[Story] No Worries - ein Tukan auf Abwegen. (Teile 1-28)

Der kleine Teladi aus dem X-Universum hat Gesellschaft bekommen - hier dreht sich jetzt auch alles um das, was die kreativen Köpfe unserer Community geschaffen haben.

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jorganos
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Post by jorganos » Fri, 14. Mar 08, 21:27

Weiter gehts mit Teil 8. Schauplatz ist immer noch der M1 "HL Hard Place".


In dem Korridor vor den Geheimdienst-Büros der "HL Hard Place" marschierte ein Trupp Marines in Enterungsmontur auf. Zwei Analysten, deren Uniformen irgendwie den Eindruck machten, dass ihre Träger sie nur hastig übergeworfen hatten, schlossen mit Handabdrücken ein Nachbarbüro auf und gingen rein, gefolgt von zweien der Marines. Kurz darauf trat einer der Marines wieder raus.

"Miss Hwitnoarmanckimpeir, wenn Sie mir bitte folgen würden?"

Fea r'Rttg war beleidigt. "Was das sollen? Kennen Geschichte. Zeit verschwenden. Was die machen hier?"

Letzteres galt den Combat-Medics, die in das Büro stürmten, das der Split gerade verlassen hatte.


"Subdiakonin, bitte nehmen Sie Platz."

"Unheiliger, rede Er uns mit unserem Schiffsrang oder unserem Namen an."

Hwitnoarmanckimpeir hatte ihren Vocalizer auf Bassfrequenzen eingestellt, die zum Teil in den Panikfrequenzen der Argonen lagen. Zwar wird behauptet, dass Paraniden keinen Humor kennen, aber im Fall der Chefbetreuerin der "No Worries" traf das nur sehr bedingt zu. Schliesslich hatte sie an Bord des Tukans überlebt...

Jedenfalls widersprach die Verwendung der Hierarchieposition in der Dreidimensionalität eindeutig den guten Sitten im Kontakt mit höheren Wesen. Wahrscheinlich war das ein Test.

"Nun gut, Miss Hwitnoarmanckimpeir. Wie wir der, ähm, Aussage Ihres Mechanikers entnehmen konnten, hatten Sie in Aladnas Hügel Flüchtlinge an Bord genommen?"

"Höre Er die Weisheit der Dreidimensionalität, Unheiliger." Mit Bedauern musste die Paranidin die unteren Frequenzen etwas zurücknehmen, damit der Vocalizer nicht schepperte. "Durch die Unachtsamkeit Eurer zweidimensionalen Systemwachen hatte ein Xenonverband unter Führung eines M6 bereits das System durchquert und war nach Herzenslicht eingedrungen, als unser Schiff in das System einsprang. Unsere Logaufzeichnungen halten die Kollision mit einem der eskortierenden M4 sowie den gerechtfertigten sofortigen Rücksprung unseres Schiffes fest. Da unser Dienst in der Betreuung der Passagiere bestand, befanden wir uns im Passagierabteil. Als Anlage legen wir drei Beförderungsverträge vor, an deren Ausführung Euer Verhalten uns abhält. Aus diesem Grund beantragen wir eine einstweilige Einstellung dieser Vernehmungen und reichen eine Schadensersatzklage auch im Namen unserer Passagiere ein. Wir bitten um Quittierung dieser Eingaben."

Gemeinsam mit Trasulias hatte Hwitnoarmanckimpeir die Eingaben auf ihren Assistenten vorbereitet, als Fea r'Rttg im ersten Büro die ungeteilte Aufmerksamkeit der Sicherheitsabteilung auf sich zog. Das Regularium der Profitgilde, auf das die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der "No Worries" ausgiebig Bezug nahmen, sahen hier hohe Strafgebühren für von Sektorstreitkräften verursachte Konventionalstrafen vor. Der saure Gesichtsausdruck der beiden unmaskierten Argonen zeigte, dass sich die Mühe gelohnt hatte.

Ein Argone schaltete einen Schallfilter ein und kommunizierte mit einer anderen Abteilung der Trägeradministration. Hwitnoarmanckimpeir regelte ihren Vocalizer über ihren Digitalen Assistenten unauffällig so ein, dass sie trotz des Filters mithören konnte.

"Dann geben Sie mir den Oberzahlmeister, Miss Ybaga."

(Seltsames Pfeifen aus dem Kommunikator. Dem Rhythmus nach zu urteilen argonische Meditationsakustik.)

"Zahlmeisterei, Henson. Was will der Nachrichtendienst von uns?"

"Es geht um den verdammten Tukan. Die haben eine Klage wegen unrechtmässiger Behinderung legitimer Beförderungsverträge eingereicht. Der Klagewert liegt bei 60.000 Credits!"

"Sechzigt... - damit kommen die nicht durch. Die bluffen!"

Hwitnoarmanckimpeir räusperte sich, was von ihrem Vocalizer wie ein Donnergrollen übertragen wurde. Das lief ja sehr befriedigend.

"Unheiliger, teile Er seinen Kollegen mit, dass wir nicht bluffen. Unsere Forderung ist von rechtsverbindlichen Verträgen der Gründergilde abgedeckt."

Irritiert sprach der zweite Argone in das Mikrofon seines Headsets. "Euen, schalte den Filter ab. Die Gegenseite hört mit! Und die scheinen das ernstzumeinen."

"Zweidimensionale Kreaturen, die Eingabe ermöglicht Euch die zeitweilige Bereitstellung eines sprungfähigen Ersatzvehikels - optional mit eigenem Piloten - um uns die Durchführung unseres Auftrags zu ermöglichen. Wir machen darauf aufmerksam, dass eventuelle Schmerzensgeldansprüche dieser oder anderer Passagiere, die zur Zeit von unserem Schiffsarzt untersucht werden, von dieser Regelung nicht betroffen sind. Im übrigen verweisen wir auf die Stazurasätze in unseren AGB. Wir betrachten diese Unterhaltung als Konsultation durch qualifiziertes Personal."

Beide Argonen tauschten schmerzvolle Blicke aus.

"Miss Hwitnoarmanckimpeir, wenn Sie uns eine Zeit lang entschuldigen würden? Sergeant, begleiten Sie unseren Gast bitte nach draussen."


Auf dem Flur konnte die Paranidin noch hören, wie die Sicherheitsleute von der Zahlmeisterei angeschnauzt wurden.

"Die berechnen uns die Vernehmungszeit? Nicht mein Bier, Jungs, das ist euer Etat."

Der Skipper würde stolz sein.
Last edited by jorganos on Sat, 15. Mar 08, 00:28, edited 1 time in total.

silenced
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Post by silenced » Fri, 14. Mar 08, 21:35

wie sagt man so schoen: frechheit siegt
... what is a drop of rain, compared to the storm? ... what is a thought, compared to the mind? ... our unity is full of wonder which your tiny individualism cannot even conceive ... I've heard it all before ... you're saying nothing new ... I thought I saw a rainbow ... but I guess it wasn't true ... you cannot make me listen ... I cannot make you hear ... you find your way to heaven ... I'll meet you when you're there ...

Ban
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Post by Ban » Fri, 14. Mar 08, 23:16

1.
wie sagt man so schön: Frechheit siegt
So sieht es aus.

2. Diese Diskussion zu den Themen Rechtswesen und Vertragsbedingungen war genial, aber die Reaktionen der Bürokraten waren noch besser.

3. Ich muss noch was zum achten Teil loswerden, der Split war wirklich exzellent dargestellt, so ein Ausraster war schon lange fällig.

4. Den paranidischen "Pluralis Maximus" und die typische paranidische Überheblichkeit hast du bei Hwitnoarmanckimpeir echt gut dargestellt. Außerdem gefällt mir die Idee von einem Para mit Humor.

Greetz Ban

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Post by jorganos » Sat, 15. Mar 08, 00:28

Der neunte Streich gleich hinterher. Viel Spass beim Lesen.


Teil 9

*****

Teta Nu war der Vernehmungswut der Argonen bisher entgangen. Offensichtlich hegte der argonische Geheimdienst die gleichen Völkervorurteile wie der Großteil der Wählerschaft, und als Angehöriger eines verbündeten Volks hatte man den Boronen erst einmal seinen Pflichten überlassen.

Natürlich kam ihm sein ehemaliger Rang als Militärarzt dabei zugute. Egal welche Uniform sie auch trugen, alle Uniformierten waren auf Rangabzeichen fixiert, selbst die Zivilermittler der Geheimdienste.

Die drei ursprünglichen Passagiere waren wie erwartet noch ein wenig mitgenommen von den Ausdünstungen der Lebendfracht. Ausserdem wiesen alle drei ähnliche Hämatome im Schädelbereich auf - offensichtlich hatte Tia da mal wieder an der Betäubungsmunition gespart. Nun gut, davon musste Nu die argonische Marine freisprechen.

Dem Boronen fiel auf, dass seine medizinische Tätigkeit an Bord der No Worries immer mehr in die Forensik wanderte. Auch jetzt war der Grund für seine Untersuchungen weniger die Fürsorgepflicht eines Arztes, sondern eher die juristische Absicherung gegen Klagen.

Bei den Flüchtlingen hatte Nu weniger mit physischen Beschwerden zu tun. Gut, ein paar Prellungen oder Hämatome wegen der Kampfmanöver oder der Explosionen waren zu beklagen, aber derartiges wurde von den AGB weitgehend aus der Haftung ausgeschlossen. Sehr viel teurer konnten die psychischen Folgen der Ereignisse seit dem Ablegen vom Sonnenkraftwerk kommen. Hier musste Nu darauf achten, dass möglichst alle Auswirkungen auf die Zerstörung der Station geschoben werden konnten.

Nu grauste davor, die Splitfamilie zu untersuchen. Der Miniatur-Ghok war zwar mit aus dem Schiff transportiert worden, da er aber nicht als Passagier gelistet war, stand auf der "HL Hard Place" auch nicht sofort ein Lebenserhaltungssystem zur Verfügung. Nur den beherzten Wiederbelebungsmassnahmen der älteren Split-Tochter war es zu verdanken, dass das Haustier überhaupt überlebt hatte, wenn auch schwer angeschlagen. Jetzt erwarteten die Split, dass er das Raubtier behandeln sollte. Ein "nur über meine Leiche" war leider recht leicht wörtlich zu nehmen, egal ob Tier oder Halter da die Ursache wären.

"Reissen Sie sich zusammen, Sanitätsleutnant Nu!" Der Borone versuchte, den Befehlston des königlich-boronischen Marinekommandanten zu imitieren, der die Einsätze in Farnhams Legende geleitet hatte, bei denen er es zum ersten Mal mit der No Worries zu tun bekommen hatte. Damals hatte Nu sich zusammengerissen, egal, ob es darum ging, grausam verstümmelte Marines oder Zivilisten am Leben zu halten oder ob gefangenen Piraten auf die Schnelle Informationen zu entlocken. Aber damals hatten sich die Einsatztruppen mehr von Adrenalin als von Bofu ernährt. Jetzt hingegen sollte er in einer Atmosphäre trügerischer Sicherheit eine der furchtbarsten Kreaturen, die je die Split-Heimatwelt verlassen hatten, wieder zusammenflicken. Lieber hätte er eine Bombe entschärft oder ein Vollkontakt-Kala-Shun-Turnier in Familienstolz bestritten.

"Fischkreatur sich Arzt nennen? Dann auch Ghokkie heilmachen, oder..." Selbst jugendliche Split konnten einen Boronen aus der Fassung bringen. Erst recht, wenn sie sich wie dieser Sprößling beim Sprechen Überreste ihrer letzten Nahrung aus dem Gebiss pulten.

Schuld waren die Argonen. Im Prinzip konnte Nu die komischen Laufaffen ja gut leiden, aber dass sie nach hunderten Jazuras Bündnis mit dem Königreich immer noch Calamari auf dem Speisezettel hatten, brachte die meisten Boronen auf die Palme. Das Zeug jetzt auch noch an die Split zu verfüttern - Nu musste sich mit aller Willenskraft klarmachen, dass das keine boronischen Überreste im Schlund des Split waren.

Bei dem Schlund des Zwerg-Ghoks war er sich da gar nicht so sicher.

"Junger Split, assistieren Sie mir bitte. Halten Sie das Tier hier" - im rechten Mundwinkel, unweit der grausamen Beisserchen - "und hier!" - im linken Mundwinkel, und in in Reichweite der bösartigen Klauen.

Die ältere Tochter eilte herbei, um bei der Behandlung zu assistieren. Die Bissverletzungen um ihren Mund herum waren von einem argonischen Sanitäter provisorisch, aber auch professionell behandelt worden. Offenbar hing sie wirklich an dem Ungeheuer.

"Ghokkie Blut brauchen."

"Gnädige Frau, wo soll ich denn hier Ghok-Blut für eine Transfusion herbekommen?"

"Nadeln vergessen. Ghokkie mit Blut füttern!" Sie zog ein Kampfmesser, neben dem selbst die Klinge von Tia wie ein Nagelreiniger wirkte.

"Fischie-Blut, Fischie-Blut!" Ihr jüngster Bruder fing an, Nu auf die Nerven zu gehen.

"Junger Mann, entweder du hältst jetzt sowohl dein Mundwerk als auch das Tier da, wo ich es dir zeige, oder ich muss andere Maßnahmen ergreifen!"

"Fischie fauchen. Split lachen!"

Das reichte. Als wäre er wieder im Kreuzfeuer der Piraten auf er EPW-Schmiede in Farnhams Legende, packte Nu sich den jungen Split und warf ihn rücklings auf den Behandlungstisch. Na ja, "warf" war nicht der richtige Ausdruck - nicht einmal die besten boronischen Athleten konnten einen Split aus eigener Kraft werfen. Aber die Kala-Shun-Techniken, die die Kraft des Gegners nutzten, in heimlicher Kombination mit seinem Schwebegenerator ermöglichten Nu diesen Angriff. Er hüpfte auf den verdutzten Jugendlichen und plazierte vier Tentakeln auf Schmerzzentren des Split, wie er es in den Verhören getan hatte. Der junge Split keuchte stimmlos - immerhin steckte ein Tentakel fast zwei Gelenke weit in seinem Kehlkopf.

"Schande über Familie bringen..."

Nur der Zwerg-Ghok war unbeeindruckt. Leider...

*****

Kommodore Jarl Bydnah, Kommandeur der Sektorwache Herzenslicht, fluchte herzhaft. "Hätten wir den verdammten Tukan nicht einfach ignorieren können? Bei allem, was den Dreiaugen unheilig ist, wir haben doch auch früher schon derartige Bergungsnummern abgelehnt, und dann alles unter den Teppich kehren können."

Trägerkapitän Pico Terell hätte am liebsten in die Flüche eingestimmt. "Nun, Sir, das Schiff hatte den Transponder auf 'Flüchtlingstransport' gesetzt, mit einer argonischen Stationskennung. Da konnten wir schlecht nein sagen."

"Schon klar." Trotzdem verbesserte das keineswegs die Stimmung des Kommodore. "Aber die hier haben ihre Hausaufgaben bei den Khaak gemacht. Mein Adjutant konnte bisher keine Lücke in der Eingabe finden."

"Mein Justizstabe auch nicht. Verdammt, jetzt müssen wir denen ein Taxi stellen!"

"Na denn. Machen Sie eine Eklipse startklar, mit Sprungantrieb, Pilot und zwei Bordschützen. Die sollen zwei eigene Leute und die ursprünglichen Passagiere an Bord bringen." Der Kommodore dachte kurz nach. "Und berechnen Sie denen die Energiezellen nach dem Nividiumstandard!"

*****

Im Nachhinein fragte sich Teta Nu, worüber er sich Sorgen gemacht hatte. Gut, das Untier hatte ihn gepackt und wie eine Ratte durchgeschüttelt, aber die Membran des Umweltanzugs hatte den Zähnen weitgehend standgehalten, so dass er nur geringe Abrasionen auf seiner Haut zu beklagen hatte, und das durch die kleinen Lecks ausströmende BoGas verdarb dem Zwerg-Ghok schnell den Appetit auf Boronen-Tartar. Auch die Kollisionen mit der Einrichtung des Untersuchungsraums waren für einen Kala-Shun-Veteranen keine echte Bedrohung gewesen. Das einzige, was ihn wirklich mitgenommen hatte, war die Art und Weise, mit der die ältere Tochter ihre eigene Schlagader im Arm angeritzt hatte.

Erstaunlicherweise hatte sie recht behalten. Die einzige Aufgabe, die dem Schiffsarzt der "No Worries" blieb, war die Blutung zu stillen.

Leicht ramponiert setzte er seine Inspektion der Passagiere fort. Bis auf die beiden Goner-Techniker, die sich bei den Arbeiten für Trasulias leichte Verbrennungen eingefangen hatten, waren alle in erstaunlich gutem Zustand.

Plötzlich stand Tia Silsarna vor ihm. "Doc, wir machen jetzt eine kleine Rundreise mit der argonischen Marine. Schon mal in einer Eclipse geflogen?"s

AP Nova
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Post by AP Nova » Sat, 15. Mar 08, 00:41

Wird echt immer besser, schade das meine Geschichte da warscheinlich wie der letzte Dreck gegen aussieht...

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Post by jorganos » Sat, 15. Mar 08, 00:43

Ban wrote:1.
wie sagt man so schön: Frechheit siegt
So sieht es aus.

2. Diese Diskussion zu den Themen Rechtswesen und Vertragsbedingungen war genial, aber die Reaktionen der Bürokraten waren noch besser.

3. Ich muss noch was zum achten Teil loswerden, der Split war wirklich exzellent dargestellt, so ein Ausraster war schon lange fällig.

4. Den paranidischen "Pluralis Maximus" und die typische paranidische Überheblichkeit hast du bei Hwitnoarmanckimpeir echt gut dargestellt. Außerdem gefällt mir die Idee von einem Para mit Humor.

Greetz Ban
Danke für die Blumen. :-) Ich versuche, die stimmigen Hintergrundmaterialien so gut wie möglich umzusetzen. Das X-Universum ist für eine Spielwelt recht liebevoll zusammengestrickt worden. Wie die meisten solcher zweck-gebundenen Welten leidet es natürlich an den Anforderungen des Spielsystems und seiner Umsetzung in der Benutzeroberfläche... :x3:

Die Grundidee bei der Crew der "No Worries" war halt, je einen Vertreter der 6 Kulturen der Völkergemeinschaft mitzunehmen (6. Kultur: :pirat: , nicht :goner:), dann die Klischees auszunutzen und gleichzeitig mit den individuellen Abweichungen von denselben zu spielen.

Bin mal gespannt, ob der Borone im zurechnungsfähigen Zustand auch stimmig ist.

Was Hwit angeht (schrecklicher Name für einen schlechten Wortwitz... das hab ich nun davon :headbang: ), ohne eine gewisse Selbstironie würde die in dieser Umgebung im Nu wahnsinnig werden.


Ich hab heute mal als Meta-Story notiert, wie die Bande zusammenkam. Will das jemand vorab lesen, oder soll ich das nur in die Story einfließen lassen?

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Post by jorganos » Sat, 15. Mar 08, 01:03

AP Nova wrote:Wird echt immer besser, schade das meine Geschichte da warscheinlich wie der letzte Dreck gegen aussieht...
Wie kommst du da drauf?

Das, was ich hier verzapfe, ist bei aller Sorgfalt im Umgang mit dem Hintergrund immer noch eine Vereimerung all der Sachen, über die ich sonst im Universums-Forum jammern könnte. Dann doch lieber auf diese Art und Weise meckern. Das gibt einen Sympathie-Bonus von allen, die an der gleichen Stelle auch schon mal geflucht haben.

Eine eher heroische Geschichte unterhaltsam durchzuziehen ist da doch deutlich schwieriger.

Über 20 Jahre Erfahrung als Spielleiter im Rollenspiel sind natürlich auch hilfreich.

silenced
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Post by silenced » Sat, 15. Mar 08, 03:09

AP Nova wrote:Wird echt immer besser, schade das meine Geschichte da warscheinlich wie der letzte Dreck gegen aussieht...
auch die groessten autoren haben mit seltsamem krams angefangen und sind dann immer besser geworden ... geht jedem so =)
... what is a drop of rain, compared to the storm? ... what is a thought, compared to the mind? ... our unity is full of wonder which your tiny individualism cannot even conceive ... I've heard it all before ... you're saying nothing new ... I thought I saw a rainbow ... but I guess it wasn't true ... you cannot make me listen ... I cannot make you hear ... you find your way to heaven ... I'll meet you when you're there ...

Ban
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Post by Ban » Sat, 15. Mar 08, 19:16

Danke für die Blumen.
Mach ich doch gerne!
Übrigens ist das neue Kapitel ebenfalls gut, der Borone und seine Ghok-Behandlung waren äußerst unterhaltsam dargestellt. Dazu kommt dieses Offiziersduo, was einfach nur unterhaltsam war. Ich sag nur, "berechnen Sie denen die Energiezellen nach Nividumstandard".

Greetz Ban

Shark_HH
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Post by Shark_HH » Sat, 15. Mar 08, 21:05

Ich glaub, ich mach nen fanclub auf :D
Du überrascht mich immer wieder :)
Sehr bürokratisch diese Argonen und das die gegen
eine natürlich überhebliche Paranidin nix ausrichten
können war sehr gut... vorallem die deckung durch die
Teladi 8)
Jetzt gibs also nen Taxi :D
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jorganos
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Post by jorganos » Sat, 15. Mar 08, 21:33

Teil 10 im Anflug.

Die "Hard Place" werde ich so schnell noch nicht los...


*****

"Dasss issst mal wieder typischhhh für die Argonen! Nur weil unssere Völker der Profitgilde angehören, behandeln die unsss wie Sssstaaatsssfeinde!"

"Dabei Argonen uns abgeschossen haben. 90% jedenfalls. Khaak Bomber nur noch Reste beseitigen."

"Den unheiligen Aktenverschiebern stinkt es doch nur, dass sie keine vollständige Dokumentation über uns haben. Die halten Neugier für eine Tugend!"

Auf dem Gang vor den Geheimdienstbüros der "HL Hard Place" störten sich die Crewmitglieder der "No Worries" nicht weiter an der Anwesenheit von 6 Marines in Sturmausrüstung, während sie ihrem Unmut über den Zwangsaufenthalt Luft machten. Wenn überhaupt jemand, dann hatten ihre Gastgeber sich etwas zuschulden kommen lassen.

Trasulias waren die argonischen Bänke unheimlich. Wenn sie mit den Füssen vorne auf der Podestfläche auftrat, war einfach nicht genug Platz für ihren Schwanz, so dass sie ständig ein leichtes Übergewicht nach vorne ausgleichen musste. Allmählich drohte der Schwanz dabei zu verkrampfen. Der Tukan hatte natürlich genial entworfene Design-Sitze, die jeder bekannten Spezies maximalen Sitzkomfort versprach (das war immerhin billiger, als Auslaufflächen bereitzuhalten, und im Zweifel konnte man ja den Sitzabstand verringern). Überhaupt war das Argonenschiff eine ziemliche Fehlkonstruktion, wie ein Besuch des Besucherklos klargemacht hatte. Schaltelemente weit jenseits bequemer Trittweite, Waschgelegenheiten, die das Wasser nur in grossen Schwällen abgaben, und recht sinnlose Zierbrunnen oberhalb des Scheitels. Und ein viel zu kleiner Fäkalienablass im Boden, noch dazu mit einem viel zu engen Gitter verschlossen. Sie war gezwungen gewesen, einen der Kunststoffbeutel zu benutzen und manuell in Sammelbehälter zu verbringen.

*****

"Miss Hwitnoarmanckimpeir, würden Sie bitte wieder reinkommen?"

Anscheinend hatten die Bürokraten die Kosten erst einmal untereinander aufgeteilt.

Einer der beiden Vernehmungsbeamten - Euen, wenn sie sich recht erinnerte - übernahm wieder die Befragung.

"Kommen wir wieder zu Ihrer Übernahme der Flüchtlinge."

"Lese Er doch die Passagierliste. Alles dokumentiert. Schliesslich ist die No Worries ein zertifizierter Passagiertransporter mit protokollierten Prozeduren und Qualitätsaufzeichnungen."

Hwitnoarmanckimpeir war in dieser Hinsicht vollkommen beruhigt. Das Qualitätsmanagementsystem der No Worries zeichnete gewissenhaft jede Menge Qualitätsindikatoren auf, ohne auch nur ansatzweise auf irgendwelche bekannten Missstände einzugehen. Tatsächlich war das Vorschlags- und Verbessungswesen speziell dafür optimiert worden. Manchmal fragte sich die Paranidin, warum Trasulias ihren Abschluss an der Akademie von Firmenstolz nicht im Fernstudium nachholte, sie hatte jedenfalls mit dieser Software unheimlich viel Talent bewiesen.

"In der Tat, in der Tat. Unsere Rechtsabteilung ist immer noch damit beschäftigt, die Unterlagen, die übertragen wurden, daraufhin zu sichten. Was wir eigentlich wissen wollen, wie steht es mit irgendwelchem Bergungsgut?"

"Aus Zeitmangel war nur die Aufnahme von Handgepäck der Passagiere möglich. Eine Sicherheitskontrolle des Handgepäcks war in der Eile nicht möglich, daher haben wir jegliche Mitverantwortung für mitgeführtes Gepäck vertraglich ausgeschlossen. Jegliches Stationseigentum, das auf unseren Tukan verladen wurde, unterliegt damit der Verantwortung der Passagiere."

"Aber Sie haben vorher noch mit dem Verladesystem der Station kommuniziert?"

"Natürlich. Zweck unseres Aufenthaltes war der Nachkauf von Energiezellen, da unsere Sprungreserven aufgebraucht waren."

"Nun ja, ein Erkundungsteam hat die Überreste der Station gescannt, und dabei sind uns Diskrepanzen im Lagerbestand aufgefallen."

"Das Fracht-Manifest der No Worries steht Ihnen zur Verfügung, Unheiliger. Wir weisen auf den überhöhten Preis beim Erwerb der Energiezellen hin - zum Zeitpunkt der Transaktion waren die Lagerbestände der Station minimal, und eine Produktion fand nicht statt."

"Na gut, im Fall der verschwundenen Kristalle kommen wir also nicht weiter. - Leo, du bist dran."

"Gut. Miss Hwitnoarmanckimpeir, Ihre Tätigkeitsbeschreibung enthält auch Personal-Aufgaben?"

"Das ist korrekt. Allerdings fragen wir uns, ob wir hier nur bekannte Fakten bejahen sollen."

"Nun, ich habe hier in Ihren Personalakten einige Unschärfen entdeckt, denen ich gerne nachgehen würde."

"Unheiliger, die "No Worries" Touristik OHG respektiert die Privatsphäre ihrer Mitarbeiter und hat satzungsgemäss auch die Verpflichtung, im Umgang mit Behörden den Datenschutz aufrechtzuerhalten."

Leo verzog einmal mehr die Muskulatur um seine Kiefer herum. Der Zweiäugige schien sich unwohl zu fühlen, trotz der vollständigen Kooperation ihrerseits. Hwitnoarmanckimpeir kannte die Symptome von ihren Aufgaben als Reisebegleiterin. An Bord der "No Worries" hätte sie ihm jetzt ein Gratisgetränk angeboten.

"Vielleicht könnten Sie trotzdem einige Kleinigkeiten erhellen? Die Zusammensetzung ihrer Crew erscheint uns doch etwas ungewöhnlich."

"Unheiliger, unsere Crew besteht aus Anteilseignern der OHG. Unabhängig von der Höhe der finanziellen Einlage bilden wir gleichberechtigt das Aufsichtsgremium, das die Entscheidungen der Exekutive absegnet. Wir kennen viele Holdings mit ähnlicher Eigentümerstruktur. Worauf will Er hinaus?"

"Na gut. Ihr Mechaniker hat sich bei seiner Befragung auffällig verhalten. Wir müssen da leider etwas nachhaken. Wie kam der Split namens Fea r'Rttg an Bord, und was hat er vorher gemacht?"

"Unheiliger, Er hat Glück: Diese Personalentscheidung fällt tatsächlich in unsere Amtszeit, und Auskunft darüber ist laut Zertifikationsbestimmungen freigegeben. Fea r'Rttg entstammt einer Ingenieursline der Tkr, die schon wegweisende Konzepte für die Kaiman- und Drachenreihe entwickelt hat. Diese vertieften Kenntnisse wurden in der Familienakademie weitergegeben. Nach dem Verlust der Konstruktionskontrakte mit den Rhonkar ist seine Familie ins Renngeschäft eingestiegen. Fea war der Chefmechaniker seines in Rennkreisen noch bestens bekannten Cousins Hua r'Rttg, bis zu dessen Tod bei einem Rennen in Weg zur Freiheit. Eine SQUASH-Mine auf dem Rennkurs. Er hat danach auf der Station des Ausrichters Wartungsarbeiten vorgenommen. Wir hatten ihn dort während unserer vorherigen Anstellung getroffen, und nachdem die No Worries für die Zertifizierung noch einen qualifizierten Mechaniker benötigte, beschäftigen musste, haben wir ihn in die Crew eingeführt."

"Und wie kam es, dass Sie dort waren?"

"Wir hatten für die paranidische Lotteriegesellschaft Manipulationen von Glücksspiel verfolgt. Nach Differenzen mit in der Hierarchie höherrangigen wurde uns nahegelegt, eine andere Karriere zu verfolgen, deshalb haben wir als Spezialist für Kasinosicherheit und auch verdeckt als Croupier im dortigen Kasino gearbeitet. Selbst eine Station argonischer Bauart hat unter Teladi-Management nur eine sehr eingeschränkte Auswahl an Orten, an denen man sich nach Dienstende aufhalten kann."

"Das erklärt mir allerdings nicht, wieso Sie sich in die Crew eingekauft haben, und womit..."

"Womit geht Ihn nichts an. Der Grund für den Stellenwechsel war, dass die Unstimmigkeiten im Kasino aufgedeckt waren, und die Position als Spezialist nicht viel länger erhalten geblieben wäre."

"Miss Hwitnoarmanckimpeir, so kommen wir nicht weiter. Sowohl Ihre Akte als auch die Ihres Crewkameraden Fea r'Rttg zeigen Unstimmigkeiten mit Ihren jeweiligen Machthabern, wie sie typisch sind in Cover-Stories in unserem Geschäft. Ihre Schiffsunterlagen sind hier angeblich beschädigt angekommen. Das riecht nach Manipulation!"

"Will Er uns damit etwa unterstellen, dass wir unser Schiff in die Schussbahn ihrer Schlachtschiffkiller gelenkt haben, um in diese Verhörräume einzudringen? Leidet Er an Verfolgungswahn? Oder soll mit diesem Schattenfechten von der Rolle der Argonischen Flotte bei der Zerstörung unseres Schiffes abgelenkt werden?"

Euen, der zweite Beamte, versuchte den Rückzug seines Kollegen zu decken. "Madam, wir haben es hier mit einer ungewöhnlichen Anhäufung von Datenverlusten zu tun."

"Und wir stehen Ihm als bequemer Sündenbaka zur Verfügung? Untersuche Er doch die Hintergründe unserer Passagiere. Unsere Dokumentation erfüllt jeden Standard der Zertifikation, die uns sogar Flottenaufträge ermöglicht. Vorausgesetzt, der argonische Geheimdienst stellt sich der Auszahlung der Bergungsversicherung nicht in den Weg."

Hwitnoarmanckimpeir schälte sich aus dem für ihre Anatomie ungeeigneten Sitzmöbel heraus. "Wenn die Unheiligen noch weitere Fragen haben, empfehlen wir das Studium der überlassenen Unterlagen. Marine, gebe er die Tür frei."

Die Paranidin fühlte sich längst nicht so souverän, wie sie sich - nicht zuletzt Dank der Ausbildung in der Hierarchie - gegenüber den Argonen gegeben hatte. Ein Diener der Dreidimensionalität war geschult, den Raum in seiner Umgebung mit seiner Präsenz auszufüllen. Kala-Shun war nichts weiter als die physische Ausübung dieser Disziplin.

Das Problem mit der Position der "No Worries" war, dass die Argonen selbst unter maximaler Hilfestellung entsprechend der Bedingungen des Bergungsabkommens alle zukünftigen Aktivitäten der Mannschaft auf Eis legen konnte. Praktisch das gesamte Vermögen der Besatzung war in das Schiff und die benötigten Zertifikate investiert worden. Ohne ein Schiff gab es keine Möglichkeit, aus diesem Kapital auch Profit zu schlagen. Es sei denn... Das musste sie mit dem Skipper und Trasulias klären. Aber nicht auf diesem Schiff, das mehr Ohren hatte als ein Nif-Nakhischer Blindgleiter.

*****

Auf dem Flur verdrückte Fea r'Rttg gerade seine vierte Portion Kalamari. Dieses argonische Tentakelmenü übertraf seiner kulinarischen Meinung nach den Geschmack boronischer Tentakeln bei weitem. Er konnte den Ammoniakausdünstungen einfach nichts abgewinnen, die er während seiner Zeit als Prozesszeuge der Spionagetribunale in Ghinns Flucht bei der Hinrichtung der boronischen Spione probieren konnte. Solange der Schiffsarzt nicht in der Nähe war, könnte er die anderen vielleicht zu einer Erweiterung der Menüliste des Schiffs überreden. Ausserdem kannte er ein Restaurant auf dem Ausrüstungsdock in Familie Tkr, wo er mehrere Container dieses Zeugs mit gutem Gewinn verkaufen könnte.

Als die Paranidin endlich wieder aus dem Büro herauskam, saugte der Split genüsslich schlürfend den letzten Tentakel ein.

"Die fertig sein, oder noch Babyholos sehen wollten?"

"Wenn es nur das wäre..."

*****

Als der Marine Trasulias aufforderte, ihm zu folgen, wäre sie beinahe von der Bank gefallen. Zwar kann die Muskulatur der Teladi über längere Zeit eine konstante Kraft viel besser aufrechterhalten als die heissblütigerer Spezies, aber der Schwanz einer Teladi war weder zum Heben von Gewichten noch zum Abstützen des Körpergewichts ausgelegt. Die Umwelttechnikerin kletterte umständlich rückwärts von der Plattform herab und fragte sich, welche Art Folter sich die Verhörleute jetzt noch ausgedacht hatten.


*****

Nachdem die Paranidin das Büro verlassen hatte, musterte Euen Gardna seinen Kollegen Leo Danna. "Das sind ganz abgebrühte Gestalten. Ich schlage vor, dass wir die auf die Überwachungsliste Orange setzen."

"Transpondermodifikation und regelmäßige Beschattung durch örtliche Agenten? Haben wir dafür genug?"

"Wann hast du zuletzt eine derartig dichte und dabei nichtssagende Dokumentation gesehen? Das müssen absolute Profis sein!"

silenced
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Post by silenced » Sat, 15. Mar 08, 22:16

°lechz°

und mir juckts auch in den fingern ... ideen schwirren durch den kopf ... unglaublich ôô
... what is a drop of rain, compared to the storm? ... what is a thought, compared to the mind? ... our unity is full of wonder which your tiny individualism cannot even conceive ... I've heard it all before ... you're saying nothing new ... I thought I saw a rainbow ... but I guess it wasn't true ... you cannot make me listen ... I cannot make you hear ... you find your way to heaven ... I'll meet you when you're there ...

Highlanderhgn732
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Post by Highlanderhgn732 » Mon, 17. Mar 08, 11:49

Klasse Story. :lol:
Wann geht´s weiter???

Bin mal gespannt, wie die ganze Geschichte sich auflösen wird.
sic semper tyrannis

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jorganos
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Post by jorganos » Mon, 17. Mar 08, 20:53

Hier nun der elfte Streich. Eigentlich passiert hier gar nichts... Ich hoffe mal, es bleibt trotzdem unterhaltsam. Momentan wäre "Ein Tukan in Abwesenheit" vielleicht der bessere Story-Titel.


Teil 11

Tia Silsarna nahm im Sessel des taktischen Beobachters der Eklipse Platz.Teta Nu und die drei Passagiere hatten Platz in der kleinen Messe des neuartigen argonischen Militärschiffs gefunden.

Der neue Schiffstyp kam ihr eher wie eine kleine Korvette als wie ein schwerer Jäger vor. Abstriche gab es beim Zugang zum Frachtraum, durch das Weglassen jeglicher Andockvorrichtungen - die bei den Schiffen der M6-Klasse seit den Patentprozessen auch nur noch zu besseren Frachtschleusen degradiert worden waren, und beim Schildgenerator. Die höhere Geschwindigkeit und Wendigkeit wog das sicherlich wieder auf, und zwei unabhängige Geschütztürme versprachen jedem Angreifer unangenehme Überraschungen.

Wie bei Militärschiffen üblich war es eng im Inneren. Die Piloten- und Kommandokanzel war mit ihren sechs Konsolen groß genug, um eine Kampfgruppenleitstelle unterzubringen. Kojen und Messe drängten sich zwischen den Generatoren. Der Frachtraum im Bauch des Schiffs kam Tia nicht sonderlich grosszügig vor, ermöglichte aber die Bunkerung von ansehnlichen Mengen Sprungenergie und Munition.

Tia überlegte sich, wie sie ein solches Schiff für den Eigenbedarf anpassen würde. Als Soloflieger wäre es wahrscheinlich recht gewöhnungsbedürftig, also müßten die Kojen zu etwas geräumigeren Kajüten umgewandelt werden, wahrscheinlich zu Lasten der Messe. Den Aufenthaltsbereich könnte man in den hinteren Teil der Pilotenkanzel verlegen...

Die Zeiten, in denen sie mit einem modifizierten Bussard Freihändler eskortiert oder Transporte von unliebsamen Konkurrenten ihrer Auftraggeber abkassiert hatte, lagen jetzt definitiv hinter ihr. Der Einstieg in Aldun Seleks etwas verrückte Touristikgesellschaft hatte sie aus dem zwielichtigen Umfeld herausgerissen, in das sie durch ihren Studienabbruch abgeglitten war. Die Zollakademie von Zwei Welten mag zwar keine Eliteschule gewesen sein, aber auch dort fraßen die Kosten ihr geringes Erbe schneller auf, als sie den Abschluss hätte erreichen können. Wenigstens hatte man ihr dort einige nützliche Fähigkeiten beigebracht.

"Wir erreichen jetzt Sektor Raumkrautgraben." Zieladresse für Harnon Simms, einen dicklichen, etwas griesgrämigen Handelsvertreter für Erntezubehör. Simms hatte die Zeit an Bord der No Worries bis zur Zuladung der Lebendfracht in Ianamus Zura eigentlich genossen, insbesondere die Freizeitangebote. Aber mit neuen Umwälzpumpen für das Recycling von Agrarprodukten im Gepäck waren ihm solche Umstände anscheinend nicht sonderlich fremd. Ob ihn auf der Teladianium-Giesserei angenehmere Aromen erwarteten, wagte Tia zu bezweifeln. Nicht umsonst wurde teladianischer Schlamm als Bioprodukt deklariert.

*****

Teta Nu fühlte sich wie ein siebenter Tentakel, oder wie ein Anstandsrüssel in einer dieser antiken Familienklamotten in 2,5D. Er hatte die drei Passagiere schon an Bord der Hard Place untersucht, und im wesentlichen die Diagnosen bestätigt, die er schon bei ihrem Reiseantritt gestellt hätte. Harnon Simms brauchte dringend eine Diät und Nahrungsumstellung, Fido Wells hatte ein Alkoholproblem (nach relativ kurzer Zeit auch das, dass er keinen mehr bekam), und Bruder Jerro Tull bekam die vegetarische Kost der Goner bei seiner Blutarmut nicht wirklich gut. Wie auch immer, der Vertrag sah vor, dass die Passagiere von zwei Crewmitgliedern begleitet wurden, und nutzlose Verhöre hatte er schon genug erlebt. Meist allerdings auf der anderen Seite des Tisches.

Von der Crew der Eklipse bekam er nicht allzuviel zu sehen - die beiden Schützen kamen kaum aus ihren Kanzeln raus, und Pilot und Kopilot sassen vorne. Da sich sein Vorrat an Smalltalk mit diesen Passagieren schon während des Fludes nach Ceos Buckzoid aufgebraucht hatte und die Messe im Gegesatz zur Kommandokanzel auch keine interessanten Neuerungen aufwies, überließ sich der Borone der Introspektive.

Tatsächlich war ihm seit der Zerstörung der "No Worries" aufgefallen, dass er emotional wie auch physiologisch etwas neben sich schwamm. Allerdings führte er dies - wie auch die leicht geschwollenen Stellen an seinem Rücken - auf die Begleitumstände des Schiffbruchs zurück. Nur lag er mit dem Verdacht auf Trauma falsch...

*****

Trasulias war fix und fertig. Die beiden Sicherheitsleute hatten auch unter die unzugänglichste Schuppe tasten wollen - im übertragenen Sinne. Die einzige physische Foltermethode, die sie eingesetzt hatten, war der gepolsterte Stuhl gewesen, auf den sie sich hatte kauern müssen. Wenigstens hatte sie hier ihren Schwanz raushängen lassen können.

Ansonsten war sie sich vorgekommen wie beim Zertifizierungsaudit. Endlos viele Bordprozeduren waren sie durchgegangen, die Abläufe des Reportwesens und der automatischen Erfassung wieder und wieder durchgegangen, für jeden Dokumenttyp einzeln. Gut, sie hatte die Software entwickelt, und hatte erhebliche Abweichungen vom üblichen Prozedere eingebaut, aber entweder unterstellten die ihr systematische Manipulation der Aufzeichnungen, oder - sie schauderte - die wollten ihr Managementsystem nachbauen. Durch ihren vorzeitigen Abgang von der Akademie in Firmenstolz unterlag das nicht der dortigen Copyright-Regelung für Seminar- und Abschlussarbeiten!

Sie vermisste ihr Nest an Bord des Tukans. Gut, und die Annehmlichkeiten eines Teladi-Schiffs vermisste sie auch. Die Argonen schienen wie die Boronen aus dem Wasser zu stammen, hier gab es keine Staubbäder oder Rückenkratzer, nur Duschen oder Schwitzbäder. Noch dazu teilte sie ihre Untekunft mit Hwitnoarmanckimpeir und Fea r'Rttg, und zwischen den meditativen Katas der Paranidin und der Stressbewälktigung des Split blieb nicht viel Nistraum für eine kleine Teladi.

"Passsss doch auf!" Mit Mühe und Not entging sie einem Drehtritt des Mechanikers, der die Matratze seiner Liege zu einem Punchingball umfunktionioert hatte. "Lassss mir doch wenigssstensss eine Rückzssugsssmöglichkeit!"

"Was nicht töten hart machen," grunzte der Split. Die Matratze zeigte deutliche Abnutzungserscheinungen, also lohnte es sich ein wenig, darauf einzudreschen. Obendrein reagierten die Marines vor der Tür so herrlich paranoid auf die ständigen Schläge und Tritte. Das hier war zwar kein Urlaub, aber zumindest ein paar kleinere Freuden wie Ammoniak-freie Tentakeln und kontrollierte Zerstörung der EInrichtung verhinderten, dass er depressiv wurde.

Hwitnoarmanckimpeir intonierte einige Hymnen an die Dreidimensionalität, mit ausgeschaltetem Vocalizer. Das, was davon im hörbaren Bereich für die Teladi lag, stellte ihr den Rückenkamm auf.

In diese Idylle trat der Skipper ein.

"Leute, die Bürokraten hier halten alles auf. Tras, kannst du mal die Spesenabrechnung für den Ersatztransport der ursprünglichen Passagiere prüfen? Die müssen da irgendwo einen Kommafehler gemacht haben. Fea, hör auf, auf die Wand einzutreten - wir beide müssen die Ausstattung durchgehen."

Die Paranidin aktivierte ihren Vocalizer. "Wann hören die auf, uns wie politische Gefangene zu behandeln?"

"Wenn wir wieder auf unserem Schiff sind. Die tun fast so, als wäre die Bergung von Stationspersonal bei ausfallenden Schilden ein Kapitalverbrechen. Hwit, die Boroninnen beschweren sich, dass wir den Flügelkraken nicht mit rausgebracht haben. Wieso eigentlich nicht?"

"Der hatte sich vor dem Mini-Ghok in die Kabeschächte geflüchtet und befand sich nicht in den Rettungssphären. Allerdings sehen die Haustierbestimmungen vor, dass im Verlustfall ein Klon des Tieres bereitgestellt werden kann."

"Die Versicherung macht so schon Ärger. Wahrscheinlich werden wir in näherer Zukunft mal einen Aufpasser aufs Auge gedrückt bekommen."

"Dasss sssowiessso. Nach diesssem Höllenritt sssteht eine Rezsssertifizssierung an."

"Dann hoffentlich Komprimierung nicht wieder flackern und alle Sitze belegen können."

*****

Die Geheimdienstabteilung der "HL Hard Place" schob Doppelschichten. Die Überprüfung der Stationsflüchtlinge und die Nachforschungen über den Verbleib des Managements sowie der Kristallbestände des Solarkraftwerks wurden auf die Sektorpolizei übertragen (die ihrerseits damit hoffnungslos überfordert war), während alle verfügbaren Kräfte auf die Crew und die Unterlagen der "No Worries" gerichtet wurden.

Leo Danna leitete die akustische Überwachung. Seit nunmehr 38 Stunden auf den Beinen kämpfte er einen verzweifelten Kampf, um die von der Paranidin verbreiteten Störgeräusche zu eliminieren. Die Tatsache, dass paranidische Hymnen algorithmischer Natur sind und der bei der digitalen Kompression akustischer Daten verwendeten Verfahren sehr ähneln, reduzierte einen Großteil der Tonaufnahmen zu Datenmüll. Die wenigen verwendbaren Passagen waren lückenhafter als die durch die Explosion der "No Worries" entstandenen Datenverluste in den Bergungsdaten. Leo schrieb in seinen Bericht, dass die Abteilung R&D von diesen Profis nur lernen konnte.

Euen Gardna leitete die elektronischen Analysen. Die im Standardformat der Gemeinschaft der Völker vorliegenden Daten enthielten elektronische Signaturen, die nicht ohne weiteres deutbar waren, anscheinend eine obskure Hardwareemulation. (Tatsächlich hatten Trasulias und Fea r'Rttg diverse ältere elektronische Bauteile, die an Bord waren, zu einem Koprozessor für die dumme Schiffs-KI zusammengebastelt. Diese Nicht-Standard-Konstruktion benutzte eine antike, Hardware-orientiere Programmiersprache, die Fea r'Rttg standardmäßig zum Tuning der Rennmaschinen eingesetzt hatte.) Euen und seine Leute hatten Klartext-Zugriff auf alle offiziellen Daten der "No Worries", die die Übertragung überstanden hatten, aber auch kein bisschen mehr. Auch Euen verfasste einen Bericht, in dem er sich über die Ultrakryptischen SIgnaturen der Aufzeichnungen ausliess und den Programmierern und Dechiffrierungsspezialisten Hausaufgaben stellte.

Roswell Gusta, Vizedirektor des argonischen Geheimdienst und rechte Hand von Ban Danna, genehmigte die Einsatzgruppe Tukan, dreissig höchstdotierte und aufwendig ausgebildete Spezialisten, die den verdeckten Machenschaften von Aldun Selek und seiner Crew auf die Schliche kommen sollten. Ein Mammut diente der Einsatzgruppe als Basis, eskortiert von vier Korvetten der Zentaurklasse und einem gemischten Jägerverband.

*****

Wie Aldun Selek vorausgesehen hatte, beschloss die Versicherungsgesellschaft, den Fall der No Worries gezielt zu verfolgen. Sie beauftragten drei private Ermittlungsagenturen aus verschiedenen Winkeln der Völkergemeinschaft.

*****

Samita Verdun war freie Berichterstatterin für die GalNet Newsagentur, Sie hatte von der Evakuierung in letzter Sekunde durch den Tukan erfahren und bereitete ein Aufzeichnungsteam für diese Story vor. Ihr Redakteur hatte ihr einen ausreichenden Vorschuss gegeben, mit dem sie sich auf einem Schiff vor Ort einmieten konnte.
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silenced
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Post by silenced » Mon, 17. Mar 08, 21:30

man wundert sich eigentlich immer wieder wie diese verschiedenen rassen miteinander ueberhaupt zurechtkommen koennen ôô


der letzte teil war richtig gut =), mehr infosssss
... what is a drop of rain, compared to the storm? ... what is a thought, compared to the mind? ... our unity is full of wonder which your tiny individualism cannot even conceive ... I've heard it all before ... you're saying nothing new ... I thought I saw a rainbow ... but I guess it wasn't true ... you cannot make me listen ... I cannot make you hear ... you find your way to heaven ... I'll meet you when you're there ...

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