selek die Verbindung. Noch ein kurzer Vertikalschub - die letzte Schildenergie federte die Kollision ab. Gleich geschafft...

"Warnung, Rakete im Anflug. Unbekanntes Objekt."

Posted: Thu, 6. Mar 08, 21:30
by Shark_HH
Was eine geniale Storry.... mitten im X Universum
und dennoch aus einer komplett anderen Sichtweise :)

Wobei... wie vertragen sich Split und Borone an bord von einem
Schiff? Wenn man den Eimer noch so nenen kann :D

Nur weiter... sehr lesenswert :)

Posted: Sat, 8. Mar 08, 17:08
by Ban
Ich schließe mich an, nur weiter so.
Die Story ist gut, vor allem lustig. Die Sache mit den Patenten und dem Infoboard war genial und dazu noch diese wahnsinnige Crew.

Greetz Ban

Posted: Mon, 10. Mar 08, 01:25
by jorganos
So, hier ein etwas längerer Teil 3. Teil 4 ist auch schon recht weit gediehen.

Mal sehen, wie lange ich das Tempo der Geschichte durchhalte...

Teil 3

"... im Namen des Senators und Präsidenten."

Wer hat den eigentlich gewählt, fragte sich Aldun Selek. Meine Stimme hatte er jedenfalls nicht. Erleichtert sah er zu, wie die Stationsdaten das Zentrum des HUD blockierten. Stationsschilde 80%, 78%, 18%... Wiebitte?

Dummerweise lieferte das Gravidar innerhalb der Andockklammer keine Daten über Raketen.

Im Passagierabteil machten Trahusias und Hwitnoarmanckimpeir sich bereit, die Schiffsatmosphäre wieder nachzufüllen. Die Einschläge der Energiewaffen und die Raketentreffer sollten helfen, die Implosion beim Öffnen der Schleuse zu vertuschen. Die einströmende Luft fegte mit der Gewalt einer Riesenfaust ins Innere, und nur ein schnelles Durchschalten der Subraumkomprimierung für die normalerweise gefalteten Sitzreihen erlaubte es ihnen, auf den Beinen zu bleiben. Teta Nu erging es da etwas schlechter - der Schiffsarzt wurde in seiner Umweltblase direkt in den Kombüseneingang getrieben, wo er in der Durchreiche steckenblieb.

Der Luftschwall erreichte schließlich auch die Pilotenkanzel, und plötzlich sprach auch die Steuerungsmaus wieder an, als die Wasserspritzer vom Mausinterface weggeblasen wurden.

"Tia, an die Schleuse! Fea, Tras, klar zum Transfer von Energiezellen! Hwit, schnapp dir die Ticketmaschine - wir haben wieder eine Evakuierung! Is was, Doc?"

Selek machte sich gar nicht erst die Mühe, das Schwarze Brett der Station aufzurufen. Allzulange würden die Stationsschilde es nicht mehr mitmachen, und den Rumpf würden 3 L und ein LX in nullkommanix zerbröselt haben. Wenn die "No Worries" die Zellen an Bord bekäme, hätte sie eine Chance, in Sicherheit zu springen.

Energiepreis 19 - so ein Mist! Damit konnte die "No Worries" vielleicht zweimal springen, und so, wie sich der Tazura angelassen hatte, würde das nicht hinten und nicht vorne ausreichen.

Erstaunlich routiniert nahm die Mannschaft ihre Positionen ein. Von der Nachbarklammer dockte ein Geier ab - an Bord ein Grossteil der Kristallvorräte der Station, sowie das Management.

"Machen Sie die Reise Ihres Lebens! Besuchen Sie fremde Systeme! Passage auf dem Passagierliner "No Worries", heute im Sonderangebot, 5000 Credits pro Person!" Hwitnoarmanckimpeirs Sprachsynthesizer gab ihre Stimme im Paraniden-üblichen Basston wieder, während ihr eigentliches Gezirpe am oberen Rand des hörbaren Bereichs einen kontrapunktischen Triller hinzufügte. Auf der Andockrampe stand eine kleine Ansammlung zum Teil nur sehr flüchtig bekleideten Stationspersonals und freier Dienstleister, die keine zweistelligen Creditbeträge auf den Fortbestand des Solarkraftwerks M setzen würden.

"Sie können Ihr Einverständnis für dieses Angebot und unsere allgemeinen Geschäftsbedingungen in einem formlosen, nichtsdestoweniger rechtlich verbindlichem Handabdruck dokumentieren. Die Knappschaftsbank des Hauses Rhonkar bietet Ihnen günstige Finanzierungsmodelle, sollten Sie momentane Cash-Flow-Probleme haben."

Diesen Vertragstext hatten die Crewmitglieder einem teladianischen Junganwalt zu verdanken. Trantor mal nicht eingerechnet (die "No Worries" war eins der letzten Schiffe, die den Sektor vor der Khaak-Invasion verlassen hatte, bezeichnenderweise mit einer "Reise ihres Lebens" - nie war dieser Slogan wahrhaftiger), war dies schon das vierte Mal, dass die Station hinter ihnen zu explodieren drohte, und in Anbetracht der Umstände waren 5000 Credits ein wirklich faires Angebot. Selbst wenn das Finanzierungsmodell mit schwerer körperlicher Tätigkeit in den Minen der Split-Sektoren verbunden war...

Tatsächlich schienen die Stationsbewohner sich nicht einmal von den immer noch anhaftenden organischen Überbleibseln der letzten Fracht großartig abschrecken zu lassen. Konfrontiert mit dem Begrüßungskommittee bestehend aus Tia - nach neuester Mode von Loomanckstraat's Vermächtnis gekleidet und tätowiert - und Hwit - in der leicht abgewandelten Uniform eines trinitären Subdiakons der heiligen Dreieinigkeit, ergänzt durch eine neckische Schürze und ein ebensolches Barett, die allerdings auf dem Raumanzug etwas deplaziert wirkten, waren sie froh, einfach nur durchgelassen zu werden.

Eine kurze, aber unvermeidliche Verzögerung später - "Susi, wo steckst du schon wieder? Komm sofort aus der Luftschleuse raus!" - löste die "No Worries" ihre Andock-Klampen. Mit stolzen 4% Schildstärke eierte der Tukan um die Station herum, die ihrerseits nur noch sehr gelegentlich auf 1% Schildstärke kam. Aldun wählte erneut Herzenslicht Nord als Zielkoordinate für den Sprungantrieb. Der P sollte mittlerweile auf Höhe der Schiffswerft angekommen sein. Hoffte er jedenfalls, viel weiter kam er mit dem bisschen Energie sowieso nicht.


Teta Nu zuckte mit dem Rüssel. Der olfaktorische Kommunikator seines Umweltanzugs speiste eindeutig den Geschmack einer Boronin in seine Kiemen. Noch ziemlich benommen von der implosiven Rekompression des Passagierabteils zwängte er sich rückwärts aus der Durchreiche. Beim Urschleim! Die mußte er haben.

Nu sah sich in der ziemlich demolierten und mittlerweile stark gefüllten Passagierkabine um. Abgesehen von der Lücke in den Sitzreihen 7 bis 12, die wegen der wackeligen Subraumkompression nur als Ablage benutzbar waren und jetzt den Großteil der rausgerissenen Schläuche des Umweltsystems enthielten, neben einem eher kleinen Stapel Handgepäck der Stationsflüchtlinge. Zwei argonische Großfamilien waren bemüht, ihre Kinder davon abzuhalten, die automatischen Schutzhüllen der drei ursprünglichen Passagiere aufzuschlitzen. Zwei Umwelttechniker in schmutzigen Gonerroben waren von Trasulias zwangsverpflichtet worden, gegen einen zehnprozentigen Abschlag auf den Ticketpreis. Zwei jugendliche Split unter der Aufsicht einer grimmigen Matrone spielten mit einem Haustier, das ungemütliche Ähnlichkeit mit einem Ghok aufwies. Momentan schien das Spiel darin zu bestehen, die Leine fast soweit auszulassen, dass das Tier den eingeschüchterten Flügelkraken, der sich auf eine Rückenlehne gerettet hatte, beinahe zu fassen kriegte.

Aber wo war die Eigentümerin des Flügelkraken? Momentan gab es keine dringendere Frage für Teta Nu. Unwirsch entschuldigte er sich bei den Teladi, die er aus dem Weg rempelte, um der köstlichen Quelle dieses Geschmacks näherzukommen: "Ich bedaure sehr, dass ich Ihnen diese Unannehmlichkeiten zumuten muss, um Sie aus dem Weg zu räumen! Jetzt können Sie erleben, wie ein Borone drängelt!"

Da kauerte sie. Sie, der ganze Inhalt Teta Nus heutigen Strebens, die Quelle dieses Geschmacks des Inbegriffs boronischer Weiblichkeit!

Eigentlich hätte Tia Silsarnas Geruchssinn nach den Belastungen der letzten Lieferung einen Monat lang verstummen müssen, aber Ammoniak hat die unangenehme Eigenschaft, jede noch so verstopfte Nebenhöhle zu durchdringen und sich zielgenau die empfindlichste Schleimhaut vorzunehmen. Da momentan auch kein Bogas geladen war, konnte es nur eine Quelle geben - boronische Umweltanzüge. Und da Teta Nu aus lauter libidärem Frust sogar schon versucht hatte, ihr Bein zu begatten, als das Untier (wie die Besatzung das cheltähnliche Wesen genannt hatte) noch seine Pheromone verbreitet hatte, erahnte sie Komplikationen.

Wie sie befürchtet hatte. Teta Nu hatte seine Boronosphäre ausgedehnt, und wickelte sich allmählich aus seinem Toga-ähnlichen Gewand. Und dort in der Ecke drückten sich drei jugendliche Boronen in den Umhängen von Hichschool-Praktikanten herum. Beziehungsweise -Praktikantinnen. Und auch bei ihnen fingen die Überreste der Untierpheromone zu wirken an...

Da verblassten selbst die schrecklichsten Eindrücke des Abdockens von einer explodierenden Station. Boronische Ausschweifungen... nicht mal der Yaki-Puff traute sich, sowas auf die Bühne zu bringen.

"Oh nein, nicht auf _meinem_ Schiff!"

Mit leicht gespreizten Beinen ging Tia in eine Kala-Shun Grundstellung. Bruchteile einer Mizura später mußte sie sich aus dem Knäuel an Luftleitungen in Sitzreihe 11 befreien, nach einer klassischen Trimanckelsat-Finte mit eingeworfenem Eoh 'Shtt.

"Oh, Shit." Das kam vom tiefsten Grund ihres Herzens. Ob es jetzt mehr ihrer derzeitigen Verfassung galt oder der Tatsache, dass mindestens drei Teladi ihre Holorecorder laufen liessen, war ihr selbst nicht ganz klar. Die Aussicht, von einem Boronen geworfen in den News oder in privaten Schmuddelstreifen aufzutauchen, war ihr zutiefst zuwider.

Auch Hwitnoarmanckimpeir hatte die eindeutigen Absichten des Schiffsarztes erkannt. Spätestens in dem Augenblick, als ein ammoniakalisch triefendes Textil über ihre Augen geworfen wurde, während sie einen durch seine Verluste hysterisch gewordenen teladischen Kleinunternehmer mit Gewalt angeschnallt hatte. Normalerweise hätte sie in seinem Fall etwas Raumkraut verabreicht - natürlich aus rein medizinischen Gründen - aber... Nix mehr da.

Anders als die argonische Sicherheitschefin war Hwitnoarmanckimpeir keine trainierte Nahkämpferin. Mehr als die grundlegenden Gonertechniken des Kala-Shun kamen beim normalen Einsatz als Passagierbetreuerin selten zum Einsatz, jedenfalls, wenn es sich um zahlende Passagiere handelte. Anstatt sich dem zum Berserker gewordenen Mediziner in den Weg zu stellen, eilte sie zur nächsten Servicestation, von der aus sie die Schutzhüllen der Boroninnen aktivieren konnte. Allerdings hatte Teta Nu ihre Absicht durchschaut und mit einem Hechtsprung von unerwartete Athletik die Sitzreihe erreicht. Jetzt steckte er mit den Boroninnen in einem gemeinsamen Kokon, dessen Material auch Mikrometeoriten abhalten sollte.


In der Pilotenkanzel hatte Aldun von der ganzen Episode nichts mitbekommen. Aus irgendwelchen Gründen sah die Schiffskontrollsoftware der Profitgilde (absoluter Monopolstandard im bekannten Raum) zwar diverse Ansichten des Schiffs von außen, Zielansichten und Kanzelsichten vor, aber keine internen Kontrollsysteme. Absoluter Schwachsinn auf einem Passagierschiff, aber so waren die Teladi - Profitmaximierung bis zum Abwinken, und auf echte Anforderungen der Kunden einzugehen kostete Beratungszeit und Kostenvoranschläge, die nicht angemessen vergütet wurden.

Der Wiedereintritt in Herzenslicht hatte sich als sehr viel weniger spektakulär herausgestellt. Der P und seine drei verbliebenen Flügelschiffe waren fröhlich dabei, den Handelsverkehr zwischen den neuen und den alten Sektoren zu sabotieren. Zwei Frachter, die den Xenon bisher nicht aufgefallen waren, sammelten in deren Rücken ein, was an Transportkisten zwischen dem Schrott zerballerter Frachtschiffe übriggeblieben war, während der systemeigene Zerstörer am Rande der Scannerreichweite hoffnungslos einer leichten Piratenpatrouille hinterherschlich. Befehl ist halt Befehl.

Auch die Zöllner waren noch eifrig damit beschäftigt, nicht deklarierte Waren zu beschlagnahmen. Der einzige Unterschied zwischen ihnen und Piraten war für Aldun Selek die fehlende Belohnung nach Erwerb einer Polizeilizenz. Nicht, dass er als Pilot eines Tukans eine besessen hätte. Der P suchte jetzt nach neuer Beute, nachdem sich sein bisheriges Opfer in die Schiffswerft hatte retten können. Die Bastarde der dortigen Flugkontrolle hatten den Bogen raus, ein Schiff genau so lange schmoren zu lassen, dass es mit minimaler Rumpfstärke maximale Reparaturkosten einfahren würde.


Die Anwesenheit zweier TL bei der bislang noch von der Rezession verschonten Cahoona-Presse sprach Bände. Weiteres Downsizing. Nicht einmal mehr die Flottenverträge hielten die Konjunktur aufrecht. Übervolle Produktlager, leere Rohstofflager, und der inhärente Widerspruch zwischen "freie Händler" und "Just-In-Time-Resourcing" sprang ins Auge. Was taten die Bosse? Unrentable Produktionsstätten abbauen und Transportschiffe aus dem Verkehr ziehen. Noch während Selek resignierend die erheblich weiter entfernte Handelsstation anwählte, verschwand der Stationsbeacon vom Gravidar. Bald würden auch diese Stationsmaterialien in einer Schiffswerft eingeschmolzen werden.


Der P war jetzt weit genug aus dem Flugvektor der "No Worries" entfernt, also aktivierte der Skipper seinen Autopiloten und machte sich auf den Weg, die Situation im Laderaum zu begutachten.

Vorbei an den (zur Zeit noch mit Subraumkompression eingefalteten) Crewquartieren, an der Kombüse und der Krankenstation vorbei, bei den sanitären Anlagen links, in den Steuerbordhauptgang. Im reinen Passagierbetrieb konnte der Tukan bis zu 45 Sitzreihen mit je zehn Plätzen ausfalten, meistens begnügte sich die Crew der No Worries aber mit maximal halber Passagierauslastung, ergänzt um wahlweise ausgefaltete Sportanlagen, Spieltische, Konferenzräume oder (stundenweise zu mietende) Kajüten. Die "No Worries" war ein Full-Service-Modell, keine billige All-Inclusive-Schüssel. Jeder zusätzlich genutzte Service konnte separat abgerechnet werden, und zwischen den Passagiertouren konnte die Besatzung die Annehmlichkeiten der Ausstattung genießen. Das hatte Aldun der Crew zumindest bei der Anwerbung vorgespiegelt. Um ehrlich zu sein, sich selbst auch. Wie sich dann herausgestellt hatte, verbrachte die Crew ihre Zeit in diesen Einrichtungen hauptsächlich mit Reparaturen und Instandhaltungsarbeiten. Wenn sie nicht gerade einen Frachtauftrag fuhren und alle Passagierkapazität im Subraum eingefaltet wurde.

Die Luft in der "No Worries" war alles andere als unbedenklich. Schliesslich hatte Fea r'Rttg die größtenteils verstopften Leitungen ausgebaut, als die Flüchtlinge an Bord gekommen waren, und so beschränkte sich die Luftumwälzung momentan auf den Bereich direkt bei den Filtern. Die auch noch nicht von dem Zeugs befreit waren...

Über die Lebensmittel brauchte er sich erstmal keine Gedanken zu machen. Zwar war das meiste geschmacklich höherwertige Futter entweder hoffnungslos kontaminiert oder verbraucht, aber zur Not hatte er noch Eiserne Rationen mit so nahrhaften wie abstoßenden Inhalten wie Soyagrütze, Bofu oder Weizenriegeln. Aber bei dem Gestank hier verging einem sowieso der Appetit.

Die Wassersituation war auch nicht kritisch, nur ekelhaft. Es sei denn, er bezog dies auf die Feuchtigkeit, die durch das Überschwappen im Fußbodenbereich darauf wartete, dass Mikroorganismen die Schiffseinrichtung anätzten oder anfraßen. Aber auch das war ein eher langfristiges Problem.

Am explosivsten war die Fracht selbst. Die Passagiere waren zwar mit dem Leben davongekommen, hatten aber ihre wirtschaftliche Existenz und wahrscheinlich auch einiges privates Vermögen verloren. Insbesondere bei den Teladi konnte das jeden Augenblick einen Amoklauf oder Suizid provozieren. Auch für solche Fälle leistete sich die "No Worries" den Luxus eines Schiffsarztes. Wo zum Henker steckte der Borone? Und was war da hinten in den Schutzhüllen los? Wieso hielt Tia mehrere Teladi mit Handkameras in Schach, fast wie im OK-Corral?


Fea r'Rttg hatte die Geschützkontrollen verlassen, noch bevor der Skipper den Autopiloten aktiviert hatte. Die Schilde luden sich fröhlich wieder auf, und auch sonst meldete die Schadenbegrenzungssoftware keine kritischen Systemfehler, ausser bei den Lebenserhaltungssystemen, und die waren ja nun nicht wirklich sein Revier. Was ihm viel mehr Sorgen bereitete, war der extreme Verschleiss, den der letzte Tag mit sich gebracht hatte.

"Spritidee gewesen sein! Kein Aquarium verdammtes ist! Tukan Tanker kaufen sollen ..."

Der Umstand, dass sowohl seine private Destille als auch das mit Raumkraut gespikte Rastaröl in der Werkstatt von den Sekreten völlig ungenießbar gemacht worden waren, trug nicht gerade zur Verbesserung seiner Laune bei..

Ausserdem hasste er es, wenn ihn Passagiere bei der Arbeit behinderten. Nach seiner fachmännischen Meinung brauchte das Schiff wenigstens 5 Tazuras intensive Instandsetzungsarbeiten, idealerweise in einem Aufrüstungsdock, bevor es wieder in den Weltraum gehen dürfte. Aber voraussichtlich würde der Skipper nach 200 Mizuras spätestens wieder abdocken, mit dem Frachraum voll mit irgendwelchen Containern.

Da kam ja der Skipper.

"Fea, komm mal in die Steuerkanzel. Wir sollten die Steuerung optimieren."

In Gedanken übersetzte der Mechaniker den "lass uns die Passagiere nicht beunruhigen" Code in "Heilige sch****, Fea, die verdammte Steuerung hat den Geist aufgegeben!" So im Nachhinein erklärte das wohl den einen oder anderen Rummser der letzten Flüge. Normalerwise schaffte der Skipper es zumindest, ohne anzuecken ein Sprungtor zu durchfliegen.

Der Split baute einen Teil seiner Frustration ab, indem er sich kompromisslos den Weg des grössten Widerstands zur Pilotenkanzel freikämpfte. Zu irgendwas mussten diese Loser ja gut sein...

Der Skipper folgte ihm, schloss die Sicherheitstür und checkte dreimal die Komm-Kanäle. Dann brüllte er seinen Mechaniker an:

"Heilige sch****, Fea, die hundsverdammte Steuerung hatte sich total aufgehängt! Nix ging mehr!"

"Softwareproblem sein? Wenn Funkwebanbieter wechseln, System schalten alles ab und du kriegen nur wenig FPS auf HUD."

"Quatsch nicht. Die Maus war bis zum Andocken tot!"

"Aber leben wieder?"

"Lebt wieder, und will Käse. Wie soll ich das Schiff fliegen, wenn keine Eingabemöglichkeit bleibt?"

"Navcomp scripten. Allerdings dann Gates Vesta modified melden, und Garantie und Versicherung weg. Und nächstes Update System nicht mehr laufen."

"Und die Steuerbehörde verfolgt uns wegen Verbreitung illegaler Software und brummt uns ne Nachforderung für nicht deklarierte Umsätze auf? Vergiss es. Ausserdem bin ich Pilot, kein Hacker. Gib mir ne zuverlässige Maus, das ist alles, was dieses Schiff braucht!"

"Wir noch Cockpit in Subraum haben..."

"Klasse. Das ist doch nicht kompatibel mit den Andockklampen, und mitten im Landeanflug faltest du hier vorne nix! Ich sag nur Reihe 7-12!"

"Nicht drüber reden, Skip! Als Tras drüber reden, 10-12 erst mitgefaltet."

"Dann such gefälligst den Fehler in der Hardware!"

Resigniert kroch Fea r'Rttg unter das zentrale Mousepad. Und fühlte, wie sein Overall sich mit Wasser vollsog.

"Du nicht zu Waschraum geschafft?"

"Red keinen Müll. Was ist los?"

"Beschissenes Freibad los ist. Wie du machen Wasser fliessen Stufe rauf?"

Aldun mußte im Stillen zugeben, dass das eine gute Frage war. Die Schwerkraftgeneratoren hatten (bisher) tadellos gearbeitet,

"Das muß dieser Xenon M gewesen sein. Und der anschliessende Rückwärtsgang."

"Tukan kein stinkend Boronen Tanker sein. Wasser nicht in Pilotenkanzel gehören."

"Na dann...", der Skipper öffnete den Bordkanal.

"Tras, komm mal nach vorne. Hier ist etwas Kaffee ausgelaufen..."


Trasulias Hegemonis Imperatrix IV verzog angewidert die Stirnschuppen. Ein vernunftbegabtes Wesen sollte einfach nicht mit einem Spitznamen belegt werden.

"Trasssuliasss Hegemonisss Imperatrixss IV meldet sssich zssum Diensst!"

Hwit warf ihr einen eigentümlichen Blick zu. Könnte das resignierte Sympathie gewesen sein?

"Na ssschön, Jungsss. Ssseht zssu, dassss ihr die Ssschläuche wieder in die zssugehörigen Ssschlitzsse sssteckt. Hwit, behalte doch eins deiner Augen auf sie..."

Das wars dann wohl mit der Sympathie. Hatte sie was falsches gesagt?

Die beiden Gonerjungs waren ihr Gewicht in Gold - nein, mal nicht übertreiben, ihr Gewicht in Erz wert. Anscheinend verursachte der synthetische Weihrauch, den die Goner in ihren Zeremonien verwendeten, einen ähnlichen Belag (wenn auch nicht so zum Himmel stinkend), der sich aber nach kurzem Spülen mit flüssigem Hydrogen bequem ausbürsten liess. Man sollte das nur nicht im Raucherbereich tun, um die anschließenden Knallgasexplosionen zu vermeiden. Die hintere Frachtschleuse war inzwischen bei einem explosiven Level angekommen, Zeit, mal wieder zu lüften. Gesagt, getan.


Der plötzliche Stoss wirbelte die "No Worries" unkontolliert durch das All. Der Autopilot hatte jegliche Orientierung verloren, aber da die Programmierer der Profitgilde lieber ein paar Schiffe als schlechte Publicity riskieren wollten, tat er so, als wäre alles weiterhin in bester Ordnung, Das Gravidarecho voraus konnte doch nur die Handelsstation sein?


Der Khaakcluster registrierte den anfliegenden Tukan im Nebelfeld und drehte schwerfällig bei.

Posted: Mon, 10. Mar 08, 14:54
by Shark_HH
Oh mann, was eine Crew :o
Vorallem der Split is geil... wobei so ein "Spitzer" Borone
an Bord wohl nicht dessen bester Freund ist :D

Wie es wohl weiter geht :?

Posted: Mon, 10. Mar 08, 17:28
by jorganos
So, wie versprochen Teil 4.

Als langjähriger Rollenspieler (und Spielleiter) muss ich leider gestehen, einige ähnliche Situationen z.B. im Starwars-Universum mitgemacht oder provoziert zu haben. Die Crew ist absolut im Rahmen des Erlebten...


Teil 4


"Schadensbericht!"

Aldun Selek rieb sich den Kopf. Zum Zeitpunkt der Explosion hatten Fea r'Rttg und er die Kabelverbindungen der Steuerung untersucht und mehrer wasserbedingte Kurzschluss-Schäden in der Isolierung beseitigt. Der Skipper hatte sich den Kopf gestoßen. Der Split war nicht so glimpflich davongekommen - der restliche Doseninhalt der Sprühisolierung hatte den Weg in seinen Overall gefunden, und wegen der großen Volumenzunahme des Anzugs steckte er jetzt unter der Konsole fest.

Die elfenhafte Computerstimme deklamierte:

"Kollision im Heckbereich. Keine Hüllenschäden, aber Fehlfunktion Heckschleuse. Ungesicherte Fracht los im Frachtraum. Sicherheitsblasen aktiviert."


Teta Nu fühlte sich wie befreit. Alles war jetzt klar und einsichtig. Er war eins mit dem Universum, eins mit dem Urknall...

Der boronische Arzt fühlte sich eigenartig erschöpft. In der Rettungssphäre trieben ausser ihm noch drei blutjunge Praktikantinnen, in spärliche Überreste ihrer sowieso nicht allzu textilreichen Schuluniformen gehüllt, mit den eigenartig leeren Blick, wie ihn Raumkrautsüchtige bei einer Überdosis zeigen. Nu selbst hatte etliche Hautabschürfungen erlitten, wo Saugnäpfe gewaltsam von seiner Haut gerissen worden waren.

Vage Bilder aus der Küche, dem Dojo und vom Gleitfinnenfliegen waren alles, was der Arzt über die letzten Tazuras abrufen konnte. Sie hatten dieses Tier an Bord geholt, und dann...

Filmriss.

Als ein systematischer Vernunftbegabter machte Teta Nu erst einmal eine Bestandsaufnahme seiner selbst. Der Bofuwürfel in seinem Primärmagen war zu über der Hälfte verbraucht. Je nach körperlicher Aktivität fehlten ihm also bis zu 6 Tazuras. In Anbetracht seiner Erschöpfung und seines Gesamtzustandes, vielleicht auch nur 2 Tazuras.

Ein Blick auf seinen Instrumentengürtel verriet ihm nur, dass er ihn nicht trug - genausowenig wie seinen Umweltanzug oder die Togas und Untertogas eines Absolventend der königlich-boronischen medizinischen Fakultät von Königstal. Das Sichtfenster der Rettungssphäre war von den ammoniakhaltigen Nebeln der boronischen Atmosphäre leicht angegriffen, als befand er sich wahrscheinlich immer noch an Bord der "No Worries".

Kommen wir also zu den Umständen des Aufwachens. Nu konnte sich beim besten Willen nicht erinnern, den jungen Damen vorgestellt worden zu sein. Die verschwommenen Erinnerungen brachten ihn da auch nicht weiter.

Da er die Rettungssphäre nicht ohne Umweltanzug verlassen konnte, praktizierte Nu die Meditationstechniken des Fu Men To, um seinen vagen Erinnerungsbildern etwas mehr Schärfe zu verleihen. Die Küche blieb ihm rätselhaft - zwar war die Perspektive ein wenig ungewohnt, aber sonst war ausser etwas stärkerer Unordnung nichts Aussergewöhnliches festzustellen. Zeitlich vorangehende Bilder beinhalteten einen dekadenten Fön und einen stiefelbewehrten Ovipositor. Bei näherem Betrachten war der mit Mustern verziert, wie sie von der Piratensubkultur getragen wurden. Nein, das brachte ihn auch nicht weiter.

Bei den neueren Ereignissen hatte Nu ein wenig mehr Erfolg. Die Dojo-Erinnerung passte nicht zu der Kulisse - den Sitzreihen der "No Worries". Allerdings war er erfüllt von der Akkuratess und Eleganz der Kala-Shun-Manöver in dieser Frequenz. "Und Die Menge Fällt vor dem Mächtigen in Proskinase" hinterließ eine Menge von ... Gegnern ... in ehrfürchtigem Kauern. Die Trimanckelsat-Finte war reine Perfektion, was Ökonomie der Bewegung und Impulsaufbau anging. Und dann der eingeworfene Eoh Shtt - dieses Manöver beherrschte der Arzt nicht einmal in der Theorie besonders gut, aber diese Ausführung war rekordverdächtig für Dummyweitwurf.

Dummy?

Zumindest die vermutete Gleitfinne liess sich einwandfrei als die Hülle der Rettungsspäre identifizieren. Die Meditation konkretisierte die Waschanleitung bis in das letzte Detail.

Kommen wir also zum Urknall.

"Und es hat Zoom gemacht..."

Ach ja, klassische Argonische Musik, Hoher Stil. Irgendetwas mit mehreren hundert Kontakten, und einer Dunkelperiode mehr, oder so.

Nun denn. Es wurde Zeit, sich auf eine förmliche Vorstellung mit den drei jungen Damen vorzubereiten...


Trasulias Hegemonis Imperatrix IV wurde das Nachleuchten der Sichtluke einfach nicht mehr los, egal wie oder wohin sie sich auch bewegte.

Nicht im Raucherbereich.. und dabei war das Schiff ein einziger Kettenraucher. Nur nichts anmerken lassen. Schliesslich flogen genug Raketen durch den ach so bekannten Weltraum, da konnte schon einmal eine Probleme bereiten. War das da hinten nicht die Handelsstation?

Wie auch immer, der Skipper hatte sie gerufen, also machte sie sich auf den Weg durch das Schiff. Gegenüber von der Kombüse faltete sie die Besenkammer auf (Reihen 7-12 flackerten ominös...).


Die Navigationssoftware hatte Schwierigkeiten mit dem von ihr als Handelsstation deklarierten Objekt. Irgendwie veränderte dies seine Position. Der Autopilot glich dies mit einer rabiaten Querbeschleunigung aus.

Dieses Maneuver erwischte Hwitnoarmanckimpeir zum vielleicht würdelosesten Zeitpunkt überhaupt. Bei der Dreidimensionalität! Nicht genug damit, dass sie sich um den (zugegeben nicht allzu großen) Komfort dieser unheiligen Kreaturen kümmern mußte, jetzt steckte sie auch noch kopfüber, mit den Beinen nach oben, in dem Behälter mit den kleinen Speisetabletts, die üblicherweise auf den "Reisen Ihres Lebens" gereicht wurden. Kleine Kunstwerke der Verpackungsindustrie, die sich kaum öffnen ließen, ohne einen Teil ihres Inhalts auf die Nachbarn zu verteilen. Nein, was der Subdiakonin dritten Ranges viel größere Schande zu bereiten drohte, war ihre Stewardessenuniform, die sich so unglücklich an der Behälterkante verfangen hatte, dass sie erst einmal nicht mehr herauskam,

Vorne in der Pilotenkanzel landete Trasulias mitsamt der Aufnahmevorrichtung für Ausgelaufenes in dem sich gerade entwirrenden Knäuel aus Skipper und Bordmechaniker. Die Steuerungsmaus war ebenfalls abgestürzt und hatte beim Aufprall auf der rechten Taste den Autopilot deaktiviert.

Ohne sich groß um die Maus zu kümmern, hämmerte der Skipper die Autopilotanweisung zu Andocken in die Tastatur.

"Andockerlaubnis verweigert."

Aldun probierte es mit der Landecomputersequenz.

"Keine Station in Reichweite."

Irritiert überprüfte er die Zieleinstellung. Fassungslos las er die Kennung des Ziels - AHAPD-54 - unter der Bildschirmdarstellung eines Khaak-Clusters. Dann hechtete er nach der Maus.

Trasulias hatte mittlerweile den Saugrüssel in den Overall von Fea r'Rttg einführen könne und versuchte, zumindest soviel Sprühisolierung rauszuholen, dass man den Mechaniker unter dem Pult herausziehen konnte. Nach anfänglichen Erfolgen ließ aber die Saugkraft stark nach. Verärgert schlug die teladianische Umwelttechnikerin gegen die Pumpe.

"Kaum brauchsst du einen Mechaniker, musssst du ihn ersst aussgraben..."

Aldun Selek liess sich samt Maus in den Copiloten-Sessel plumpsen, wo ihm weder Teladi noch Split in die Quere kamen. Unter vollem Gegenschub, mit maximaler Korrektur durch die Steuerdüsen und mit Maximalauslenkung der Maussteuerung gelang es ihm, die Nase der "No Worries" von dem allmählich immer größer erscheinenden Khaak-Cluster fortzuziehen.

Egal, wohin. Nur weg.

Posted: Mon, 10. Mar 08, 18:33
by Ban
Die Fehlfunktionen der Software und die damit verbundenen Anspielungen auf den X-Autopiloten und aktuelle Software sind äußerst unterhaltsam, leider allerdings auch kein völliges Fantasieprodukt. Das Gleiche gilt auch für die Beschreibungen zu den Themen Wirtschaft und Patentrecht.
Genial ist auch die Crew und das,was denen andauernd passiert :rofl: :rofl: .

Wenn du es schaffst den Humor beizubehalten, wird das eine richtig gute, und vor allem lustige, Story.

Greetz Ban

Posted: Tue, 11. Mar 08, 09:28
by Shark_HH
:rofl:
boha ich kann nicht mehr... diese Crew
mach nur weiter so...
ich finds einfach nur Genial!

Posted: Tue, 11. Mar 08, 22:39
by Tactical_Huns
Richtig geile Story ich frag mich nur warum der Kahn mit der
(Bill)Gates Vesta(=Vista?), Security Pack 4.1.378a Software noch nicht versucht hat an einen Khaakkluster anzudocken.

Posted: Tue, 11. Mar 08, 23:51
by AP Nova
Gates kommt ja eher von Windows...
Außerdem, für das Feature muss man erst das Virus-pack 5.0.0c rausbringen.

Posted: Wed, 12. Mar 08, 00:28
by silenced
"Du nicht zu Waschraum geschafft?"

"Red keinen Müll. Was ist los?"

"Beschissenes Freibad los ist. Wie du machen Wasser fliessen Stufe rauf?"
da durfte ich erstmal tastatur und monitor reinigen ... das traf mich voellig unvorbereitet

und einen arzt Teta Nu zu nennen ... ôô