[Story] No Worries - ein Tukan auf Abwegen. (Teile 1-28)

Der kleine Teladi aus dem X-Universum hat Gesellschaft bekommen - hier dreht sich jetzt auch alles um das, was die kreativen Köpfe unserer Community geschaffen haben.

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jorganos
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Post by jorganos » Wed, 19. Mar 08, 23:48

Teil 12 muss leider noch ein wenig geschliffen werden. Ausnahmsweise habe ich schon den Schluss fertig, aber dann fiel mir auf, dass der Anfang noch nicht stimmte. Sollte aber morgen oder spätestens übermorgen kommen...


Was das Zusammenspiel der Rassen angeht, verweise ich nur auf das klassische Fantasy-Klischee "ein Mensch, ein Elf, ein Zwerg, ein Halbling...". Die verschiedenen Anschauungsweisen kollidieren schon mal, eröffnen aber auch eine größere Flexibilität. Für einen Passagierraumer ist eine so gemischte Crew eigentlich ein Vorteil, da man nie im Voraus weiss, wen man an Bord nimmt.

Shark_HH
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Post by Shark_HH » Wed, 19. Mar 08, 23:49

entlich bin ich auch mal wieder zum lesen gekommen!

Nur weiter so, ich hoffe der Geheimdienst (mit ohne Ahnung :o )
beißt sich die Zähne dran aus...
und rums is die Presse wieder da...
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jorganos
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Post by jorganos » Tue, 25. Mar 08, 11:40

Moin allerseits. Über Ostern ist leider nicht allzuviel passiert. Ich habe Teil 12 gründlich überarbeitet und den ursprünglich geschriebenen Text immer weiter nach hinten verschoben. Damit die Story nicht ganz in Vergessenheit gerät, hier erstmal die bereits überarbeiteten Sachen.


Teil 12


Die Quarantäneabteilung der Krankenstation der "HL Hard Place" war nach wie vor reichlich belegt. Aldun Selek schluckte nervös, als er die erwartungsvolle Menge ansprechen sollte. Die Flüchtlinge aus dem Sonnenkraftwerk hatten jetzt einen Tag mit Untersuchungen, Befragungen und Überwachung hinter sich.

"Meine Damen, Herren und andere Sophonten, ich habe einige Mitteilungen für Sie. Zuerst die schlechte Nachricht: Wie Sie wahrscheinlich bemerkt haben werden, ist unser Schiff, der TP No Worries, durch sogenanntes Friendly Fire so stark beschädigt worden, dass es durch wenige Treffe eines Khaak Bombers zerstört wurde. Dass Sie diese Durchsage noch hören können, verdanken Sie dem Abschluss einer Bergungsversicherung und dem prompten Transport auf dieses Schiff, die HL Hard Place. Die medizinischen Untersuchungen haben ergeben, dass Sie ernsthafte Verletzungen vermeiden konnten."

"Leider sind die Teile Ihres Handgepäcks, die Sie nicht mit an den Sitzen hatten, nicht mit evakuiert worden. Dies gilt zu unserem Bedauern auch für den Flügelkraken, der in die Versorgungsschächte des Schiffs eingedrungen war."

"Wir werden versuchen, so viel wie möglich aus den Trümmern der No Worries zu bergen. Sollten sich unersetzbare Erinnerungsstücke unter dem verlorenen Gepäck befinden, würden Sie uns die Arbeit ungemein erleichtern, indem Sie eine Beschreibung und eine Nachsendeadresse hinterlegen. Den Flügelkraken werden wir nach Möglichkeit klonen."

"Was jetzt Ihre Weiterreise und die mit uns abgeschlossenen Beförderungsverträge angeht, so kann ich Ihnen mitteilen, dass die argonische Kriegsopferhilfe die Kosten für die Überfahrt von der Station übernimmt und Ihnen zur Weiterfahrt auf die hiesige Handelsstation ein Ersatzschiff bereitstellt. Wir hätten Sie gerne selbst bis zum vereinbarten Ziel geflogen, aber durch Verzögerungen bei der Auslieferung des Ersatzschiffs können wir dies leider nicht anbieten."

"WIr wünschen Ihnen eine gute Weiterreise, hoffen, Sie bald wieder in unseren Schiffen begrüßen zu dürfen, danken für Ihre Reise mit der No Worries OHG und sagen Tschüss und Auf Wiedersehen."

Anschliessend verbrachte der Skipper der "No Worries" etwa 30 Mizuras mit der Beantwortung immer der gleichen Fragen. "Ja, wir werden uns danach umsehen." ""Stellen Sie einfach sicher, dass Sie unter einer Nachsendeadresse zu erreichen sind, Der Argonische Hilfsfond für Kriegsopfer wird als zentrale Anlaufstelle zur Verfügung stehen."

Schliesslich war alles überstanden. Das Trio der drei Boroninnen hatte am längsten gewartet, hatte dann aber irgendwie rumgedruckst und nur über eine Designerhandtasche und den Flügelkraken gesprochen. Irgendwie war sich Aldun sicher, dass da etwas unausgesprochen geblieben war.

*****

Die Eklipse mit den Cockpit-Passagieren hatte auch den letzten Zielort - das Aufrüstungsdock in Firmenstolz, wo Bruder Jerro eine Stelle in einer Hafenbar antreten wollte - angeflogen und befand sich auf dem Rückflug nach Herzenslicht. Das letzte Stück wurde ohne Sprünge zurückgelegt, als ausserplanmäßige Patrouille. In Hatikvahs Glaube gab es einen kurzen Feuerwechsel mit einer leichten Piraten-Spähpatrouille, aber die Piloten der M5 bewiesen gesunden Menschen-, Paraniden- und Boronenverstand und verzichteten auf eine längere Konfrontation mit den Geschütztürmen des schweren Bombers.

*****

"Na gut, wenn Sie uns kein Schiff stellen wollen, werden wir eins chartern." Entnervt beendete Aldun Selek das Gespräch mit dem Kömmandeur der "HL Hard Place" und bereitete einen Missionstext für die Bulletinboards der umliegenden Systeme vor.

"Benötigen Schiff für Bergungsarbeiten in Herzenslicht und Aladnas Hügel. Zahlen 3500 Credits. Docken Sie an die HL Hard Place im Sektor Herzenslicht an und nehmen Sie unser Bergungsteam an Bord."

*****

Tia bedachte den Wartungstechniker mit einem entnervten Augenaufschlag. Sie und Trasulias waren losgeschickt worden, um die Ausrüstung für den Ausseneinsatz zusammenzukaufen. Nichts besonderes, lauter Kleinteile und Verschleißgüter, aber die Lageristen der "HL Hard Place" benahmen sich, als würde sie klassifizierte Spionagehardware erwerben wollen.

"Kommen Sie, Senior Tech Smit, was soll denn schon dabei sein? Sie wissen doch so gut wie ich, dass Raumanzüge in havarierten Sektionen keinen ausreichenden Schutz bieten. Würden Sie da ohne Bergungspanzer reingeschickt werden, könnten Sie das als kriminellen Befehl verweigern! Und wir sollen komplett gegen diese Sicherheitsbestimmungen verstoßen?"

"Ich habe meine Befehle!"

Tatsächlich hatte der Geheimdienst die Anweisung gegeben, jegliche Materialanforderung durch die Crew der "No Worries" nur verzögert auszugeben, damit die Materialien mit Überwachungsvorrichtungen aufgerüstet werden konnten. Das konnte Piku Smit natürlich nicht zugeben, also zog er sich auf diese klassische Ausrede zurück. Die Reaktion der exotisch attraktiven Tia veranlasste ihn dennoch zu einigen Erklärungen.

"Sie müssen verstehen, dies ist eine Materialausgabe für militärische Einsätze, und kein ziviler Ausrüster."

"Senior Tech Smit, die 'No Worries' ist, beziehungsweise war, ein argonisch registriertes Schiff, mit argonischen Zertifikaten und einer Bergungsversicherung, in der 'jegliche zumutbare Unterstützung durch die offiziellen Stellen' zugesichert wird. Diese offiziellen Stellen sind hier an Bord der 'Hard Place', und wir haben hier ein Requisitionsformular von Ihrem Logistikbüro. Wo liegt das Problem?"

"Argonische Registration? Da steht Trantor!"

"Wir hatten Glück und waren unterwegs, als die Khaak zuschlugen. Ehrlich gesagt ist es mir ein Rätsel, warum die Handelsstation nicht wieder aufgebaut wurde. - Wie auch immer. Noch einmal fürs Protokoll: wir benötigen vier Sätze Raumanzugsarmierung für Havariesektionen, eine Schwebepalette, einen tragbaren Generator sowie einen Standardsatz Werkzeuge für die Schadenseindämmung. Das kann jeder Paranidische Fanatiker im argonischen Raum problemlos erwerben. Warum wir nicht?"

PIku Smit wurde von einer Kurzmitteilung auf seiner Lagerverwaltung erlöst. Anscheinend hatten die Techniker des Geheimdienstes ihre Ostereier versteckt, jedenfalls war die Bestellung freigegeben worden.

"Sie haben Glück, Miss Silsarna. Wie es aussieht, gab es da ein Problem mit der Freigabe."

Tia und Trasulias nahmen die Schwebepalette in Empfang und machten sich auf den Rückweg in ihre Quartiere.

"Wir können von Glück reden, dassss sssie die Atemluft nicht ganzss ssso bürokratischhh handhaben, oder wir wären erssstickt..."

"Wie, kennst du das Atemabluftentsorgungsformular etwa nicht?"

Trasulias blickte ihre Kollegin besorgt an. Lebenserhaltungssysteme waren eine verantwortliche Aufgabe, und sie fürchtete, bei den gesetzlichen Auflagen nicht auf dem Laufenden geblieben zu sein.

"Die haben dafür ein Formular? Wie berechnen sssie dasss denn?"

Tia schluckte ein paar mal, aber dann konnte sie ihr Gekicher nicht mehr zurückhalten.

"Grässsliche assstsschhwingende Warmblüter..." Die Teladi flackerte beleidigt mit ihrer Stirnschuppe.

*****

Fünf Sezuras später hatte die Crew einen altersschwachen Discoverer gechartert. Aldun, Fea r'Rttg, Tia und Trasulias hatten ihre Anzüge für EVA-Arbeiten ausgerüstet, Hwitnoarmanckimpeir und Teta Nu saßen an den Com- und Nebenkontrollen des M5, während der Pilot in seinem Cockpitsessel vor sich hindöste, nachdem er das Schiff zu den Koordinaten gesteuert hatte, an denen die No Worries zerstört worden war, und einen Navigationssatelliten mit Wracksignal ausgesetzt hatte, damit das Bergungsteam nicht von durchrauschenden Schiffen gefährdet wurde.

Der Khaak hatte die Triebwerkssektion getroffen und die Reaktor- und Stützmassetanks gesprengt. Den Reaktor selbst hatte er knapp verfehlt, so dass ein Großteil des Tukans als Trümmer durch das Vakuum schwebte. Aldun schätzte, dass die Crew noch einen halben Tazura hatte, bevor die Nanobots auf die Abwesenheit des Transpondersignals reagieren und die Wrackteile in unschädlichen Raumstaub zerlegen würden.

Die Crew hatte Signalgeber an ihren Raumanzügen, die die Freisetzung der Nanobots aufhalten konnte, solange der Navsat seine Signale aussandte.

Der Rumpf vor der Triebwerkssektion war durch die Explosion in drei größere Teile zerbrochen. Cockpit und Crewquartiere waren in einem Stück, wenn auch mit einem Riss entlang der Fortsetzung der Flügel, von der letzten Position weggedriftet. Die Passagier- und Frachtsektion war entlang der Schiffsachse auseinandergebrochen und driftete mit den Resten der beiden Flügel durch den Raum, als hätte jemand ein Hähnchen mit der Schere tranchiert.

Schuld war der Totalausfall der Subraumkompression. Die dadurch gestauchten Sektoren des Frachtraums hatten sich entfaltet und die Schiffsflanken auseinandergedrückt.

Die in den Reihen 7 bis 12 abgelegten Habseligkeiten waren - wie von den zertifizierten Protokollen verlangt - mit Haltenetzen gesichert worden, eigentlich, um zu verhindern, dass sie bei plötzlichen Manövern zu Geschossen im Passagierraum wurden. Das bedeutete, dass der Großteil dieses Gepäcks noch eingesammelt werden konnte, wenn es der Crew gelang, in die unkontrolliert driftenden Wrackteile einzudringen.

"Ok, Leute. Jeder weiß, was zu tun ist?" Aldun Selek sah sich in der Schleuse um.

"Ich sichere den hinteren Frachtraum, berge, was immer da noch an Datenschnipseln überlebt hat, und sämtliche Hardware, die noch irgendwie zu retten ist." Tia machte sich da wenig Hoffnungen. Schon im Vorbeiflug hatte sie erkennen können, dass von der Geschützkanzel nichts übriggeblieben war. Mehrere direkte Treffer - sowohl argonische wie Khaak - hatten Antriebsaggregate und Heckgeschütz zu Schlacke verarbeitet.

"Ich sssammle dasss Kabinengepäck ein." Trasulias hatte mehrere Sammelnetze mit Positionsbojen dabei, die ein Einsammeln mit dem Discoverer ermöglichen sollten.

"Split greifen bewegliche Hardware, was können reparieren."

"Ok. Ich halte nach Überrresten von dem boronischen Vieh Ausschau. Wo sagtet ihr hatte sich das verkrochen?" Der Skipper hatte ein forensisches Kit zur Sicherung von DNA oder Organen an seinem Anzug befestigt. Eigentlich wäre das Teta Nus Aufgabe gewesen, aber für den Boronen stand kein geeigneter Bergungspanzer zur Verfügung.

"In den Belüftungssssschächten backbord, hinter den Gepäckfächern!"

"Da kommt Freude auf. Ok, wenn wir das alles haben, geht es zu den Crewkabinen. Wir nehmen mit, was das Vakuum überstanden hat."

Das argonische Militär hatte angeblich die Überreste nur im Vorbeiflug gescannt und keine weiteren Maßnahmen ergriffen. Tatsächlich mussten die No Worries feststellen, dass etliche Datenträger und Aufzeichnungsgeräte aus der Cockpitsektion fehlten (allerdings waren die modifizierten Spielekonsolen, die Fea und Trasulias als Koprozessoren eingesetzt hatten, nicht angetastet worden). Die privaten Gegenstände in den Crewkabinen waren anscheinend für eine Off-Site-Diagnose exakt gescannt worden. Wer immer dort eingedrungen war, hatte auch versucht, die Nanobots per Override zu aktivieren, war aber an den Failsafes gescheitert. Aldun Selek hatte dieser Funktion schon misstraut, als er noch als angestellter Pilot für die TUI geflogen war, und entsprechende Modifikationen vorgenommen. Nur deshalb gelang es der Crew, persönliche Andenken oder Kleinigkeiten anstelle von Raumstaub an Bord des gemieteten Discoverer zu bringen.

Schliesslich versammelten sich die Crewmitglieder in der Frachtschleuse, aktivierten den modifizierten Override und sahen schweigend zu, wie die Trümmer des Tukan zu Raumstaub zerfielen.

*****

silenced
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Post by silenced » Tue, 25. Mar 08, 12:14

das bitte jetzt jeden morgen =)
... what is a drop of rain, compared to the storm? ... what is a thought, compared to the mind? ... our unity is full of wonder which your tiny individualism cannot even conceive ... I've heard it all before ... you're saying nothing new ... I thought I saw a rainbow ... but I guess it wasn't true ... you cannot make me listen ... I cannot make you hear ... you find your way to heaven ... I'll meet you when you're there ...

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Post by Deleted User » Tue, 25. Mar 08, 22:25

*RRRRRRRRRAATSCH*
(mich hats zerissen vor lachen)
:rofl: :rofl: :rofl: :rofl: :rofl: :rofl: :rofl: :rofl:

Shark_HH
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Post by Shark_HH » Wed, 26. Mar 08, 15:19

mal wieder erste sahne :)
"Wir können von Glück reden, dassss sssie die Atemluft nicht ganzss ssso bürokratischhh handhaben, oder wir wären erssstickt..."

"Wie, kennst du das Atemabluftentsorgungsformular etwa nicht?"
:o
:D
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jorganos
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Post by jorganos » Wed, 26. Mar 08, 21:46

So, hier dann der nachfolgende Teil, dessen Schluss ursprünglich für Teil 12 vorgesehen war.


Teil 13

Eine Sezura später näherte sich der Discoverer den Überresten des Solarkraftwerks in Aladnas Hügel. Ein Überwachungssatellit erklärte den Bereich zu polizeilichem Sperrgebiet und verlangte eine Identifikation. Wie Hwitnoarmanckimpeir vermutet hatte, akzeptierte die Sonde den Code der Bergungsversicherung als Legitimation, und die Crew begann in gleicher Rollenverteilung wie beim Wrack der "No Worries", in die tote Station einzudringen.

Tia vorne weg, mit dem Karabiner in Bereitschaft, gefolgt von Fea r'Rttg, der neben seiner Zimmerflak die Werkzeuge und den tragbaren Generator zum Reaktivieren von Systemen wie Schotts oder Infoboards bei sich hatte. Trasulias steuerte eine Frachtpalette mit weiterem Gerät sowie Sammelbehältern. Der Skipper sicherte nach hinten und hielt über ein Glasfaserkabel-Relais die Kommunikation mit dem Discoverer aufrecht.

An Bord des Discoverers überwachten Teta Nu und Hwitnoarmanckimpeir das Außenteam und ihr Vorankommen mit Hilfe eines holographischen Modells der Station.

Natürlich war das Team der No Worries nicht der erste Suchtrupp, der die Überreste der Station durchstöberte. Militär und Geheimdienst dürften die üblichen Stellen abgegrast und Beweisstücke gesichert haben. Mindestens ein Trupp Piraten würde sich nach vergessenen Wertsachen umgesehen und mit etwas Pech unangenehme Überraschungen hinterlassen haben. Entsprechend vorsichtig bewegte sich Tia, die mit derartigen Aktionen die meiste Erfahrung hatte.

"Werte Mitstreiter, euch erwartet ein Schott 30 Meter voraus, 40 Grad links" - Teta Nu wackelte mit seinem rechten Tentakel durch ein Display mit einem Standard-Grundriss eines argonischen Solarkraftwerks M, auf dem die Transpondersignale der Gruppe eingeblendet waren. Hwitnoarmanckimpeir sass an den Scannern und überwachte alle Energiesignale in dem Stationswrack. Die Station war weitestgehend tot - mit der Zerstörung der Solarpanele kam die Hauptversorgung der Station zum erliegen, und die Notstromaggregate hatten sich nicht aktiviert. Vereinzelte Solarpanele lieferten immer noch Energie, zu wenig, um die Stationssysteme in Gang zu halten, aber zuviel, um einfach alle Leitungen als tot zu betrachten.

Das Ziel der Gruppe war ein Kommunikationsrelais, dessen temporärer Speicher noch Daten der letzten Transaktionen enthalten sollte. Die Datenspeicher der Hauptrechner der Station waren schon ins forensische Labor der "HL Hard Place" abtransportiert worden, aber bei der Auseinandersetzung mit der Versicherung konnte ein unabhängiger Datensatz bares Geld wert sein.

"Copy, Nu. Schott ist da, und offen. Was erwartet uns?" Tia hatte vorsichtshalber hinter dem Schott Deckung gesucht, während der Rest der Gruppe um die Ecke wartete.

"Laut Blaupause müsstet ihr den Steuerstand für die Energiezellenbefüllung erreichen, meine Dame. Vier Reihen mit Schaltpulten und -Schränken. In der dritten Reihe soll eine Leiter auf ein Zwischendeck hinaufführen, wo ein Wartungsschott zum Relais führen soll."

"Copy. Hwit, irgendwelche auffälligen Energiesignaturen?"

"Schwer zu sagen. Was da noch an Restenergie durchläuft, trifft die Verteiler im Zwischendeck unter euch. Euer Funkrelais gibt ein klares Signal, sonst nichts deutliches."

Tia gab dem restlichen Trupp Handzeichen, bevor sie mit dem Karabiner im Anschlag das Kontrollzentrum betrat. Durch den Ausfall der Schwerkraftgeneratoren waren Sprünge oder hastige Bewegungen problematisch. Das einzige, was den Trupp am Boden hielt, waren die Magnetsohlen der Bergungsrüstungen. Tia hatte in ihrer früheren Karriere mit eigenen Augen gesehen, wie übereifrige Enterkommandos im Schweben wie Jahrmarktballons abgeschossen worden waren, und achtete auf ihre Bodenhaftung.

"Nu, vergiss die Blaupause - hier drinnen kreuzen sich zwei Einschusstunnel. Wir werden Koordinaten brauchen!"

Hinter ihr schwebte Fea r'Rttg durch das Schott - den Generator wie einen Null-G-Rugbyball unter dem linken Arm eingeklemmt, die Projektilwaffe schussbereit in der rechten Hand. Die Werkzeuge an seinem Reparaturgürtel tanzten um seine Hüfte wie ein Ballettrock, als sich der passionierte Rugbyspieler um die eigene Achse drehte, um mit den Sohlen an einem Schaltschrank zum Stehen zu kommen - im rechten Winkel zum "unten" der Argonin.

"Sehen nicht gut aus. Obere Plattform verdampft."

Teta Nus Stimme blieb unaufgeregt. "Liebe Kollegen, könnt ihr mir die Einschussvektoren übermitteln?"

Tia versuchte, brauchbare Koordinaten mit dem Entfernungsmesser ihres Zielfernrohrs zu ermitteln. "Ok, Nu, meine Position ist drei Meter rechts vom Schott, anderthalb Meter im Raum. Einschusskanal 1 in der Decke 12 Meter in 34 Grad, am Boden 8 Meter in 41 Grad. Kanal 2 in der Decke 9 Meter in 124 Grad, Boden 3 Meter in 172 Grad."

Der Borone markierte die ungefähren Positionen in der Blaupause. "Freunde, das ist haarscharf an unserem Ziel vorbei. Springt an den Rand des Deckeneinschuss Kanal 2. Von da aus sind es an der rechten Wand 2 Meter nach unten und 3 Meter Richtung Schott."

Fea zögerte keinen Augenblick und stiess sich in Richtung der Decke ab, während Tia weiter in den zerstörten Raum sicherte. Der Split stakste die Decke entlang auf die angegebene Stelle zu.

"Zuhören, Tentakelfratze. Vier Schaltschränke teilweise verschmort, nackte Kabel. Wo finden Luke in Rückwand?"

"Zwischen Schrankreihe 3 und 4. Etwa 2 Meter von der Decke."

"Alles aussehen wie Wandpanele. Wo Steuerung?"

"Im Schaltschrank Richtung Schott. Halbe Höhe - so hoch wie das Wartungsschott."

"Gefunden haben. Hier noch Saft auf Leitung. Hwit?"

"Uns erscheint das wie eine Hauptleitung von den Kollektoren. Dürfte genug Power für Lichtbogenschweissen haben."

"Split sch**ssen BoFu. Wo können kappen?"

"Am besten ein Deck höher, meinen wir. Schick Tia durch den Schusskanal - ihr Karabiner sollte ausreichen."

Tia beäugte misstrauisch das Chaos, das die Einschüsse in der Decke hinterlassen hatten.

"Hör mal, Hwit, der Einschusskanal ist keinen Deut besser als die Schalttafel. Wenn ich da reinfliege, steht meine Frisur noch nächste Jazura in alle Richtungen."

"Wasss haltet ihr von einem Kurzsssschlussss?"

Trasulias beeilte sich, einen Lösungsvorschlag zu machen, der nicht darauf hinauslief, dass sie die kleinste im Außenteam war und deshalb durch den Schusskanal kriechen sollte.

"Können klappen. Tras, schneiden Stück von totes Kabel raus!"

"Stop stop stop!" Aldun Selek packte die Teladi an der Schulter, um schlimmeres zu verhindern. "Physikunterricht: Was passiert, wenn wir einen Stromkreis kurzschließen? - Richtig, an der Stelle mit dem größten Widerstand wird es sehr, sehr heiß. Und da die Solarkraftwerke Supraleiter zur Energieübertragung einsetzen..."

"...Kontaktstellen mit Überbrückung größter Widerstand werden. Nicht gut."

Der Skipper überlegte einen Moment. "Hwit, was ist der legale Status der Stationstrümmer?"

"Gemäß interstellarer Verkehrsordnung? Verkehrsgefährdendes Material, kennzeichnungspflichtig."

"Ok, wenn mich meine Erinnerung an die Verkehrsrechtskurse nicht im Stich lässt, darf ein Pilot derartiges Material aus dem Weg schießen. Richtig?"

"Sofern das im Kurs liegt und potentiell das Schiff gefährdet."

"Gut. Hwit, bitte doch unseren Piloten, Kurs auf die Zuleitung von den Solarpanelen zu nehmen."

"Das wäre ein Kollisionskurs!"

"Richtig. Lass ihn sehr sehr langsam darauf zufliegen."

Die ungläubigen Rückfragen des Piloten drangen gedämpft durch die Headsets.

"Ok, Hwit. Jetzt frage bitte den Piloten, ob er das vor ihm liegende Hindernis als potentielle Gefährdung seines Schiffs unter Beibehaltung des derzeitigen Vektors ansieht."

"Wir wurden gebeten auszurichten, dass er das verdammt nochmal tut."

"Sehr schön. Hwit, nimm das zu Protokoll und bitte den Piloten doch, zu versuchen, das Hindernis durch Beschuss aus dem Weg zu räumen."

Die von den Treffern ausgelösten Erschütterungen erreichten das Innenteam.

"Ok, Hwit. Haben wir noch Saft auf der Leitung?"

"Negativ."

"Dann lass den Piloten bitte abdrehen - offensichtlich reichte der Beschuss nicht aus, das Hindernis aus dem Weg zu räumen. - Fea, würdest du jetzt bitte das Schott öffnen?"

"Copy, Skipper." Der Split kappte die Stromversorgung der Steuerungseinheit und schloss sie an den tragbaren Generator an. Wenig später öffneten sich die Wandpanele und gaben den Zugang zum Kommunikationsrelais frei.

"Können wir die Daten abbergen? Ich will hier nicht länger als notwendig rumsitzen."

"Können ausbauen Relais samt Datenspeicher. Passen durch Schotts."

"Dann los."

Ohne weitere Zwischenfälle bugsierte das Außenteam das Kommunikationsrelais aus der zerschossenen Station heraus.

"Kurs Herzenslicht, argonischer Träger 'HL Hard Place'. Tia, Fea, Nu, seht zu, dass wir beweiskräftige Daten bekommen. Ich will endlich wieder ein eigenes Schiff unter den Füssen haben!"

*****

"Hier Anflugkontrolle 'HL Hard Place'. Sie dürfen landen." Der Flugdeckoffizier des Trägers war etwas irritiert, da ihm zwei Angehörige des Geheimdienstes über die Schulter sahen.

"Wo kommen die denn jetzt her?"

"Laut Beacon von einem Bergungseinsatz in Aladnas Hügel."

"Deklarierte Fracht?"

"Forensische Beweismittel."

Leo Danna und Euen Gardna tauschten bedeutungsvolle Blicke aus.

"Professionell. Wie erwartet..."

*****

Der Skipper und seine Crew grübelten über den Schiffsplänen, die ihnen die Versicherungsgesellschaft nach Erhalt der fehlenden Stationsdaten zugeschickt hatte. Die Tukan-Klasse hatte (mal wieder) ein radikales re-Design erfahren und ähnelte kaum noch der alten No Worries - die noch die atmosphärischen Flügel und das Cockpit in der Nase hatte, ein Vorkriegsmodell eben. Die Versicherer hatten sich zähneknirschend darauf eingelassen, ein neueres Modell als Ersatz anzubieten. Die Schiffsausbauten waren kein Problem, aber die Innenausstattung stellte die Crew vor schwere Entscheidungen.

Tras: "Ein Passssaschgierschhhhiff ohne Sssandbad kriegen wir nie zsssertifizssiert!"

Fea: "Brauchen Platz für Schiessbahn!"

Hwit: "Nicht nur einen billigen Holoschrein für die Dreidimensionalität..."

Nu: "Wenn wir den Regenerationstank etwas größer machen, können wir da auch Wellness anbieten!"

Tia: "Du willst doch nur deinen eigenen Pool haben, Nu."

Nu: "Na und, dir reicht ein Waffenschrank ja auch nicht mehr!"

Tia: "Weil die Einstiegsschleuse nicht mehr bei der Geschützkanzel liegt!"

Fea: "Aber dafür bei Crewkabinen."

Skipper: "Leute, wir müssen noch irgendwas streichen. Das Budget für die Innenausstattung liegt momentan bei 140%."

Hwit: "Und wenn wir nur einen ISE statt der PBK in die Kanzel nehmen?"

Fea: "Du wohl spinnen. Nix Reichweite!"

Skipper: "Irgendwo müssen wir sparen. Also erstmal keine Extrawürste mehr!"

Auch wenn auf der "No Worries" ein recht lockerer Umgangston herrschte, hatte der Skipper (beziehungsweise der Wachhabende) das letzte Wort.

Tia studierte noch einmal die Ausstattungslisten und stolperte über einen ziemlich großen Posten. "Skip, hast du dir mal angesehen, was die für Bereitstellung und Einbau der Standard-Teooichware und Paneele nehmen? Ich habe das mal mit den Preisen für die gehobene Ausstattung - Materialwert - verglichen, und wenn wir das Material in einer Kategorie besser zusammenrechnen, kommt dabei weniger als die Hälfte raus."

"Du hast recht. Ok, Fea, Tras, Tia, checkt bitte mal ganz genau, ob da wirklich die komplette Inneneinrichtung ausgetauscht wird. Nu, Hwit, klemmt euch mal hinter die Servicekataloge der Aufrüstungsdocks, Ausstatter und so weiter der Umgebung. Wir sollten ein paar >Angebote einholen."

"Skip, wenn selber machen, Hälfte sparen könnwn."

"Dasss würde unsser Budgssget für die ssonsstige Innenausssstattung auf 95% drücken."

"Gut, die restlichen 5% behalten wir als Reserve für Extraausgaben."

Die No Worries 2 nahm allmählich Gestalt an.

*****

"Ich sag's euch, absolute Profis. Den Plan. die Innenausstattung vor der Übergabe zu verwanzen, könnt ihr vergessen."

"Könne wir denen nicht einen Aktionspreis für eine Luxusausstattung anbieten?

"Zur Selbstmontage? Das merken die sofort."

"Was ist mit dem KI-Kern? Können wir da was drehen?"

"Glaube ich nicht. Die kaufen die Basisausstattung, ohne KI-Kern, und spielen dann ihren alten Kern zurück. Da müßten wir schon eine Kopie basteln, die sich identisch durchmessen lässt und trotzdem mehr kann. Und die unidentifizierten Routinen werden wohl kaum auf Standard-Interfaces laufen."

Die Einsatzgruppe Tukan des argonischen Geheimdienst´ konferierte in einem sehr viel geräumigeren Büro als die observierte Mannschaft der "No Worries".Trotzdem fühlten sie sich ungemütlicher, weil sich ihnen immer neue Schwierigkeiten in den Weg stellten.

*****
Last edited by jorganos on Thu, 27. Mar 08, 09:38, edited 1 time in total.

Deleted User

Post by Deleted User » Thu, 27. Mar 08, 00:31

hmm, was haben die vom Geheimdinst eigendlich gegen die?


Sehr gelungenes Kapitel, gefällt mir sehr. Aber ich teile die Meinung von Fea. ISE nix reichweite haben. Macht schöne Explosionen nicht, wenn trifft Schiff. :P :lol:
Last edited by Deleted User on Thu, 27. Mar 08, 14:34, edited 1 time in total.

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Post by silenced » Thu, 27. Mar 08, 07:19

zimmerflak ... zimmer flak !


naja, ich geh mal auf arbeit, wie gesagt, jeden morgen bitte ein neues kapitel
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Ban
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Post by Ban » Thu, 27. Mar 08, 18:36

Das Kapitel war richtig gut, die Ausdrucksweise der Völker hast du hut hinbekommen, für die Charaktere gilt dasselbe.
Argone_on_Tour wrote:Sehr gelungenes Kapitel, gefällt mir sehr. Aber ich teile die Meinung von Fea. ISE nix reichweite haben. Macht schöne Explosionen nicht, wenn trifft Schiff.
Ich stimmen zu, ISE nur zu Raketenabwehr taugen. :D

Greetz Ban

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Post by Deleted User » Thu, 27. Mar 08, 20:32

@Ban:
Aber auch nur, weil die selber noch sprengstoff mitführen, die Raketen. :lol:

Eine frage, die mich schon seit etwas längerer Zeit quelt...
Wann gibt es ein neues Kapitel?

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Post by jorganos » Fri, 28. Mar 08, 00:21

So, liebe Leser, ein weiterer Teil des Dramas um die No Worries.

Eine Tageszeitung kann ich dir leider nicht versprechen, silenced, und auch sonst kann ich quälende Warterei nicht ganz ausschließen. Zu Anfang konnte ich einfach drauflosschreiben, ohne auf Kontinuität usw. achten zu müssen. Jetzt bin ich so weit, dass ich der Geschichte eine Richtung geben muss, wenn ich nicht nur reine Slapstick-Action produzieren will. Das dauert halt...

Genug der Vorrede:

Teil 14

Die Crew der No Worries hatte sich im Observationsdeck eingefunden, sobald sie die Meldung über die Anlieferung des Ersatzschiffs erhielten.

"Irgendwie nicht das gleiche..." Aldun Selek bedauerte immer noch, den klassischen Vogel-Look verloren zu haben. Da hätten nur noch zwei Jazuras zu einer -H Kennung für historische Schiffe gefehlt...

"Wir glauben nicht, dass uns das Subraumkompressionsflackern der Reihen 7-12 fehlen wird..." Hwitnoarmanckimpeir hatte als Passagierbetreuerin am meisten darunter zu leiden gehabt.

"Da kommen viel Arbeit auf uns zu." Fea r'Rttg sah seine Freizeit auf unbestimmte Zeit aufgeschoben.

"Wasss würdet ihr davon halten, die Goner-Jungsss ausss Aladnas Hügel nochmal zssu engagschhhhieren?" Mal abgesehen von der Explosion des abgelassenen Wasserstoffs - an der die beiden nicht beteiligt gewesen waren - hatten sich die beiden Wanderarbeiter unter Trasulias Anleitung gut bewährt.

"Können wir uns nur leisten, wenn wir ein paar Frachtaufträge fliegen. Wenn wir den Kahn nicht vollschmeissen, sollten wir eigentlich abschnittsweise dran arbeiten können." Der Skipper war ein wenig beunruhigt wegen des Verdienstausfalls. Zwar hatte die Bergungsversicherung die bis jetzt entstandenen Kosten aufgefangen, aber mit Auslieferung des Schiffs endete diese Schonfrist.

"Erst müssen installieren Grundgerüst, dafür ganzen gefalteten Frachtraum freihaben müssen."

"Mist. Wie steht es mit den Crewkabinen?"

"Die hinkriegen auch mit vollem Frachtraum. Ein, zwei Fahrten vielleicht."

"Gut. Dann müssen wir also ein paar Cockpitpassagiere kutschieren, während wir den Frachtraum ausbauen. Die Crewkabinen und die Zugangsabteile zuerst."

Teta Nu löste sich von der Panoramascheibe, als der angelieferte Tukan längsseits zum Träger lag. "Liebe Freunde, wir sollten uns zu unserem Gepäck gesellen und den Transport auf das Schiff vornehmen lassen."

"Du hast recht, Nu. Alle Mann zur Abfertigung!" Aldun Selek warf noch einen Blick auf die Silhouette des neuen Schiffs, bevor er in die verzweigten Korridore des Trägers aufbrach.

*****

An Bord des Tukans herrschte rege Betriebsamkeit. Außer der Überführungscrew (drei Teladi aus Ianamus Zura, darunter ein männlicher) schwärmte ein Trupp Techniker des Wartungsdienstes des Trägers herum, um die Angaben für die Zulassung aufzunehmen. Normalerweise wäre das die Aufgabe des Ausrüstungsdocks gewesen, aber aus irgendeinem Grund war ein Team des Trägers beauftragt worden und nahm diverse Messungen vor.

Aldun und seine Crew fanden sich in einem ziemlich leeren Frachtraum wieder - außer den sechs Crewmitgliedern und den ebenfalls hineintransportierten Containern von der Bergungsmission befanden sich noch ein paar Container mit dem Material für die Innenausstattung sowie ein Empfangskommittee, bestehend aus einem Vertreter der Versicherungsgesellschaft und dem Piloten der Überführungscrew.

"Käptn Selek und Crew? Guten Tazura, ich bin Hari Norman, Bevollmächtigter der Versicherung für die argonischen Sektoren um Herzenslicht. Pilot Ismanetis und ich werden mit Ihnen die Abnahmeliste durchgehen."

Die Crew machte sich auf eine lange Tour gefasst, während ein Großteil der Techniker sich in den Transporterbereich begab.

*****

Samita Verdun und ihr fünfköpfiges Team hatten jetzt schon vier Tazuras lang kaum Schlaf bekommen. Die Agentur legte Wert darauf, ihre Korrespondenten möglichst wenig durch Paraniden.- oder Splitgebiete reisen zu lassen, deshalb war sie über Wolken der Atreus, Ceos Buckzoid, Profitbrunnen und Firmenstolz geleitet worden - jeweils mit Wechsel des Transporters, nie genug Aufenthalt für eine Übernachtung, und zu kurze Strecken an Bord, um sich erholen zu können. Entsprechend hatte sich eine stark gereizte Stimmung breitgemacht.

Die Handelsstation in Firmenstolz bot zwar einen Transfer zu einem der begehrtesten Urlaubsplaneten des bekannten Raums an, aber damit hatte es sich auch. Transfer, ramschige Souvenir- und Reisebedarfläden, Fast Food-Stände, Kneipen, billige Absteigen, die auch stazuraweise gemietet werden konnten. Das GalNet-Team saß in einer der Wartezonen in unbequemen Sesseln, die angeblich allen Rassen des bekannten Raums den gleichen Komfort anboten. In diesem Fall wohl allen gleich wenig...

Samita hatte sich mit einem der hier erhältlichen, undefinierbaren aber teuren Heißgetränke etwas abseits vom Team niedergelassen und diktierte den Nachrichtenteil ihrer Reportage in ihren digitalen Assistenten (DA). Die beiden Kameraleute und der Tontechniker hockten zwischen ihren Geräten und spielten Karten, die Stylisting lag quer über mehrere Sitze und versuchte zu schlafen. Tego, der Produktionsassistent, versuchte über seinen DA eine Mitfahrgelegenheit nach Aladnas Hügel oder Herzenslicht zu organisieren, aber Gerüchte über Piraten-, Xenon- und Khaak-Aktivitäten auf der Strecke hatten die meisten unabhängigen Piloten überzeugt, die Route zu meiden. Überhaupt hatte Thuruks Bart eine schwere Rezession durchgemacht. Die Agrarproduktion der Split war völlig aus dem Ruder gelaufen - hoffnungslose Überschüsse im Einflussbereich der Familie Njy, Transportengpässe um Familienstolz herum, Stillstand in vielen Fabriken. Entsprechend aggressiv verhielten sich die Piloten der Familien, entsprechend zögerlich bereisten andere Piloten die Systeme.

"Wir reisen hier in eine Region, die fast alle uns bekannten Plagen aufweist. In den Sektoren zwischen Firmenstolz und Herzenslicht bedrohen uns nicht nur alte Völkerfehden, sondern auch ein Übermaß an Piraten, Xenon und sogar Khaak. Das ehemals multikulturelle Zusammenleben der Völker in Akeelas Leuchtfeuer ist durch kontinuierliches Downsizing auf wenig mehr als ein teladianischer Sündenpalast in Gestalt einer Handelsstation zusammengeschrumpft. Ob und welche Stationen in Hatikvahs Glaube überleben, erfährt ein Durchreisender erst bei Systemeintritt. Die ehemaligen Xenonterritorien zwischen Hatikvah und Trantor, einst hoffnungsvoll an die Konföderation von Hatikvah angegliedert, werden von Piratenclans untereinander aufgeteilt, die das Split Familien-Chaos noch als allerhöchste Ordnung erscheinen lassen. Und über die ehemalige Minenkolonie Nopileos Memorial dringen immer wieder Xenon in die zivilisierteren Sektoren ein, fast genauso zerstörerisch wie eingesprungene Khaak-Cluster."

"Wir berichten hier über die Folgen eines solchen Eindringens. Es ist nur wenige Tazuras her, dass ein Xenonverband eine Spur der Verwüstung in den Systemen Hatikvahs Glaube und Aladnas Hügel hinterlassen hat. Wie so oft waren es die Kauffahrer, die zuerst von den Zerstörungen betroffen werden."

"Replay."

"Wie so oft waren es die Kauffahrer, die zuerst von den Zerstörungen betroffen werden."

"Edit: betroffen wurden. Ein typischer mittlerer Vorstoß der Xenon hatte die argonischen Patrouillen unterlaufen und eine Reihe wehrloser Frachter vernichtet. Die schnelleren Teile des Verbandes waren in Herzenslicht eingedrungen, wo ihnen erste Verluste beim Systemeintritt zugefügt wurden."

Der - unter der Hand erworbene - Logbuchauszug einer argonischen Zollpatrouille am Nordtor von Herzenslicht strotzte nur so vor widersprüchlichen Angaben. Eingefärbte Ionenstrahltriebwerke, ein explodierender Abfangjäger der Xenon, ein unidentifiziertes ziviles Schiff, das weniger als eine Mizura im System geblieben war - alles sehr mysteriös, aber keine echten Nachrichten. Die Flottendaten besagten, dass mehrere Schiffe den schnelleren Xenoneinheiten zum Opfer fielen, bevor diese in Höhe des Ausrüstungsdocks von Kampfverbänden des Militärs gestellt und vernichtet werden konnten.

Samita wußte noch nicht, in welchem Licht sie die Flottenaktionen porträtieren würde - als entschlossene Vergeltungsmaßnahme, oder als völlig verspätete Reaktion auf einen Vorstoß, der von Rechts wegen zwei bis drei Sektoren früher hätte eliminiert werden müssen. Sie machte manuell ein paar Notizen in beide Richtungen.

Noch immer keine genaueren Daten über die Ereignisse in Aladnas Hügel. Ein paar Schiffs-IDs, die wenigsten davon regulär erreichbar. Samita und ihr Team mussten dringend weiter. Sie sah sich nach Tego um, aber der Intenisität seiner Gestik nach war der noch keinen Schritt bei der Lösung ihres Transportproblems weitergekommen.

*****

Die Abnahme der neuen "No Worries" bot alles, was Aldun Selek erwartet hatte. Generelle Erfüllung der Forderungen im Leistungsverzeichnis, mit signifikanten Ausnahmen oder Änderungen, die als Garantieleistungen, Preisminderung (sprich: höhere Restsummenauszahlung) oder Abschläge auf zukünftige Versicherungsbeiträge verhandelt werden konnten. Dazu kamen unbestellte (aber bereits eingebaute) Zusatzausstattungen, die natürlich in Rechnung gestellt wurden, von denen aber die Versicherung nichts hören wollte. Angefangen damit, dass die ausliefernde Werft irgendwie vergessen hatte, die Triebwerks- und Steuerungsoptimierungen durchzuführen.

Der Rohbauzustand der Passagier- und Frachtsektion ermöglichte den Ausbau einiger besonders kostspieligen Elemente, sehr zum Ärger der überführenden Teladi, die jetzt zusätzlich zu ihrer Rückpassage auch noch einiges an Frachtraum chartern mussten. Erstaunlicherweise hatte die Crew einstimmig für den Ausbau dieser Neuerungen plädiert, wenn auch aus sehr widersprüchlichen Motiven. Letztlich war es aber dieser kollektive Egoismus, der die Crew zusammenhielt. Das, und der Überlebenskampf gegen den Rest der Welt.

Der Skipper lümmelte sich in den neuen Pilotensessel - genau genommen in die Unterpolster desselben. Den Teladi war es gelungen, ein argonisches Patent zur individuellen Sitzanpassung zu unterlaufen, und so bot der Sessel angenehme und beschleunigungsneutrale Positionen für diverse Anatomien in unterschiedlich dicken Raumanzügen. Das Steuerpult war um ein kleines Touchpad erweitert worden, wohl als Fallbacksystem für die Maus. Fehlte nur noch das Berührungssensitive HUD auf der Brückenscheibe. Richtig, "Brücke". Der Skipper konnte die Oberseite des Transporters auf fast der ganzen Länge des Schiffes betrachten, dafür fehlte das unmittelbare Gefühl der direkten Einflussnahme, das ein Cockpit im Vorderteil eines Schiffes dem Piloten vermittelte.

Die technische Abnahme des Schiffs und die damit verbundene Verkehrstauglichkeitsbescheinigung hatte keine Probleme gemacht. Die Prüfer hatten den Standardzustand aller Systeme dokumentiert oder zumindest zertifiziert. Jetzt galt es, diese Systeme für einen reibungslosen Einsatz zu konfigurieren. Im Wesentlichen bedeutete das, die Standardzustände über Bord zu werfen und die geborgenen Kleinigkeiten von der alten No Worries zu integrieren.

Die Crewkabinen waren ein echtes Plus. Mit Hilfe der Subraumkomprimierung war es gelungen, die effektiv nutzbare Fläche zu verdoppeln. Ähnlich wie in den Luxuskabinen des Passagiersegmentes konnten zeitweilig ungebrauchte Kabinenteile wie Nasszelle oder Foodmatik weggefaltet werden. Der persönliche Stauraum hatte sich verdreifacht, ohne den Frachtraum im geringsten zu beeinträchtigen.

Nach längerem Hin- und Her hatte sich die Crew darauf geeinigt, einen Teil der Arbeiten im Aufrüstungsdock von Firmenstolz durchzuführen. zumal in dem System auch Zugriff auf weniger konventionelle Schiffssysteme gegeben war - die unoffizielle Basis in der Nähe des Nordtores.

*****

Das Mammut "Alphonsius Rockfellow" der Geheimdienstgruppe Tukan traf in Herzenslicht ein. Kaum hatte die neue "No Worries" Fahrt aufgenommen und die "HL Hard Place" verlassen, setzte ein reger Pendelverkehr zwischen der "A. Rock" und der "Hard Place" ein. Viele der Techniker, die die technische Abnahme durchgeführt hatten, fanden sich an Bord der "Rock" wieder, wie auch ein beträchtlicher Teil der Verhörbeamten der Hard Place. Ein Teil des Frachtraums war wie eine Kopie der Brücke der No Worries ausgestattet und sammelte Telemetriedaten. Leider fielen die meisten der bei dem Besuch hinterlassenen Systeme im Zuge der Anpassung der No Worries aus, aber die Planung hatte einen solchen 95-Prozentigen Ausfall einbezogen. Schließlich war man auf Profis angesetzt worden. Und Profis würden einige Systeme zur Übermittlung banaler oder sogar falscher Daten aktiv lassen. Bislang lief also alles nach Plan.

*****

"Es könnte schlimmer sein. Anstelle eines Split-Mechanikers und eines Boronen-Arztes könnte ich auch einen Boronen-Mechaniker und einen Split-Arzt haben..."

Aldun Selek versuchte, sich selbst aufzumuntern, bevor er mit der Motivation besagter Crew-Mitglieder begann.

Fea r'Rttg hatte die Jagdleidenschaft gepackt, als er die vielen kleinen Messinstrumente in der Maschinerie als solche erkannt hatte. Daraus musste sich doch was machen lassen! Zu seinem großen Unmut hatte aber der boronische Arzt nicht nur die benötigten Werkzeuge zur Submikromanipulation, sondern auch noch militärische Fachkenntnisse über solche Geräte, die selbst die Feintuning-Kenntnisse eines Rennmechanikers überstiegen, deshalb mußte er mehr übel als wohl mit dem Schffsarzt zusammenarbeiten.

"Pfütze und Technik sich nicht vertragen!" wiederholte der Split ein weiteres Mal.

"Mein grummeliger Kollege möge bedenken, dass mein Berufsstand die meisten technischen Eingriffe in einem unvermindert laufenden System durchführt, und dass ein Großteil dieser mikroinvasiven Eingriffe vom Operateur selbst feinjustiert werden. Das setzt natürlich ein minutiöses Verstehen der Technologie voraus." Der Borone schwamm schon wieder halb den Elfenbeinturm der Grundlagenforschung hinauf.

"Halten Feuchtigkeit weg von Elektronik, Gesehen haben, wozu das führen. Schiff neu ausrüsten müssen."

"Zum Donnerwetter, Fea, Nu, benehmt euch nicht wie kleine Kinder! Fea, diese Teile werden nirgends eingebaut, bevor wir nicht wissen, was für Daten die austauschen und wie wir die Daten für uns behalten können. Ich habe keine Lust, plötzlich von Piraten per Override aufgebracht zu werden. Nu, wir wollen die Dinger einem neuen Zweck zuführen. Ich finde es gut, dass du rausfinden willst. wo genau die herkommen - nach Teladifertigung sieht das jedenfalls nicht ausl Aber darünber wollen wir nicht vergessen, dass das Schiff in Gang kommen muss, und uns mit der Zeit auch das Kapital wegschwimmt. Deshalb brauchen wir die funktionelle Diagnose. Ja, das ist genau wie bei den Marines. Und aus dem gleichen Grund: es geht ums Überleben!"

"Du sicher sein, du wollen springen mit neuem Antrieb?"

"Bin ich, sobald wir die Teile rausgefummelt haben. Wir nehmen jetzt Kurs auf Akeelas Leuchtfeuer, um aufzutanken. Seht zu, dass der Sprungantrieb sauber ist, wenn wir die Energiezellen geladen haben."

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Post by jorganos » Wed, 2. Apr 08, 12:01

Nach längerer Pause mal wieder eine Episode über die Tukan-Crew.


Teil 15

*****

Der schwere Transporter Alphonsius Rock nahm Kurs auf das Westtor in Aladnas Hügel. Zwei Nova-Jäger eskortierten den Stationstransporter, dessen Fracht so gar nichts mit Stationsaufbau zu tun hatte. Das Schiff war mit der aktuellsten Überwachungstechnik ausgestattet, hatte dutzende Satelliten und Sonden an Bord, und beherbergte in seinem erweiterten Hangar eine leichte Aufklärerstaffel, zwei umgebaute Teladijäger als Landungsboote und Minenleger, Nachrichtendrohnen, Kampfdrohnen und sogar Lasertürme.

Zwei als Zöllner gekennzeichnete Aufklärer flogen scheinbar zufällig nach Akeelas Leuchtfeuer. Sie dienten als Funkrelais für die abnehmende Zahl Überwachungsgeräten an Bord des nagelneuen Tukan namens "No Worries".

Aldun Selek vertraute dem neuen Autopiloten weit genug, dass er während des Fluges die Grundkonfiguration der Sicherheitsvorrichtungen vornahm. Zu allererst galt es, die ab Werk voreingestellten Codes abzuwandeln, um eventuellen Hacker nicht zu offene Türen für manipulierende Eingriffe zu bieten.

Mittlerweile hatten Fea r'Rttg und Teta Nu an etwa zwanzig kleiner Überwachungsvorrichtungen gefunden, die auf unterschiedlichste Art mit dem Schiffs-ID-Transponder kommunizierten. Jegliche Kommunikation konnte verwanzt sein. Da auf diesem Flug keine Passagiere an Bord waren, hatten sie die Überwachungssysteme deaktiviert und auch die interne Kommunikation stark eingeschränkt. Für etwaige Lauscher spielten die Rhonkarschen Symphoniker klassische argonische Musik, für großes Split-Orchester arrangiert, aus dem doch noch geborgenen Privatbestand Fea r'Rttgs. Der Split werkelte gut gelaunt zu den majestätischen Klängen der Rauch-über-Wasser-Suite und summte mit.

"... über Wasser, Feuer im Himmelsze-elt, Rauch... - Verdammt, was das schon wieder sein?"

Schon wieder steckte da ein kleines Bauteil, wo laut Blaupause keins vorgesehen war. Diesmal im Kabelnetz der internen Überwachung.

"Doc, haben noch ein Spielzeug für dich!"

Tia kam neugierig aus dem vorderen Schleusenbereich, wo sie die Unterbauten für die Wandverkleidungen angeschraubt hatte.

"Ich frage mich langsam, wo der ganze Müll herkommt. Das ist doch nicht normal!"

"Doc, endlich kommen!"

"Der hört dich bei diesem Lärm wahrscheinlich nicht."

"Diip p'Rpl laut hören müssen, sonst nix gut." Grummelnd regelte der Split die Kabinenlautstärke runter. "Aber Boxen gut Power haben. Viel Spaß haben werden. - Doc, rüberkommen!"

"Laute Bordgemeinschaft, was gibt es Neues? Noch so ein Gerät unbekannter Funktion und Herkunft?"

"Du haben erfasst. Sehen hier? Haben Kabel gekappt und durchgeleitet. Neuen Kabelstrang brauchen werden!"

"Das hier sind Teladianische Bauteile. Die könnten ab Werk drin sein. Was klappt denn hierhin aus?"

"Waschräume und Heißraum."

"Lass die erst mal drinnen. Die könnten ab Werk drin sein. Tia, schmeiss mal eine der Überwachungskameras an!"

"Mach ich, Doc. Sollte jetzt Signale liefern."

"Eingangssignale messen können. Datenmuster normal."

"Gut, Kamerad r'Rttg, jetzt den Ausgang."

"Gleiches Datenmuster, aber längerer Kopf. Hier Differenzcode."

"Gut... Wenn wir im Dock liegen, testen wir den mal am Hauptrechner. Möglicherweise will hier nur jemand Filmchen drehen, vielleicht auch Gespräche abhören. Noch ein Punkt auf der Checkliste."

"Langsam genug haben. Versicherung, Militär, und jetzt auch noch Schiffswerft? Warum wir nicht gleich Presse an Bord holen?"

*****

Aldun Selek prüfte den Markt in Akeelas Leuchtfeuer auf preiswerte Energie. Der idiotische Schnäppchenfinder des Teladiunternehmens verwies natürlich wieder einmal auf das XL-Kraftwerk fast am anderen Ende des Sektors, aber auch ein M-Kraftwerk bot den gleichen Preis, bei halber Flugzeit.

"Notiere: Trasulias soll den Marktmonitor neu progammieren. Notiz beendet. Ich hasse Standardsoftware!"

"Wer missssbraucht da meinen Namen?" Der Teladi linste aus dem Crewbereich auf die Brücke des Tukan.

"Dein Skipper, Tras. Wie sieht es aus mit der Wiederherstellung unserer alten EDV?"

"Ssssieht prächtig ausss, Ssskipper. Wir müssssen nur diesse KI überarbeiten, und sssschon kannsst du wieder allesss ssso sssehen, wie du esss gewohnt bissst. Natürlich nur, sssofern das OEM-Sssyssstem keine neue Oberfläche hat."

"Weißt du, Tras, wenn die Zertifizierung nicht wäre, würde ich das ganze Vesta rausschmeissen und eine alte Goner-KI unter iX einsetzen. Die blinkend aufpoppenden Warnmeldungen bringen mich irgendwann nochmal dazu, ein Dock zu rammen. - Wie lange brauchen wir für die KI-Überholung?"

"Ssschwer zsssu sssagen. Je nach dem, wie oft wir sssie wieder neu anfahren müssssen."

"Dann lass dir von Hwit mal ein größeres Tablett mit Konzentrationssnacks vorbereiten. In Firmenstolz fahren wir die Kiste runter."

Selek klickte ein paar aktive Felder.

"Sie sprechen mit dem automatisierten Kommunikationssystem."

Selek klickte die Option "Erbitte Landeerlaubnis", bevor die nervige Konservenstimme weiterreden konnte, und steuerte auf die in sein HUD projizierte grüne Kugel zu, ohne sich allzusehr an die von Leuchtkugeln gebildete Gasse zu halten. Die Kurzstreckentraktoren der Andockklammer ergriffen das Schiff, nachdem er auf Nullschub umgeschaltet hatte.

"Ssschon ein komissschesss Gefühl, an einem Sssolarkraftwerk anzsssudocken."

"Diesmal holen wir uns nur die Sprungenergie, die wir letztes Mal nicht bekommen haben. Skipper an Frachtraum, wir nehmen jetzt unsere Ladung Energiezellen an Bord."

Aldun Selek gab der automatischen Verladeeinrichtung die Bestellung ein,

Die Transportkisten wurden über Laufbänder zur Ladeschleuse bugsiert, wo sie von den zwei schiffseigenen automatischen Hebern entgegengenommen und an den vorgesehenen Platz im Lagerraum verschoben wurden.

Tia, die auch als Frachtmeisterin tätig war, bestätigte den Eingang der Transportkisten und den Anschluss an die bordinternen Energieleitungen. Allerdings nur schwer verständlich vor dem Hintergrundgeräusch der Kabinenlautsprecher, aus denen mittlerweile klassische Werke von Angus Young dröhnten, wie sie von den Gonern in Ehren gehalten wurden. Momentan lief gerade die Ode an den altertümlichen chemischen Sprengstoff Trinitrotoluol, zu deren Rhythmus Fea Trägerstützen mit Bolzen in die Wandaufhängungen flanschte.

"Tia, bitte signalisiere Fea doch, dass wir gleich den Sprungantrieb einsetzen werden. Wenn es da also noch Diagnosen oder Reparaturen auf letzte Sekunde geben sollte: Jetzt wäre eine gute Zeit dafür."

"Maschine an Brücke: Nicht können überall sein. Noch warten vor Sprungversuch!"

"Na gut, Fea. Konventionell nach Aladnas Hügel, dann Sprung."

*****

Der Sprung zum Osttor von Firmenstolz verlief reibungslos. Vierzig Energiezellen waren nur noch inaktives Rohmaterial für die Silizium-Rückgewinnung und landeten automatisch in den Recyclingbehältern.

Firmenstolz bot den üblichen Anblick - teladianische Fabriken und Zubringer, Transporte mit Pauschaltouristen und Urlaubssouvenirs wie auch Piratenjäger zu Beginn oder Ende ihrer Raubzüge. Ausreichend "interessant", um für einen Großteil der Wegstrecke zwischen Sprungtor und Aurfüstungsdock den Autopiloten deaktiviert zu lassen und auf die Annäherung dubioser Schiffe zu scannen.

Diverse nebenberufliche Polizisten scannten die Frachtcodes der Container vorbeifliegender Schiffe. Die teladianische Polizeilizenz ließ sich ohne große Kontrolle der Antragsteller erwerben, und viele hoffnungsvolle Kopfgeldjäger lauerten lieber hier als im deutlich piratenreicheren Sektor "Neuer Verdienst" auf ihre ersten Kunden. Vielleicht ja auch Kandidaten, die genausogerne kaperten wie legale Angriffe durchführten.

Beim dritten "Sie werden gescannt!" der Blechkastenstimme hatte Fea r'Rtg genug. "Skipper, mich an Geschützkanzel lassen. Partikelscan durchführen wollen."

"Immer mit der Ruhe, Fea, du bist nicht dran. Tia hat noch 20 Stazuras Rückstand in der Kanzel. - Und Tia, Zielaufnahme bei den scannenden Schiffen ja, Beschuss erst auf Freigabe."!

"Spaßbremse sein. Mit Asteroiden spielen..." Sichtlich enttäuscht wandte sich Fea wieder seinen Innenausbauarbeiten zu.

"Aufrüstungsdock, hier Tukan Frachter ITP1423. Erbitten Landekoordinaten für die reservierte Wartungsbucht."

"Sie sprechen mit dem automa..."

"Verbindung mit Person." Der Skipper konnte die Automatenstimme nicht mehr hören und übersprang so viel von den Ansagen, wie irgend möglich. "Antirides Heliografos Temistokles IV. Nein, nicht das Büro. Temi, geh ran, verdammt nochmal!"

Seleks Kontakt erfüllte diesen Wunsch zunächst nicht. Stattdessen dudelte eine belanglose teladianische Melodie durch den Kom, die angeblich die Konsumfreude anheben sollte. Aldun war sich da nicht so sicher - bei ihm lösten derartige Klänge den Wunsch aus, sich wie ein Split zu benehmen. Aber vielleicht waren wütende Split ja kauffreudiger. Weder Trasulias noch Fea würden ihm da Auskunft geben.

"Firmensstolzss Yachtssserviccce, womit können wir Ihnen behilflich ssein?" Ein grauhäutiger Teladi mit schräg sitzendem Turban erschien auf dem Display.

"Temi, hier Aldun Selek. Wir wollen die Anpassungen durchführen, die ich dir angekündigt habe. Wo sollen wir docken?"

"Sselek, altess Hausss, sso ssieht man ssich wieder! Wasss isst mit der alten 0815 passssiert?"

"Bergungsversicherung, und dann hatte die Werft in Ianamus Zura keine alten Modelle mehr auf Lager. Dabei ist in dem Sektor keine der Ausstellungshallen abgebaut worden."

"Die Zsseiten ändern ssich, Sselek. - Ihr habt Freigabe für Blau 7. Immer den Pfeilen nach!"

******

Der in Herzenslicht gestartete TL "A. Rockfellow", schwerer Transporter der Mammut-Klasse, passierte das Sprungtor von Thuruks Bart nach Firmenstolz, wenig später gefolgt von zwei Discoverer-Scoutschiffen mit der Kennung "Taxidienst", die auseinanderliegende Stationen im System anliefen, während der Großtransporter Kurs auf das Nordtor nahm. An Bord der beiden Discoverer arbeiteten die Passagiere unter Hochdruck an der Erfassung und Vorabanalyse des Funk- und Datenverkehrs, insbesondere der Daten der No Worries. Deren Transpondersignal ("Frachtguttransport") lieferte immer noch einige Betriebsdaten, wie sie auch in der Black Box gespeichert wurden. Wenig später riss das Signal ab, als die Andockklammern des Aufrüstungsdocks das Schiff in Empfang nahmen.

Ein Teladi Falke Frachter legte mit zehn Passagieren von dem Mammut ab und nahm Kurs auf das Ausrüstungsdock. Die Passagiere setzten sich aus vier Marines in leichter Ausrüstung, vier als Dockarbeiter gekleideten Schiffssytem-Spezialisten sowie zwei Datenanalytikern zusammen, eine anscheinend dem gehobenen Management angehörende Brokerin und ein eher der Subkultur zuzurechnender Programmierertyp im charakteristischen Schlabberlook. Ihre gemeinsame Aufgabe war es, die Umbauarbeiten an dem Tukan zu verfolgen und - sofern möglich - Überwachungssysteme oder Hintertüren einzubringen.

Unterdessen zogen Datenanalysten die Passagedaten der Sprungtore, Verkehrsüberwachungsdaten der Stationen und Zollunterlagen in die wartenden Massenspeicher der Computersysteme der Rockfellow, um Querverbindungen und Kontakte der No Worries ausfindig zu machen.

"Antirides Heliografos Temistokles IV: selbständiger Yachtservice an Bord des Aufrüstungsdocks, ehemaliger Mitarbeiter der Teladi Universumsreisen Inc., fünf Angestellte, spezialisiert auf individuelle Modifikationen und Sonderanfertigungen. Kontakte zu der Piratenstation, aber nach teladianischer Businessethik absolut weiße Weste. Mit anderen Worten, ein offizieller Zulieferer für die Piraten, aber auch Aufträge legitimer Unternehmen aller Größenordnungen. Kontaktperson an Bord des Tukan: Aldun Selek, ebenfalls ehemaliger TUI-Angestellter. War anscheinend schon an Umbauten des ursprünglichen Tukan beteiligt gewesen, als der noch für die Passagierlinie flog. Laut Unterlagen hat Selek hier seit seiner Entlassung viermal Wartungsarbeiten durchführen lassen."

"Bei größerern Aufträgen nimmt Temistokles Kontraktunternehmen oder freie Arbeitstrupps als Subkontrakteure an. Damit könnten wir ein Team an Bord kriegen."

"Anweisung geht raus."

*****

Samira hatte schließlich nachgegeben und Tego eine Unterkunft in einem Hospiz für Wanderarbeiter mieten lassen. Die enge Kabine bot zwei dreistöckige Etagenbetten, ein Waschbecken, einen kleinen Tisch und zwei Stühle sowie kleine Info- und Entertainmentterminals in den Betten. Zwei container-ähnliche Spinde boten Platz für einen Teil der Ausrüstung. Das ganze zu einem Preis, für den sie auf einer argonischen Handelsstation eine Suite hätte mieten können.

Tego war mit seinen Bemühungen, einen geeigneten Transporter aufzutreiben, nicht weitergekommen. Die Linienpiloten, die die Pauschaltouristen anlieferten, verbrachten ihre Freizeit lieber auf dem Planeten - die meisten hatten diese Tour als Bonusleistungen ihrer Geschäftsführungen erhalten und würden einen Teufel tun, ihre wertvolle Landgangzeit für das Kutschieren von Presseleuten zu opfern.

Herkömmliche Frachter oder Militärschiffe kamen nicht in Frage, weil Samira auch die Studiopassagen während der Fahrt aufzeichnen musste. Das, oder mit total veralteten News nach Hause schleichen.

Schließlich näherte sich Tego mit einem Hoffnungsschimmer. "Samira, ich könnte da etwas haben. Ein Tukan einer kleinen privaten Fluggesellschaft hat zu Wartungsarbeiten im Aufrüstungsdock angelegt. Voraussichtlich morgen dürften die Arbeiten beendet sein, und noch liegt kein Flugplan vor. Reicht uns das?"

"Wir müssen nehmen, was wir kriegen. Dranbleiben, Tego, uns läuft die Story davon."

*****

Der Teladi mit dem schief sitzenden Turban watschelte auf Aldun Selek zu. "Ssselek, du alter Pirat, wasss hasst du mit dem alten Tukan gemacht?"

"Das ist eine lange Geschichte, Temi. Lass uns lieber erstmal regeln, was wir mit dem neuen machen."

"Wie du meinssst. Wird deine Crew eigentlich immer grösssser?"

"Darf ich vorstellen: Fea r'Rtg, unser Bordmechaniker und Ingenieur, und Hwitnoarmanckimpeir, Liaison für Passagiere und Rechtsabteilung. Den Rest kennst du ja."

"Von den r'Rtgsss auss Tkr?" Temistokles musterte den Split.

"Raumtorrennen, Mechaniker von Hu r'Rtg, Vetter gewesen sein. Bis Únfall mit Squash-Mine in Weg zur Freiheit."

"Alle Achtung, dasss war ein ssicherer Kandidat für Rang. - Ok, Aldun, wie können wir gemeinsssam Profit erwirtssschaften?"

"Wir haben hier ein fabrikneues Schiff mit allen Standardeinstellungen, Innenverkleidungen noch nicht montiert. Mit den üblichen Problemen ab Werk. Ich habe die Blaupausen und den aktuellen Stand der Dinge hier auf dem Datenträger, lass uns das in deinem Planungsbüro besprechen."

"Wie du meinssst. Tretet ein, Crew von Aldun Sselek."

Das Planungsbüro hatte nicht nur einen hervorragenden Holoprojektor zur Anzeige der Blaupausen, sondern war auch abhörgesichert, wie Aldun aus früheren Besuchen hier wusste.

"Wo drückt der Ssstiefel?"

"Fea, übernimm mal."

"Machen das, Boss. Heftige Infektion mit Wanzen haben. Unterschiedliche Typen, Doc hier sagen. Viele mit KI oder Transponder verbunden. Transponder reinstes Tagebuch. Schauen hier, hier, und hier." Der Split zeigte mit der Kralle auf die entsprechenden Leitungen.

"Eine Kategorie mit Blackbox-Daten aus Steuerung verbunden. Doc sagen können umprogrammieren für Eigenbedarf. Nur müssen Transponder rausnehmen. Dann hier, hier und hier Override-Schalter gefunden. Ausgebaut haben, zur Ansicht mitgenommen. Rechnen mit mehr."

Der Split kratzte sich am Kinnbart. "Nicht kennen Aktivierungssequenzen, also rausnehmen oder durch eigene ersetzen müssen. Telemetrie-Module von Rennvögeln da gut gehen."

"Wer hat denn sso ein Interesssse an euch?"

Aldun zuckte mit den Schultern. "Versicherung, Militär, und Profitjäger in der Schiffswerft. Ein Teil der internen Sicherheitseinrichtungen ist mit einer Paparazzi-Routine in der KI verknüpft. Temi, die Overrides kannst du behalten. Ich bin sicher, dass du dafür Abnehmer findest. Wir brauchen wieder personalisierte Destruktornanobots, ohne die wären unsere persönlichen Kleinigkeiten jetzt auch Raumstaub. Ansonsten muss die Kiste für eine Rezertifizierung vorbereitet werden, und das bedeutet auch, dass wir die Innenausstattung zumindest funktional kriegen."

"Dasss kann dauern."

"Wir haben schon einige Vorarbeiten unterwegs erledigt, und die Crew fasst mit an. - Kinder, vier Stazuras Freizeit, danach Arbeitsbesprechung. Nicht für uns, Temi, wir arbeiten einen Zeitplan aus...

*****

"Außenteam an Rockfellow: Benötigen zusätzliche Mittel, wenn wir den Yachtservice infiltrieren sollen. Die arbeiten mit eigenem Personal und der Crew. Vorschlag: Nachrüstungen bei dem Truppentransporter."

"Akzeptiert. Senden die Cover-Story als Anhang."

*****

Deleted User

Post by Deleted User » Wed, 2. Apr 08, 13:15

Jetzt hab ich wegen dir einen Tukan gekauft ^^

Tolle Kapitel, muss man schon sagen ^^

jadmanthrat
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Post by jadmanthrat » Wed, 2. Apr 08, 15:46

keine schlechte idee eigentlich^^ aber dann muss ich dem argonischen militär auch noch mein mammut leihen...

die geschichte wird immer besser, weiter so :!: :thumb_up:

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